Erste Bank und Sparkassen: Ein Kontoname, verschiedene Preise
Das s Komfort Konto kostet je nach Sparkasse 21,24 bis 34,65 Euro im Quartal. Warum das so ist, was einheitlich bleibt und wer hinter der Marke steht.
Zwei österreichische Institute, dasselbe Produkt, dieselbe Preisbasis vom 1. Juli 2026: Bei der Erste Bank kostet das s Komfort Konto 21,24 Euro im Quartal, bei der Steiermärkischen Sparkasse 34,65 Euro. Das sind 53,64 Euro Unterschied im Jahr, bei identischem Namen und identischer Beschreibung im Aushang.
Das ist kein Versehen und kein Sonderfall, sondern die Folge der Struktur: „Sparkasse” ist kein Institut, sondern eine Marke, unter der 48 rechtlich eigenständige Banken auftreten. Jede legt ihre Entgelte selbst fest. Wer einen Preis für „die Sparkasse” nennt, nennt bestenfalls den Preis einer von 48.
48 Banken, ein Markenauftritt
Die Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG und die regionalen Sparkassen bilden eine Gruppe, keine Bank. Das Factsheet des Österreichischen Sparkassenverbands für 2026 nennt 48 Institute mit 732 Filialen, 4,3 Millionen Kunden und 16.844 Mitarbeitenden.
Gemeinsam sind die Marke, die Produktnamen und die technische Plattform George. Getrennt sind Rechtsform, Eigentümer und Preisblatt. Genau diese Kombination erzeugt den Irrtum: Weil das Produkt überall gleich heißt, wird angenommen, es koste überall gleich viel.
Der Preisvergleich, den es offiziell nicht gibt
Vier Institute, dieselbe Preisbasis 1. Juli 2026, jeweils aus dem eigenen Konditionenaushang:
| Institut | s Komfort Konto | s Kompakt Konto |
|---|---|---|
| Erste Bank | 21,24 Euro | 11,67 Euro |
| Sparkasse Oberösterreich | 29,41 Euro | 11,67 Euro |
| Kärntner Sparkasse | 30,62 Euro | 11,67 Euro |
| Steiermärkische Sparkasse | 34,65 Euro | 11,67 Euro |
Alle Beträge pro Quartal. Beim s Komfort Konto ist jeweils eine Debitkarte in der Kontoführung enthalten.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Das Komfort Konto der Kärntner Sparkasse ist seit 8. September 2025 für Neukunden geschlossen; die 30,62 Euro gelten für Bestandskunden. Und die Salzburger Sparkasse verlinkt auf ihrer eigenen Seite Dokumente der Erste Bank, weil sie laut Informationsbogen eine Marke der Erste Bank ist - für sie gelten damit deren 21,24 Euro.
Der Grundpreis ist aber nicht die ganze Rechnung, und hier dreht sich das Bild teilweise um. Wer regelmäßig an den Schalter geht, zahlt ausgerechnet beim teuersten Grundpreis am wenigsten:
| Erste Bank | Sparkasse OÖ | Steiermärkische | |
|---|---|---|---|
| Bargeldbehebung am Schalter | 2,82 Euro | 1,60 Euro | 1,56 Euro |
| Kontoauszug am Schalter | 2,82 Euro | inkludiert | 2,35 Euro |
| Sollzins bei zugelassener Überschreitung | 9,875 Prozent | nicht ausgewiesen | 11,000 Prozent |
Die Steiermärkische verlangt 63 Prozent mehr Grundgebühr als die Erste Bank, aber nur 55 Prozent von deren Schalterentgelt für eine Bargeldbehebung. Ob sich das lohnt, ist damit allerdings noch nicht gesagt - und die Rechnung fällt anders aus, als der erste Blick nahelegt.
Gegen die Erste Bank kippt sie früh: Die um 13,41 Euro höhere Quartalsgebühr ist bei 1,26 Euro Ersparnis je Behebung nach rund elf Schalterbehebungen im Quartal wettgemacht. Gegen die Sparkasse Oberösterreich dagegen praktisch nie: Dort beträgt der Vorsprung bei der Behebung nur vier Cent, der Rückstand bei der Grundgebühr aber 5,24 Euro im Quartal - der Ausgleich käme erst bei rund 131 Behebungen im Quartal, also mehr als vierzig im Monat.
Wer regelmäßig an den Schalter geht, ist unter diesen drei Häusern also bei der Sparkasse Oberösterreich am günstigsten, nicht bei der Steiermärkischen. Der methodische Punkt bleibt: Ein Vergleich, der nur die Kontoführung nebeneinanderstellt, greift zu kurz, selbst wenn er die Institute korrekt auseinanderhält.
Wo die Preise dann doch einheitlich sind
Der Befund fällt nicht in eine Richtung aus, und das ist die eigentliche Pointe. Beim s Kompakt Konto kostet die Kontoführung bei allen vier geprüften Instituten exakt 11,67 Euro im Quartal, und auch der Buchungsposten am Schalter liegt überall bei 4,55 Euro.
Die Streuung betrifft also nicht die gesamte Produktpalette, sondern das gehobene Kontomodell. Für die Praxis heißt das: Beim Einstiegskonto deutet vieles auf einen einheitlichen Preis hin - geprüft sind allerdings vier von 48 Instituten, ein bundesweiter Beleg ist das nicht. Beim Komfortmodell ist die Streuung dagegen eindeutig. Wer wechselt oder umzieht, sollte den Aushang der neuen Bank ansehen.
Zwei Aktiengesellschaften, eine Adresse
Ihr Vertragspartner als Privatkunde ist die Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG, Am Belvedere 1 in 1100 Wien, FN 286283f beim Handelsgericht Wien, UID ATU63358299, BIC GIBAATWWXXX, Bankleitzahl 20111. Sie ist ein konzessioniertes Kreditinstitut nach Paragraf 1 Bankwesengesetz und gehört zu 100 Prozent der Erste Group Bank AG.
Die Erste Group Bank AG ist die börsennotierte Konzernmutter. Sie hat eine andere Firmenbuchnummer (33209m) und eine andere UID (ATU15361506), sitzt aber an derselben Adresse.
Diese Konstellation ist eine verlässliche Fehlerquelle: Eine Suche nach „Erste Bank” liefert bevorzugt die Daten der Holding. Wer FN 33209m der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG zuordnet, verwechselt zwei Aktiengesellschaften. Beide werden von der Europäischen Zentralbank und der FMA beaufsichtigt, was die Unterscheidung nicht erleichtert, sie aber nicht überflüssig macht.
Die Einlagensicherung ist hier eine andere
Dieser Punkt unterscheidet Erste Bank und Sparkassen von praktisch allen anderen österreichischen Instituten, und er wird in Vergleichen regelmäßig falsch dargestellt.
Einlagen bei Erste Bank und Sparkassen sind nicht über die Einlagensicherung AUSTRIA gedeckt. Die Gruppe betreibt ein eigenes institutsbezogenes Sicherungssystem, den Haftungsverbund, der seit 1. Jänner 2019 als gesetzliches Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungssystem anerkannt ist.
An der Höhe ändert das nichts: gesichert sind 100.000 Euro pro Kunde und Bank, in bestimmten Fällen bis 500.000 Euro. Der Unterschied liegt in der Einrichtung und in der Mechanik. Der Haftungsverbund enthält laut eigener Darstellung ein Früherkennungssystem, das wirtschaftliche Schwierigkeiten eines Mitglieds erkennen und mit Kapital- oder Liquiditätsunterstützung gegensteuern soll - also einen Schritt vor dem Entschädigungsfall.
Ein praktischer Nebeneffekt der Gruppenstruktur: Die Deckung gilt „pro Kund:in und Bank”. Weil die Sparkassen eigenständige Institute sind, ist ein Guthaben bei zwei verschiedenen Sparkassen rechtlich etwas anderes als ein Guthaben bei zwei Marken desselben Instituts, wie es etwa bei easybank und BAWAG der Fall ist. Dass daraus zwei getrennte Deckungen folgen, sagt der Informationsbogen allerdings nicht ausdrücklich - wer darauf baut, klärt es besser vorab bei der Sicherungseinrichtung.
George kostet nichts, und Preisstufen gibt es nicht
George ist die gemeinsame Banking-Plattform der Gruppe, und in Vergleichen kursieren Preisstufen dafür - „George Basis”, „George Plus”, „George Premium”. Im Konditionenblatt existieren sie nicht.
Belegt sind ein Entgelt von 7,43 Euro im Monat für Kommerzkonten, ein Archiv-Plug-in um 0,99 Euro im Monat und ein George-Abo Premium um 0,49 Euro, das für Neuabschlüsse gesperrt ist. Für Privatkonten ist George in der Kontoführung enthalten. Auch der Kontoauszug über George ist bei allen geprüften Instituten inkludiert.
Für junge Kunden gibt es spark7. Der Aushang führt es bis zum 19. Geburtstag und danach für Studierende bis 27 beziehungsweise 30 weiter; im Anschluss stellt die Bank automatisch auf das s Plus Konto um. Welcher Preis dann gilt, hängt wieder am Institut.
Die Gruppe in Zahlen
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Institute | 48 |
| Filialen | 732 |
| Kunden | 4,3 Millionen |
| Mitarbeitende | 16.844 |
| Kundeneinlagen | 119,1 Mrd. Euro |
| Kundenkredite | 105,6 Mrd. Euro |
| Ergebnis vor Steuern | 1,685 Mrd. Euro |
Quelle ist das Factsheet 2026 des Österreichischen Sparkassenverbands mit Stichtag Dezember 2025.
Das Verhältnis von Krediten zu Einlagen liegt bei 88,7 Prozent. Die Gruppe verleiht also weniger, als sie an Kundeneinlagen hereinnimmt - ein Wert, der für die Refinanzierungslage aussagekräftiger ist als jede Filialzahl.
Depot und Wertpapiere
Beim Depot wiederholt sich das Muster. Das gleichnamige Selfinvest Depot kostet bei der Erste Bank 3,99 Euro plus 0,19 Prozent vom Kurswert, bei der Sparkasse Niederösterreich Mitte West dagegen 5,99 Euro plus denselben Prozentsatz. Dazu kommt eine Vieltrader-Stufe, die bereits in der Fassung vom 1. Jänner 2026 stand: Ab 15 Transaktionen im Monat sinkt der Prozentsatz auf 0,15, und zwar auch für ETFs. Bei 0,19 Prozent bleiben die im Sparplan gekauften Stücke. Neu in der Ausgabe vom 5. Mai 2026 sind die Sparplankonditionen.
Das DirektDepot in George rechnet mit 0,22 Prozent vom Kurswert bei mindestens 7,95 Euro, für Vieltrader ab 50 Trades im Quartal mit 0,17 Prozent bei mindestens 5 Euro. Der vollständige Vergleich mit den anderen Instituten steht im Vergleich der Online-Broker und in der Aufstellung der Depotkosten.
Bei Wertpapieren ist die Bank steuereinfach und zieht die Kapitalertragsteuer ein, wie die Gruppe auf ihren eigenen Seiten festhält.
Was sich nicht belegen lässt
Ein repräsentatives Kreditbeispiel ist auf den Primärquellen der Erste Bank nicht auffindbar. Das in Vergleichen kursierende Beispiel - 12.000 Euro über fünf Jahre zu 5,00 Prozent effektiv - stammt aus Portalen, nicht von der Bank. Als Kondition der Erste Bank taugt es nicht.
Ebenfalls offen bleiben die Jahresentgelte der Kreditkarten und die Auslandsspesen, die in den geprüften Kontoaushängen nicht durchgängig ausgewiesen sind. Die Zahl von 48 Instituten stammt aus dem Factsheet des Verbands; die Mitglieder des Haftungsverbunds sind in einer eigenen Liste mit Stand 1. November 2025 namentlich aufgeführt.
Quellen
- Konditionenaushänge mit Preisbasis 1. Juli 2026: Erste Bank, s Komfort Konto und s Kompakt Konto
- Steiermärkische Sparkasse, s Komfort Konto und s Kompakt Konto
- Sparkasse Oberösterreich, s Komfort Konto und s Kompakt Konto
- Kärntner Sparkasse, s Komfort Konto und s Kompakt Konto
- Impressum der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG und Impressum der Erste Group Bank AG, abgerufen 17.08.2026
- Einlagensicherung und Anlegerentschädigung bei Erste Bank und Sparkassen und Haftungsverbund, abgerufen 17.08.2026
- Factsheet 2026 des Österreichischen Sparkassenverbands
- Erste Bank, Entgeltaushang DirektDepot, Ausgabe 1. November 2025, abgerufen 17.08.2026
Häufig gestellte Fragen
Kosten alle Sparkassen dasselbe?
Nein. Das s Komfort Konto kostet auf derselben Preisbasis 1. Juli 2026 bei der Erste Bank 21,24 Euro im Quartal, bei der Sparkasse Oberösterreich 29,41 und bei der Steiermärkischen Sparkasse 34,65 Euro. Das sind 63 Prozent Unterschied bei identischem Produktnamen. Das s Kompakt Konto ist dagegen bei allen geprüften Instituten gleich teuer.
Warum unterscheiden sich die Preise?
Weil es keine Sparkasse gibt, sondern 48 rechtlich eigenständige Institute mit je eigenem Konditionenaushang. Sie treten unter einer gemeinsamen Marke auf und nutzen dieselbe Produktbezeichnung, legen die Entgelte aber jeweils selbst fest. Maßgeblich ist immer der Aushang der Bank, bei der Sie das Konto führen.
Ist Erste Bank dasselbe wie Erste Group?
Nein, und die Verwechslung ist häufig. Ihr Vertragspartner als Privatkunde ist die Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG, FN 286283f, UID ATU63358299. Die Erste Group Bank AG ist die börsennotierte Konzernmutter mit FN 33209m und ATU15361506. Beide sitzen Am Belvedere 1 in Wien, was die Verwechslung erleichtert.
Sind Einlagen bei der Erste Bank über die Einlagensicherung AUSTRIA gesichert?
Nein. Die Sparkassengruppe betreibt ein eigenes institutsbezogenes Sicherungssystem, den Haftungsverbund, das seit 1. Jänner 2019 als gesetzliches Einlagensicherungssystem anerkannt ist. Die Deckungshöhe ist mit 100.000 Euro pro Kunde und Bank dieselbe, die zuständige Einrichtung eine andere.
Was kostet George?
Für Privatkunden nichts. Preisstufen wie George Basis, Plus oder Premium gibt es im Konditionenblatt nicht, obwohl sie in Vergleichen auftauchen. Belegt sind lediglich ein Entgelt für Kommerzkonten von 7,43 Euro im Monat und ein Archiv-Plug-in um 0,99 Euro im Monat.
Bis wann ist das Jugendkonto spark7 kostenlos?
Bis zum 19. Geburtstag. Danach greifen die regulären Kontomodelle des jeweiligen Instituts, und deren Preise können sich je nach Sparkasse deutlich unterscheiden.