Bundesministerium für Finanzen BMF | Österreich 2026

BMF Österreich 2026: Aufgaben, Struktur, Minister, Dienststellen und Kontakt des Bundesministeriums für Finanzen. Jetzt informieren.

Aktualisiert: 03. April 2026 15 Min. Lesezeit

Bundesministerium für Finanzen (BMF) Österreich 2026

Das Bundesministerium für Finanzen (kurz: BMF) ist eines der zentralsten Ressorts der österreichischen Bundesregierung. Es verantwortet die gesamte Finanz- und Budgetpolitik der Republik Österreich, verwaltet das Steuer- und Zollwesen und steuert die Finanzverwaltung mit Finanzamt Österreich, Finanzamt für Großbetriebe, Zollamt Österreich und Amt für Betrugsbekämpfung. Dieser

Aufgaben und Zuständigkeiten

Das Bundesministerium für Finanzen ist das zentrale Finanzressort der Republik Österreich. Mit Sitz in Wien beschäftigt es mehrere tausend Bedienstete und steuert jährlich ein Bundesbudget von deutlich über 100 Milliarden Euro. Das BMF ist damit nicht nur politisches Kernministerium, sondern zugleich Dienstaufsicht und Steuerungszentrale einer der größten Verwaltungen der Republik.

MerkmalInformation
Offizielle BezeichnungBundesministerium für Finanzen
KurzformBMF
HauptsitzJohannesgasse 5, 1010 Wien
Websitebmf.gv.at
Telefon (Zentrale)+43 1 514 33-0
ZuständigkeitBudget, Steuern, Zoll, Finanzmärkte, Bundesvermögen
Nachgeordnete DienststellenFinanzamt Österreich, Finanzamt für Großbetriebe, Zollamt Österreich, Amt für Betrugsbekämpfung, Bundesfinanzgericht (funktional unabhängig)

Das BMF ist in seiner heutigen Form Ergebnis mehrerer Verwaltungsreformen. Besonders die Finanzverwaltungsreform 2021 hat die Struktur der nachgeordneten Finanzbehörden grundlegend verändert. Statt regionaler Finanzämter existiert seither eine einheitliche Behörde Finanzamt Österreich mit Dienststellen im ganzen Bundesgebiet.

Geschichte des BMF

Die Geschichte des österreichischen Finanzressorts reicht weit zurück bis in die Zeit der Habsburgermonarchie. Bereits im 18. Jahrhundert entstand unter Maria Theresia eine zentrale Hofkammer als Vorläufer eines Finanzministeriums. Mit der Reichsverfassung 1867 wurde ein eigenes k.k. Finanzministerium geschaffen, das für die cisleithanische Reichshälfte der Doppelmonarchie zuständig war.

Nach 1918 wurde das Finanzressort in die Struktur der Ersten Republik überführt und hatte in den wirtschaftlich schwierigen Jahren der Zwischenkriegszeit eine enorme Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand das BMF in seiner heutigen Grundform und begleitete den wirtschaftlichen Wiederaufbau Österreichs, die Schilling-Ära, den Beitritt zur Europäischen Union 1995, die Euro-Einführung ab 1999 und zuletzt die Bewältigung der Folgen von Finanzkrise, Pandemie, Energiekrise und Inflation.

2021 erfolgte einer der größten Strukturumbauten in der Geschichte der österreichischen Finanzverwaltung. Aus den bis dahin bestehenden 40 Finanzämtern und neun Zollämtern wurden zwei bundesweit zuständige Abgabenbehörden geschaffen: das Finanzamt Österreich und das Finanzamt für Großbetriebe. Gleichzeitig wurde das neue Amt für Betrugsbekämpfung etabliert, das die Finanzpolizei, die Steuerfahndung und die Finanzstrafbehörden zusammenführt.

Kernaufgaben des BMF

Das BMF nimmt zahlreiche zentrale Aufgaben für Staat und Gesellschaft wahr. Diese lassen sich grob in folgende Bereiche gliedern.

1. Budgetpolitik und Bundeshaushalt

Das BMF ist federführend für die Erstellung des jährlichen Bundeshaushalts verantwortlich. Es koordiniert mit allen anderen Ressorts deren Budgetanforderungen, erstellt den Entwurf des Bundesfinanzgesetzes und des Bundesfinanzrahmengesetzes und legt diese dem Ministerrat und anschließend dem Nationalrat vor. Zu den wichtigsten Aufgaben zählen die mittelfristige Finanzplanung, die Einhaltung der europäischen Fiskalregeln (Stabilitäts- und Wachstumspakt) sowie das Schuldenmanagement der Republik über die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA).

2. Steuerpolitik und Steuergesetzgebung

Das BMF ist zentrale Stelle für die Konzeption und Umsetzung der österreichischen Steuerpolitik. Es erarbeitet Steuergesetze wie das Einkommensteuergesetz (EStG), das Körperschaftsteuergesetz (KStG), das Umsatzsteuergesetz (UStG) und zahlreiche Nebengesetze. Regelmäßig werden diese durch Abgabenänderungsgesetze novelliert, um auf wirtschaftliche Entwicklungen, EU-Vorgaben und politische Prioritäten zu reagieren. Im Jahr 2026 sind beispielsweise die vollständige Wirksamkeit der Abschaffung der kalten Progression, aktualisierte Tarifstufen bei der Einkommensteuer und verschiedene Anpassungen bei Absetzbeträgen, Pauschalen und Freibeträgen von Bedeutung.

3. Steuerverwaltung und Vollzug

Über das Finanzamt Österreich und das Finanzamt für Großbetriebe vollzieht das BMF die Steuergesetze. Dazu zählen die Einhebung von Einkommensteuer, Lohnsteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer, Kapitalertragsteuer, Grunderwerbsteuer, Gebühren und vielen weiteren Abgaben. Jährlich werden Millionen von Arbeitnehmerveranlagungen, Einkommensteuererklärungen und Umsatzsteuervoranmeldungen bearbeitet. Zentrale digitale Schnittstelle ist FinanzOnline, über die Steuerpflichtige ihre Angelegenheiten online abwickeln können.

4. Zollwesen

Das Zollamt Österreich ist die zentrale Abgabenbehörde für den Zoll. Es ist zuständig für die Erhebung von Zollabgaben, die Abfertigung von Waren im grenzüberschreitenden Verkehr, die Überwachung von Verbrauchsteuern (z. B. Mineralölsteuer, Alkoholsteuer, Tabaksteuer) und die Bekämpfung von Schmuggel. Auch wenn Österreich Teil der EU-Zollunion ist, bleibt der Zoll für Drittstaaten und Verbrauchsteuern ein erheblicher Bereich.

5. Finanzmarktpolitik und Finanzstabilität

Das BMF ist mit der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA), der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und internationalen Gremien für die Sicherstellung der Finanzstabilität zuständig. Es arbeitet an der Regulierung von Banken, Versicherungen, Wertpapiermärkten, Zahlungsdienstleistern und der Kryptowirtschaft mit. Themen wie die europäische Bankenunion, die Kapitalmarktunion, DORA, MiCAR und Anti-Geldwäsche-Regelungen werden maßgeblich vom BMF mitverhandelt.

6. Bundesvermögen und Beteiligungen

Das BMF verwaltet das Vermögen der Republik und koordiniert strategisch die staatlichen Beteiligungen. Über die Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG) werden Beteiligungen an Unternehmen wie OMV, Post, Telekom Austria, Verbund und BIG verwaltet. Auch die BIG Bundesimmobiliengesellschaft ist ein wichtiger Akteur im staatlichen Immobilienmanagement.

7. EU- und internationale Finanzpolitik

Das BMF vertritt Österreich im Rat der Wirtschafts- und Finanzminister (ECOFIN), in der Eurogruppe, im Internationalen Währungsfonds (IWF), in der Weltbank, der OECD und bei G20-Finanzministertreffen. Themen wie Mindestbesteuerung multinationaler Konzerne (Pillar Two), digitale Besteuerung, EU-Eigenmittelreform oder internationale Entwicklungsfinanzierung werden auf dieser Ebene maßgeblich mitgestaltet.

Organisation und Struktur des BMF

Die innere Struktur des BMF gliedert sich in Sektionen, Abteilungen und Referate. Die Sektionseinteilung umfasst im Jahr 2026 im Wesentlichen folgende Bereiche:

  • Sektion I: Präsidium und Internationale Angelegenheiten – Personal, Organisation, Recht, EU- und internationale Koordination
  • Sektion II: Budget und öffentliche Finanzen – Bundesbudget, Förderwesen, Haushaltsrecht
  • Sektion III: Wirtschaftspolitik, Finanzmärkte und Zoll – Wirtschaftspolitik, Finanzmarktrecht, Zoll
  • Sektion IV: Steuern und Zoll – Steuerrecht und Steuerpolitik
  • Sektion V: Finanzverwaltung, IT und Digitalisierung – Strategische Steuerung der Finanzverwaltung, BMF-IT, FinanzOnline
  • Sektion VI: Beteiligungen und öffentliche Unternehmen – Privatisierungen, Bundesbeteiligungen, staatliche Industrie

Die genaue Anzahl und Benennung der Sektionen kann sich durch Regierungswechsel und Organisationsreformen ändern. Aktuelle Informationen finden Sie stets auf der offiziellen Website bmf.gv.at.

Leitung des BMF

An der Spitze des Ministeriums steht der Bundesminister/die Bundesministerin für Finanzen, unterstützt von Staatssekretären, Kabinettsmitarbeitern, einem Generalsekretär und den Sektionschefs. Der Finanzminister ist regelmäßig einer der politisch einflussreichsten Regierungsmitglieder, da nahezu alle politischen Vorhaben budgetäre Auswirkungen haben und der Finanzminister über Zustimmung oder Ablehnung mitentscheidet.

Historisch hatten unter anderem Persönlichkeiten wie Hannes Androsch, Ferdinand Lacina, Rudolf Edlinger, Karl-Heinz Grasser, Maria Fekter, Josef Pröll, Michael Spindelegger, Hans Jörg Schelling, Hartwig Löger, Eduard Müller, Gernot Blümel und Magnus Brunner dieses Amt inne. Der aktuelle Finanzminister ergibt sich aus der jeweils amtierenden Bundesregierung.

Nachgeordnete Dienststellen

Das BMF ist die Dienstaufsicht über eine Reihe nachgeordneter Dienststellen. Die wichtigsten sind:

Finanzamt Österreich

Das Finanzamt Österreich ist seit 2021 eine bundesweit einheitliche Abgabenbehörde mit Dienststellen in allen neun Bundesländern. Es ist für die Arbeitnehmerveranlagung, Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Grunderwerbsteuer, Familienbeihilfe und zahlreiche weitere Abgaben von Privatpersonen, Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften zuständig. Die regionalen Dienststellen sind nach wie vor Ansprechpartner vor Ort.

Finanzamt für Großbetriebe

Das Finanzamt für Großbetriebe ist österreichweit für Unternehmen ab bestimmten Umsatzgrößenordnungen zuständig. Hier werden komplexe Sachverhalte wie internationale Konzernsteuern, Verrechnungspreise, Umgründungen und bedeutende Betriebsprüfungen behandelt.

Zollamt Österreich

Das Zollamt Österreich ist zentrale Zollbehörde und für alle Zoll- und Verbrauchsteuerangelegenheiten zuständig.

Amt für Betrugsbekämpfung

Das Amt für Betrugsbekämpfung (ABB) bündelt die Finanzpolizei, die Steuerfahndung, die Finanzstrafbehörde und die Zentralstelle Internationale Zusammenarbeit. Es bekämpft Steuerbetrug, Sozialbetrug, Schwarzarbeit und Wirtschaftskriminalität.

Bundesfinanzgericht (BFG)

Das Bundesfinanzgericht ist funktional unabhängig und nicht weisungsgebunden. Es entscheidet über Beschwerden gegen Bescheide der Finanzverwaltung und ist damit das zentrale Rechtsschutzorgan in Abgabensachen. Es ist nicht Teil des BMF, aber eng mit ihm verwoben.

Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA)

Die OeBFA führt im Auftrag des BMF das Schuldenmanagement der Republik Österreich durch und emittiert Bundesanleihen am Kapitalmarkt.

Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG)

Die ÖBAG verwaltet zahlreiche staatliche Beteiligungen an börsennotierten und nicht börsennotierten Unternehmen.

Bundesrechenzentrum GmbH (BRZ)

Das BRZ ist der zentrale IT-Dienstleister der Finanzverwaltung und des Bundes. Es betreibt Systeme wie FinanzOnline, ELDA, das Unternehmensserviceportal und viele weitere.

Wichtige Gesetze im Zuständigkeitsbereich des BMF

Zu den zentralen Rechtsgrundlagen der BMF-Arbeit zählen:

  • Bundeshaushaltsgesetz (BHG)
  • Bundesabgabenordnung (BAO)
  • Einkommensteuergesetz (EStG)
  • Körperschaftsteuergesetz (KStG)
  • Umsatzsteuergesetz (UStG)
  • Gebührengesetz (GebG)
  • Finanzstrafgesetz (FinStrG)
  • Zollrechts-Durchführungsgesetz (ZollR-DG)
  • Bankwesengesetz (BWG)
  • Finanzmarktaufsichtsgesetz (FMABG)
  • Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG)
  • Wertpapieraufsichtsgesetz (WAG)
  • Finanzausgleichsgesetz (FAG)

Diese Gesetze werden laufend an wirtschaftliche, technische und europarechtliche Entwicklungen angepasst.

Wichtige Themen im Jahr 2026

Das Jahr 2026 ist für das BMF durch mehrere zentrale Themen geprägt:

  1. Abschaffung der kalten Progression: Die seit 2023 automatisch erfolgende Inflationsanpassung des Einkommensteuertarifs wirkt auch 2026 und entlastet Arbeitnehmer und Pensionisten dauerhaft. Tarifstufen, Absetzbeträge und verschiedene Freibeträge werden jährlich angepasst.
  2. Digitalisierung der Finanzverwaltung: FinanzOnline, elektronische Zustellung, automatische Vorausfüllung von Erklärungen und KI-gestützte Risikoanalysen werden weiter ausgebaut.
  3. Mindestbesteuerung multinationaler Konzerne: Die globale Mindeststeuer (Pillar Two) ist voll in Kraft.
  4. Green Budgeting und nachhaltige Finanzen: Klima- und nachhaltigkeitsbezogene Budgetsteuerung gewinnt an Bedeutung.
  5. Schuldenabbau und Fiskaldisziplin: Nach den Krisenjahren steht die Stabilisierung der Staatsfinanzen im Fokus.

Online-Services und FinanzOnline

FinanzOnline ist das zentrale Online-Portal der österreichischen Finanzverwaltung unter finanzonline.bmf.gv.at. Es bietet unter anderem:

  • Arbeitnehmerveranlagung (Steuerausgleich)
  • Einkommensteuer- und Umsatzsteuererklärung
  • Abruf von Bescheiden und Kontoauszügen
  • Ratenzahlungsansuchen und Stundungen
  • Familienbeihilfe und Pendlerpauschale
  • FinanzOnline-Mobile-App

Die Registrierung ist kostenlos, der Zugang erfolgt über Benutzername/PIN oder ID Austria (ehemals Handy-Signatur/Bürgerkarte).

Kontakt zum BMF

Das BMF ist auf verschiedenen Wegen erreichbar:

  • Postadresse: Bundesministerium für Finanzen, Johannesgasse 5, 1010 Wien
  • Telefon Zentrale: +43 1 514 33-0
  • BMF Bürgerservice: +43 50 233 770
  • FinanzOnline Hotline: +43 50 233 790
  • Website: bmf.gv.at
  • E-Mail: über Kontaktformular auf bmf.gv.at

Für steuerliche Fragen sind primär die Dienststellen des Finanzamts Österreich zuständig, nicht das BMF direkt. Das BMF beantwortet vor allem grundsätzliche und politische Anfragen.

Das BMF und das Steueraufkommen Österreichs

Eine der zentralen Kennzahlen, die vom BMF jedes Jahr veröffentlicht werden, ist das gesamte Steuer- und Abgabenaufkommen der Republik Österreich. Es umfasst insbesondere Lohnsteuer, veranlagte Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer, Kapitalertragsteuer, Grunderwerbsteuer, Verbrauchsteuern, Sozialversicherungsbeiträge sowie Gebühren, Zölle und sonstige Abgaben. Die Summe liegt in der Regel in der Größenordnung mehrerer hundert Milliarden Euro pro Jahr. Das BMF steuert diese Einnahmenströme über die gesetzgeberische Arbeit, die Vollzugsaufsicht über das Finanzamt Österreich, das Finanzamt für Großbetriebe, das Zollamt und das Amt für Betrugsbekämpfung sowie über die ständige Weiterentwicklung der Systeme.

Die Verteilung des Steueraufkommens zwischen Bund, Ländern und Gemeinden ist im Finanzausgleichsgesetz (FAG) geregelt. Das FAG wird alle paar Jahre neu verhandelt und ist eine der politisch sensibelsten Materien des österreichischen Föderalismus. 2026 gilt der aktuelle Finanzausgleichsperiode-Rahmen, der die Aufteilung der gemeinschaftlichen Bundesabgaben und die Regelungen zu Transfers zwischen den Gebietskörperschaften definiert.

Die Rolle des BMF in Krisenzeiten

In den letzten Jahren war das BMF mit mehreren historischen Herausforderungen konfrontiert: der Finanzkrise 2008/2009, der Eurokrise ab 2010, der Bankenrettung (Hypo Alpe Adria/Heta), der COVID-19-Pandemie ab 2020, der Energiekrise und Hochinflationsphase 2022/2023 sowie der Zinswende am Kapitalmarkt. In allen Fällen spielte das BMF eine Schlüsselrolle – sei es bei der Umsetzung von Hilfsprogrammen wie der COFAG, bei der Gestaltung von Kurzarbeitsmodellen in Kooperation mit dem Sozialministerium, bei Stützungspaketen für Unternehmen, bei Verbraucherentlastungen wie der Strompreisbremse oder bei der Emission neuer Staatsanleihen zur Finanzierung des Krisenbewältigungshaushalts.

2026 steht die Normalisierung der Staatsfinanzen im Zentrum. Nach den Krisenjahren ist die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP gestiegen. Der Budgetpfad sieht vor, das Defizit schrittweise zu reduzieren, ohne die Wirtschaftsleistung zu gefährden. Die EU-Fiskalregeln und der neue Stabilitäts- und Wachstumspakt verlangen einen glaubwürdigen Konsolidierungskurs. Das BMF arbeitet dabei eng mit dem Fiskalrat, dem Rechnungshof, WIFO und IHS zusammen.

Das BMF und die Digitalisierung

Die digitale Transformation der Finanzverwaltung ist eine der großen strategischen Linien des BMF. Zu den wichtigsten Projekten zählen:

  • FinanzOnline als zentrales Bürger- und Unternehmensportal
  • ELDA für die elektronische Datenübermittlung (Lohnzettel, Sozialversicherung)
  • Unternehmensserviceportal (USP) als zentrale digitale Schnittstelle für Unternehmen
  • E-Rechnung an den Bund, verpflichtend für viele Lieferanten
  • Automatische Arbeitnehmerveranlagung (antragslos)
  • Pre-filled Returns (vorausgefüllte Steuererklärungen)
  • KI-gestützte Risikoanalyse in der Betriebsprüfung
  • Elektronische Zustellung und digitales Kommunikationsmanagement
  • ID Austria als einheitliches Identitätsmanagement

2026 wird die Einführung der E-Rechnung für den B2B-Bereich auf EU-Ebene weiter vorangetrieben. Österreich bereitet sich über das BMF auf die Umsetzung der entsprechenden EU-Regelungen vor, die die Umsatzsteuerkontrolle und Betrugsbekämpfung nachhaltig verändern werden.

Das BMF und die internationale Steuerpolitik

Auf internationaler Ebene ist das BMF in zahlreichen Gremien aktiv. Zu den wichtigsten Themen der letzten Jahre zählen:

  • OECD Pillar Two (globale Mindeststeuer von 15 Prozent für multinationale Konzerne)
  • Pillar One (neue Verteilungsregeln für Besteuerungsrechte großer Digitalkonzerne)
  • EU-DAC-Richtlinien zum automatischen Informationsaustausch in Steuersachen
  • Anti-Geldwäsche-Paket (AMLR/AMLD) und die neue EU-Behörde AMLA
  • Sanktionsdurchsetzung gegen Russland und andere Länder
  • Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und ESG-Finanzregulierung
  • Kryptowerteregulierung (MiCAR, DAC8) und Besteuerung von Krypto-Assets

Diese internationalen Prozesse werden in Österreich vom BMF koordiniert, oft gemeinsam mit dem BKA, dem Außenministerium und den Aufsichtsbehörden FMA und OeNB.

Das BMF und die Förderverwaltung

Neben den Einnahmen verantwortet das BMF auch wesentliche Teile der Förderverwaltung des Bundes. Dazu gehören insbesondere die Abwicklung steuerlicher Förderungen (z. B. Forschungsprämie, Investitionsprämie), die Steuerung von Förderstellen wie der Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS, im Eigentum des BMF und BMAW) und die Koordination großer Förderprogramme. Viele Wirtschaftsförderungen laufen in der Praxis als Kombination aus Steuerentlastungen, Zuschüssen und Darlehen – hier ist das BMF zentral.

Das BMF und die Pensionspolitik

Auch wenn die Pensionspolitik primär beim Sozialministerium angesiedelt ist, hat das BMF durch die Budgetverantwortung eine maßgebliche Mitsprache. Der Bundeszuschuss zum Pensionssystem ist einer der größten Budgetposten. Reformen, Anpassungen von Hacklerregelung, Korridorpension, Schwerarbeiterpension und Pensionsversicherungsrecht sind in der Regel Gegenstand intensiver BMF-Beteiligung.

Das BMF und der Finanzausgleich

Im Rahmen des Finanzausgleichs verhandelt das BMF alle paar Jahre mit Ländern und Gemeinden über die Verteilung der gemeinschaftlichen Bundesabgaben, die Aufteilung zweckgebundener Zuschüsse und die Finanzierung von Gesundheit, Pflege, Bildung und Klimaschutz. Die aktuelle Finanzausgleichsperiode sieht unter anderem einen verstärkten Fokus auf Transformation, Pflege und Klimaziele vor.

BMF und Transparenz

Transparenz ist ein wichtiger Wert in der Arbeit des BMF. Der Rechnungshof prüft regelmäßig die Gebarung und veröffentlicht kritische Berichte. Der Budgetdienst des Parlaments analysiert die Haushaltsunterlagen. Die Offene Finanzdaten (data.gv.at, offenerhaushalt.at) bieten Bürgern Einblicke in die Verwendung öffentlicher Mittel. Das BMF ist mit der Open Government Data Initiative aktiv an der Veröffentlichung relevanter Daten beteiligt.

BMF-Publikationen und Informationsquellen

Wer sich über steuerliche und budgetäre Themen informieren möchte, findet beim BMF umfangreiche Materialien:

  • Steuerbuch: jährliches Handbuch mit allen aktuellen Absetzbeträgen, Freibeträgen und Tipps zur Arbeitnehmerveranlagung (kostenlos als PDF auf bmf.gv.at)
  • Budgetunterlagen: Bundesfinanzgesetz, Strategiebericht, Budgetbericht
  • Findok: Datenbank mit Entscheidungen des BFG, des VwGH und Rechtsansichten der Finanzverwaltung
  • Newsletter: regelmäßige Informationen zu aktuellen Themen
  • Pressemitteilungen auf bmf.gv.at

Häufige Fragen zum BMF

Wer ist der Chef des BMF? Der/Die Bundesminister/in für Finanzen leitet das Ressort. Die konkrete Besetzung ergibt sich aus der jeweils amtierenden Bundesregierung.

Unterscheidet sich das BMF vom Finanzamt? Ja. Das BMF ist Ministerium und Dienstaufsicht. Das Finanzamt Österreich ist eine nachgeordnete Behörde, die den Vollzug der Steuergesetze übernimmt.

Kann ich mich mit Anliegen direkt an das BMF wenden? Für politische und grundsätzliche Fragen ja. Für individuelle steuerliche Anliegen ist das Finanzamt Österreich zuständig.

Wo finde ich aktuelle Steuertipps? Im BMF-Steuerbuch, auf bmf.gv.at und auf finanzinfo.at.

Welche Gesetze fallen ins Ressort? Bundeshaushaltsgesetz, Bundesabgabenordnung, EStG, KStG, UStG, FinStrG, BWG, FMABG und viele weitere.

Steuerbuch: Der jährliche Klassiker des BMF

Ein besonders populäres Angebot des BMF ist das Steuerbuch, das jährlich erscheint und zahlreiche Tipps zur Arbeitnehmerveranlagung enthält. Das Steuerbuch gibt einen Überblick über Absetzbeträge, Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Pendlerpauschale, Familienbonus Plus und viele weitere Themen. Es ist kostenlos als PDF verfügbar und wird jedes Jahr aktualisiert. Millionen Österreicher nutzen es als praktischen Ratgeber.

Bundesvoranschlag und Budgeterstellung

Die Erstellung des Bundesvoranschlags ist der vielleicht wichtigste jährliche Prozess im BMF. Sie beginnt intern bereits im Frühjahr mit den Budgetverhandlungen zwischen BMF und den einzelnen Ressorts. Im Sommer werden die Eckpunkte festgelegt, im Herbst erfolgt die Vorlage im Ministerrat, dann die parlamentarische Beratung. Das Bundesfinanzgesetz wird vom Nationalrat beschlossen und ist die rechtliche Grundlage für die Haushaltsführung des folgenden Jahres.

Parallel dazu wird der Bundesfinanzrahmen für vier Jahre erstellt, der die mittelfristige Planung bildet. Mit der Haushaltsrechtsreform hat Österreich eine moderne wirkungsorientierte Haushaltsführung eingeführt, die nicht nur die Ausgaben, sondern auch die angestrebten Wirkungen und Ziele in den Mittelpunkt stellt.

Budgetdienst des Parlaments

Der Budgetdienst des Parlaments unterstützt Abgeordnete bei der Analyse und Bewertung der Budgetunterlagen. Er erstellt eigene Analysen, Kommentare und Berichte. Dies schafft eine zusätzliche Ebene der Transparenz und Kontrolle neben dem Rechnungshof.

Fiskalrat Österreich

Der Fiskalrat ist ein unabhängiges Gremium zur Beurteilung der Einhaltung der Fiskalregeln. Er veröffentlicht regelmäßig Stellungnahmen und Analysen zur Finanzpolitik des Bundes, der Länder und Gemeinden. Das BMF kooperiert mit dem Fiskalrat, respektiert aber seine Unabhängigkeit.

Internationale Koordination im Detail

Österreich ist Mitglied in zahlreichen internationalen Organisationen, in denen das BMF die Republik vertritt:

  • ECOFIN: Rat der EU-Wirtschafts- und Finanzminister
  • Eurogruppe: Finanzminister der Euro-Staaten
  • OECD: Komitees zu Steuern, Wirtschaftspolitik, Finanzmärkten
  • IWF: Internationaler Währungsfonds, Österreich ist Mitglied mit Exekutivdirektor-Rotation
  • Weltbank: Beteiligung an multilateralen Entwicklungsbanken
  • G20-Finanzministertreffen: Österreich nimmt teil, wenn eingeladen
  • Europäische Investitionsbank (EIB): Österreich ist Anteilseigner
  • Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM): Mitgliedstaat
  • Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ): Zentralbankfragen gemeinsam mit OeNB

Diese internationale Einbindung macht das BMF zu einem wichtigen Akteur in der Gestaltung der europäischen und globalen Finanzpolitik.

Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA)

Die OeBFA (Österreichische Bundesfinanzierungsagentur) ist eine GmbH im Eigentum des Bundes, die für das Schuldenmanagement der Republik zuständig ist. Sie gibt Bundesanleihen aus, führt Auktionen durch, steuert das Zinsrisiko und sorgt für die Liquidität des Bundes. Die OeBFA gilt als professionelle Institution mit hoher Reputation auf den internationalen Kapitalmärkten. Die Bundesanleihen Österreichs sind als sicher eingestuft.

Bundesimmobiliengesellschaft (BIG)

Die BIG verwaltet rund 2.000 Objekte des Bundes und ist einer der größten Immobilienakteure Österreichs. Sie vermietet Gebäude an Universitäten, Schulen, Gerichte, Justizanstalten und andere öffentliche Einrichtungen. Die BIG ist ein Unternehmen des Bundes und gehört wirtschaftlich zum Verantwortungsbereich des BMF.

Austria Wirtschaftsservice (AWS)

Die AWS ist die Förderbank der Republik Österreich und unterstützt Unternehmen mit Krediten, Garantien und Zuschüssen. Sie arbeitet eng mit dem BMF und dem Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft zusammen. Besonders wichtig ist sie für Gründungsfinanzierung, Innovationsförderung und Internationalisierung.

Nationalbank und Finanzmarktaufsicht

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) ist die Zentralbank Österreichs und Teil des Eurosystems. Sie ist unabhängig, arbeitet aber mit dem BMF in Fragen der Finanzmarktstabilität zusammen. Die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) beaufsichtigt Banken, Versicherungen, Wertpapiermärkte und Pensionskassen. BMF, OeNB und FMA bilden gemeinsam mit der Einlagensicherung AUSTRIA das Netzwerk der Finanzstabilität.

Das BMF und die Pensionskassen

Die österreichischen Pensionskassen verwalten die betriebliche Altersvorsorge und sind ein wichtiger Teil der zweiten Säule der Alterssicherung. Das BMF ist für die rechtlichen Rahmenbedingungen zuständig und arbeitet mit der FMA bei der Aufsicht zusammen.

Das BMF und die Krypto-Wirtschaft

Mit dem starken Wachstum der Kryptowährungen und -dienstleistungen ist auch das BMF zunehmend gefordert. Die MiCAR-Verordnung der EU (Markets in Crypto-Assets Regulation) ist 2024 vollständig wirksam geworden und regelt die Tätigkeit von Krypto-Dienstleistern EU-weit. Steuerlich werden Gewinne aus Kryptowährungen in Österreich seit 2022 als Kapitalerträge behandelt. Das BMF hat entsprechende Richtlinien und Informationen herausgegeben.

Nachhaltigkeit und Green Finance

Das Thema nachhaltige Finanzen gewinnt beim BMF kontinuierlich an Bedeutung. Österreich emittiert grüne Bundesanleihen (Green Bonds), die zur Finanzierung ökologisch nachhaltiger Projekte verwendet werden. Die EU-Taxonomie für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten, die CSRD-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und die SFDR-Verordnung für Finanzprodukte setzen den Rahmen, den das BMF in Österreich umsetzt.

Das BMF als Herausgeber von Richtlinien

Das BMF veröffentlicht umfangreiche Richtlinien zu zentralen Steuergesetzen. Diese Einkommensteuer-Richtlinien, Körperschaftsteuer-Richtlinien, Umsatzsteuer-Richtlinien und Lohnsteuer-Richtlinien sind keine Gesetze, aber wichtige Auslegungshilfen für Finanzbehörden, Steuerberater und Unternehmen. Sie werden regelmäßig aktualisiert und in der Findok veröffentlicht.

Kooperation mit Wissenschaft und Wirtschaft

Das BMF arbeitet mit WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung), IHS (Institut für Höhere Studien), Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen. Wissenschaftliche Studien fließen in die Gestaltung von Steuerpolitik und Budgetpolitik ein. Auch die Sozialpartner (WKO, IV, AK, ÖGB) und Berufsverbände werden regelmäßig in Entscheidungsprozesse eingebunden.

Bundesfinanzakademie

Die Bundesfinanzakademie ist die zentrale Aus- und Weiterbildungseinrichtung für Bedienstete der Finanzverwaltung. Hier werden die fachlichen Grundlagen vermittelt – vom Einkommensteuerrecht über Umsatzsteuer bis zur Betriebsprüfung. Die Akademie bietet zudem Spezialausbildungen und Laufbahnkurse.

Rückblick: Bedeutende Reformen der letzten Jahre

In den letzten Jahren wurden zahlreiche bedeutende Reformen umgesetzt:

  • Finanzverwaltungsreform 2021 (Finanzamt Österreich, FAG, Zollamt, ABB)
  • Abschaffung der kalten Progression (ab 2023 schrittweise)
  • Senkung der Körperschaftsteuer (auf 23 Prozent)
  • Familienbonus Plus (seit 2019, mehrfach erhöht)
  • Investitionsfreibetrag (2023 eingeführt)
  • Energiekostenzuschüsse und Strompreisbremse (2022–2024)
  • Besteuerung von Kryptowährungen (seit 2022)
  • Öko-Soziale Steuerreform (schrittweise Umsetzung ab 2022)
  • Abschaffung der GIS und Einführung des ORF-Beitrags (2024)

Jede dieser Reformen ist in engem Zusammenhang mit dem BMF entstanden und umgesetzt worden.

Ausblick 2026 und darüber hinaus

Für die kommenden Jahre stehen folgende Themen im Mittelpunkt der BMF-Arbeit:

  1. Budgetkonsolidierung nach den Krisenjahren
  2. Fortführung der Abschaffung der kalten Progression
  3. EU-Eigenmittelreform und neue Finanzierungsquellen
  4. Digitale Transformation der Finanzverwaltung
  5. Umsetzung der globalen Mindestbesteuerung
  6. Anpassung an Demografie und Pension
  7. Nachhaltigkeitsorientierte Finanzpolitik
  8. Bekämpfung von Steuerbetrug und Schwarzarbeit
  9. Stärkung des Wirtschaftsstandorts Österreich
  10. Europäische Kapitalmarktunion

Das Bundesministerium für Finanzen ist das Herzstück der österreichischen Finanz- und Wirtschaftspolitik. Von der Budgetgestaltung über das Steuerrecht bis hin zur Aufsicht über Finanzamt Österreich, Zoll und Amt für Betrugsbekämpfung – das BMF prägt die Rahmenbedingungen für Staat, Wirtschaft und Bürger maßgeblich. Wer seine Steuerangelegenheiten verstehen, Anträge stellen oder sich über aktuelle steuerliche Änderungen informieren will, kommt am BMF und seinen nachgeordneten Behörden nicht vorbei. Auf finanzinfo.at finden Sie zu allen zentralen Themen verständliche und aktuelle Informationen für Österreich im Jahr 2026.

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Häufig gestellte Fragen

Was macht das Bundesministerium für Finanzen?

Das BMF ist für die gesamte staatliche Finanzpolitik Österreichs zuständig, darunter Budget, Steuern, Zoll, Finanzmärkte und die Verwaltung des Bundesvermögens.

Wo befindet sich das BMF?

Der Hauptsitz des BMF befindet sich in der Johannesgasse 5, 1010 Wien. Zusätzlich gibt es mehrere Standorte und nachgeordnete Dienststellen.

Wer ist aktuell Finanzminister von Österreich?

Die aktuelle Ressortleitung 2026 ergibt sich aus der amtierenden Bundesregierung. Die Funktion wird im Rahmen der Regierungsbildung nach den Nationalratswahlen bestellt.

Wie erreiche ich das BMF?

Das BMF ist telefonisch unter der allgemeinen Nummer +43 1 514 33-0 erreichbar. Alle Kontaktmöglichkeiten, Online-Services und Formulare finden Sie auf bmf.gv.at.

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Redaktion finanzinfo.at

Chefredakteur finanzinfo.at

Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.