Raiffeisen: Warum es den einen Raiffeisen-Preis nicht gibt
Raiffeisen ist kein Institut, sondern eine Gruppe eigenständiger Banken mit eigenem Preisblatt. Kontopreise aus sieben Instituten und die Einlagensicherung.
Ein Girokonto bei Raiffeisen kostet 2,99 Euro im Monat. Oder 3,73. Oder 3,77, oder 3,85, oder 8,58 Euro im Quartal. Alle diese Preise sind richtig - sie stammen nur von verschiedenen Banken, die alle Raiffeisen heißen. Und sie sind unterschiedlich alt: Der jüngste geprüfte Aushang stammt von Juli 2026, der älteste vom 1. Jänner 2019.
Zwei Raiffeisenbanken in Niederösterreich, beide unter derselben Landesbank, führen beide ein „Bonus-Konto PREMIUM”: Bei der einen kostet es 24,31 Euro im Monat, bei der anderen 26,90. Die jeweils nächstgünstigere Stufe heißt nicht einmal gleich. Wer wissen will, was sein Konto kostet, kommt an der Entgeltinformation seiner eigenen Bank nicht vorbei.
Drei Stufen, rund 276 Institute
Der Österreichische Raiffeisenverband beschreibt es unmissverständlich: Die Organisation ist „kein Konzern sondern eine Gruppe von rund 1.700 selbständig vor Ort tätigen Genossenschaften”.
Der Bankenteil ist dreistufig aufgebaut. Die Basis bilden die selbstständigen Raiffeisenbanken, jede eine eingetragene Genossenschaft mit eigener Firmenbuchnummer. Die Raiffeisenbank Tux etwa firmiert als Raiffeisenbank Tux eGen, FN 39646d beim Landes- als Handelsgericht Innsbruck, mit eigener Bankleitzahl und eigenem BIC. Die zweite Stufe sind acht Raiffeisenlandesbanken, die dritte die Raiffeisen Bank International als Zentralinstitut.
Die Eigentumsverhältnisse laufen von unten nach oben, was das Gegenteil der üblichen Konzernlogik ist. Die RBI formuliert es so: Die acht regionalen Raiffeisenbanken gehören den örtlichen Raiffeisenbanken, und diese gehören rund 1,4 Millionen Mitgliedern, überwiegend Privatpersonen. Die Landesbanken halten zusammen 61,17 Prozent an der RBI, den Rest hält der Streubesitz - zum 31. Dezember 2025 rund 39 Prozent. Größter Einzelaktionär ist die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien mit 25,00 Prozent.
Wie viele Institute es genau sind, sagt Raiffeisen selbst unterschiedlich. Der Raiffeisenverband nennt 276 selbstständige Raiffeisenbanken, die RBI spricht auf ihrer Konzernseite von 270, die Vorarlberger Seite von raiffeisen.at von „fast 400 selbstständigen Raiffeisenbanken mit rund 2.000 Bankstellen”, während dieselbe Domain an anderer Stelle „mehr als 1.500 Bankstellen” nennt. Auch die Kundenzahl schwankt je nach Quelle zwischen 4,4 und 4,7 Millionen, die Mitarbeiterzahl zwischen 26.800 und rund 32.400. Weil die Zahl der Institute durch Fusionen seit Jahren sinkt, ist die höhere Angabe vermutlich veraltet - nachweisen lässt sich das aber nicht.
Sieben Institute, sieben Preisblätter
Alle folgenden Angaben stammen aus der Entgeltinformation oder dem Konditionenaushang des jeweiligen Instituts:
| Institut | Kontoname | Kontoführung |
|---|---|---|
| Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien | Mein Bonus Gehalts- und Pensionskonto SMART | 2,99 Euro im Monat |
| Raiffeisenbank Wiener Alpen | Bonus-Konto DIREKT | 3,73 Euro im Monat |
| Raiffeisenbank Wr. Neustadt-Schneebergland | Bonus-Konto DIREKT | 3,77 Euro im Monat |
| Raiffeisenbank Tux | „das Klassische” | 3,85 Euro im Monat |
| Raiffeisenbank am Kumma | Gehaltekonto Tradition | 3,98 Euro im Quartal |
| Raiffeisenbank Weissaachtal | Girokonto Standard | 6,42 Euro im Quartal |
| Raiffeisenbank Eggenburg | Konto Einzelverrechnung | 8,58 Euro im Quartal |
Schon die Spalte rechts zeigt das eigentliche Problem: Drei verschiedene Abrechnungsformen laufen nebeneinander - monatlich, quartalsweise, und bei manchen Instituten monatlich ausgewiesen, aber quartalsweise verrechnet. Ein Vergleich, der die Beträge einfach nebeneinanderstellt, vergleicht 3,98 Euro im Quartal mit 3,85 Euro im Monat, also 15,92 mit 46,20 Euro im Jahr.
Auch die Produktnamen taugen nicht als Orientierung. Was bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien „Bonus-Konto JUGEND” heißt, führt Eggenburg als „Jugendkonto”, Tux als „Club-Konto bis 24 gratis”. Ein Vergleichsportal, das eine Zeile „Raiffeisen Jugendkonto” anlegt, erfindet ein Produkt.
Zwei Nachbarbanken, ein Produktname
Der schärfste Beleg braucht keine zwei Bundesländer. Die Raiffeisenbank Wiener Alpen und die Raiffeisenbank Wr. Neustadt-Schneebergland liegen beide in Niederösterreich, gehören zur selben Landesbank und haben beide 2026 einen aktuellen Aushang.
Beim gleich benannten Bonus-Konto DIREKT liegen sie mit 3,73 und 3,77 Euro fast gleichauf. Beim ebenfalls gleich benannten Bonus-Konto PREMIUM trennen sie 24,31 gegen 26,90 Euro im Monat - gut 31 Euro im Jahr. Und die mittlere Stufe heißt bei der einen Bank ONLINE und kostet 8,82 Euro, bei der anderen KOMPAKT und kostet 12,90 Euro.
Gleicher Name, gleiche Region, gleiche Landesbank, verschiedene Preise und verschiedene Produktzuschnitte. Deutlicher lässt sich nicht zeigen, dass „Raiffeisen” keine Preisangabe ist.
Mein ELBA kostet nicht überall gleich viel
Selbst das gemeinsame Online-Banking ist keine Konstante. Bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien ist Mein ELBA Premium in allen drei Kontomodellen mit 0,00 Euro ausgewiesen; für die Ausbaustufe Premium Plus nennen die Preisblätter 3,09 beziehungsweise 3,28 Euro im Monat, der Konditionenaushang für das Paket sogar 7,18 Euro. Schon innerhalb eines Instituts ist der Preis also nicht eindeutig.
Bei den Raiffeisenbanken Wiener Alpen und Wr. Neustadt-Schneebergland kostet dieselbe Stufe 1,27 beziehungsweise 1,35 Euro.
Bei der Raiffeisenbank Tux kostet dagegen schon die Basisstufe: Mein ELBA Basis 1,17 Euro, Premium 1,75 Euro im Monat. Bei anderen Instituten ist ELBA Basis oder ELBA Standard mit 0,00 Euro ausgewiesen. Es gibt also weder einen einheitlichen Preis noch eine einheitliche Bezeichnung der Ausbaustufen.
Die Einlagensicherung heißt hier anders
Für Einlagen bei Raiffeisenbanken ist nicht die Einlagensicherung AUSTRIA zuständig, sondern die Österreichische Raiffeisen-Sicherungseinrichtung eGen mit Sitz Am Stadtpark 9 in 1030 Wien. Der Informationsbogen für den Einleger nennt sie als einzige Einrichtung.
Gesichert sind 100.000 Euro pro Einleger und pro Kreditinstitut; alle bei demselben Institut gehaltenen Einlagen werden addiert. Für zeitweilig erhöhte Einlagen, etwa nach einem Hausverkauf, ist eine Deckung bis 500.000 Euro vorgesehen - allerdings nur auf gesonderten Antrag binnen zwölf Monaten, was leicht übersehen wird.
Dazu kommt ein institutsbezogenes Sicherungssystem: Laut Informationsbogen sind die Banken Teil eines Systems, „in dem sich alle Mitglieder gegenseitig unterstützen, um eine Insolvenz zu vermeiden”. Das setzt eine Stufe vor der Entschädigung an. Auf Landesebene bestehen zusätzlich eigene Einrichtungen, etwa der Solidaritätsverein der Tiroler Raiffeisen-Geldorganisation.
Die Kundengarantiegemeinschaft ist Geschichte
Ein Punkt, der in älteren Bankenportraits als Zusatzsicherheit auftaucht, existiert nicht mehr. Die 1998 eingeführten Raiffeisenkundengarantiegemeinschaften wurden mit Wirkung zum 30. September 2019 beendet. Die Mitteilung ist eindeutig: Die Haftung „für alle Forderungen aus Ihrer Geschäftsbeziehung” endete zu diesem Stichtag.
Begründet wurde das damit, dass die gesetzliche Einlagensicherung inzwischen bei 100.000 Euro liegt und gemeinsame Sicherungssysteme bestehen; die Kundengarantiegemeinschaften hätten damit „ihre ursprüngliche Bedeutung verloren”.
Eine Nuance bleibt wichtig: Guthaben, die am Stichtag bestanden, fallen weiterhin unter die Haftung. Spätere Erhöhungen und nach dem 30. September 2019 begründete Geschäftsbeziehungen sind nicht mehr umfasst. Wer also seit Jahrzehnten Kunde ist, hat unter Umständen einen Altbestand mit anderer Rechtslage als sein neu eröffnetes Konto.
Was die RBI macht
Die Raiffeisen Bank International AG, FN 122119m beim Handelsgericht Wien, wird häufig mit „Raiffeisen” gleichgesetzt, weil sie die einzige börsennotierte Einheit der Gruppe ist und in den Wirtschaftsnachrichten vorkommt.
Für Privatkunden in Österreich ist sie in aller Regel nicht der Vertragspartner. Sie ist Zentralinstitut der Landesbanken und betreut im Inland das Kommerzkunden- und Investmentbanking-Geschäft, also Großkunden statt Privatkunden. Ihre rund 1.300 Geschäftsstellen mit 42.000 Mitarbeitenden und 18,6 Millionen Kunden liegen zum Jahresende 2025 fast alle in Zentral- und Osteuropa.
Für das Girokonto in einer österreichischen Gemeinde heißt das: Ihr Vertragspartner ist die örtliche Genossenschaft, nicht die Aktiengesellschaft an der Wiener Börse.
Depot und Wertpapiere
Beim Wertpapierdepot setzt sich die Streuung fort, und zwar noch stärker als beim Konto. Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien rechnet im Flex Depot SMART online mit einem reinen Prozentsatz von 0,75 Prozent bei mindestens 19 Euro. Die Raiffeisenbank Region Wiener Alpen verlangt dagegen 10,98 Euro plus einen Prozentsatz vom Kurswert, der je nach Depotmodell zwischen 0,700 und 0,400 Prozent liegt - eine andere Tarifform, nicht nur ein anderer Preis. Der Raiffeisenverband Salzburg wiederum arbeitet mit einem Monatsgrundpreis.
Der vollständige Vergleich mit den anderen österreichischen Instituten steht im Vergleich der Online-Broker und in der Aufstellung der Depotkosten. Bei Wertpapieren gilt für die depotführende Raiffeisenbank wie für jedes österreichische Kreditinstitut die gesetzliche Abzugspflicht bei der Kapitalertragsteuer, samt automatischem Verlustausgleich für inländische Einzeldepots.
Wo die Angaben auseinandergehen
Drei Punkte lassen sich aus den Primärquellen nicht auflösen, und sie gehören offen benannt.
Die Größe der Gruppe. 276 gegen 270 gegen fast 400 Institute, 1.500 gegen 2.000 Bankstellen, 4,4 gegen 4,7 Millionen Kunden - alle Zahlen stammen von Raiffeisen selbst, teils von derselben Domain. Eine einzelne belastbare Zahl gibt es nicht; verwendbar ist nur die des Raiffeisenverbands, und die trägt keinen Stichtag.
Mehrere Konten bei mehreren Raiffeisenbanken. Der Informationsbogen sagt „pro Einleger pro Kreditinstitut” und dass Einlagen „bei demselben Kreditinstitut” addiert werden. Dass zwei verschiedene Raiffeisenbanken zwei getrennte Deckungen ergeben, steht dort nicht ausdrücklich. Wer darauf bauen will, sollte es vorab bei der Sicherungseinrichtung klären.
Befristete Rabatte, die wie Preise aussehen. Für das SMART-Konto der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien nennt die Entgeltinformation 2,99 Euro. Tatsächlich gewährt das Preisblatt darauf eine Ermäßigung von 100 Prozent, aber bis zum festen Stichtag 9. November 2026 - nicht für ein Jahr ab Eröffnung. Wer kurz davor eröffnet, hat den Rabatt nur noch wenige Wochen. Wer Preise vergleicht, sollte bei jeder Position prüfen, ob ein befristeter Rabatt dahintersteht.
Ein methodischer Hinweis für alle, die selbst nachprüfen: Die Raiffeisenlandesbank Steiermark veröffentlicht auf dem geprüften Weg kein Kontopreisblatt online. Das ist kein Abrufproblem, sondern ein Befund.
Quellen
- Österreichischer Raiffeisenverband: Struktur und Kennzahlen der Raiffeisengruppe, abgerufen 17.08.2026
- raiffeisen.at: Die Raiffeisen Bankengruppe und die abweichende Vorarlberger Darstellung, abgerufen 17.08.2026
- RBI: Eigentümerstruktur der Gruppe, Aktionärsstruktur und Impressum, abgerufen 17.08.2026
- RBI: Geschäftsbericht 2025 mit dem Streubesitz per 31.12.2025
- Information für den Einleger: Schutz von Einlagen bei den Raiffeisenbanken, abgerufen 17.08.2026
- Beendigung der Raiffeisenkundengarantiegemeinschaft, Stand 2019
- Impressum der Raiffeisenbank Tux eGen mit Firmenbuchdaten und Pflichtmitgliedschaften, abgerufen 17.08.2026
- Kontopreisblätter der sieben geprüften Institute: RLB Niederösterreich-Wien, SMART sowie Bonus-Konto KOMFORT und PREMIUM; Raiffeisenbank Wiener Alpen; Raiffeisenbank Wr. Neustadt-Schneebergland; Raiffeisenbank Eggenburg; Raiffeisenbank am Kumma
- Liste der Raiffeisenbanken der Österreichischen Raiffeisen-Sicherungseinrichtung
- Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien: Flex Depot SMART, Stand Jänner 2026 und Raiffeisenbank Wiener Alpen: Konditionenmappe Wertpapiergeschäft, Stand Jänner 2026
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Raiffeisen Girokonto?
Das lässt sich nicht allgemein beantworten, weil jede Raiffeisenbank ihr eigenes Preisblatt hat. Sieben geprüfte Institute verlangen zwischen 2,99 Euro im Monat (Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien) und 8,58 Euro im Quartal (Raiffeisenbank Eggenburg). Maßgeblich ist immer die Entgeltinformation der Bank, bei der Sie Kunde sind.
Sind alle Raiffeisenbanken eine Bank?
Nein. Der Österreichische Raiffeisenverband nennt 276 selbstständige Raiffeisenbanken, jede davon eine eingetragene Genossenschaft mit eigener Firmenbuchnummer, eigenem Vorstand und eigenem Preisblatt. Darüber stehen acht Raiffeisenlandesbanken, die den örtlichen Banken gehören, und als drittes die Raiffeisen Bank International als Zentralinstitut.
Wer sichert Einlagen bei Raiffeisen?
Die Österreichische Raiffeisen-Sicherungseinrichtung eGen, Am Stadtpark 9 in 1030 Wien - nicht die Einlagensicherung AUSTRIA. Gesichert sind 100.000 Euro pro Einleger und Kreditinstitut. Zusätzlich sind die Banken Teil eines institutsbezogenen Sicherungssystems, in dem sich die Mitglieder gegenseitig stützen, um eine Insolvenz zu vermeiden.
Gibt es die Raiffeisen-Kundengarantiegemeinschaft noch?
Nein. Die Haftung wurde mit Wirkung zum 30. September 2019 beendet. Guthaben, die zu diesem Stichtag bestanden, bleiben gedeckt; spätere Erhöhungen und danach begründete Geschäftsbeziehungen sind nicht mehr umfasst. Wer die Kundengarantiegemeinschaft heute als bestehende Zusatzsicherheit beschrieben findet, liest einen überholten Stand.
Was kostet Mein ELBA?
Auch das hängt vom Institut ab. Bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien ist Mein ELBA Premium in allen drei Kontomodellen mit 0,00 Euro ausgewiesen, die Stufe Premium Plus kostet dort je nach Kontomodell 3,09 oder 3,28 Euro. Bei der Raiffeisenbank Tux kostet bereits die Basisstufe 1,17 Euro und Premium 1,75 Euro im Monat.
Ist die RBI meine Bank?
Für Privatkunden in Österreich in aller Regel nicht. Die Raiffeisen Bank International ist das Zentralinstitut der Landesbanken und betreut im Inland das Kommerzkunden- und Investmentbanking-Geschäft, also Großkunden statt Privatkunden. Ihre rund 1.300 Geschäftsstellen liegen fast alle in Zentral- und Osteuropa.