Kreditzinsen in Österreich: Sollzins, Effektivzins, aktuelles Niveau
Aktuelle Kreditzinsen in Österreich laut OeNB, der Unterschied zwischen Soll- und Effektivzins und warum viele Banken gar keine Zinssätze nennen.
Die verbreitete Erzählung, Kredite würden nach der Zinswende wieder billiger, beschreibt das Jahr 2025. Für 2026 stimmt sie nicht mehr. Im Neugeschäft sind Wohnbaukredite in Österreich von 3,40 Prozent im Jahresdurchschnitt 2025 auf 3,54 Prozent im Juni 2026 gestiegen, Konsumkredite von 7,98 auf 8,17 Prozent. Am 17. Juni 2026 hat die EZB ihre Leitzinsen erstmals seit dem Ende des Senkungszyklus wieder angehoben.
Die zweite Zahl, auf die es ankommt, steht in keiner Werbung: Zwischen dem beworbenen Zinssatz und dem, was ein Kredit tatsächlich kostet, liegen bei österreichischen Konsumkrediten im Schnitt 93 Basispunkte.
Das aktuelle Zinsniveau
Die belastbarste Quelle für Österreich ist die Zinssatzstatistik der Österreichischen Nationalbank. Sie erfasst das tatsächlich abgeschlossene Neugeschäft aller meldepflichtigen Institute, nicht Angebote. Stand der Daten: Juni 2026, zuletzt aktualisiert am 4. August 2026.
| Kreditart | 2024 | 2025 | Juni 2026 |
|---|---|---|---|
| Wohnbau, Sollzins | 3,89 % | 3,40 % | 3,54 % |
| Wohnbau, Effektivzins | 4,33 % | 3,72 % | 3,89 % |
| Konsum, Sollzins | 8,54 % | 7,98 % | 8,17 % |
| Konsum, Effektivzins | 9,57 % | 9,04 % | 9,10 % |
Die Spalten 2024 und 2025 sind Jahresdurchschnitte, Juni 2026 ist ein Monatswert.
Innerhalb der Wohnbaukredite hat sich die Rangfolge gedreht. Lange Zinsbindung war das ganze Jahr 2025 über günstiger als kurze; seit Anfang 2026 ist es umgekehrt:
| Zinsbindung beim Wohnbaukredit | 2025 | Juni 2026 |
|---|---|---|
| bis 1 Jahr, inklusive variabler Sätze | 3,54 % | 3,49 % |
| 1 bis 5 Jahre | 3,40 % | 3,41 % |
| 5 bis 10 Jahre | 3,28 % | 3,42 % |
| über 10 Jahre | 3,38 % | 3,62 % |
Der Aufschlag für lange Sicherheit ist zurück: 13 Basispunkte gegenüber der variablen Variante. Was das für die Entscheidung bedeutet, steht beim Fixzinskredit.
Sollzins gegen Effektivzins
Das ist der Punkt, an dem Vergleiche unvergleichbar werden. Beide Zahlen stehen in jedem Kreditangebot, und sie messen Verschiedenes.
Der Sollzins ist der reine Preis für das geliehene Geld. Die OeNB weist ihn getrennt aus und schreibt dazu ausdrücklich, in diesem Zinssatz seien „nur etwaige unterjährige Zinskapitalisierungen, aber keine sonstigen Kosten enthalten”.
Der effektive Jahreszins ist gesetzlich definiert. Nach § 2 Abs 7 VKrG drückt er „die Gesamtkosten des Kredits für den Verbraucher als jährlichen Prozentsatz des Gesamtkreditbetrags” aus. Und die Gesamtkosten sind laut § 2 Abs 5 VKrG „sämtliche Kosten einschließlich der Zinsen, Provisionen etwa für die Vermittlung des Kredits, Abgaben und Kosten jeder Art - ausgenommen Notariatsgebühren”.
Daraus ergibt sich eine klare Trennlinie:
| Geht in den Effektivzins ein | Bleibt draußen |
|---|---|
| Sollzinsen | Notariatsgebühren |
| Bearbeitungs- und Bereitstellungsgebühren | Kosten, die durch Ihr Verschulden entstehen (Mahnspesen, Verzugszinsen) |
| Kontoführungsentgelte, wenn das Konto Voraussetzung für den Kredit ist | Kosten, die auch ohne Kredit anfielen |
| Vermittlungsprovisionen | |
| Prämien für Versicherungen, deren Abschluss die Bank verlangt |
Ab 20. November 2026 steht dieselbe Regel in § 42 VKrG 2026, die Berechnungsformel wandert von Anhang I in Anhang III Teil I. Inhaltlich ändert sich nichts.
Was das konkret ausmacht
Zwei veröffentlichte Beispiele nach § 5 VKrG, beide von den Instituten selbst, abgerufen am 23. August 2026:
Oberbank AG, Stand der Seite 8. Juli 2026: 30.000 Euro über zehn Jahre, Sollzins 6,31 Prozent, monatliche Rate 345,03 Euro, Gesamtbelastung 41.403,16 Euro. Der effektive Jahreszins beträgt 7,62 Prozent. Die Differenz von 1,31 Prozentpunkten besteht aus einer einmaligen Bearbeitungsgebühr von 680 Euro und 6,60 Euro Kontoführung im Monat.
bank99 AG: 10.000 Euro über 60 Monate, Sollzins 6,90 Prozent variabel, Rate 200,25 Euro, Gesamtbetrag 12.015 Euro. Der effektive Jahreszins beträgt 7,72 Prozent. Hier gibt es keine Bearbeitungsgebühr, nur 1,99 Euro Kontoführung im Monat - der Abstand bleibt trotzdem bei 0,82 Prozentpunkten.
Die Lehre daraus ist unbequem: Ein Angebot mit 6,31 Prozent kann teurer sein als eines mit 6,90 Prozent. Nur der Effektivzins ist vergleichbar, und auch er nur bei gleichem Betrag und gleicher Laufzeit.
Warum die Zinsen wieder steigen
Der Ausgangspunkt für variable Kredite ist der Leitzins. Die EZB hat ihn zuletzt so bewegt:
| Gültig ab | Einlagefazilität | Hauptrefinanzierung |
|---|---|---|
| 12.03.2025 | 2,50 % | 2,65 % |
| 23.04.2025 | 2,25 % | 2,40 % |
| 11.06.2025 | 2,00 % | 2,15 % |
| 17.06.2026 | 2,25 % | 2,40 % |
Nach drei Senkungen folgte im Juni 2026 eine Anhebung um 25 Basispunkte. Wer heute auf einen Text stößt, der von weiteren Senkungen ausgeht, sollte dessen Datum prüfen.
Für Ihren Kreditvertrag zählt allerdings nicht der Leitzins, sondern der EURIBOR. Variable Kredite in Österreich sind fast immer an den 3-Monats- oder 6-Monats-EURIBOR gebunden, zuzüglich eines Aufschlags, der über die gesamte Laufzeit gleich bleibt. Stand 21. August 2026:
| Laufzeit | EURIBOR |
|---|---|
| 1 Monat | 2,216 % |
| 3 Monate | 2,524 % |
| 6 Monate | 2,765 % |
| 12 Monate | 3,003 % |
Der Aufschlag ist die eigentliche Verhandlungsmasse. Bank Austria nennt in ihrem Wohnkredit-Beispiel einen Aufschlag von 1,125 Prozentpunkten auf den 3-Monats-EURIBOR. Was Sie am Referenzsatz nicht ändern können, können Sie am Aufschlag versuchen.
Was die Banken tatsächlich veröffentlichen
Hier wird es interessant. Von den geprüften österreichischen Instituten nennt die Mehrheit in ihren eigenen Unterlagen überhaupt keinen Zinssatz.
| Institut | Was im Preisblatt steht |
|---|---|
| Erste Bank | Konditionenaushang 3.300, Ausgabe 15.09.2025: nur Nebenentgelte wie Sicherheitenänderung 300 Euro oder Ratenstundung 250 Euro. Kein Zinssatz |
| BAWAG P.S.K. AG | Preisblatt für Verbraucherkredite, Stand 22.09.2025: Stundungsentgelt 50 Euro, Vertragsänderung 300 Euro, Mahnung 20 Euro. Kein Zinssatz |
| Santander Consumer Bank GmbH | wörtlich: „Der Sollzinssatz ist bonitätsabhängig.” Kein Beispiel nach § 5 VKrG |
| Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG | wörtlich: „Die Zinssätze richten sich nach Kreditbetrag, Laufzeit und Bonität.” |
Zwei Dinge folgen daraus. Erstens: Wenn ein Vergleichsportal für diese Institute einen Zinssatz nennt, stammt er nicht aus deren Preisblatt. Zweitens: Bei einer Bank, die nichts veröffentlicht, ist das erste Angebot ein Angebot, keine Kondition.
Zwei Institute sind ohnehin eines. Das Impressum von easybank.at nennt als Rechtsträger die BAWAG P.S.K. AG, Firmenbuchnummer 205340x; das als „easy kredit”-Konditionenblatt verlinkte Dokument ist dasselbe BAWAG-Preisblatt. Wer beide nebeneinander in einen Vergleich stellt, zählt eine Bank doppelt.
Dasselbe gilt für Gruppennamen. „Raiffeisen-Kreditzinsen” gibt es nicht: Jede Raiffeisenbank ist ein eigenes Institut mit eigenen Konditionen, und die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich veröffentlicht keine.
Worauf es beim Vergleich ankommt
Vergleichen Sie Effektivzinsen, und nur bei gleichem Betrag und gleicher Laufzeit. Ein Effektivzins ist immer für genau eine Konstellation berechnet. Verschiebt sich die Laufzeit, verschiebt sich der Effektivzins, weil sich einmalige Gebühren auf mehr oder weniger Monate verteilen.
Prüfen Sie Aktionsbedingungen im Kleingedruckten. Bank Austria wirbt mit einem Aktionszinssatz von 5,50 Prozent variabel. Die Fußnote schränkt ihn ein, wörtlich: Er „gilt nur für einen Kreditbetrag von 5.000 Euro bei einer Laufzeit von bis zu 5 Jahren und ist nur einmal pro Kreditneukund:in gültig”. Die Standardkondition derselben Bank liegt bei 7,375 Prozent variabel.
Achten Sie auf Koppelungen. Das Fixzinsangebot ab 2,85 Prozent für Wohnkredite bei Bank Austria gilt laut Anbieter „ausschließlich in Kombination mit einem Bank Austria Girokonto”. Solche Bedingungen gehen in den Effektivzins ein, sobald das Konto Voraussetzung ist - aber nur die Bank, die es so ausweist, macht das sichtbar.
Rechnen Sie in Euro, nicht in Prozent. Ein Prozentpunkt Unterschied klingt klein. Bei 250.000 Euro über 25 Jahre sind es je nach Zinsniveau einige zehntausend Euro über die Laufzeit. Wie sich das über die Jahre verteilt, zeigt der Tilgungsplan.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch sind die Kreditzinsen in Österreich aktuell?
Im Neugeschäft lagen die Zinssätze im Juni 2026 laut Österreichischer Nationalbank bei 3,54 Prozent für Wohnbaukredite und 8,17 Prozent für Konsumkredite. Als Effektivzinssatz, also inklusive Nebenkosten, waren es 3,89 beziehungsweise 9,10 Prozent.
Werden Kredite gerade billiger oder teurer?
Teurer. Im Jahresdurchschnitt 2025 lagen Wohnbaukredite bei 3,40 Prozent, im Juni 2026 bei 3,54 Prozent. Bei Konsumkrediten ging es von 7,98 auf 8,17 Prozent. Die EZB hat am 17. Juni 2026 ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben, nachdem sie zuvor gesenkt hatte.
Was ist der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins?
Der Sollzins ist der reine Zins auf die Kreditsumme. Der Effektivzins enthält zusätzlich alle Kosten, die die Bank Ihnen auferlegt: Bearbeitungsgebühren, Kontoführungsentgelte, Vermittlungsprovisionen und Prämien für Versicherungen, deren Abschluss Voraussetzung für den Kredit ist. Nicht enthalten sind Notariatsgebühren.
Wie groß ist der Abstand zwischen Sollzins und Effektivzins?
Bei österreichischen Konsumkrediten betrug er im Juni 2026 im Schnitt 93 Basispunkte, bei Wohnbaukrediten 35. Im Einzelfall kann er deutlich größer sein: Ein veröffentlichtes Beispiel der Oberbank kommt von 6,31 Prozent Sollzins auf 7,62 Prozent effektiv, weil 680 Euro Bearbeitungsgebühr und 6,60 Euro Kontoführung im Monat dazukommen.
Warum finde ich auf vielen Bankwebsites keine Zinssätze?
Weil sie keine veröffentlichen. Erste Bank, BAWAG P.S.K. und Santander Consumer Bank nennen in ihren Preisblättern nur Nebenentgelte, keinen Soll- oder Effektivzins. Konditionen entstehen dort erst im Gespräch, abhängig von Bonität, Betrag und Laufzeit.
Woran ist mein variabler Kreditzins gebunden?
In Österreich meist an den 3-Monats- oder 6-Monats-EURIBOR plus einem vertraglich festgelegten Aufschlag. Am 21. August 2026 lag der 3-Monats-EURIBOR bei 2,524 Prozent, der 12-Monats-EURIBOR bei 3,003 Prozent. Der Aufschlag bleibt über die Laufzeit gleich, der Referenzsatz nicht.