Steuereinfache Broker Österreich 2026

Welche Broker die KESt automatisch abführen, was sie trotzdem nicht erledigen und wann Sie eine Steuererklärung brauchen. Stand August 2026.

Aktualisiert: 17. August 2026 12 Min. Lesezeit

Am 24. April 2025 hat sich die wichtigste Faustregel für österreichische Anleger überholt. Bis dahin galt: Wer günstig handeln wollte, nahm die Steuererklärung selbst in die Hand, und wer sie loswerden wollte, zahlte bei einer heimischen Bank drauf. Seit diesem Tag führt Trade Republic die Kapitalertragsteuer automatisch ab - bei einem Euro Ordergebühr für die Bestpreisausführung und ohne Depotkosten.

Damit verschiebt sich die eigentliche Frage. Sie lautet nicht mehr, ob Sie sich Steuereinfachheit leisten können, sondern was ein steuereinfacher Broker überhaupt erledigt. Und dort ist die Antwort unangenehmer, als die meisten Übersichten vermuten lassen: Auch mit dem richtigen Broker bleiben vier Situationen übrig, in denen Sie selbst zum Finanzamt müssen.

Was steuereinfach rechtlich bedeutet

Die Grundlage steht in Paragraph 93 EStG: Bei inländischen Einkünften aus Kapitalvermögen wird die Einkommensteuer durch Steuerabzug erhoben. Wer diesen Abzug vornehmen muss, regelt Paragraph 95 Abs. 2 EStG - zuständig ist die inländische depotführende Stelle.

Entscheidend ist, was als „inländisch” zählt. Das Gesetz nennt nicht nur österreichische Kreditinstitute, sondern ausdrücklich auch Zweigstellen von Kreditinstituten aus anderen Mitgliedstaaten nach Paragraph 9 BWG. Ein eigener österreichischer Rechtsträger ist nicht erforderlich. Eine Zweigniederlassung genügt.

Genau das ist der Mechanismus, über den ein deutscher Neobroker steuereinfach werden kann. Trade Republic hat im Juli 2024 eine Wiener Zweigniederlassung gegründet und war neun Monate später so weit. Scalable Capital geht denselben Weg, ist aber noch nicht angekommen.

Ist der Abzug erfolgt, greift die Endbesteuerung. Das Bundesministerium für Finanzen formuliert es so: Der Anleger braucht diese Kapitalerträge nicht mehr in seine Steuererklärung aufnehmen, weil mit der Einbehaltung der KESt die Einkommensteuer abgegolten ist.

Die Steuersätze

ErtragsartSatz
Kursgewinne aus Aktien, Anleihen, Fonds, Derivaten27,5 %
Dividenden und Fondsausschüttungen27,5 %
Kryptowährungen27,5 %
Zinsen aus Sparbüchern und Girokonten25 %

Der abweichende Satz für Geldeinlagen ist kein Detail. Er ist der Grund, warum Verluste aus Wertpapieren nicht gegen Sparbuchzinsen gerechnet werden können - und warum Cash-Zinsen bei fast allen Anbietern aus der Automatik herausfallen.

Welche Broker steuereinfach sind

Stand August 2026. Bei den österreichischen Kreditinstituten ergibt sich die Steuereinfachheit aus dem Bankstatus selbst, ein Stichtag existiert dort nicht.

AnbieterSteuereinfachBeleg
flatex ÖsterreichjaAnbieter-FAQ, inklusive Krypto
DADAT BankjaAnbieter-FAQ, Verlustausgleich depotübergreifend
easybankjaeigene Produktseite
BAWAG P.S.K.jaeigene Produktseite
Erste Bank und SparkassenjaVerlustausgleich in George sichtbar
Raiffeisen über boerse-live.atjaAnbieterangabe
Trade Republicja, seit 24.04.2025über Wiener Zweigniederlassung
Bank Austriajaeigene Information zum Wertpapiergeschäft
Oberbank, BKS, bank99, Bank Direktjabelegt über Vergleichsportale, keine Anbieterquelle geprüft
Scalable CapitalneinUmstellung angekündigt, zuletzt Juni 2026 nicht aktiv
Interactive Brokers, CapTrader, LYNX, DEGIRO, eToroneinSelbstdeklaration erforderlich

Ein Detail mit Folgen: flatex sagt die Steuereinfachheit ausdrücklich „für in Österreich ansässige Personen” zu, und zwar für das österreichische Angebot. Eröffnen Sie das Depot deshalb über flatex.at, nicht über die deutsche Seite.

Was Ihr Broker nicht für Sie erledigt

Hier trennt sich der Wunsch von der Wirklichkeit. Selbst bei einem einwandfrei steuereinfachen Depot bleiben folgende Fälle außen vor - und zwar bei allen geprüften Instituten gleichermaßen.

Altbestand. Kursgewinne aus Altbestand unterliegen nicht der KESt, und der automatische Abzug greift entsprechend nur bei Neubestand. Wichtig ist dabei, dass Paragraph 124b Z 185 EStG zwei verschiedene Stichtage kennt:

WertpapierartNeubestand ab Kauf nach
Aktien und Anteile an Investment- und Immobilienfonds31. Dezember 2010
Anleihen, Zertifikate, Derivate, sonstige Wirtschaftsgüter31. März 2012

Die häufig zu lesende Faustregel „vor April 2012 gekauft, also steuerfrei” ist damit für Aktien und Fonds schlicht falsch. Eine 2011 erworbene Aktie ist Neubestand und voll steuerpflichtig.

Die Erste Bank, easybank und BAWAG schließen Kursgewinne und -verluste aus Altbeständen ausdrücklich aus, Raiffeisen formuliert es umgekehrt: Der Abzug erfolgt nur für Neubestand.

Zinsen aus Geld- und Sparkonten. Sie laufen bei den österreichischen Banken über eine eigene Schiene und sind aus dem automatischen Verlustausgleich ausgenommen.

Gemeinschaftsdepots, betriebliche und treuhändig gehaltene Depots. Ein Depot, das Ihnen und Ihrem Partner gemeinsam gehört, bekommt keinen automatischen Verlustausgleich. Der Grund ist banal: Die Bank kennt die Beteiligungsquoten nicht. Dasselbe gilt für Betriebsvermögen. BAWAG und Erste Bank nehmen zusätzlich treuhändig gehaltene Depots und Depots in Verlassenschaft aus, die DADAT nennt in ihrer FAQ nur Gemeinschaftsdepots und Betriebsvermögen.

Depots bei mehreren Banken. Dazu gleich mehr, denn das ist der häufigste Fall.

Verlustausgleich: was automatisch läuft und was nicht

Der automatische Verlustausgleich ist die eigentliche Arbeitsersparnis eines steuereinfachen Depots. Er hat drei harte Grenzen.

Innerhalb einer Bank funktioniert er auch über mehrere Depots. Die DADAT formuliert das so: Der Ausgleich erfolgt, wenn Sie alleiniger Depotinhaber sind, auch depotübergreifend.

Über Bankgrenzen hinweg funktioniert er nicht. Die Erste Bank ist da unmissverständlich: In den Verlustausgleich werden nur die Einzeldepots bei einer Bank einbezogen. Wer bei zwei Instituten Depots hält, im einen Gewinne und im anderen Verluste realisiert, zahlt zunächst auf die volle Gewinnseite Steuer. Zurückholen lässt sich das nur über die Steuererklärung.

Ein Verlustvortrag ins Folgejahr existiert nicht. Erste Bank, DADAT und BAWAG bestätigen das übereinstimmend: Der Ausgleich gilt nur innerhalb eines Kalenderjahres. Ein Verlust im Dezember, dem im Jänner ein Gewinn gegenübersteht, ist steuerlich verloren.

Diese dritte Grenze ist die, die Anleger am häufigsten überrascht. Sie hat eine praktische Konsequenz: Wenn Sie im laufenden Jahr Gewinne realisiert haben und ein Papier tief im Minus steht, entscheidet das Kalenderjahr darüber, ob sich ein Verkauf steuerlich noch auszahlt.

Wenn Sie doch eine Erklärung brauchen: das Formular E1kv

Die Beilage E1kv zur Einkommensteuererklärung E1 ist das Werkzeug für Einkünfte aus Kapitalvermögen. Sie brauchen sie in drei Fällen: bei einem ausländischen Depot ohne KESt-Abzug, beim bankübergreifenden Verlustausgleich und bei der Regelbesteuerungsoption.

Die wichtigsten Kennziffern:

KennzifferInhalt
862 / 863Einkünfte aus der Überlassung von Kapital Inland / Ausland, vor allem Dividenden und Zinserträge aus Wertpapieren
981 / 994Kursgewinne Inland / Ausland
891 / 892Kursverluste Inland / Ausland
898 / 937Ausschüttungen und ausschüttungsgleiche Erträge Ausland

Die Fristen richten sich nach dem Einreichweg. In Papierform läuft die Erklärung bis 30. April des Folgejahres, über FinanzOnline bis 30. Juni. Wer einen Steuerberater beauftragt, fällt unter die Quotenregelung nach Paragraph 134a BAO und hat deutlich länger Zeit.

Ein Wort zur Regelbesteuerungsoption: Liegt Ihr persönlicher Einkommensteuersatz unter 27,5 Prozent, können Sie beantragen, Kapitalerträge stattdessen mit dem Tarifsatz zu versteuern. Für Studierende, Karenzierte und Pensionisten mit kleinem Einkommen kann das mehrere hundert Euro ausmachen. Das Finanzamt prüft die Option nicht von sich aus - Sie müssen sie beantragen.

Der Fallstrick, den auch ein steuereinfacher Broker nicht entschärft

Nichtmeldefonds. Ein Fonds gilt als Meldefonds, wenn er seine steuerlichen Daten an die Österreichische Kontrollbank meldet; nachsehen lässt sich das im OeKB-Datenangebot. Tut er das nicht, greift die Pauschalbesteuerung nach Paragraph 186 Abs. 2 Z 3 InvFG.

Und die ist unangenehm: Angesetzt werden 90 Prozent der Differenz zwischen erstem und letztem Rücknahmepreis des Kalenderjahres, mindestens aber 10 Prozent des Rücknahmepreises zum Jahresende. Besteuert wird zum 31. Dezember, maßgeblich ist der Bestand zum Jahreswechsel - und zwar unabhängig davon, ob Sie tatsächlich Erträge erzielt oder sogar Verluste gemacht haben.

Im Jahr eines Kursrückgangs zahlen Sie also Steuer auf 10 Prozent des Fondswerts, obwohl Sie verloren haben. Bei einem Depotwert von 20.000 Euro sind das 2.000 Euro angesetzter Ertrag und 550 Euro KESt auf einen Verlust.

Die Konsequenz ist einfach: Prüfen Sie vor dem Kauf, ob ein Fonds Meldefonds ist. Bei den großen, in Europa aufgelegten ETFs ist das die Regel; bei US-domizilierten Fonds und Nischenprodukten nicht.

Auch thesaurierende Meldefonds erzeugen übrigens jährlich steuerpflichtige ausschüttungsgleiche Erträge, obwohl nichts ausgezahlt wird. Ein steuereinfacher Broker führt das automatisch ab, es fällt nur niemandem auf, weil kein Geld fließt.

Trade Republic und Scalable Capital im Einzelnen

Diese beiden Fälle sorgen für die meiste Verwirrung, auch weil mehrere Vergleichsportale sie falsch darstellen.

Trade Republic ist seit 24. April 2025 steuereinfach. Abgeführt wird auf Aktien, Anleihen, in- und ausländische ETFs und Fonds sowie Derivate, mit laufendem Verlustausgleich. Neukunden sind ab der ersten Order dabei, Bestandskunden wurden schrittweise umgestellt.

Bei Kryptowerten ist die Lage dagegen ungeklärt, und zwar durch den Anbieter selbst. Die Pressemitteilung zum Österreich-Start vom 24. April 2025 verspricht die automatische Steuerabführung ausdrücklich auch „auf Kapital- und Cryptoerträge”. Die Kundenvereinbarung stellt in Anlage 12 dagegen klar, dass Cryptowerte-Dienstleistungen nicht durch die Wiener Zweigniederlassung erbracht werden - und genau diese Zweigniederlassung ist es, die den Steuerabzug trägt. Das Hilfe-Center unter der österreichischen Adresse wiederum schreibt, eine automatische Abführung finde nicht statt, beschreibt dabei aber deutsches Recht.

Die einzige österreichische Konzerngesellschaft, die als Anknüpfungspunkt in Frage gekommen wäre, die Trade Republic Custody GmbH, wurde am 19. Mai 2026 im Firmenbuch gelöscht. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf die Zusage, sondern prüfen Sie nach einem Kryptoverkauf in der Abrechnung, ob KESt einbehalten wurde. Details dazu stehen im Portrait zu Trade Republic.

Ein dritter Punkt betrifft Bestandskunden: Wer die Umstellung auf die österreichische IBAN nicht abgeschlossen hat, für den gilt Trade Republic laut Kundenvereinbarung ausdrücklich nicht als Abzugsverpflichteter. Ohne Migration also kein automatischer Steuerabzug.

Scalable Capital ist Stand August 2026 nicht steuereinfach. Die Meilensteine sind gesetzt: Vollbanklizenz im September 2025, österreichische Zweigniederlassung Mitte Januar 2026, Eintragung in die Unternehmensdatenbank der FMA. Die automatische KESt-Abfuhr war im Februar 2026 ausdrücklich nicht aktiv, im Juni 2026 sprach das Unternehmen weiterhin vom Ziel, das noch 2026 anzubieten - ohne Datum -, und Anfang Juli 2026 galt der Status unverändert. Als Zwischenlösung gibt es einen von KPMG erstellten Steuerreport für österreichische Kunden.

Zum Vergleich: Bei Trade Republic lagen zwischen Gründung der Zweigniederlassung und Steuereinfachheit gut neun Monate. Scalables Zweigniederlassung besteht seit Januar 2026.

Wenn Sie eine Angabe finden, wonach Scalable seit 2024 steuereinfach sei: Das kann nicht stimmen. Die Zweigniederlassung, ohne die es rechtlich nicht geht, gibt es erst seit Januar 2026.

Was das für die Brokerwahl heißt

Steuereinfachheit ist 2026 kein Aufpreismerkmal mehr. Sie bekommen sie beim günstigsten Anbieter im Feld genauso wie bei der Hausbank. Damit verliert das Argument, das jahrelang die höheren Gebühren heimischer Institute gerechtfertigt hat, seine Grundlage.

Wichtiger als die Frage „steuereinfach oder nicht” sind deshalb drei andere:

Halten Sie Ihre Depots bei einer einzigen Bank? Dann läuft der Verlustausgleich automatisch. Verteilen Sie auf mehrere, verschenken Sie ihn oder müssen ihn selbst erklären.

Führen Sie ein Gemeinschaftsdepot? Dann gibt es keinen automatischen Ausgleich, unabhängig davon, wie steuereinfach die Bank sonst ist. Zwei Einzeldepots sind steuerlich fast immer die bessere Konstruktion.

Kaufen Sie Meldefonds? Wenn nicht, hilft Ihnen der beste Broker nichts.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet steuereinfach bei einem Broker?

Der Broker behält die Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent ein und führt sie ans Finanzamt ab. Damit ist die Steuer abgegolten und Sie müssen diese Erträge nicht mehr in die Steuererklärung aufnehmen. Voraussetzung ist eine inländische depotführende Stelle nach Paragraph 95 EStG.

Ist Trade Republic in Österreich steuereinfach?

Ja, seit 24. April 2025, über die im Juli 2024 gegründete Wiener Zweigniederlassung. Abgeführt wird auf Aktien, Anleihen, Fonds, ETFs und Derivate. Bei Kryptowerten widersprechen sich Pressemitteilung, Kundenvereinbarung und Hilfe-Center des Anbieters - prüfen Sie dort Ihre Abrechnung.

Ist Scalable Capital steuereinfach?

Nein, Stand August 2026 nicht. Scalable hat im September 2025 eine Vollbanklizenz erhalten und im Jänner 2026 eine österreichische Zweigniederlassung gegründet, die automatische KESt-Abfuhr war zuletzt im Juni 2026 aber noch nicht aktiv. Das Unternehmen hält am Ziel fest, das noch 2026 anzubieten.

Muss ich trotz steuereinfachem Broker eine Steuererklärung machen?

Für die laufenden Wertpapiererträge nicht. Nötig wird sie, wenn Sie Depots bei mehreren Banken haben und Verluste gegenrechnen wollen, wenn Sie ein Gemeinschaftsdepot führen, wenn Sie Nichtmeldefonds halten oder wenn Ihr Steuersatz unter 27,5 Prozent liegt und Sie zur Regelbesteuerung optieren.

Werden Verluste automatisch mit Gewinnen verrechnet?

Innerhalb einer Bank ja, auch über mehrere Depots desselben Inhabers. Über Bankgrenzen hinweg nicht, dafür brauchen Sie die Beilage E1kv. Ein Verlustvortrag ins nächste Jahr ist gesetzlich ausgeschlossen, der Ausgleich funktioniert nur innerhalb eines Kalenderjahres.

Warum zahle ich auf einen ETF Steuer, obwohl ich nichts verkauft habe?

Thesaurierende Fonds erzeugen ausschüttungsgleiche Erträge, die jährlich steuerpflichtig sind. Bei Meldefonds übernimmt der steuereinfache Broker das. Bei Nichtmeldefonds wird pauschal besteuert: 90 Prozent der Wertsteigerung des Jahres, mindestens 10 Prozent des Rücknahmepreises zum Jahresende.