Steuern sparen in Österreich: die Posten nach Wirkung geordnet
Absetzbeträge wirken voll, Freibeträge nur mit dem Grenzsteuersatz. Was am meisten bringt und in welcher Reihenfolge es zu prüfen ist.
Bei der Frage, wie sich Steuern senken lassen, hilft eine einzige Unterscheidung mehr als jede Liste: Absetzbeträge mindern die Steuer, Freibeträge die Bemessungsgrundlage. Ein Absetzbetrag von 1.000 Euro spart 1.000 Euro. Ein Freibetrag von 1.000 Euro spart bei einem Grenzsteuersatz von 40 Prozent 400 Euro und bei 20 Prozent nur 200.
Daraus ergibt sich die Reihenfolge, in der sich das Prüfen lohnt: zuerst die Posten, die direkt von der Steuer abgehen, dann die, die von der Bemessungsgrundlage abgehen.
Was direkt von der Steuer abgeht
| Posten | Betrag 2026 | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Familienbonus Plus, Kind bis 18 | 2.000,16 Euro pro Jahr | Familienbeihilfe |
| Familienbonus Plus, Kind ab 18 | 700,08 Euro pro Jahr | Familienbeihilfe |
| Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag, ein Kind | 612 Euro | Partnereinkünfte höchstens 7.411 Euro |
| dasselbe, zwei Kinder | 828 Euro | je weiteres Kind 273 Euro mehr |
| Unterhaltsabsetzbetrag, erstes Kind | 456 Euro pro Jahr | gesetzlicher Unterhalt, Kind nicht im Haushalt |
| Pendlereuro | 6 Euro je Kilometer | Anspruch auf Pendlerpauschale |
| Kindermehrbetrag | bis 700 Euro | geringe oder keine Einkommensteuer |
Werte nach § 33 EStG in der für 2026 geltenden Fassung. Der Pendlereuro wurde 2026 von zwei auf sechs Euro angehoben, siehe Steueränderungen 2026.
Der Familienbonus Plus ist für Familien der mit Abstand größte Posten. Bei zwei Kindern unter 18 sind es 4.000,32 Euro im Jahr, die unmittelbar die Steuer mindern. Er kann zur Gänze bei einem Elternteil oder je zur Hälfte berücksichtigt werden.
Was die Bemessungsgrundlage mindert
Diese Posten wirken mit dem Grenzsteuersatz, sind aber oft die einzigen, die sich aktiv beeinflussen lassen:
- Werbungskosten über dem Pauschbetrag von 132 Euro: Arbeitsmittel, Fachliteratur, Fortbildung, Reisekosten, Homeoffice. Details unter Werbungskosten.
- Pendlerpauschale je nach Entfernung und Zumutbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel, siehe Pendlerpauschale.
- Sonderausgaben: Kirchenbeitrag bis 600 Euro, Spenden bis zehn Prozent der Einkünfte, Steuerberatungskosten ohne Deckel. Siehe Sonderausgaben.
- Außergewöhnliche Belastungen: Krankheitskosten, Kurkosten, Begräbniskosten, Katastrophenschäden, meist nach Abzug eines Selbstbehalts. Siehe außergewöhnliche Belastungen.
- Freibetrag bei Behinderung von 124 bis 1.198 Euro je nach Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit.
Auch ohne Steuerlast lohnt die Veranlagung
Wer so wenig verdient, dass keine Einkommensteuer anfällt, geht nicht leer aus. Bei negativer Einkommensteuer greifen nach § 33 Abs. 8 EStG mehrere Erstattungen:
- SV-Rückerstattung: 55 Prozent bestimmter Werbungskosten, höchstens 496 Euro jährlich, bei Anspruch auf ein Pendlerpauschale höchstens 750 Euro
- SV-Bonus: der Höchstbetrag erhöht sich um 804 Euro, wenn der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag zusteht
- Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag: wird erstattet
- Kindermehrbetrag: bis zu 700 Euro pro Kind, wenn die Einkommensteuer darunter liegt
Für Selbstständige
Der größte Hebel ist der Gewinnfreibetrag: 15 Prozent bis 33.000 Euro Bemessungsgrundlage ohne jede Bedingung, darüber gestaffelt und nur gegen Investition, insgesamt höchstens 46.400 Euro. Details unter Gewinnfreibetrag.
Zwei Punkte, die dabei regelmäßig falsch eingeschätzt werden:
- Der Gewinnfreibetrag mindert die Einkommensteuer, nicht die Beitragsgrundlage in der Sozialversicherung.
- Eine Investition allein wegen der Steuer rechnet sich nicht. Bei 48 Prozent Grenzsteuersatz kostet eine Anschaffung von 10.000 Euro netto immer noch 5.200 Euro.
Der zeitliche Rahmen
Die Arbeitnehmerveranlagung ist fünf Jahre rückwirkend möglich. Wer sie nie abgegeben hat, kann also mehrere Jahre auf einmal nachholen. Für das Jahr 2021 endet die Frist mit Ablauf des Jahres 2026.
Wer regelmäßig hohe Werbungskosten oder Sonderausgaben hat, muss nicht auf die Veranlagung warten: Ein Freibetragsbescheid lässt den Betrag schon beim laufenden Lohnsteuerabzug berücksichtigen. Was bereits automatisch übermittelt wird und was nicht, steht unter FinanzOnline.
Was nicht funktioniert
Drei Erwartungen führen regelmäßig zu Enttäuschungen:
- Belege sammeln ohne Bezug zur Tätigkeit. Werbungskosten setzen einen Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit voraus. Private Aufwendungen bleiben privat, auch wenn eine Rechnung existiert.
- Kosten der Lebensführung wie Kleidung, die auch privat tragbar ist, oder ein Arbeitszimmer ohne die engen gesetzlichen Voraussetzungen.
- Sonderausgaben ohne Datenübermittlung. Spenden und Kirchenbeitrag wirken nur, wenn die Organisation Name und Geburtsdatum kennt und übermittelt hat.
Quellen
- § 33 EStG 1988, Absetzbeträge, Pendlereuro und Erstattungen bei negativer Steuer
- § 18 EStG 1988, Sonderausgaben und Datenübermittlung
- § 16 EStG 1988, Werbungskosten und Pauschbetrag
- § 10 EStG 1988, Gewinnfreibetrag
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- Lohnsteuerausgleich: die Arbeitnehmerveranlagung
- Gewinnfreibetrag für Selbstständige
Häufig gestellte Fragen
Was bringt am meisten?
Bei Familien der Familienbonus Plus mit bis zu 2.000,16 Euro pro Kind und Jahr, weil er direkt von der Steuer abgeht. Bei Selbstständigen der Gewinnfreibetrag mit bis zu 46.400 Euro.
Warum wirkt ein Absetzbetrag stärker als ein Freibetrag?
Ein Absetzbetrag mindert die Steuer selbst, ein Freibetrag nur die Bemessungsgrundlage. 1.000 Euro Absetzbetrag sparen 1.000 Euro Steuer, 1.000 Euro Freibetrag sparen bei 40 Prozent Grenzsteuersatz 400 Euro.
Wie lange kann ich rückwirkend etwas holen?
Die Arbeitnehmerveranlagung ist fünf Jahre rückwirkend möglich. Wer nie eine abgegeben hat, kann also noch mehrere Jahre gleichzeitig nachholen.
Lohnt sich eine Anschaffung nur wegen der Steuer?
Fast nie. Der Freibetrag ersetzt nicht die Ausgabe, er senkt nur die Steuer darauf. Bei 48 Prozent Grenzsteuersatz kostet eine Investition von 10.000 Euro netto immer noch 5.200 Euro.
Was wird am häufigsten übersehen?
Werbungskosten über dem Pauschbetrag von 132 Euro, das Pendlerpauschale samt dem 2026 verdreifachten Pendlereuro, und außergewöhnliche Belastungen wie Krankheitskosten.
Bringt die Veranlagung auch etwas ohne Steuerlast?
Ja. Bei negativer Einkommensteuer werden Teile der Sozialversicherung erstattet, dazu kommen Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag und der Kindermehrbetrag.