Unternehmensgründung in Österreich: Reihenfolge, Kosten, Fristen

Die Anmeldung kostet nichts, die GmbH braucht 10.000 Euro Stammkapital. Welche Schritte in welcher Reihenfolge nötig sind und wo Fristen laufen.

Aktualisiert: 18. August 2026 14 Min. Lesezeit

Eine Unternehmensgründung in Österreich scheitert selten am Geld und oft an der Reihenfolge. Wer zuerst die GmbH gründet und dann feststellt, dass er für sein Gewerbe einen Befähigungsnachweis braucht, hat 522 Euro Gerichtsgebühren für eine Gesellschaft ausgegeben, die vorerst nicht tätig werden darf.

Deshalb steht hier die Reihenfolge im Vordergrund - und die beginnt nicht bei der Rechtsform.

Schritt 1: Dürfen Sie das überhaupt?

Die erste Frage ist gewerberechtlich, nicht steuerlich. Ist Ihre Tätigkeit ein freies oder ein reglementiertes Gewerbe - oder gar kein Gewerbe?

  • Freies Gewerbe: Anmelden genügt, Sie dürfen sofort loslegen.
  • Reglementiertes Gewerbe: Sie brauchen einen Befähigungsnachweis. Bei 13 namentlich genannten Gewerben müssen Sie zusätzlich die Rechtskraft eines Bescheids abwarten.
  • Kein Gewerbe: Freiberufliche Tätigkeiten wie Ärzte, Rechtsanwälte, Künstler oder Vortragende fallen nicht unter die Gewerbeordnung. Sie melden kein Gewerbe an, sind dafür aber als Neue Selbständige sozialversicherungspflichtig, sobald sie über der Einkommensgrenze liegen.

Was das im Einzelnen bedeutet, steht auf der Seite zur Gewerbeanmeldung - inklusive der Liste der 13 Gewerbe, bei denen gewartet werden muss.

Schritt 2: Die Rechtsform

Für die allermeisten Gründungen ist das Einzelunternehmen der richtige Start. Es entsteht ohne eigenen Gründungsakt, kostet nichts und braucht keine Mindestkapitalausstattung.

Die GmbH hat seit der Absenkung des Stammkapitals an Schrecken verloren, aber ihre laufenden Pflichten nicht.

EinzelunternehmenGmbH
Mindestkapitalkeines10.000 Euro, davon 5.000 bar
Gründungskosten0 Euro522 Euro Gerichtsgebühren plus Notar
Haftungunbeschränkt, auch privatbeschränkt, mit Durchgriffsfällen
Laufende FixkostenkeineMindestkörperschaftsteuer 500 Euro im Jahr, Jahresabschluss, Offenlegung
BesteuerungEinkommensteuer bis 50 Prozent23 Prozent, bei Vollausschüttung 44,175 Prozent

Die Entscheidung fällt nicht an der Gewinnhöhe, sondern an zwei anderen Fragen: Bleibt Gewinn im Unternehmen? Dann spricht die Thesaurierung mit 23 Prozent für die GmbH. Wie hoch ist das Haftungsrisiko? Wer mit Fremdkapital oder Personal arbeitet, hat einen Grund für die Haftungsbeschränkung, der mit Steuern nichts zu tun hat.

Die Einzelheiten stehen auf den Seiten zum Einzelunternehmen und zur GmbH.

Schritt 3: Was es tatsächlich kostet

Hier ist die Nachricht besser als der Ruf des Themas.

Die Gewerbeanmeldung ist gebührenfrei. Keine Bundesverwaltungsabgabe, keine Stempelgebühr, kein Entgelt für den GISA-Auszug.

Daraus folgt etwas, das kaum ein Ratgeber sagt: Das NeuFöG läuft bei der Gewerbeanmeldung ins Leere. Es kann nichts erlassen, was ohnehin null ist. Spürbar wird die NeuFö-Erklärung an zwei anderen Stellen - bei der Firmenbucheintragung einer Gesellschaft, wo aus 522 Euro null werden, und bei den lohnabhängigen Abgaben für die ersten Mitarbeiter.

Das ändert die Reihenfolge: Die NeuFö-Erklärung gehört vor den Behördenweg, an dem sie wirkt - nicht pauschal an den Anfang.

Schritt 4: Die Fristen nach der Gründung

Drei Meldungen schließen an, und nur eine davon läuft von selbst.

Finanzamt: binnen eines Monats. Das ist die einzige mit einer Strafdrohung - bis zu 5.000 Euro. Aus der Anzeige folgt die Steuernummer und der Zugang zu FinanzOnline.

Wirtschaftskammer: automatisch. Die Mitgliedschaft entsteht mit der Gewerbeberechtigung, sie ist keine Entscheidung. Die Grundumlage folgt; die Neugründer-Befreiung greift im Folgejahr, nicht im Gründungsjahr.

Sozialversicherung: meist automatisch. Bei Gewerbetreibenden meldet die Behörde. Wichtig ist der Auslöser: Die Pflichtversicherung hängt an der Gewerbeberechtigung, nicht am Einkommen. Wer ein Gewerbe angemeldet hat und nichts verdient, zahlt trotzdem den Mindestbeitrag von rund 161 Euro im Monat.

Für Neue Selbständige ohne Gewerbeschein gilt stattdessen die Einkommensgrenze von 6.613,20 Euro im Jahr. Beides und den Nachzahlungsmechanismus im vierten Jahr erklärt die Seite zu den SVS-Beiträgen.

Schritt 5: Umsatzsteuer - ja oder nein

Unter 55.000 Euro Jahresumsatz greift die Kleinunternehmerbefreiung. Sie ist kein reiner Vorteil: Wer sie nutzt, hat keinen Vorsteuerabzug.

Bei hohen Anfangsinvestitionen kann der freiwillige Verzicht deshalb günstiger sein - er bindet allerdings fünf Jahre. Beides steht auf der Seite zur Kleinunternehmerregelung.

Was der Gründungsplan wirklich enthalten muss

Ein Businessplan ist nicht vorgeschrieben. Er wird von Banken und einzelnen Förderstellen verlangt, und zwar in sehr unterschiedlicher Form - manche Förderlinien wollen 25 Seiten, andere gar kein Dokument. Welche Stelle was fordert, steht auf der Seite zum Businessplan.

Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, sollte das Unternehmensgründungsprogramm des AMS kennen: Dort wird bei der Antragstellung ausdrücklich kein fertiges Konzept verlangt, es entsteht erst im Programm.

Die drei häufigsten Fehler

Zu früh eine GmbH. Die laufenden Kosten fallen ab dem ersten Tag an, der Steuervorteil erst bei Gewinnen, die viele Gründungen im ersten Jahr nicht erreichen.

Die Sozialversicherung unterschätzen. Sie beginnt mit der Gewerbeberechtigung und nicht mit dem ersten Umsatz - und die niedrige Vorschreibung der ersten drei Jahre ist eine vorläufige, keine endgültige.

Den Kanal falsch wählen. Ob Sie am Schalter oder online arbeiten, entscheidet über die laufenden Bankkosten oft stärker als der Kontopreis. Was das ausmacht, zeigt die Seite zum Firmenkonto.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was kostet eine Unternehmensgründung?

Als Einzelunternehmen mit freiem Gewerbe praktisch nichts - die Gewerbeanmeldung ist gebührenfrei. Bei einer GmbH kommen 522 Euro Gerichtsgebühren und die Notarkosten dazu; die Gerichtsgebühren entfallen bei ordnungsgemäßer NeuFö-Erklärung vollständig.

Brauche ich für die GmbH wirklich 35.000 Euro?

Nein, dieser Wert ist überholt. Das Mindeststammkapital liegt bei 10.000 Euro, davon sind mindestens 5.000 Euro bar einzuzahlen.

Welche Frist darf ich nach der Gründung nicht versäumen?

Die Anzeige beim Finanzamt binnen eines Monats. Die Bundesabgabenordnung sieht dafür eine Strafe von bis zu 5.000 Euro vor. Die Sozialversicherung wird bei Gewerbetreibenden in der Regel von der Behörde gemeldet.

Wann bin ich sozialversicherungspflichtig?

Mit der Gewerbeberechtigung, unabhängig davon, ob Sie damit etwas verdienen. Nur für Neue Selbständige ohne Gewerbeschein gilt eine Einkommensgrenze von 6.613,20 Euro im Jahr.

Was bringt das NeuFöG konkret?

Weniger, als sein Ruf verspricht. Bei der Gewerbeanmeldung läuft es ins Leere, weil diese ohnehin gebührenfrei ist. Spürbar wird es bei der Firmenbucheintragung einer GmbH und bei den lohnabhängigen Abgaben für die ersten Mitarbeiter.

Ab wann muss ich Umsatzsteuer verrechnen?

Ab einem Jahresumsatz von 55.000 Euro. Darunter greift die Kleinunternehmerbefreiung - allerdings ohne Vorsteuerabzug, was bei hohen Anfangsinvestitionen ein Nachteil ist.

Lohnt sich die GmbH von Anfang an?

Meist nicht. Sie kostet laufend Mindestkörperschaftsteuer, Jahresabschluss und Offenlegung. Ihr steuerlicher Vorteil entsteht erst, wenn Gewinne im Unternehmen bleiben oder der Spitzensteuersatz erreicht wird.