Aktien kaufen in Österreich: Depot, Order und Steuer

Welche Entscheidung vor dem ersten Kauf zählt, warum Limits an der Wiener Börse wichtiger sind als anderswo und was von Kursgewinn und Dividende bleibt.

Aktualisiert: 17. August 2026 11 Min. Lesezeit

Der Kauf selbst dauert zwanzig Sekunden. Was Sie am Ende behalten, entscheiden drei Dinge, die alle vorher passieren: bei wem Sie das Depot eröffnen, wie Sie die Order aufgeben und ob Sie wissen, wann Ihr Papier überhaupt gehandelt wird.

Der letzte Punkt überrascht die meisten. An der Wiener Börse werden 18 der 21 Notierungen im standard market nicht fortlaufend gehandelt, sondern ausschließlich in einer einzigen Auktion zwischen 12:30 und 13:30 Uhr. Wer dort eine Market-Order zur falschen Zeit einstellt, weiß bis in den frühen Nachmittag nicht, was er bezahlt.

Die Entscheidung vor dem ersten Kauf

Ein Depot brauchen Sie in jedem Fall, dazu ein Verrechnungskonto. Die Eröffnung läuft online, dauert meist unter einer halben Stunde und verlangt einen Lichtbildausweis samt Identitätsprüfung.

Die eigentliche Entscheidung ist eine andere: Führt der Anbieter die Kapitalertragsteuer für Sie ab oder nicht?

Ein steuereinfacher Broker behält die 27,5 Prozent ein und überweist sie ans Finanzamt. Damit ist die Sache erledigt. Fehlt diese Eigenschaft, deklarieren Sie Ihre Kapitalerträge selbst - jedes Jahr, für jede Dividende, für jeden Verkauf. Möglich ist die automatische Abfuhr nur, wenn eine inländische depotführende Stelle existiert; welche Anbieter das erfüllen, steht in der Übersicht der steuereinfachen Broker.

Für den Preisvergleich gilt eine einfache Reihenfolge: Wenn Sie kaufen und liegen lassen wollen, zählt die Depotgebühr mehr als die Ordergebühr. Wenn Sie regelmäßig kleine Beträge investieren, zählt die Gebühr je Sparplanausführung. Die Rechnungen dazu stehen bei den Broker-Gebühren, die Anbieter im Vergleich.

Was der Kauf kostet

Eine gute Nachricht: Auf den Kauf selbst zahlen Sie in Österreich keine Steuer. Die Börsenumsatzsteuer ist mit 30. September 2000 außer Kraft getreten, eine Finanztransaktionssteuer wurde nie eingeführt. In Frankreich, Italien und Großbritannien ist das anders - dort fällt beim Erwerb eine Abgabe an.

Was anfällt, sind drei Posten:

Die Ordergebühr Ihres Brokers, je nach Modell pauschal, gestaffelt oder prozentual.

Die Fremdspesen der Börse, die manche Anbieter gesondert ausweisen und andere in ihren Preis einrechnen. Die Entgelte der Wiener Börse schuldet formal das Börsemitglied, nicht Sie - ob und wie sie weitergegeben werden, steht im Preisblatt.

Der Spread, also die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs. Er taucht in keiner Abrechnung auf, fällt bei marktengen Titeln aber oft stärker ins Gewicht als die Ordergebühr: Eine Position steht unmittelbar nach dem Kauf um den Spread im Minus.

Die Order

Drei Ordertypen decken fast alles ab, was Privatanleger brauchen.

Die Market-Order wird zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt. Sie bekommen die Ausführung, aber nicht den Preis - was bei einem liquiden Standardwert unproblematisch ist und bei allem anderen ein Risiko.

Die Limit-Order legt fest, welchen Preis Sie höchstens zahlen. Sie bekommen den Preis, aber nicht garantiert die Ausführung.

Die Stop-Order wird erst aktiv, wenn ein bestimmter Kurs erreicht ist. Die Wiener Börse kennt davon zwei Varianten, und der Unterschied ist erheblich: Die Stop Market Order wird bei Auslösung zur Market-Order - die Ausführung ist sicher, der Preis nicht. Die Stop Limit Order wird zur Limit-Order und begrenzt zusätzlich den Preis, kann dafür aber unausgeführt bleiben, wenn der Kurs durchrutscht.

Daneben gibt es weitere Typen wie Trailing Stop, One-Cancels-the-Other und Iceberg-Orders, die vor allem für größere Positionen gedacht sind.

Warum Limits in Wien wichtiger sind

Zwei Eigenheiten des Handelsplatzes sprechen dafür, grundsätzlich mit Limits zu arbeiten.

Volatilitätsunterbrechungen. Überschreitet der nächste mögliche Preis einen festgelegten Korridor, wechselt das Papier vorübergehend in eine Auktion. Eine Market-Order kann dadurch deutlich später und zu einem anderen Preis ausgeführt werden, als Sie beim Absenden gesehen haben.

Auktionshandel. Viele Titel abseits des prime market werden nur einmal täglich gehandelt. Zwischen Ihrer Order und der Ausführung können Stunden liegen - genug Zeit für Nachrichten, die den Kurs bewegen. Bei diesen Werten ist ein Limit keine Feinheit, sondern Grundausstattung.

Die Handelszeiten und die Segmentunterschiede stehen im Detail bei ATX und Wiener Börse.

Was nach dem Kauf passiert

Das Geschäft ist mit der Ausführung geschlossen, aber noch nicht erfüllt. Geliefert und bezahlt wird am zweiten Abwicklungstag. Die EU verkürzt diese Frist am 11. Oktober 2027 auf einen Tag.

Praktisch spüren Sie das, wenn Sie verkaufen und mit dem Erlös sofort etwas anderes kaufen wollen - das Geld ist erst nach der Abwicklung frei verfügbar.

Bei Dividenden entscheidet der Handelstag. Maßgeblich für die Auszahlung ist der Depotstand am Nachweisstichtag; weil zwischen Abschluss und Lieferung zwei Börsetage liegen, müssen Sie die Aktie spätestens am Cum-Tag kaufen - dem letzten Handelstag vor dem Ex-Tag. Wer am Ex-Tag kauft, bekommt die Ausschüttung nicht mehr, egal wie schnell abgewickelt wird.

Steuerlich passiert bis zum Verkauf nichts. Kursgewinne sind erst steuerpflichtig, wenn Sie sie realisieren - 27,5 Prozent auf die Differenz zwischen Verkaufserlös und Anschaffungskosten. Halten Sie eine Aktie dreißig Jahre und verkaufen nie, zahlen Sie darauf nie Kapitalertragsteuer.

Anders bei Dividenden: Die werden im Zeitpunkt der Ausschüttung besteuert, ob Sie wollen oder nicht. Bei ausländischen Aktien kommt die Quellensteuer des Herkunftslandes dazu, die nur begrenzt angerechnet wird - die Rechnung dazu steht bei den Dividenden.

Vier Fehler, die Geld kosten

Market-Orders bei marktengen Titeln. Der häufigste und teuerste Anfängerfehler. Ein Limit kostet nichts und schützt vor einer Ausführung weit weg vom erwarteten Kurs.

Kleinpositionen bei prozentualer Depotgebühr. Viele Banken verlangen einen Mindestbetrag je Position. Zwanzig Titel zu je 500 Euro können mehr Depotgebühr kosten als fünf Titel zu je 2.000 Euro - bei gleichem Depotwert.

Bruchstücke ohne Blick auf den Ausstieg. Sie ermöglichen den Einstieg mit kleinen Beträgen, lassen sich aber in der Regel nicht auf ein anderes Depot übertragen. Beim Anbieterwechsel werden sie verkauft, und der Verkauf ist steuerpflichtig.

Der Anbieterwechsel ohne Prüfung der Anschaffungskosten. Werden sie beim Übertrag nicht mitgeliefert, rechnet der neue Broker nach einer pauschalen Ersatzregel - in aller Regel zu Ihren Lasten. Prüfen Sie nach dem Wechsel, ob die Einstandswerte korrekt übernommen wurden.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was brauche ich, um in Österreich Aktien zu kaufen?

Ein Wertpapierdepot mit Verrechnungskonto. Die Eröffnung läuft online, dauert meist unter einer halben Stunde und erfordert einen Lichtbildausweis sowie eine Identitätsprüfung. Die wichtigere Entscheidung fällt davor: ob der Anbieter die Kapitalertragsteuer für Sie abführt.

Zahle ich in Österreich eine Steuer auf den Aktienkauf?

Nein. Eine Börsenumsatzsteuer gibt es seit 30. September 2000 nicht mehr, eine Finanztransaktionssteuer wurde nie eingeführt. Anders als in Frankreich, Italien oder Großbritannien fällt beim Kauf keine Abgabe an - besteuert wird erst der Gewinn beim Verkauf sowie die Dividende, jeweils mit 27,5 Prozent.

Market-Order oder Limit-Order?

Für alles außer sehr liquide Werte ein Limit. Eine Market-Order wird zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt, und der kann bei dünnem Orderbuch oder während einer Volatilitätsunterbrechung deutlich vom angezeigten Kurs abweichen. Mit einem Limit legen Sie die Obergrenze selbst fest und riskieren nur, dass die Order nicht ausgeführt wird. Dasselbe gilt beim Stop: Die Stop Limit Order begrenzt den Preis, die Stop Market Order nicht.

Wann gehört die Aktie mir?

Am zweiten Abwicklungstag nach dem Abschluss. Bis dahin ist das Geschäft geschlossen, aber noch nicht erfüllt. Die EU verkürzt diese Frist am 11. Oktober 2027 auf einen Tag. Für die Dividendenberechtigung zählt davon unabhängig der Handelstag: Gekauft werden muss spätestens am letzten Handelstag vor dem Ex-Tag.

Wie viel Steuer zahle ich auf Kursgewinne?

27,5 Prozent auf den realisierten Gewinn, also auf die Differenz zwischen Verkaufserlös und Anschaffungskosten. Bei einem steuereinfachen Broker wird die Steuer automatisch einbehalten. Solange Sie nicht verkaufen, fällt auf Kursgewinne nichts an.

Lohnen sich Bruchstücke von Aktien?

Für den Einstieg mit kleinen Beträgen ja, mit einer Einschränkung: Bruchstücke lassen sich in der Regel nicht auf ein anderes Depot übertragen. Bei einem Anbieterwechsel müssen Sie sie verkaufen, was einen steuerpflichtigen Vorgang auslöst, den Sie so nicht geplant hatten.