Firmenkonto Österreich: Geschäftskonto eröffnen
Firmenkonto Österreich 2026: Pflicht, Kosten, Anbieter und Voraussetzungen. Jetzt passendes Geschäftskonto für Ihr Unternehmen finden!
Firmenkonto in Österreich 2026: Der Ratgeber für Unternehmen
Das Firmenkonto ist für jedes Unternehmen in Österreich unverzichtbar. Es dient nicht nur der rechtlichen und buchhalterischen Trennung von privaten und geschäftlichen Finanzen, sondern ist auch das zentrale Instrument für Zahlungsverkehr, Liquiditätsmanagement und Geschäftsbeziehungen. Dieser Ratgeber beantwortet alle wichtigen Fragen rund um das Firmenkonto: Für wen ist es Pflicht? Welche Konditionen gelten 2026? Welche Anbieter bieten die besten Konten für Ein-Personen-Unternehmen, kleine GmbHs oder wachsende Start-ups?
Was ist ein Firmenkonto?
Das Firmenkonto — auch Geschäftskonto oder Business-Konto genannt — ist ein Girokonto, das ausschließlich für geschäftliche Zahlungsvorgänge verwendet wird. Funktional unterscheidet es sich zunächst kaum vom privaten Girokonto: Sie empfangen Zahlungen, tätigen Überweisungen, verwalten Daueraufträge und bezahlen mit der Debit- oder Kreditkarte. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der rechtlichen Einordnung und der Funktionalität für Unternehmen: Ein Firmenkonto lautet auf den Firmennamen (bzw. auf den Einzelunternehmer mit Geschäftsbezeichnung), ist buchhalterisch klar abgegrenzt und bietet oft zusätzliche Features wie Massenüberweisungen, Schnittstellen zu Buchhaltungssoftware, mehrere Nutzerberechtigungen, erweiterte Auslandsfunktionen und die Möglichkeit, Kreditlinien, Factoring oder Devisenhandel zu integrieren.
Abgrenzung zum Privatkonto
Banken dulden in der Regel nicht, dass gewerbliche Zahlungen über private Girokonten abgewickelt werden. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ist meist festgeschrieben, dass das Privatkonto ausschließlich für private Zwecke zu nutzen ist. Wer diese Regel missachtet, riskiert eine Kündigung durch die Bank. Zusätzlich verlangt das österreichische Steuerrecht eine klare Trennung privater und geschäftlicher Finanzströme — spätestens im Rahmen einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt wird eine saubere Trennung überprüft.
Für wen ist ein Firmenkonto Pflicht?
In Österreich besteht die Pflicht zur Führung eines separaten Firmenkontos abhängig von der Rechtsform des Unternehmens.
Kapitalgesellschaften
Kapitalgesellschaften — in Österreich sind das die GmbH, die FlexCo (FlexKapG, die seit 2024 verfügbare “flexible Kapitalgesellschaft”), die AG sowie die SE — sind zwingend verpflichtet, ein eigenes Firmenkonto zu führen. Das ergibt sich aus der rechtlichen Selbstständigkeit dieser Gesellschaften: Sie sind juristische Personen mit eigener Rechtsfähigkeit und müssen ihr Vermögen strikt vom Privatvermögen der Gesellschafter trennen. Schon bei der Gründung einer GmbH muss das Stammkapital auf einem dedizierten Gesellschaftskonto eingezahlt werden, bevor der Notar die Gründung beurkundet und die Eintragung ins Firmenbuch erfolgt.
Personengesellschaften
Bei Offenen Gesellschaften (OG), Kommanditgesellschaften (KG) und Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR, in Österreich meist als “GesbR” bezeichnet) besteht keine explizite gesetzliche Pflicht zur Führung eines eigenen Kontos. Gleichwohl ist eine saubere Trennung praktisch unvermeidlich, sobald mehrere Gesellschafter beteiligt sind: Nur mit einem dedizierten Geschäftskonto lassen sich Einlagen, Entnahmen und Gewinnausschüttungen nachvollziehbar dokumentieren.
Einzelunternehmer
Einzelunternehmer und Freiberufler sind gesetzlich nicht zur Führung eines eigenen Firmenkontos verpflichtet — die Rechtsprechung sieht das private und geschäftliche Vermögen bei Einzelunternehmen als eine Einheit. Steuerlich und praktisch ist ein Firmenkonto jedoch dringend zu empfehlen. Zum einen erleichtert es die Buchhaltung erheblich, da private und geschäftliche Transaktionen nicht mehr voneinander unterschieden werden müssen. Zum anderen verlangen viele Banken in ihren AGBs explizit die Eröffnung eines Geschäftskontos, wenn über ein Konto gewerbliche Zahlungen laufen. Bei einer Betriebsprüfung stellt ein getrenntes Geschäftskonto zudem den wichtigsten Nachweis dafür dar, welche Ausgaben tatsächlich betrieblich veranlasst waren.
Kosten und Gebühren für Firmenkonten 2026
Die Preise für Firmenkonten sind in Österreich in den vergangenen Jahren erheblich in Bewegung geraten. Während Filialbanken traditionell hohe monatliche Grundgebühren verlangen, drängen seit einigen Jahren Direktbanken und europäische Neobanken auf den österreichischen Markt und setzen die Etablierten unter Druck.
Gebührenstruktur
Typische Kostenpositionen bei einem Firmenkonto sind die monatliche Grundgebühr (zwischen 0 und 50 Euro), Buchungsposten für jede Transaktion (zwischen 0,15 und 0,60 Euro pro Buchung), die Jahresgebühr für Debit- und Kreditkarte (zwischen 0 und 100 Euro), Gebühren für SEPA-Instant-Überweisungen, Fremdwährungsüberweisungen und Überweisungen ins Nicht-EU-Ausland, Kosten für Kontoauszüge in Papierform sowie eventuell Gebühren für zusätzliche Nutzer oder Berechtigungen.
Kostenübersicht 2026 nach Anbietertyp
Bei den traditionellen Filialbanken (Erste Bank, Bank Austria, Raiffeisen, BAWAG P.S.K., Volksbanken) liegen die Kosten für ein einfaches Firmenkonto zwischen 15 und 30 Euro monatlich, inklusive einer begrenzten Anzahl an Buchungsposten. Wer mehr Buchungen tätigt, zahlt zusätzlich. Bei Direktbanken wie Easybank Business oder DADAT Business ist das Modell günstiger, meist zwischen 5 und 15 Euro monatlich. Bei europäischen Neobanken wie Qonto, Finom, Revolut Business, N26 Business oder bunq Business sind die Einstiegstarife oft kostenfrei oder unter 10 Euro, die Premium-Tarife mit mehr Nutzern und Features liegen bei 15 bis 40 Euro.
Die wichtigsten Anbieter für Firmenkonten 2026
Der österreichische Markt für Firmenkonten ist heute wesentlich vielfältiger als noch vor wenigen Jahren. Neben den klassischen Großbanken haben sich spezialisierte Business-Neobanken etabliert, die insbesondere für Freiberufler, kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups attraktive Konditionen bieten.
Erste Bank Business
Die Erste Bank und ihre Sparkassen bieten mehrere Firmenkontomodelle an, von der einfachen Variante für Freiberufler bis zum Premium-Paket für mittelständische Unternehmen. Die Kontoführung kostet je nach Modell zwischen 10 und 40 Euro monatlich. Besonderheit ist die starke Integration in die George-Plattform, die auch für Geschäftskunden umfangreiche Analysewerkzeuge bietet.
Raiffeisen Firmenkonto
Die Raiffeisen-Landesbanken führen regional unterschiedliche Modelle für Unternehmen. Die Konditionen variieren zwischen den Bundesländern erheblich, das Leistungsspektrum ist breit. Ein Vorteil der Raiffeisen-Gruppe ist die starke regionale Verankerung und die persönliche Beratung durch den Firmenkundenbetreuer vor Ort.
Bank Austria Business
Die Bank Austria bietet spezielle Modelle für kleine Unternehmen, Freiberufler und Mittelstandskunden an. Die Einstiegskonten liegen bei rund 15 Euro monatlich, Premium-Pakete bei 30 bis 50 Euro. Stark ist das internationale Angebot dank der Einbindung in die UniCredit-Gruppe.
BAWAG P.S.K. Business
Die BAWAG P.S.K. offeriert ein umfassendes Business-Angebot mit ausgedehntem Filialnetz durch Postpartner. Die Gebühren bewegen sich im mittleren Segment, die Qualität des Online-Bankings ist solide.
Easybank Business
Die Easybank als Direktbank-Tochter der BAWAG bietet ein Business-Konto mit günstigen Konditionen und einfacher Online-Abwicklung an. Es eignet sich besonders für Einzelunternehmer und kleine Unternehmen, die keine persönliche Betreuung benötigen.
Qonto
Qonto ist ein französisches FinTech, das 2016 gegründet wurde und mittlerweile in zahlreichen EU-Ländern aktiv ist, darunter auch Österreich. Qonto bietet reine Business-Konten ab 9 Euro pro Monat an, die speziell auf kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups zugeschnitten sind. Besonderheiten sind die sofortige Online-Eröffnung (auch für Neugründungen), die tiefe Integration in gängige Buchhaltungssoftware (DATEV, BMD, Lexware, Fastbill), die einfache Verwaltung mehrerer Nutzer und Berechtigungen sowie die hohe Qualität der App.
Finom
Finom ist ein europäisches FinTech mit Fokus auf Freiberufler und kleine Unternehmen. Finom bietet Business-Konten ab 0 Euro pro Monat (Basismodell) bis zu 109 Euro (Corporate-Paket) an. Besondere Stärken sind die automatisierte Rechnungserstellung, die Online-Buchhaltung und die Integration in gängige Accounting-Tools.
Revolut Business
Revolut bietet mit “Revolut Business” ein Business-Konto an, das insbesondere für international tätige Unternehmen attraktiv ist. Das kostenlose Modell bietet Grundfunktionen, kostenpflichtige Pakete (ab 9 Euro monatlich) beinhalten mehr Nutzer, höhere Transferlimits und zusätzliche Features wie Expense-Management.
N26 Business
N26 bietet mit N26 Business Standard ein kostenloses Geschäftskonto für Selbstständige und Einzelunternehmer an. Die Funktionalität ist identisch mit dem privaten Konto, zusätzlich erhalten Nutzer Cashback auf Kartenzahlungen. Premium-Varianten mit Versicherungspaketen sind ebenfalls verfügbar.
bunq Business
Die niederländische Neobank bunq bietet spezielle Business-Konten mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Die Tarife beginnen bei rund 11 Euro monatlich und beinhalten umfangreiche Features wie Unterkonten für unterschiedliche Projekte, automatische Steuer-Rücklagen und Integrationen in Buchhaltungstools.
Voraussetzungen für die Eröffnung eines Firmenkontos
Die Voraussetzungen zur Eröffnung eines Firmenkontos sind in Österreich klar geregelt und richten sich nach der Rechtsform des Unternehmens.
Unterlagen für Einzelunternehmer
Einzelunternehmer benötigen einen gültigen Lichtbildausweis, den Gewerbeschein bzw. die Gewerbeanmeldung, den Bescheid des Finanzamts über die Steuernummer (bei Umsatzsteuerpflicht auch UID-Nummer) sowie einen Nachweis über die Geschäftsadresse. Bei neuen Unternehmen kann auch der Hauptwohnsitz als Geschäftsadresse akzeptiert werden.
Unterlagen für GmbH und FlexCo
Kapitalgesellschaften benötigen einen aktuellen Firmenbuchauszug (nicht älter als sechs Wochen), den Gesellschaftsvertrag bzw. die Errichtungserklärung, Identitätsnachweise aller Geschäftsführer, die UID-Nummer sowie bei neu gegründeten Gesellschaften gegebenenfalls den Gründungsnachweis durch den Notar. Bei GmbHs in Gründung (“in Gründung” oder “i. Gr.”) wird zunächst ein Einzahlungskonto für das Stammkapital eröffnet, das nach Eintragung ins Firmenbuch in ein reguläres Geschäftskonto umgewandelt wird.
Bonitätsprüfung
Banken führen bei der Eröffnung eines Firmenkontos eine Bonitätsprüfung durch, sowohl des Unternehmens als auch der wirtschaftlichen Eigentümer. Eine negative Bonität kann die Eröffnung erschweren, muss aber nicht zwangsläufig zur Ablehnung führen. Für Unternehmen gibt es kein gesetzlich verankertes “Basiskonto” wie für Privatpersonen — allerdings verpflichtet das österreichische Bundesgesetz über die Gewährleistung eines Basis-Zahlungskontos bestimmte Institute, auch Unternehmern Zugang zu grundlegenden Zahlungsdiensten zu ermöglichen.
Das richtige Firmenkonto auswählen
Die Wahl des richtigen Firmenkontos hängt von vielen Faktoren ab: Rechtsform, Unternehmensgröße, Anzahl der Transaktionen, internationale Aktivität, persönlicher Beratungsbedarf und natürlich das Budget. Ein Freiberufler mit überschaubarem Transaktionsvolumen und wenig internationalem Geschäft ist bei einer Neobank wie Qonto, Finom oder N26 Business gut aufgehoben und spart erheblich an Gebühren. Ein wachsendes Start-up mit mehreren Mitarbeitern und Bedarf an Expense-Management findet bei Qonto oder Revolut Business passende Features. Ein mittelständisches Unternehmen mit Investitionsbedarf, komplexer Buchhaltung und hohem Beratungsbedarf ist bei einer klassischen Filialbank mit persönlichem Firmenkundenbetreuer besser aufgehoben, selbst wenn die Gebühren höher sind.
Integration in die Buchhaltung
Ein entscheidendes Auswahlkriterium ist die Integration in die eigene Buchhaltungssoftware. Moderne Business-Neobanken wie Qonto oder Finom bieten direkte Schnittstellen zu den gängigen österreichischen Buchhaltungsprogrammen (BMD, RZL, Winline, FinanzOnline) oder europäischen Lösungen (DATEV, Lexware, Fastbill). Dadurch entfällt das manuelle Importieren von Kontoauszügen, Buchungen werden teilweise automatisch zugeordnet, und Belege können direkt in der App erfasst werden. Diese Zeitersparnis ist für viele Unternehmen wichtiger als die reine Gebührenhöhe.
Funktionen für Teams
Wer im Team arbeitet, sollte auf differenzierte Berechtigungen achten: Welche Mitarbeiter dürfen Überweisungen freigeben? Wer darf nur sehen, wer auch verändern? Gibt es Vier-Augen-Prinzip bei größeren Überweisungen? Moderne Business-Konten bieten hier flexible Rollen- und Rechtemodelle, während klassische Filialbankkonten häufig noch am klassischen “Haupt- und Nebenbevollmächtigten”-Modell hängen.
Kreditlinien und Finanzierungen
Ein Firmenkonto ist oft die Grundlage für weitere Finanzprodukte: Kontokorrentkredite (Business-Dispo), Betriebsmittelkredite, Investitionskredite oder Factoring. Wer eine Kreditlinie auf seinem Firmenkonto haben möchte, sollte bei der Wahl der Bank darauf achten, wie die Konditionen im Vergleich aussehen. Klassische Filialbanken bieten hier oft individuellere Lösungen und eine persönliche Betreuung, während Neobanken meist standardisierte Produkte mit automatisierter Prüfung anbieten. Für kleine Start-ups und Freiberufler reicht oft eine einfache Kontokorrentlinie von 3.000 bis 10.000 Euro. Für wachsende Unternehmen mit hohem Liquiditätsbedarf sind maßgeschneiderte Kreditlinien, Factoring oder Leasing relevant.
Steuern und Dokumentationspflichten
Das Firmenkonto ist ein zentrales Instrument der betrieblichen Dokumentation. In Österreich müssen sämtliche Geschäftsvorgänge lückenlos erfasst und aufbewahrt werden. Die Aufbewahrungsfrist für Kontoauszüge und Belege beträgt sieben Jahre (bei einigen Grundstücksgeschäften auch 22 Jahre). Ein Firmenkonto vereinfacht diese Pflicht erheblich, da alle relevanten Transaktionen automatisch dokumentiert werden. Digitale Kontoauszüge im PDF-Format sind rechtlich gleichwertig mit Papierauszügen.
Bei einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt werden häufig Kontoauszüge der vergangenen Jahre angefordert und mit der Buchhaltung abgeglichen. Eine saubere Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Konten ist hier entscheidend — Mischkonten führen regelmäßig zu Diskussionen über die Abzugsfähigkeit von Ausgaben.
Cashflow und Liquiditätsplanung mit dem Firmenkonto
Eine der wichtigsten unternehmerischen Aufgaben ist die Liquiditätsplanung. Das Firmenkonto ist dabei nicht nur das Instrument zur Abwicklung von Zahlungen, sondern auch die zentrale Informationsquelle für den laufenden Cashflow. Moderne Business-Konten bieten Auswertungen, die es Unternehmern erlauben, in Echtzeit zu sehen, wie die finanzielle Situation ist und wie sie sich in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird.
Besonders wertvoll sind Features, die regelmäßige Zahlungseingänge und -ausgänge automatisch erkennen und in die Zukunft projizieren. Wer weiß, dass am 1. des Monats Miete, Gehälter und Leasing abgebucht werden, kann seine Liquidität entsprechend steuern und vermeidet böse Überraschungen. Qonto und Finom bieten solche Cashflow-Prognosen als Standardfeature an; bei Filialbanken sind entsprechende Tools oft nur im Premium-Paket enthalten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Umsatzsteuer-Rücklage. Viele Unternehmer vergessen, dass die eingenommene Umsatzsteuer nicht ihnen gehört, sondern ans Finanzamt abgeführt werden muss. Moderne Business-Konten bieten die Möglichkeit, automatisch einen Prozentsatz jeder Zahlungseingangs auf ein Unterkonto zu überweisen, das als Umsatzsteuer-Rücklage dient. Dadurch ist das Geld im Moment der fälligen Abgabe an das Finanzamt immer verfügbar, und es gibt keine Liquiditätsengpässe.
Rechnung und Mahnwesen
Einige Business-Neobanken bieten mittlerweile integrierte Funktionen zur Rechnungserstellung und zum Mahnwesen an. Finom ist hier besonders weit entwickelt: Unternehmer können direkt aus der App Rechnungen an Kunden senden, die Rechnungen werden automatisch mit Nummer und MwSt.-Ausweisung versehen und nach österreichischem Recht korrekt gestaltet. Sobald eine Zahlung eingeht, wird sie automatisch der entsprechenden Rechnung zugeordnet. Überfällige Rechnungen werden erkannt, und das System kann automatisch Zahlungserinnerungen verschicken. Dieses Feature spart Solo-Unternehmern mehrere Stunden Verwaltungsarbeit pro Monat.
Kartenzahlungen für Unternehmen: Akzeptanz und Abwicklung
Wer als Unternehmer Kartenzahlungen von Kunden akzeptieren möchte, braucht zusätzlich zum Firmenkonto ein sogenanntes Händlerkonto oder eine Acquiring-Lösung. Klassische Anbieter in Österreich sind Worldline (früher SIX Payment Services) und Concardis. Seit einigen Jahren gibt es auch moderne Lösungen wie SumUp, Zettle (ehemals iZettle, jetzt PayPal) oder Square, die ohne festes Terminal auskommen und einfach über das Smartphone abgewickelt werden können.
Für kleine Unternehmen und mobile Dienstleister sind diese Lösungen oft attraktiver als klassische Terminals: Die Anschaffungskosten liegen bei 30 bis 100 Euro für den Kartenleser, die Transaktionsgebühren bei 1,5 bis 2,75 Prozent je nach Anbieter und Kartentyp. Das Geld wird auf das reguläre Firmenkonto überwiesen, meist innerhalb von ein bis zwei Werktagen.
Steuerliche Aspekte beim Firmenkonto
Das Firmenkonto ist ein zentrales Instrument der Steuerbuchführung. Alle Einnahmen und Ausgaben müssen dokumentiert werden und sind im Rahmen der Buchhaltung in die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (bei Einzelunternehmen) oder Bilanz (bei größeren Unternehmen und Kapitalgesellschaften) einzutragen. Die Aufbewahrungsfrist für Kontoauszüge beträgt in Österreich sieben Jahre, bei bestimmten Grundstücksgeschäften sogar bis zu 22 Jahre. Digitale Kontoauszüge sind rechtlich gleichwertig mit Papierauszügen und müssen zusammen mit den Belegen aufbewahrt werden.
Ein wichtiger Aspekt ist die Vorsteuer-Abzugsfähigkeit. Wer Ausgaben über das Firmenkonto tätigt, kann die dabei entrichtete Vorsteuer in der Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) abziehen — sofern es sich um betriebsnotwendige Ausgaben handelt und eine Rechnung im Sinne des Umsatzsteuergesetzes vorliegt. Eine saubere Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Ausgaben ist hierfür essenziell.
Häufige Fehler bei der Firmenkontenwahl
Bei der Auswahl und Nutzung des Firmenkontos machen viele Unternehmer typische Fehler, die sich im Alltag bemerkbar machen. Zu den häufigsten zählen: die Wahl eines zu teuren Kontomodells mit Leistungen, die nie genutzt werden; die Nutzung des privaten Girokontos für geschäftliche Transaktionen aus Bequemlichkeit; das Vernachlässigen der Integration in die Buchhaltungssoftware, was zu doppelter Arbeit führt; das Versäumnis, automatische Steuer-Rücklagen einzurichten, was zu Liquiditätsengpässen zum Quartalsende führt; und die Treue zur Hausbank “aus Gewohnheit”, obwohl deutlich günstigere Alternativen verfügbar sind.
Um diese Fehler zu vermeiden, sollten Selbstständige und Unternehmer regelmäßig (am besten jährlich) ihre Kontoführung überprüfen: Passt das gewählte Paket noch zu meinem aktuellen Bedarf? Nutze ich alle enthaltenen Features? Gibt es günstigere Alternativen? Oft zeigt sich bei dieser Prüfung, dass ein Wechsel möglich und sinnvoll wäre.
Zukunft des Firmenkontos: Open Banking und Embedded Finance
Ein wichtiger Trend 2026 ist Open Banking — der standardisierte Datenaustausch zwischen Banken und Drittanbietern über sichere Schnittstellen (PSD2-APIs). Dadurch können Unternehmer Konten verschiedener Banken in einer einzigen Oberfläche verwalten, Zahlungen zentral auslösen und Daten in unterschiedliche Systeme einspielen. Für Unternehmen mit Konten bei mehreren Banken ist das eine erhebliche Erleichterung.
Ein verwandter Trend ist Embedded Finance: Finanzdienstleistungen werden zunehmend direkt in Branchensoftware integriert. Ein Beispiel: Eine Buchhaltungssoftware bietet innerhalb ihrer Oberfläche direkt Zahlungsfunktionen, ohne dass der Nutzer zum Online-Banking wechseln muss. Qonto, Finom und Revolut Business sind Vorreiter in diesem Bereich und bieten entsprechende APIs und Integrationen.
Branchenspezifische Anforderungen an das Firmenkonto
Je nach Branche und Unternehmenstyp können die Anforderungen an ein Firmenkonto sehr unterschiedlich ausfallen. Ein Handwerksbetrieb benötigt in der Regel ein dichtes Filialnetz für Bareinzahlungen und persönliche Beratung für Materialkredite. Ein IT-Dienstleister mit internationalen Kunden braucht vor allem günstige Fremdwährungstransaktionen und Multi-Currency-Funktionen. Ein Gastronomiebetrieb ist auf Kartenzahlungsakzeptanz und Echtzeitüberweisungen angewiesen, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Ein E-Commerce-Unternehmen braucht Schnittstellen zu Zahlungsdienstleistern wie Stripe, PayPal oder Klarna sowie eine gute API-Anbindung. Diese branchenspezifischen Anforderungen sollten bei der Auswahl des Firmenkontos unbedingt berücksichtigt werden. Wer die falsche Wahl trifft, zahlt im Alltag mit erhöhtem Aufwand und höheren Gebühren. Ein kurzes Gespräch mit Kollegen aus derselben Branche, die bereits gute Erfahrungen mit einem bestimmten Anbieter gemacht haben, ist oft wertvoller als jeder allgemeine Vergleich.
Ein Firmenkonto ist für jedes Unternehmen in Österreich 2026 ein unverzichtbares Instrument. Die Auswahl ist so groß wie nie zuvor — vom kostenlosen Einsteigerkonto bei einer Neobank bis zum Premium-Paket einer traditionellen Filialbank mit persönlicher Betreuung. Welche Lösung die richtige ist, hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Als Orientierung gilt: Kleinere Einzelunternehmen und Freiberufler fahren mit Neobanken wie Qonto, Finom oder N26 Business am günstigsten. Mittelständische Unternehmen und Kapitalgesellschaften mit komplexen Bedürfnissen profitieren von der Beratung und den Zusatzleistungen klassischer Banken. International tätige Unternehmen finden bei Revolut Business oder bunq Business attraktive Features für den Devisenverkehr. Vergleichen Sie die Gesamtkosten, nicht nur die monatliche Grundgebühr, und achten Sie auf die Integration in Ihre Buchhaltungssoftware — das spart im Tagesgeschäft oft mehr Zeit und Geld als die Einsparung bei der Kontoführungsgebühr.
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Häufig gestellte Fragen
Braucht jedes Unternehmen in Österreich ein Firmenkonto?
Kapitalgesellschaften wie GmbH und AG sind gesetzlich verpflichtet, ein getrenntes Firmenkonto zu führen. Für Einzelunternehmer und Personengesellschaften besteht keine gesetzliche Pflicht, ein eigenes Konto wird aber aus buchhalterischen Gründen dringend empfohlen.
Was kostet ein Firmenkonto in Österreich 2026?
Die Kosten für ein Firmenkonto liegen 2026 zwischen 0 und 50 Euro monatlich. Neobanken und Direktbanken wie Qonto, Finom oder Revolut Business bieten teils kostenfreie Einstiegstarife, Filialbanken verlangen zwischen 15 und 50 Euro.
Welche Unterlagen brauche ich für die Eröffnung eines Firmenkontos?
Für die Eröffnung benötigen Sie den Firmenbuchauszug (bei Kapitalgesellschaften), den Gewerbeschein, den Bescheid des Finanzamts über die Steuernummer, einen Identitätsnachweis der Geschäftsführer sowie bei GmbHs den Gesellschaftsvertrag.
Kann ich mein Firmenkonto bei einer Direktbank oder Neobank eröffnen?
Ja, mittlerweile bieten zahlreiche Neobanken wie Qonto, Finom, Revolut Business oder N26 Business Geschäftskonten für den österreichischen Markt an. Die Eröffnung erfolgt rein digital, oft binnen weniger Tage.
Chefredakteur finanzinfo.at
Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.