Sozialhilfe und Mindestsicherung 2026: Höchstsätze des Bundes und Beträge der Länder

Höchstsatz 2026 für Alleinstehende 1.229,89 Euro. Was der Bund vorgibt, warum Kinder in Wien und NÖ unterschiedlich viel bekommen und was angerechnet wird.

Eine alleinstehende Person bekommt 2026 in Österreich höchstens 1.229,89 Euro Sozialhilfe im Monat, zwölf Mal im Jahr. Mehr erlaubt das Bundesrecht nicht, weniger schon: Der Bund setzt seit 2019 nur Obergrenzen, die tatsächliche Höhe bestimmen die neun Landesgesetze.

Am deutlichsten wird das bei Kindern. Für eine Familie mit drei Kindern zahlt Wien 2026 je Kind 332,07 Euro, Niederösterreich 184,48 Euro - zusammen ein Unterschied von gut 440 Euro im Monat, bei sonst gleichen Verhältnissen.

Eckdaten zur Sozialhilfe 2026

PunktRegel
Höchstsatz Alleinstehende und Alleinerziehende1.229,89 Euro im Monat
je Erwachsenem im gemeinsamen Haushalt860,92 Euro (70 Prozent)
ab der dritten erwachsenen Person553,45 Euro (45 Prozent)
Deckel für alle Erwachsenen eines Haushalts2.152,31 Euro (175 Prozent)
KinderLandessache, keine Bundesvorgabe
Auszahlungzwölf Mal im Jahr, keine Sonderzahlungen
Schonvermögen7.379,34 Euro
nicht angerechnetFamilienbeihilfe, Kinderabsetzbetrag
Freibetrag bei neuer Arbeitbis 35 Prozent des Nettoeinkommens, höchstens zwölf Monate

Höchstsätze des Bundes nach dem Sozialhilfe-Grundsatzgesetz

Das Sozialhilfe-Grundsatzgesetz richtet sich an die Landesgesetzgebung, nicht unmittelbar an Betroffene. Nach § 5 Abs. 1 haben die Länder monatliche, zwölf Mal im Jahr gebührende Geld- oder Sachleistungen für den Lebensunterhalt und einen ausreichenden, das Maß des Notwendigen nicht überschreitenden Wohnbedarf vorzusehen.

Die Obergrenzen in § 5 Abs. 2 hängen am Netto-Ausgleichszulagenrichtsatz für Alleinstehende. Das ist der Richtsatz von 1.308,39 Euro nach § 293 ASVG abzüglich des Krankenversicherungsbeitrags, 2026 also 1.229,89 Euro:

KonstellationProzentBetrag 2026
alleinstehende oder alleinerziehende Person1001.229,89 Euro
1. und 2. erwachsene Person im Haushalt, je70860,92 Euro
ab der 3. erwachsenen Person, je45553,45 Euro
Zuschlag Alleinerziehende, 1. Kind12147,59 Euro
Zuschlag Alleinerziehende, 2. Kind9110,69 Euro
Zuschlag Alleinerziehende, 3. Kind673,79 Euro
Zuschlag Alleinerziehende, ab 4. Kind336,90 Euro
Zuschlag bei Behinderung, je Person18221,38 Euro

Die Zuschläge für Alleinerziehende dürfen die Länder gewähren, der Zuschlag bei Behinderung ist verpflichtend. Für alle Erwachsenen eines Haushalts zusammen gilt nach § 5 Abs. 4 ein Deckel von 175 Prozent, das sind 2.152,31 Euro. Wird er überschritten, kürzt das Land die Leistung jedes Erwachsenen anteilig.

Eine eigene Staffel für Kinder sah das Gesetz ursprünglich ebenfalls vor. Der Verfassungsgerichtshof hat sie aufgehoben, kundgemacht in BGBl. I Nr. 108/2019. Seither legen die Länder die Kinderbeträge selbst fest.

Beträge der Länder: Wien und Niederösterreich im Vergleich

Wie weit die Länder auseinanderliegen, zeigen die Richtsätze 2026 der beiden größten Bundesländer. Bei den Erwachsenen schöpfen beide den Bundesrahmen aus, bei den Kindern nicht:

WienNiederösterreich
alleinstehend, Mietwohnung1.229,89 Euro1.229,89 Euro
je Erwachsenem in Haushaltsgemeinschaft860,92 Euro860,92 Euro
Kind bei einem Kind332,07 Euro307,47 Euro
je Kind bei zwei Kindern332,07 Euro245,98 Euro
je Kind bei drei Kindern332,07 Euro184,48 Euro
je Kind ab fünf Kindern332,07 Euro147,59 Euro

Wien zahlt je Kind denselben Betrag, Niederösterreich staffelt nach der Kinderzahl. Bei fünf Kindern beträgt der Unterschied rund 920 Euro im Monat.

Ein zweiter Unterschied liegt beim Wohnen. Niederösterreich teilt den Richtsatz in einen Anteil für den Lebensunterhalt und einen für den Wohnbedarf: Bei Alleinstehenden sind es 737,93 und 491,96 Euro. Wer in einer Eigentumswohnung lebt, bekommt nur den halben Wohnanteil, insgesamt 983,91 Euro, und wer keine Wohnkosten hat, entsprechend weniger. Wien ermittelt zusätzlich zum Mindeststandard eine Mietbeihilfe. Nach dem Sozialministerium gewähren neben Wien auch Vorarlberg, Tirol und Salzburg traditionell zusätzliche Leistungen für die Wohnkosten.

Wien führt die Leistung weiter nach dem Wiener Mindestsicherungsgesetz, Tirol hat nach Angaben des Sozialministeriums noch kein Ausführungsgesetz zum Sozialhilfe-Grundsatzgesetz. Wer die eigenen Beträge braucht, findet sie in der Richtsatzverordnung des jeweiligen Landes.

Anrechnung von Einkommen und Vermögen

Die Sozialhilfe ist eine subsidiäre Leistung. Nach § 7 des Grundsatzgesetzes werden Einkommen, Leistungen Dritter und verwertbares Vermögen angerechnet, auch solches im Ausland. Wer Ansprüche gegen andere hat, etwa auf Unterhalt, muss sie verfolgen, soweit das nicht aussichtslos oder unzumutbar ist.

Angerechnet werden unter anderem:

  • Arbeitslosengeld und Notstandshilfe. Geht ein solcher Anspruch durch eigenes Verschulden verloren, etwa durch eine Sperre, darf die Sozialhilfe höchstens die Hälfte der Lücke ausgleichen
  • das Einkommen eines unterhaltspflichtigen Angehörigen oder Lebensgefährten im selben Haushalt, soweit es dessen eigenen Richtsatz übersteigt
  • freiwillige Zuwendungen Dritter, wenn sie länger als vier Monate ununterbrochen fließen

Nicht angerechnet werden die Familienbeihilfe, der Kinderabsetzbetrag und der Kinderzuschlag, außerdem Schmerzengeld und Versehrtenrenten aus der Unfallversicherung.

Beim Vermögen bleiben bis 600 Prozent des Netto-Ausgleichszulagenrichtsatzes unangetastet, 2026 also 7.379,34 Euro. Die selbst bewohnte Wohnung oder das eigene Haus muss nicht verkauft werden. Nach drei Jahren durchgehenden Bezugs kann das Land aber verlangen, dass eine Ersatzforderung im Grundbuch sichergestellt wird.

Wer während des Bezugs eine Arbeit aufnimmt, behält nach § 7 Abs. 6 bis zu 35 Prozent des Nettoeinkommens daraus anrechnungsfrei, für höchstens zwölf Monate. Änderungen bei Einkommen oder Vermögen sind binnen eines Monats zu melden.

Antrag, Bescheid und Beschwerde

Zuständig ist je nach Bundesland die Bezirkshauptmannschaft oder der Magistrat, in Wien sind es die Sozialzentren der MA 40. Beim Antrag ist ein Verzeichnis über Einkommen und Vermögen mit Nachweisen abzugeben.

Über den Antrag ergeht ein Bescheid. Gegen ihn steht die Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht offen. Die Frist steht in der Rechtsmittelbelehrung des Bescheids und beträgt in der Regel vier Wochen.

Beratung bieten die Sozialabteilungen der Länder, die Arbeiterkammer für Beschäftigte sowie Sozial- und Wohlfahrtsorganisationen. Wer zusätzlich Pflegebedarf hat, findet die Beträge beim Pflegegeld, für Eltern in Karenz gilt das Kinderbetreuungsgeld.

Quellen

Abgerufen am 14.10.2026.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist die Sozialhilfe 2026?

Für eine alleinstehende Person höchstens 1.229,89 Euro im Monat, zwölf Mal im Jahr. Das ist der Netto-Ausgleichszulagenrichtsatz, an dem alle Höchstsätze hängen. Für zwei Erwachsene im selben Haushalt sind es je 860,92 Euro. Die Länder dürfen darunter bleiben.

Heißt es Mindestsicherung oder Sozialhilfe?

Seit dem Sozialhilfe-Grundsatzgesetz 2019 heißt die Leistung bundesrechtlich Sozialhilfe. Die Länder verwenden eigene Namen, etwa Sozialunterstützung. Wien gewährt sie weiter als Wiener Mindestsicherung.

Wie viel bekommt man für Kinder?

Das bestimmt jedes Land selbst, weil der Verfassungsgerichtshof die Bundesvorgabe für Kinder 2019 aufgehoben hat. 2026 zahlt Wien 332,07 Euro je Kind, Niederösterreich 307,47 Euro für ein Kind und bei drei Kindern 184,48 Euro je Kind.

Wie viel Vermögen darf man haben?

Bis 600 Prozent des Netto-Ausgleichszulagenrichtsatzes, 2026 also 7.379,34 Euro, bleiben als Schonvermögen unangetastet. Die selbst bewohnte Wohnung muss nicht verwertet werden, nach drei Jahren Bezug kann aber eine Sicherstellung im Grundbuch verlangt werden.

Wird die Familienbeihilfe angerechnet?

Nein. Familienbeihilfe, Kinderabsetzbetrag und Kinderzuschlag bleiben nach § 7 Abs. 4 Sozialhilfe-Grundsatzgesetz anrechnungsfrei. Arbeitslosengeld und Notstandshilfe werden dagegen voll angerechnet.

Was passiert, wenn ich während des Bezugs eine Arbeit annehme?

Vom Nettoeinkommen aus der neuen Arbeit bleiben bis zu 35 Prozent anrechnungsfrei, für höchstens zwölf Monate. Der Rest wird auf die Sozialhilfe angerechnet.

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