Gratis-Konto: Woran die Gebührenfreiheit tatsächlich hängt
Kostenlose Konten gibt es in Österreich in vier Bauarten: Gehaltsbedingung, Altersgrenze, befristeter Rabatt und widerruflicher Gebührenersatz.
Ein Konto ist selten einfach gratis. Es ist gratis, wenn monatlich 400 Euro eingehen. Oder 500. Oder 1.000. Oder solange Sie unter 27 sind, oder ein Jahr lang ab Eröffnung, oder so lange, wie die Bank die Gebühr freiwillig erstattet.
Hinter dem Wort stecken in Österreich vier verschiedene Konstruktionen, und sie unterscheiden sich nicht im Preis, sondern in der Frage, wie leicht Ihnen die Gebührenfreiheit wieder abhandenkommt. Genau das steht in keinem Vergleich, weil es sich nicht in eine Spalte schreiben lässt.
Die vier Bauarten
| Bauart | Wie es funktioniert | Wie schnell es wegfällt |
|---|---|---|
| Geldeingang | Gebühr entfällt bei einem Mindesteingang pro Monat | sofort im nächsten Abrechnungszeitraum |
| Altersgrenze | Gebühr entfällt bis zu einem Geburtstag | an einem festen, vorhersehbaren Datum |
| Befristeter Rabatt | Reguläre Gebühr wird zu 100 Prozent ermäßigt | am Ende der Frist, oft nach einem Jahr |
| Gebührenersatz | Gebühr wird verrechnet und wieder erstattet | wenn die Bank den Ersatz widerruft |
Die ersten beiden kennen die meisten. Die letzten beiden sind die unangenehmen, weil bei ihnen ein regulärer Preis im Vertrag steht und nur die Zahlung ausgesetzt ist.
Erste Bauart: der Geldeingang
Die häufigste Bedingung, und die mit der größten Streuung. Bei der easybank genügen 400 Euro im Monat, bei der Online KontoBox der BAWAG sind es 500 Euro, bei der DADAT 1.000 Euro. Zwischen der niedrigsten und der höchsten Schwelle liegt der Faktor zweieinhalb.
Zwei Details entscheiden darüber, ob Sie die Bedingung tatsächlich erfüllen.
Der Zeitraum. Die Bedingung gilt fast immer pro Monat, abgerechnet wird aber oft pro Quartal. Beim easy gratis der easybank heißt das: Der Eingang muss in jedem einzelnen Monat des Quartals stattfinden. Fehlt er in einem, wird das Entgelt für alle drei Monate fällig. Ein Jobwechsel mit einem Monat Lücke kostet damit ein volles Quartal.
Die Art des Eingangs. Hier wird es juristisch, und es lohnt sich. Mehrere Institute formulieren die Bedingung nicht als „Überweisung” oder „Zahlungseingang”, sondern als Eingang beschränkt pfändbarer Forderungen im Sinn von Paragraf 290a Exekutionsordnung. Gemeint sind damit vor allem Gehalt, Lohn und Pension - also Einkünfte, die dem Pfändungsschutz unterliegen.
Praktisch bedeutet das: Wer sich den Betrag vom eigenen Zweitkonto überweist, erfüllt die Bedingung nicht, auch wenn die Summe stimmt. Dasselbe gilt für eine Überweisung des Partners. Selbstständige, deren Einnahmen als Honorare eingehen, fallen ebenfalls nicht darunter. Wer die Bedingung mit einem Dauerauftrag von sich selbst „lösen” will, zahlt am Ende die volle Gebühr.
Zweite Bauart: die Altersgrenze
Bei jungen Kunden ist die Gebührenfreiheit die Regel, nicht die Ausnahme. Interessant ist weniger, dass es sie gibt, als wo sie endet - und das ist bei jedem Institut anders:
| Institut | Kostenlos bis | Was danach passiert |
|---|---|---|
| Erste Bank und Sparkassen, spark7 | 19. Geburtstag, für Studierende länger | Umstellung auf das s Plus Konto |
| bank99, aktivkonto99 jugend | 21. Geburtstag | regulärer Preis von 6,39 Euro |
| easybank, easy gratis | unter 27, ohne Mindesteingang | Gehaltsbedingung greift |
| BAWAG, Studenten KontoBox | 27. Geburtstag | Umstellung auf KontoBox Large |
| DADAT, U28-Konto | 28. Geburtstag | Gehaltskonto oder kostenpflichtiges Girokonto |
| Bank Austria, Studentenkonto | vollendetes 30. Lebensjahr | reguläres Kontomodell |
Der Sprung am Ende ist mitunter erheblich. Bei der BAWAG wechselt das Studentenkonto mit dem 27. Geburtstag in die KontoBox Large - von null auf 142,08 Euro im Jahr. Das ist der einzige Termin dieser Liste, der sich Jahre im Voraus in den Kalender eintragen lässt, und der einzige, an dem niemand nachfragt.
Zwei Fallen bei den Namen: Das U28-Konto der DADAT ist kein Jugendkonto - es setzt ein Mindestalter von 18 Jahren voraus. Und das Bildungskonto der bank99 endet nicht am Geburtstag, sondern nach der regulären Ausbildungsdauer laut Studienplan plus zwölf Monaten. Wer länger studiert als vorgesehen, verliert den Rabatt vor dem Abschluss.
Dritte Bauart: der befristete Rabatt
Hier steht der volle Preis im Vertrag, und die Bank gewährt darauf eine Ermäßigung von 100 Prozent. Rechtlich ist das etwas anderes als ein Nullpreis, und es hat ein Ablaufdatum.
Die bank99 führt ihr Jugend- und ihr Bildungskonto formal als 6,39-Euro-Konten, die „zu 100% rabattiert” sind. Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien weist für ihr SMART-Konto 2,99 Euro aus und gewährt darauf eine Ermäßigung von 100 Prozent - allerdings bis zum festen Stichtag 9. November 2026 und nicht für ein Jahr ab Eröffnung. Wer im Herbst eröffnet, hat den Rabatt nur noch wenige Wochen. Die Bank Austria wirbt mit gratis Kontoführung im ersten Jahr, gerechnet als Quartal der Eröffnung plus vier Folgequartale, und die Aktion selbst läuft bis 31. Dezember 2026.
Für den Vergleich heißt das: Ein Preis von 0,00 Euro in einer Entgeltinformation kann ein Dauerpreis sein oder ein Aktionspreis. Der Unterschied steht in der Fußnote.
Vierte Bauart: der Gebührenersatz
Die unauffälligste Konstruktion und die mit dem größten Unterschied zum Wortlaut der Werbung. Die Gebühr wird verrechnet - und die Bank erstattet sie.
Die DADAT formuliert es im Konditionenblatt so: Sie ersetzt bei monatlichen Geldeingängen ab 1.000 Euro die Kontoführungsgebühr von derzeit 4,48 Euro, und dieser Ersatz „kann jederzeit unter Einhaltung einer Frist von zwei Monaten einseitig von der DADAT widerrufen werden”. Beim Aktien-Sparplan derselben Bank ist der Ersatz sogar ohne Frist widerruflich.
Das ist kein verstecktes Kleingedrucktes, sondern steht offen im Preisblatt. Es bedeutet aber, dass die Gebührenfreiheit hier nicht Vertragsinhalt ist, sondern eine Leistung, die die Bank einseitig beenden kann, ohne dass sich am Vertrag etwas ändert.
Was ein Gratis-Konto an anderer Stelle kostet
Die Kontoführung ist selten der größte Posten. Drei Positionen entscheiden häufiger darüber, was ein Konto tatsächlich kostet.
Der Überziehungszins, und der ist beim Gratiskonto oft der höchste. Bei der easybank kostet der Rahmen im easy gratis 12,50 Prozent und im kostenpflichtigen easy plus 8,90 Prozent. Bei der BAWAG dasselbe Bild: KontoBox Small 12,50 Prozent, KontoBox Large 8,90 Prozent. Wer 3.000 Euro dauerhaft überzieht, zahlt mit dem günstigeren Paket 108 Euro im Jahr mehr an Zinsen - deutlich mehr, als die Kontoführung des teureren Pakets kostet.
Die Bargeldabhebung. Freie Automatentransaktionen sind fast immer gedeckelt. Beim easy gratis sind zwölf pro Quartal frei, danach kostet jede einen Euro. Beim smartkonto99 der bank99 ist eine Behebung pro Monat frei, jede weitere kostet 80 Cent.
Der Schalter. Bei den günstigen Modellen kostet jede Transaktion in der Filiale extra, oft vier bis fünf Euro. Beim Online-Konto der Bank Austria sind es 4,10 Euro je Buchung, bei der bank99 4,79 Euro. Das summiert sich schneller, als es aussieht: Bei der bank99 kosten zwei Schaltervorgänge im Monat 114,96 Euro im Jahr zusätzlich - zusammen mit der Kontoführung 138,84 Euro, während das topkonto99 mit allem Inbegriffenen 191,76 Euro kostet. Bei der Bank Austria kippt die Rechnung dagegen erst ab rund 25 Filialtransaktionen im Jahr zugunsten des teuersten Modells. Wer regelmäßig an den Schalter geht, sollte also nachrechnen statt umzusteigen.
Die Konten mit den wenigsten Bedingungen
Es gibt sie, aber sie sind selten, und sie haben einen anderen Preis als Geld.
N26 Standard kostet nichts und verlangt weder Gehaltseingang noch eine Aktion. Bedingungslos ist es deshalb nicht: N26 setzt laut eigener Produktseite ein Mindestalter von 18 Jahren, einen Wohnsitz in einem unterstützten Land und ein kompatibles Smartphone voraus. Dafür bekommen Sie eine deutsche IBAN, keine Filiale und keine österreichische Einlagensicherung - die Einzelheiten stehen auf der Seite zu N26.
smartkonto99 der bank99 kostet 1,99 Euro im Monat, ist also nicht gratis, kommt aber ohne jede Preisbedingung aus: kein Gehaltseingang, kein Mindestumsatz, kein Online-Zwang. Für 23,88 Euro im Jahr ist das die planbarste Variante am Markt.
Und für alle, denen kein Institut ein Konto geben will, gibt es das Basiskonto - kein Gratisprodukt, aber ein Konto mit Rechtsanspruch.
Wie Sie das für sich prüfen
Drei Fragen genügen, und alle drei beantwortet die Entgeltinformation, die jede Bank in einheitlichem Format bereitstellen muss:
- Steht die Gebühr im Preisblatt? Wenn ja, ist sie nicht entfallen, sondern wird nur erlassen oder ersetzt.
- Woran hängt die Befreiung, und in welchem Rhythmus wird sie geprüft? Monatlich oder quartalsweise macht bei einer Lücke den Unterschied zwischen einem Monat und einem Quartal.
- Was kostet der Überziehungsrahmen? Diese Zahl steht in derselben Entgeltinformation und ist bei den günstigen Modellen regelmäßig die höchste.
Die tatsächlichen Preise der einzelnen Institute finden Sie auf deren Seiten, jeweils mit dem Stand des Preisblatts: easybank, BAWAG, Bank Austria, bank99, DADAT, Erste Bank und Sparkassen und Raiffeisen.
Quellen
- Preisblatt der BAWAG zu den KontoBox-Modellen; die easybank ist eine Marke desselben Instituts, Einzelheiten auf den Seiten zu easybank und BAWAG
- bank99: Entgeltinformation smartkonto99, abgerufen 17.08.2026
- Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien: Entgeltinformation SMART-Konto mit dem Rabattstichtag 9. November 2026
- N26: Preisaushang für Österreich, abgerufen 17.08.2026
- Verbraucherzahlungskontogesetz im RIS zur Entgeltinformation als Vergleichsgrundlage
Häufig gestellte Fragen
Gibt es in Österreich ein wirklich kostenloses Girokonto?
Ganz ohne Bedingung praktisch nirgends. Am nächsten kommt der Gratistarif von N26, der aber Volljährigkeit, Wohnsitz in einem unterstützten Land und ein Smartphone voraussetzt. Bei den österreichischen Filial- und Direktbanken hängt die Gebührenfreiheit an einem Mindestgeldeingang, an einem Alter, an einem befristeten Rabatt oder an einem Gebührenersatz, den die Bank widerrufen kann.
Welcher Gehaltseingang wird für ein Gratis-Konto verlangt?
Die Schwellen liegen weit auseinander. Bei der easybank sind es 400 Euro im Monat, bei der Online KontoBox der BAWAG 500 Euro, bei der DADAT 1.000 Euro. Entscheidend ist außerdem, dass die Bedingung meist in jedem einzelnen Monat erfüllt sein muss, nicht im Quartalsdurchschnitt.
Zählt jede Überweisung als Gehaltseingang?
Nein. Mehrere Institute verlangen den Eingang beschränkt pfändbarer Forderungen im Sinn von Paragraf 290a Exekutionsordnung - das sind vor allem Gehalt, Lohn und Pension. Eine Überweisung vom eigenen Zweitkonto oder vom Partner erfüllt die Bedingung nicht, auch wenn der Betrag stimmt.
Was ist der Unterschied zwischen entfällt und wird ersetzt?
Ein erheblicher. Entfällt die Gebühr, steht sie nicht im Preisblatt. Wird sie ersetzt, bleibt sie dort stehen und die Bank erstattet sie freiwillig. Die DADAT etwa hält ausdrücklich fest, dass sie diesen Ersatz mit zwei Monaten Frist einseitig widerrufen kann - dann gilt wieder der volle Preis.
Ist ein Gratis-Konto insgesamt günstiger?
Nicht zwangsläufig. Bei mehreren Instituten hat das günstigste Kontomodell den teuersten Überziehungszins. Bei der easybank etwa kostet der Rahmen im Gratiskonto 12,50 Prozent und im kostenpflichtigen Modell 8,90 Prozent. Wer den Rahmen regelmäßig nutzt, zahlt die gesparte Kontoführung dort mehrfach zurück.
Was passiert, wenn die Bedingung wegfällt?
Dann greift der reguläre Preis, meist ohne gesonderte Nachfrage. Bei Altersgrenzen erfolgt die Umstellung automatisch am Geburtstag, teils auf ein deutlich teureres Modell. Bei Gehaltsbedingungen kann es dauern: Die DADAT stellt erst um, wenn der Eingang länger als drei Monate ausbleibt.