Online-Broker Österreich: Vergleich und Auswahl
Broker-Vergleich für Österreich: Ordergebühren und Depotkosten aus den Preisblättern, die Frage nach der KESt-Abfuhr und wie Sie den passenden auswählen.
Der wichtigste Unterschied zwischen zwei Brokern ist in Österreich nicht die Ordergebühr, sondern die Frage, ob jemand die Steuer für Sie abführt. Wer das falsch entscheidet, spart fünf Euro pro Order und verbringt dafür jeden Frühling einen Abend mit Abrechnungen.
Der zweite große Unterschied steht in keinem Vergleich, weil er unbequem ist: Die Preise österreichischer Banken lassen sich nicht nach Bankengruppe zusammenfassen. Wer „Raiffeisen” oder „Sparkasse” als eine Zeile in eine Tabelle schreibt, vergleicht etwas, das es nicht gibt.
Die Frage, die den Preis schlägt
Ein steuereinfacher Broker behält die Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent ein und überweist sie ans Finanzamt. Damit ist die Sache erledigt - keine Beilage, keine Frist, kein Nachrechnen.
Rechtlich hängt das an einer einzigen Bedingung: Es muss eine inländische depotführende Stelle geben. Nach Paragraf 95 Abs. 2 EStG ist sie der Abzugsverpflichtete, und dafür genügt bereits die österreichische Zweigstelle eines EU-Kreditinstituts. Genau deshalb ist flatex über die Grazer Niederlassung steuereinfach und Trade Republic seit April 2025 über die Wiener - während Anbieter, die aus Zypern oder Irland heraus arbeiten, es nicht sein können.
Was das an Arbeit bedeutet, hängt von Ihrem Depot ab. Wer einen Welt-ETF bespart und nie verkauft, hat auch bei einem Auslandsbroker wenig zu tun. Wer Dividenden aus mehreren Ländern kassiert, thesaurierende Fonds hält und mehrfach nachkauft, sitzt an einer echten Rechenaufgabe - Details dazu in der Übersicht der steuereinfachen Broker und bei den Dividenden.
Was ein Depot wirklich kostet
Vergleiche zeigen fast immer nur die Ordergebühr. Tatsächlich zahlen Sie an drei Stellen.
Die Ordergebühr ist der sichtbare Teil. Achten Sie darauf, ob sie pauschal ist, gestaffelt oder prozentual - und ob es eine Obergrenze gibt. Ein Prozentsatz ohne Deckel wird bei großen Orders schnell teuer.
Die Depotgebühr ist der stille Teil. Österreichische Banken verlangen meist einen Prozentsatz des Depotwerts mit Mindestbetrag je Position. Das trifft besonders breit gestreute Depots mit vielen kleinen Positionen: Wer zwanzig Titel hält, zahlt zwanzigmal den Mindestbetrag, unabhängig davon, wie klein die Position ist.
Das Verrechnungskonto ist der vergessene Teil. Der EZB-Einlagenzins liegt seit 17. Juni 2026 bei 2,25 Prozent. Wer 10.000 Euro auf einem unverzinsten Verrechnungskonto liegen lässt, verzichtet damit auf gut 200 Euro im Jahr - meist mehr, als er im selben Jahr an Ordergebühren zahlt.
Die Anbieter im Überblick
| Anbieter | Order Wien | Depotgebühr | KESt-Abfuhr |
|---|---|---|---|
| Trade Republic | 1 Euro Bestpreis, 2 Euro Direktpreis | keine ausgewiesen | Wertpapiere ja, seit 24.04.2025; Krypto strittig |
| flatex | 5,90 / 9,90 / 19,90 Euro nach Volumen | kostenfrei | ja |
| Scalable Capital | 0,99 Euro über EIX, 1,99 Euro über Xetra und ab 01.09.2026 auch über gettex | keine | nein, Stand August 2026 |
| DADAT | 3,90 Euro plus 0,10 % (Provision höchstens 49,95 Euro), dazu in Wien 0,03 % Fremdspesen | 0,05 % p.a., mindestens 2,90 Euro je Position, entfällt für Privatkunden ab 01.01.2027 | ja |
| Erste Bank, DirektDepot in George | 0,22 %, mindestens 7,95 Euro | 0,232714 % p.a. zuzüglich USt, mindestens 3,84 Euro je Quartal | ja |
| easybank, easy flat Depot | ab 4,95 Euro, gestaffelt bis 69,95 Euro | 0,10 %, mindestens 4,50 Euro je Position | ja |
| Bank Austria, Internetbanking | 0,10 % eigene Spesen (mind. 8,00 Euro) plus 0,10 % fremde (mind. 4,00 Euro) | 0,235 % p.a. zuzüglich USt, mindestens 3,92 Euro je Position | ja |
| LYNX, CapTrader, MEXEM | 0,06 bis 0,15 %, Mindestgebühren 1 bis 10 Euro | keine | nein |
Stand der Preisblätter: DADAT August 2026, Bank Austria März 2026 für die Orderspesen und 1. Juli 2026 für die Depotgebühr, easybank 1. April 2026, Erste Bank November 2025 für das DirektDepot und Jänner 2026 für Selfinvest, beide Raiffeisen-Blätter Jänner 2026, flatex 6. Februar 2026. Die Konditionen ändern sich häufig - prüfen Sie vor der Eröffnung das aktuelle Preisblatt.
Lesen Sie Prozentsätze und Eurobeträge dabei genau: Die meisten österreichischen Banken nennen einen Prozentsatz mit Mindestbetrag, nicht eine Grundgebühr plus Prozentsatz. Bei Bank Austria etwa kostet eine Wien-Order über 5.000 Euro nicht 8 Euro plus 5 Euro plus Fremdspesen, sondern 8 Euro eigene und 5 Euro fremde Spesen, zusammen 13 Euro - weil der Prozentsatz die Mindestbeträge nur teilweise übersteigt.
Die Neobroker
Trade Republic ist für die meisten Privatanleger die günstigste steuereinfache Lösung: ein Euro pro Order, kostenlose Sparpläne ab einem Euro Rate, KESt-Abfuhr über die Wiener Zweigniederlassung. Der Haken liegt woanders - eingehende Depotüberträge sind ausgesetzt, es gibt keine Gemeinschafts- und Firmendepots, und bei Kryptowerten widersprechen sich die eigenen Unterlagen zur Steuerabfuhr.
flatex ist der Gegenentwurf: teurer pro Order, dafür elf ausländische Handelsplätze, Futures und Optionen, eine österreichische Niederlassung in Graz und die heimische Schlichtungsstelle im Streitfall. Bei Sparplänen lohnt der genaue Blick: Mehrere hundert ausgewählte ETFs kosten nichts, alle übrigen ETF- und Fondssparpläne 1,50 Euro je Ausführung - Aktiensparpläne dagegen ein Prozent der Rate.
Scalable Capital ist Stand August 2026 nicht steuereinfach, obwohl die österreichische Zweigniederlassung seit Jänner 2026 besteht. Achten Sie zusätzlich auf den Handelsplatz: Über die hauseigene Börse EIX kostet eine Order 0,99 Euro, über Xetra seit Juli 2026 aber 1,99 Euro - und ab 1. September 2026 gilt derselbe Preis auch für gettex. Wer die Erklärung ohnehin macht, bekommt dafür das breiteste Fonds- und Derivateangebot im Neobroker-Feld.
Die österreichischen Banken
DADAT ist der Preis-Leistungs-Sieger unter den heimischen Instituten: 3,90 Euro plus 0,10 Prozent für Wien, wobei die Provision bei 49,95 Euro gedeckelt ist; dazu kommen an der Wiener Börse 0,03 Prozent Fremdspesen. Aktiensparpläne sind kostenlos, allerdings als Gebührenersatz, den DADAT laut Fußnote jederzeit einseitig widerrufen kann. Die Depotgebühr von 0,05 Prozent entfällt für Privatkunden mit 1. Jänner 2027, für Goldbarren bleibt sie bei 0,5 Prozent bestehen. Achtung bei der Werbung: Die Website verspricht Neukunden „generell keine Depotgebühr”, das Konditionenblatt führt sie bis dahin weiter - fragen Sie nach, was für Sie gilt.
Erste Bank und George bieten drei verschiedene Modelle an, zwischen denen bei einer 5.000-Euro-Order fast der Faktor drei liegt. Das DirektDepot in George rechnet mit einem einzigen Satz für den gesamten Börsenhandel, unterscheidet also nicht zwischen Wien, Xetra und New York - für Auslandsorders ist das ein Vorteil, für kleine Wien-Orders nicht.
easybank ist der Nachfolger von Hello bank! in Österreich. Aktuell laufen drei Preisblätter parallel, die Konditionen unterscheiden sich deutlich - achten Sie darauf, welches Modell Sie eröffnen. Der Habenzins auf das Verrechnungskonto ist mit 0,00 Prozent fix ausgewiesen, dazu kommen laut Preisblatt 1,50 Euro Kontoführung im Monat. Für Neukunden wirbt easybank allerdings mit einem Entfall der Depot- und Verrechnungskontogebühren bis Ende 2028, wobei das Aktionsfenster selbst am 30. September 2026 endet - klären Sie vor der Eröffnung, was für Sie gilt.
Bank Austria trennt eigene von fremden Spesen, und beide fallen an: 0,10 Prozent eigene Spesen bei mindestens 8 Euro, dazu 0,10 Prozent fremde bei mindestens 4 Euro. Eine Wien-Order kostet damit 0,20 Prozent, mindestens aber 12 Euro. Wer telefonisch über SmartBanking ordert, zahlt ein Vielfaches: Eine Xetra-Order kostet dann 1,10 Prozent bei mindestens 63 Euro.
Warum „Raiffeisen” keine Antwort ist
Raiffeisen ist keine Bank, sondern eine Gruppe eigenständiger Landesbanken, und Sparkassen sind es ebenso. Wie groß der Unterschied ist, zeigen zwei Beispiele.
Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien verlangt im Flex Depot SMART online 0,75 Prozent bei mindestens 19 Euro - einheitlich für Österreich und das Ausland. Die Raiffeisenbank Region Wiener Alpen rechnet dagegen mit 10,98 Euro plus 0,700 Prozent, im günstigsten ihrer vier Depotmodelle mit 0,400 Prozent. Das sind nicht nur andere Preise, sondern andere Tarifmodelle.
Noch deutlicher wird es bei den Sparkassen: Beim gleich benannten Selfinvest-Depot verlangt die Erste Bank 3,99 Euro plus 0,19 Prozent, die Sparkasse Niederösterreich Mitte West 5,99 Euro plus 0,19 Prozent. Auch die Depotgebühr weicht ab.
Ein drittes Modell zeigt, wie weit die Formen auseinandergehen: Der Raiffeisenverband Salzburg rechnet weder rein prozentual noch mit Fixbetrag plus Prozentsatz, sondern mit einem Monatsgrundpreis von 9,30 Euro plus 0,020 Prozent vom Depotvolumen und zusätzlich 14,70 Euro plus 0,262 Prozent je Transaktion - im günstigeren Modell jeweils die Hälfte. Drei Landesinstitute, drei völlig verschiedene Tarifsysteme.
Wenn Sie bei Ihrer Hausbank bleiben wollen, hilft deshalb nur ein Blick in deren Preisblatt. Ein Vergleich, der „Raiffeisen: ab 19 Euro” schreibt, ist für Ihre Filiale möglicherweise schlicht falsch.
Die Auslandsbroker
LYNX, CapTrader und MEXEM sind keine eigenständigen Depotführer, sondern vermitteln an Interactive Brokers; Konto und Wertpapiere liegen in Dublin. Dafür bekommen Sie Zugang zu deutlich mehr Märkten und niedrige prozentuale Gebühren. Der Preis ist die Steuererklärung - und ein Anlegerschutz von höchstens 20.000 Euro statt einer Einlagensicherung über 100.000.
Die Unterschiede liegen im Detail: CapTrader liefert einen Performance-Bericht, der nach dem österreichisch vorgeschriebenen gleitenden Durchschnittspreis rechnet - das leistet unter diesen dreien sonst keiner. LYNX hat für Österreich gar keinen Steuerbericht. MEXEM ist mit 0,06 Prozent bei einem Euro Mindestgebühr bei kleinen Orders am günstigsten, weist für die Wiener Börse aber keinen eigenen Tarif aus und hat die widersprüchlichsten Angaben auf der eigenen Website.
eToro ist ein Sonderfall, weil dort nicht jede Kaufposition echtes Eigentum bedeutet. Ob Sie eine Aktie oder einen CFD halten, entscheidet über den Steuersatz. Bei CFDs ist die Lage besonders unübersichtlich: Der Gesetzeswortlaut ordnet sie dem progressiven Tarif zu, der Verwaltungsgerichtshof hat 2022 für die Auslandsabwicklung aber den günstigeren Sondersatz verlangt.
Wie Sie auswählen
Vier Fragen führen zur Antwort, in dieser Reihenfolge.
Wollen Sie die Steuererklärung vermeiden? Wenn ja, kommen nur steuereinfache Anbieter in Frage. Das schließt alle Vermittler von Interactive Brokers und eToro aus, und derzeit auch Scalable Capital.
Sparplan oder Einzelorders? Bei Sparplänen zählt die Gebühr je Ausführung, nicht die Ordergebühr. Ein Euro Mindestgebühr auf eine Rate von 100 Euro ist ein Prozent - jeden Monat.
Wie groß sind Ihre Orders? Unter 5.000 Euro gewinnen pauschale Modelle, darüber prozentuale mit Deckel. Ohne Deckel wird es bei fünfstelligen Beträgen unangenehm.
Brauchen Sie mehr als Aktien und ETFs? Gemeinschafts- oder Firmendepot, Optionen, Futures, Anleihen an Auslandsbörsen: Diese Anforderungen streichen die meisten Neobroker von der Liste, bevor der Preis überhaupt eine Rolle spielt.
Wenn Sie nach diesen vier Fragen zwei Anbieter übrig haben, entscheidet der Rest: Wo sitzt der Vertragspartner, welches Recht gilt im Streitfall, und gibt es eine Schlichtungsstelle in Österreich.
Quellen
- Paragraf 95 EStG: Abzugsverpflichteter
- DADAT: Konditionenblatt und Wertpapierdepot
- Erste Bank: Gebührenblatt DirektDepot und Preismodelle in George
- Sparkasse Niederösterreich: Konditionenblatt Selfinvest Depot zum Vergleich mit dem gleich benannten Modell der Erste Bank
- easybank: Preisblatt easy flat Wertpapierdepot
- Bank Austria: Konditionen OnlineTrader für die Orderspesen und Preise im Wertpapiergeschäft für die Depotgebühr
- Erste Bank: Konditionenblatt Selfinvest Depot
- Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien: Flex Depot SMART
- Raiffeisenverband Salzburg: Konditionen Wertpapierdepot
- BAWAG Group: Abschluss der Übernahme von Hello bank! Austria
Häufig gestellte Fragen
Welcher Broker ist der günstigste für Österreich?
Für Sparpläne und mittlere Ordergrößen Trade Republic mit 1 Euro pro Bestpreis-Order und kostenlosen Sparplänen. Für den direkten Handel an ausländischen Börsen sind die Interactive-Brokers-Vermittler günstiger. Bei österreichischen Banken hängt es stark vom Institut ab: Eine Wien-Order über 5.000 Euro kostet bei easybank rund 10 Euro und bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien 37,50 Euro.
Was bedeutet steuereinfach?
Der Broker behält die Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent ein und führt sie ab. Möglich ist das nur, wenn eine inländische depotführende Stelle existiert - dafür genügt nach Paragraf 95 Abs 2 EStG auch die österreichische Zweigstelle eines EU-Kreditinstituts. Ohne sie deklarieren Sie Ihre Kapitalerträge selbst über die Beilage E1kv.
Gibt es Hello bank! in Österreich noch?
Nein. Die BAWAG hat Hello bank! Austria am 1. Dezember 2021 von BNP Paribas übernommen; rund 80.000 Kunden und über acht Milliarden Euro Kundenvermögen sind übergegangen. Die Marke lief laut BAWAG noch eine Übergangszeit weiter und wurde danach auf easybank umgestellt. Wer heute einen Vergleich mit Hello bank! liest, liest einen veralteten Stand.
Was kostet ein Depot bei einer österreichischen Bank?
Meist ein Prozentsatz des Depotwerts mit Mindestbetrag je Position, jeweils zuzüglich Umsatzsteuer. Bank Austria verlangt 0,235 Prozent pro Jahr bei mindestens 3,92 Euro je Position, Erste Bank 0,232714 Prozent bei mindestens 3,84 Euro je Quartal, also 15,36 Euro im Jahr. DADAT streicht die Depotgebühr für Privatkunden mit 1. Jänner 2027, für Goldbarren bleibt sie bestehen. Bei flatex und Scalable Capital fällt keine an; Trade Republic weist in der Preisübersicht keine aus.
Kann ich Raiffeisen oder Sparkasse pauschal vergleichen?
Nein, und das ist keine Formalie. Die Landesbanken und Sparkassen sind eigenständige Institute mit eigenen Preisblättern. Beim gleich benannten Selfinvest-Depot verlangt die Sparkasse Niederösterreich Mitte West 5,99 Euro plus 0,19 Prozent, die Erste Bank 3,99 Euro plus 0,19 Prozent. Zwischen zwei Raiffeisen-Landesbanken unterscheiden sich sogar die Tarifmodelle.
Bekomme ich Zinsen auf das Verrechnungskonto?
Bei den österreichischen Banken meist nicht. DADAT und easybank weisen ausdrücklich 0,00 Prozent aus, flatex ebenfalls. Zinsen gibt es bei den Neobrokern, dort allerdings als freiwillige und kurzfristig kündbare Leistung.