Aktienhandel für Anfänger Österreich 2026
Aktienhandel für Anfänger in Österreich: Depot eröffnen, Aktien kaufen, Ordertypen, Risiken & Steuern. Der ultimative Einsteigerguide 2026!
Aktienhandel für Anfänger in Österreich 2026
Der Einstieg in den Aktienhandel kann einschüchternd wirken: Börsenjargon, komplizierte Charts, unübersichtliche Handelsplattformen und die Angst vor Verlusten halten viele Österreicherinnen und Österreicher davon ab, ihr Geld an der Börse zu investieren. Dabei ist der Aktienhandel heute so zugänglich wie nie zuvor. Mit dem richtigen Wissen, einem guten Broker und einer klaren Strategie können auch Anfänger erfolgreich an der Börse investieren.
Warum in Aktien investieren?
Rendite vs. Sparbuch
Das klassische Sparbuch bietet in Österreich 2026 Zinsen von ca. 0,5-2,0 % — nach Abzug der KESt und der Inflation bleibt real oft ein Kaufkraftverlust. Aktien und ETFs haben historisch eine deutlich höhere Rendite erzielt: Der MSCI World Index hat in den letzten 30 Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von ca. 8-10 % vor Inflation geliefert (inklusive Dividenden). Auch nach Abzug von Steuern und Inflation bleibt eine reale Rendite von 4-6 % pro Jahr — deutlich mehr als jedes Sparbuch.
Langfristiger Vermögensaufbau
Durch den Zinseszinseffekt wächst ein regelmäßig investiertes Portfolio über die Jahre exponentiell. Ein monatlicher Sparplan von 200 Euro in einen breit gestreuten Aktien-ETF kann bei einer durchschnittlichen Rendite von 7 % nach 30 Jahren auf über 230.000 Euro anwachsen — bei einer Einzahlungssumme von nur 72.000 Euro.
Inflationsschutz
Aktien sind Sachwerte: Sie repräsentieren Anteile an realen Unternehmen, die ihre Preise an die Inflation anpassen können. Historisch haben Aktien langfristig einen guten Inflationsschutz geboten — im Gegensatz zu Bargeld und festverzinslichen Anlagen, die durch Inflation entwertet werden.
Schritt 1: Depot eröffnen
Was ist ein Depot?
Ein Wertpapierdepot ist ein Konto, auf dem Ihre Wertpapiere (Aktien, ETFs, Anleihen etc.) verwahrt werden. Zusätzlich gibt es ein Verrechnungskonto, über das Käufe und Verkäufe abgewickelt werden. Ohne Depot können Sie keine Wertpapiere kaufen oder verkaufen.
Broker auswählen
Die Wahl des richtigen Brokers ist der erste und wichtigste Schritt. Für Anfänger in Österreich empfehlen wir einen steuereinfachen Broker wie Flatex AT oder DADAT. Alternativ bieten Neobroker wie Trade Republic den Vorteil extrem niedriger Gebühren, erfordern aber die steuerliche Selbstveranlagung.
Depoteröffnung: Der Prozess
Die Depoteröffnung bei einem Online-Broker dauert in der Regel 15-30 Minuten und erfolgt vollständig online:
- Antrag ausfüllen: Persönliche Daten, Adresse, Steuerinformationen, Beruf und Einkommen angeben.
- Identifikation: Per Video-Ident (Videoanruf) oder Post-Ident (Gang zur Post mit Ausweis) Ihre Identität bestätigen.
- Risikoklasse festlegen: Der Broker fragt Ihre Anlageerfahrung und Risikobereitschaft ab (MiFID-II-Abfrage). Dies beeinflusst, welche Produkte Sie handeln dürfen.
- Verrechnungskonto einrichten: Ein Referenzkonto (Ihr Girokonto) wird für Ein- und Auszahlungen hinterlegt.
- Geld einzahlen: Per Überweisung Geld auf das Verrechnungskonto einzahlen. Dies dauert 1-3 Werktage.
Schritt 2: Grundlagen verstehen
Was ist eine Aktie?
Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Wenn Sie eine Aktie kaufen, werden Sie Miteigentümer dieses Unternehmens — mit allen Rechten und Pflichten. Sie profitieren von Kursgewinnen (wenn der Aktienkurs steigt) und von Dividenden (Gewinnausschüttungen des Unternehmens). Sie tragen aber auch das Risiko von Kursverlusten bis hin zum Totalverlust (bei Insolvenz des Unternehmens).
Was ist ein ETF?
Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen bestimmten Index nachbildet (z.B. den MSCI World, den ATX oder den S&P 500). Statt einzelne Aktien auszuwählen, kaufen Sie mit einem ETF automatisch einen Korb von Hunderten oder Tausenden Aktien. ETFs bieten sofortige Diversifikation, niedrige Kosten (0,1-0,5 % pro Jahr), Transparenz (Sie wissen genau, welche Aktien enthalten sind) und einfache Handelbarkeit (wie eine Aktie an der Börse).
Für Anfänger sind ETFs in der Regel die bessere Wahl als Einzelaktien, da sie das Risiko breiter streuen und weniger Fachwissen erfordern.
Wichtige Kennzahlen
- ISIN: Die International Securities Identification Number ist die eindeutige Kennung eines Wertpapiers (z.B. IE00B4L5Y983 für den iShares Core MSCI World).
- WKN: Die Wertpapierkennnummer ist eine deutsche Alternative zur ISIN.
- Kurs: Der aktuelle Preis des Wertpapiers an der Börse.
- KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis): Aktienkurs geteilt durch Gewinn pro Aktie. Ein niedrigeres KGV deutet auf eine günstigere Bewertung hin.
- Dividendenrendite: Jährliche Dividende geteilt durch Aktienkurs. Zeigt, wie viel Prozent Rendite die Dividende liefert.
- TER (Total Expense Ratio): Die jährlichen Gesamtkosten eines ETFs (z.B. 0,20 % = 20 Cent pro 100 Euro investiertem Kapital).
Schritt 3: Die erste Aktie kaufen
Wertpapier suchen
Loggen Sie sich in Ihre Handelsplattform ein und suchen Sie das gewünschte Wertpapier. Sie können nach dem Namen (z.B. “Apple”), der ISIN (US0378331005) oder der WKN suchen. Die Plattform zeigt Ihnen den aktuellen Kurs, den Tagesverlauf und weitere Informationen an.
Ordertyp wählen
Der Ordertyp bestimmt, zu welchem Preis Ihre Order ausgeführt wird:
Market Order (Bestens): Ihre Order wird sofort zum besten verfügbaren Kurs ausgeführt. Vorteil: Schnelle Ausführung. Nachteil: Der tatsächliche Preis kann vom angezeigten Kurs abweichen (Slippage), insbesondere bei illiquiden Wertpapieren.
Limit Order: Sie legen einen Höchstpreis (beim Kauf) oder Mindestpreis (beim Verkauf) fest. Die Order wird nur ausgeführt, wenn der Marktpreis Ihr Limit erreicht oder unterschreitet (beim Kauf). Vorteil: Preiskontrolle. Nachteil: Die Order wird möglicherweise nicht ausgeführt, wenn der Kurs Ihr Limit nicht erreicht.
Stop Order: Ein Auftrag, der erst aktiv wird, wenn ein bestimmter Kurs erreicht wird. Stop-Loss-Orders werden verwendet, um Verluste zu begrenzen: Sie legen einen Kurs fest, bei dessen Unterschreitung die Aktie automatisch verkauft wird.
Für Anfänger empfehlen wir Limit Orders: Sie haben die volle Kontrolle über den Preis und vermeiden unangenehme Überraschungen.
Order platzieren
Geben Sie die Stückzahl oder den Betrag ein, wählen Sie den Ordertyp und die Gültigkeit der Order (taggleich oder GTC = Good Till Cancelled, gültig bis auf Weiteres). Überprüfen Sie alle Angaben — insbesondere den Gesamtbetrag inklusive Gebühren — und bestätigen Sie die Order. Bei einer Market Order wird die Order sofort ausgeführt. Bei einer Limit Order wartet die Order, bis der Zielkurs erreicht ist.
Handelszeiten beachten
Aktien können nur während der Börsenöffnungszeiten gehandelt werden. Die wichtigsten Handelszeiten:
- Wiener Börse (ATX): Mo-Fr, 09:00-17:30 Uhr MEZ
- Deutsche Börsen (Xetra): Mo-Fr, 09:00-17:30 Uhr MEZ
- US-Börsen (NYSE, NASDAQ): Mo-Fr, 15:30-22:00 Uhr MEZ
- Direkthandel (außerbörslich): Oft erweiterte Zeiten, z.B. 08:00-22:00 Uhr
Schritt 4: Portfolio aufbauen
Diversifikation
Das wichtigste Prinzip beim Investieren ist die Diversifikation: Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Anlagen, um das Risiko zu reduzieren. Setzen Sie nie alles auf eine Karte. Ein diversifiziertes Portfolio könnte so aussehen:
- 70-80 % breit gestreute Aktien-ETFs (z.B. MSCI World oder FTSE All-World)
- 10-20 % Anleihen-ETFs oder Tagesgeld (für Stabilität)
- 0-10 % Einzelaktien (für Interessierte, mit Spielgeld)
Sparplan einrichten
Der einfachste Weg zum Vermögensaufbau ist ein regelmäßiger Sparplan. Sie legen einen monatlichen Betrag fest (z.B. 100 Euro), und der Broker kauft automatisch zum jeweiligen Kurs Anteile Ihres gewählten ETFs. Durch den Cost-Average-Effekt kaufen Sie bei niedrigen Kursen mehr und bei hohen Kursen weniger Anteile — was langfristig zu einem guten Durchschnittspreis führt.
Buy and Hold
Für Anfänger ist die Buy-and-Hold-Strategie am besten geeignet: Kaufen Sie breit gestreute ETFs und halten Sie diese langfristig (10+ Jahre). Versuchen Sie nicht, den Markt zu “timen” (also den perfekten Kauf- und Verkaufszeitpunkt zu erraten) — selbst Profis scheitern daran regelmäßig. Studien zeigen, dass Anleger, die langfristig investiert bleiben, fast immer besser abschneiden als aktive Trader.
Steuern auf Aktiengewinne in Österreich
Kapitalertragsteuer (KESt)
In Österreich fällt auf Kapitalerträge die KESt von 27,5 % an. Diese gilt für realisierte Kursgewinne (Verkauf mit Gewinn), Dividenden und Zinsen. Die KESt ist eine Endbesteuerung: Sie müssen die Erträge nicht zusätzlich in der Einkommensteuererklärung angeben (wenn Sie einen steuereinfachen Broker nutzen).
Verlustausgleich
Verluste aus Wertpapiergeschäften können mit Gewinnen aus Wertpapiergeschäften im selben Kalenderjahr verrechnet werden. Wenn Sie also eine Aktie mit 1.000 Euro Verlust und eine andere mit 1.000 Euro Gewinn verkaufen, zahlen Sie keine KESt (der Gewinn wird mit dem Verlust verrechnet). Bei einem steuereinfachen Broker geschieht der Verlustausgleich automatisch innerhalb des Depots.
Steuerfreiheit bei Nicht-Realisierung
Solange Sie Ihre Aktien oder ETFs nicht verkaufen, fallen keine Steuern auf Kursgewinne an (Ausnahme: thesaurierende Fonds mit ausschüttungsgleichen Erträgen). Das bedeutet: Sie können Ihre Investments über Jahrzehnte steuerfrei wachsen lassen und die KESt erst beim Verkauf zahlen. Dies ist ein erheblicher Vorteil der Buy-and-Hold-Strategie.
Wichtige Börsenindizes für österreichische Anleger
ATX (Austrian Traded Index)
Der ATX ist der Leitindex der Wiener Börse und umfasst die 20 größten und liquidesten österreichischen Aktien. Zu den bekanntesten ATX-Unternehmen gehören Erste Group, OMV, Verbund, Voestalpine, BAWAG und die Österreichische Post. Der ATX hat historisch eine durchschnittliche jährliche Rendite von ca. 6-8 % erzielt, ist aber aufgrund seiner Konzentration auf Finanz- und Industriewerte relativ volatil. Für ein diversifiziertes Portfolio sollte der ATX nur einen kleinen Teil ausmachen.
MSCI World
Der MSCI World Index umfasst über 1.500 Aktien aus 23 Industrieländern und ist der wichtigste Referenzindex für globale Aktienanlagen. Ein ETF auf den MSCI World bietet sofortige Diversifikation über Regionen, Branchen und Währungen. Die historische durchschnittliche Rendite liegt bei ca. 8-10 % pro Jahr (inklusive Dividenden). Für die meisten Anfänger ist ein MSCI World ETF die beste Einzelanlage.
S&P 500
Der S&P 500 umfasst die 500 größten US-Unternehmen und dominiert die globalen Aktienmärkte. US-Aktien machen ca. 60-70 % des MSCI World aus. Der S&P 500 hat in den letzten Jahrzehnten eine überdurchschnittliche Rendite erzielt, aber eine ausschließliche Fokussierung auf US-Aktien birgt Klumpenrisiken. Ergänzen Sie US-Investments durch europäische und Schwellenländer-ETFs.
MSCI Emerging Markets
Der MSCI Emerging Markets Index umfasst Aktien aus ca. 25 Schwellenländern (China, Indien, Brasilien, Südkorea etc.). Schwellenländer-ETFs bieten zusätzliche Diversifikation und Zugang zu wachstumsstarken Volkswirtschaften, sind aber volatiler als Industrieländer-ETFs.
Die richtige Anlagestrategie
Core-Satellite-Strategie
Eine bewährte Strategie für Anfänger und Fortgeschrittene ist die Core-Satellite-Strategie. Der “Core” (Kern) besteht aus breit gestreuten ETFs (z.B. 70-80 % des Portfolios in MSCI World oder FTSE All-World ETF). Die “Satellites” (Ergänzungen) sind gezielte Investments in Einzelaktien, Branchen-ETFs oder thematische ETFs (z.B. 20-30 % in Clean Energy, Technologie oder Dividenden-ETFs). Diese Strategie bietet eine solide Basis mit der Möglichkeit, persönliche Überzeugungen einzubringen.
Rebalancing
Rebalancing bedeutet, Ihr Portfolio regelmäßig auf die ursprüngliche Zielallokation zurückzuführen. Wenn z.B. Aktien stark gestiegen sind und nun 90 % statt der geplanten 80 % Ihres Portfolios ausmachen, verkaufen Sie Aktien und kaufen Anleihen, um die Balance wiederherzustellen. Rebalancing sollte ein- bis zweimal pro Jahr durchgeführt werden und sorgt dafür, dass Ihr Risikoprofil konstant bleibt.
Anlagehorizont
Der Anlagehorizont ist entscheidend für die Wahl der Strategie. Als Faustregel gilt: Geld, das Sie in den nächsten 5 Jahren benötigen, gehört nicht in Aktien. Für einen Anlagehorizont von 5-10 Jahren empfiehlt sich eine moderate Aktienquote (50-70 %), für 10+ Jahre eine hohe Aktienquote (70-100 %). Je länger der Anlagehorizont, desto höher kann der Aktienanteil sein, da kurzfristige Schwankungen über die Zeit ausgeglichen werden.
Häufige Anfängerfehler
Fehler 1: Keine Diversifikation
Alles in eine einzige Aktie zu investieren ist wie alles auf eine Zahl beim Roulette zu setzen. Auch wenn Sie von einem Unternehmen überzeugt sind — verteilen Sie Ihr Geld breit. Ein einziger MSCI World ETF enthält über 1.500 Aktien aus 23 Industrieländern.
Fehler 2: Panikverkäufe
Wenn die Kurse fallen, verkaufen viele Anfänger in Panik. Historisch hat sich der Markt nach jedem Crash erholt — wer langfristig investiert bleibt, wird belohnt. Kursrückgänge von 20-40 % sind normal und bieten sogar Kaufgelegenheiten.
Fehler 3: Market Timing
Den perfekten Einstiegszeitpunkt gibt es nicht. “Time in the market beats timing the market” — die Zeit im Markt schlägt das Market Timing. Investieren Sie regelmäßig (Sparplan), unabhängig von der aktuellen Marktlage.
Fehler 4: Zu häufiges Handeln
Jede Transaktion kostet Gebühren und Spread. Häufiges Handeln zehrt an der Rendite. Studien zeigen: Die Anleger mit den wenigsten Transaktionen erzielen die beste Performance.
Fehler 5: Auf Hypes reinfallen
Meme-Stocks, Kryptowährungs-Hypes, Penny Stocks — diese Anlageformen sind hochspekulativ und für Anfänger ungeeignet. Bleiben Sie bei breit gestreuten, bewährten Investments.
Sektoren und Branchen
Branchendiversifikation
Neben der geografischen Diversifikation ist die Branchendiversifikation wichtig. Ein Portfolio sollte nicht zu stark auf eine einzelne Branche konzentriert sein. Die wichtigsten Sektoren sind Technologie, Gesundheitswesen, Finanzwerte, Industrie, Konsumgüter, Rohstoffe und Energie, Telekommunikation, Versorger, Immobilien und Grundstoffe.
Ein breit gestreuter ETF wie der MSCI World enthält automatisch Aktien aus allen Sektoren in marktgewichteter Verteilung. Thematische ETFs (z.B. Clean Energy, Robotik, Biotechnologie) bieten gezielten Zugang zu bestimmten Branchen, sind aber weniger diversifiziert und riskanter.
Zyklische vs. defensive Aktien
Aktien lassen sich in zyklische und defensive Werte unterteilen. Zyklische Aktien (z.B. Automobilindustrie, Rohstoffe, Banken) steigen in Boomzeiten stärker, fallen aber in Rezessionen deutlich. Defensive Aktien (z.B. Nahrungsmittel, Pharma, Versorger) sind weniger konjunkturabhängig und bieten stabilere Erträge. Eine Mischung aus beiden Typen schafft ein ausgewogenes Portfolio.
Aktien und Zinsen
Einfluss der Zinspolitik
Die Zinspolitik der Zentralbanken (EZB, Fed) hat erheblichen Einfluss auf die Aktienmärkte. Steigende Zinsen sind in der Regel schlecht für Aktien, da sie die Finanzierungskosten von Unternehmen erhöhen und Anleihen als Alternative attraktiver machen. Sinkende Zinsen wirken umgekehrt positiv auf Aktienkurse. Wachstumsaktien (z.B. Tech-Werte) sind besonders zinssensitiv, während Value-Aktien (z.B. Banken, Versicherungen) von steigenden Zinsen profitieren können.
Inflationsbedeutung
Auch die Inflation beeinflusst die Aktienmärkte. In Phasen hoher Inflation schneiden Sachwerte (Aktien, Immobilien, Rohstoffe) typischerweise besser ab als Geldwerte (Anleihen, Bargeld). Allerdings sind nicht alle Aktien gleich inflationsresistent: Unternehmen mit Preismacht (Markenartikel, Monopole) können Preissteigerungen weitergeben, während Unternehmen mit hohen Fixkosten und niedrigen Margen unter Inflation leiden.
Fundamentalanalyse vs. Technische Analyse
Fundamentalanalyse
Die Fundamentalanalyse betrachtet die wirtschaftlichen Grundlagen eines Unternehmens, um dessen fairen Wert zu bestimmen. Wichtige Kennzahlen sind das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), die Eigenkapitalrendite (ROE), die Verschuldung, das Umsatz- und Gewinnwachstum und die Dividendenrendite. Die Fundamentalanalyse eignet sich für langfristige Anlageentscheidungen: Wenn der aktuelle Kurs unter dem fairen Wert liegt, könnte die Aktie attraktiv sein.
Technische Analyse
Die technische Analyse untersucht historische Kurs- und Volumendaten, um zukünftige Kursbewegungen vorherzusagen. Sie nutzt Charts, Indikatoren (RSI, MACD, Moving Averages) und Muster (Kopf-Schulter, Dreiecke, Trendlinien). Die technische Analyse eignet sich für kurzfristige Handelsentscheidungen und Timing, ist aber wissenschaftlich umstritten. Für Anfänger ist sie weniger geeignet und kann zu übermäßigem Handeln verleiten.
Für Anfänger: Keep it simple
Für die meisten Anfänger ist weder intensive Fundamental- noch technische Analyse nötig. Ein breit gestreuter ETF-Sparplan erfordert keine Analyse einzelner Unternehmen. Konzentrieren Sie sich auf die Grundlagen: Diversifikation, Kostenminimierung, regelmäßiges Sparen, langfristiger Anlagehorizont und emotionale Disziplin. Mit diesen einfachen Prinzipien schlagen Sie die meisten professionellen Fondsmanager.
Aktienhandel und Psychologie
Die Angst vor Verlusten
Die Verlustaversion ist ein psychologisches Phänomen: Anleger empfinden Verluste doppelt so stark wie gleich große Gewinne. Dies führt oft zu irrationalen Entscheidungen — z.B. dem Panikverkauf bei Kursrückgängen oder dem zu langen Halten von Verlustpositionen in der Hoffnung auf Erholung. Bewusstsein für diese psychologischen Fallen ist der erste Schritt, um sie zu vermeiden.
Gier und Euphorie
Ebenso gefährlich wie die Angst ist die Gier. In Boom-Phasen der Märkte (z.B. Dotcom-Blase 2000, Krypto-Hype 2021) verlieren viele Anleger ihr Risikobewusstsein und investieren mehr, als sie verkraften können. Die anschließenden Korrekturen sind oft schmerzhaft. Eine feste Anlagestrategie, die Sie unabhängig von der Marktstimmung durchziehen, schützt vor dieser Falle.
Der Einfluss von Medien und Social Media
Finanzmedien und Social Media können die Emotionen von Anlegern stark beeinflussen. Schlagzeilen über Börsencrashes, “heiße” Aktientipps auf TikTok oder YouTube und die FOMO (Fear of Missing Out) bei Hypes können zu irrationalen Entscheidungen führen. Seien Sie kritisch mit Informationen und prüfen Sie Quellen. Eine breite Lektüre seriöser Finanzmedien (Der Aktionär, Börse Express, Wiener Zeitung, FAZ, Handelsblatt) ist besser als die Fixierung auf einzelne “Gurus” auf Social Media.
Steuerliche Optimierung beim Aktienhandel
Tax-Loss-Harvesting
Tax-Loss-Harvesting ist eine Strategie, bei der Sie gezielt Verluste realisieren, um diese mit Gewinnen zu verrechnen und die Steuerlast zu senken. In Österreich können Verluste nur im selben Kalenderjahr verrechnet werden (kein Verlustvortrag). Am Jahresende können Sie also Verlustpositionen verkaufen, um Gewinne aus anderen Verkäufen steuerlich auszugleichen. Wichtig: Sie können die gleiche Aktie kurz nach dem Verkauf wieder kaufen, um Ihre Position wiederherzustellen — der Wash-Sale-Regel aus den USA gibt es in Österreich nicht.
Sparplan vs. Einmalinvestment
Steuerlich gibt es keinen großen Unterschied zwischen einem Sparplan und einem Einmalinvestment. In beiden Fällen fällt bei Verkauf die KESt auf den Gewinn an. Bei einem Sparplan gelten die verschiedenen Tranchen mit unterschiedlichen Anschaffungskosten, die nach dem Durchschnittspreisverfahren verrechnet werden. Das gleichmäßige Investieren über die Zeit (Cost-Average-Effekt) ist psychologisch einfacher und vermeidet das Risiko, den schlechtesten Zeitpunkt zu erwischen.
Empfehlung für Anfänger
Unser empfohlener Einstiegsplan für österreichische Anfänger:
- Depot eröffnen: Flatex AT (steuereinfach, günstige Sparpläne)
- Sparplan einrichten: 50-200 Euro monatlich in einen MSCI World ETF (z.B. iShares Core MSCI World, ISIN: IE00B4L5Y983)
- Langfristig investieren: Mindestens 10-15 Jahre Anlagehorizont planen
- Nicht aufhören: Auch bei Kursrückgängen weiter investieren
- Wissen aufbauen: Lesen Sie weiter, bilden Sie sich fort, aber vermeiden Sie hektisches Handeln
Der wichtigste Schritt ist der erste: Fangen Sie an. Perfektion ist nicht nötig — jeder Sparplan, egal wie klein, ist besser als gar kein Investment.
Weiterführende Artikel
- Online-Broker Vergleich Österreich 2026 — den besten Broker finden
- Dividenden in Österreich — Strategie und Besteuerung
- Kapitalertragsteuer — Steuern auf Kursgewinne und Dividenden
- ETFs in Österreich — breit gestreut investieren
- Alle Trading-Ratgeber auf finanzinfo.at
Häufig gestellte Fragen
Wie kaufe ich Aktien in Österreich?
Sie benötigen ein Wertpapierdepot bei einem Broker (z.B. Flatex AT, DADAT, Trade Republic). Nach Eröffnung und Einzahlung suchen Sie die gewünschte Aktie per ISIN oder Name, wählen den Ordertyp (Limit oder Market) und platzieren die Kauforder.
Wie viel Geld brauche ich, um mit Aktien anzufangen?
Dank Sparplänen können Sie bereits ab 1 Euro (Trade Republic) bzw. 25 Euro (Flatex) monatlich in Aktien oder ETFs investieren. Für Einzelaktien-Käufe empfehlen sich mindestens 500-1.000 Euro pro Position, um die Ordergebühren prozentual gering zu halten.
Muss ich Steuern auf Aktiengewinne in Österreich zahlen?
Ja, auf realisierte Kursgewinne und Dividenden fällt die Kapitalertragsteuer (KESt) von 27,5% an. Bei einem steuereinfachen Broker wird die KESt automatisch abgeführt. Bei ausländischen Brokern müssen Sie die Steuer selbst in der Steuererklärung deklarieren.
Was ist der Unterschied zwischen Aktien und ETFs?
Eine Aktie ist ein Anteil an einem einzelnen Unternehmen. Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Fonds, der viele Aktien bündelt und an der Börse gehandelt wird. ETFs bieten bessere Diversifikation und sind für Anfänger die empfehlenswertere Wahl.
Chefredakteur finanzinfo.at
Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.