DEGIRO Österreich: das Depot gibt es hier nicht mehr

DEGIRO nimmt in Österreich keine Neukunden mehr auf, die Bestandsdepots endeten Ende Jänner 2024. Was an die Stelle trat und was steuereinfach bedeutet.

Stand: 04. September 2026 9 Min. Lesezeit

Wer heute nach einem DEGIRO-Depot für Österreich sucht, sucht nach etwas, das es nicht mehr gibt. Auf der eigenen Startseite hält der Anbieter fest: Nach der Verschmelzung von DEGIRO B.V. auf die flatexDEGIRO Bank werden alle österreichischen Brokeraktivitäten unter der Marke flatex erbracht, neue Depoteröffnungen bei DEGIRO Österreich gibt es nicht.

Für Bestandskunden ist die Sache noch länger erledigt: Die verbliebenen Verträge wurden mit Stichtag 31. Jänner 2024 geschlossen. Was bleibt, ist die Frage, die die meisten überhaupt erst zu DEGIRO geführt hat, nämlich was ein steuereinfacher Broker leistet und was er kostet.

Was passiert ist

DEGIRO war ein niederländischer Discount-Broker, der 2021 rechtlich in die flatexDEGIRO Bank verschmolzen wurde und danach als niederländische Niederlassung dieser Bank weiterlief. Für den österreichischen Markt zog der Konzern daraus die Konsequenz, zwei Marken nicht parallel zu betreiben.

Der Ablauf in drei Schritten:

  1. Ab Sommer 2021 wurden in Österreich keine neuen DEGIRO-Depots mehr eröffnet, Interessenten wurden zu flatex geleitet.
  2. Bestandskunden wurden über die Übertragung ihres Depots informiert. Ein Depotübertrag zu flatex wurde kostenlos angeboten, einschließlich der Übermittlung der Anschaffungskosten.
  3. Zum 31. Jänner 2024 wurden die verbliebenen Verträge geschlossen. Konten mussten bis dahin ausgeglichen sein, sonst konnten Positionen glattgestellt werden. Restguthaben gingen auf das hinterlegte Referenzkonto. Die Übertragungskosten trug DEGIRO, auch bei einem Wechsel zu einem anderen Broker.

Wer heute der Vertragspartner wäre

Wer dem Hinweis auf der DEGIRO-Seite folgt, landet bei flatex Österreich. Der Vertragspartner ist laut Impressum die flatexDEGIRO Bank SE mit Sitz in Frankfurt am Main, tätig über eine unselbstständige Niederlassung nach § 9 Bankwesengesetz am Gadollaplatz 1 in 8010 Graz.

Ein Detail daran wird gern übersehen und ist für die Einordnung wichtig: Die Bank ist der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken zugeordnet, nicht der österreichischen Einlagensicherung. Gesichert sind damit Guthaben, die als Verbindlichkeiten gegenüber Kunden bilanziert werden. Für Wertpapiere ist das ohnehin zweitrangig, weil diese getrennt vom Vermögen der Bank verwahrt werden und nicht in deren Insolvenzmasse fallen. Relevant ist die Zuordnung für das Verrechnungskonto, auf dem Bargeld liegt.

Steuereinfach: der Begriff, um den es geht

Ein Depot ist in Österreich steuereinfach, wenn die depotführende Stelle die Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent selbst einbehält und ans Finanzamt abführt. Das ist keine Servicezusage, sondern eine gesetzliche Pflicht, die jede inländische depotführende Stelle trifft. Ein Broker ohne Sitz oder Niederlassung in Österreich kann sie nicht erfüllen.

DEGIRO war deshalb nicht steuereinfach. Wer dort investiert war, musste selbst erklären:

  • Kursgewinne aus Verkäufen
  • Dividenden, unter Anrechnung der ausländischen Quellensteuer
  • ausschüttungsgleiche Erträge bei thesaurierenden Fonds und ETFs, jährlich und auch dann, wenn nichts verkauft wurde

Der dritte Punkt ist der aufwendigste, weil er unabhängig von jeder Transaktion anfällt. Die Grundlagen dazu stehen im Ratgeber Kapitalertragsteuer.

flatex bestätigt für Österreich ausdrücklich die Steuereinfachheit: Gewinne und Verluste werden bankseitig direkt gegenübergestellt und verrechnet, bei Kryptowerten wird der Satz von 27,5 Prozent automatisch angewendet.

Wo auch ein steuereinfaches Depot aufhört

Zwei Einschränkungen nennt der Anbieter selbst, und beide betreffen typische Konstellationen:

  • Gemeinschaftskonten. Der automatische Verlustausgleich gilt für sie nach österreichischem Steuerrecht nicht. Wer ein Depot gemeinsam mit dem Partner führt, verliert also genau den Vorteil, der den Aufwand sonst abnimmt. Wie ein Gemeinschaftskonto sonst funktioniert, steht im eigenen Ratgeber.
  • Kryptowerte. Verluste daraus lassen sich nicht automatisch mit anderen Kapitaleinkünften verrechnen, das muss über die Steuererklärung laufen.

Wer eine dieser Konstellationen hat, braucht die Steuererklärung trotz steuereinfachem Depot.

Was der Handel bei flatex kostet

PositionPreis
Konto- und Depotführung0 Euro
Aktien Österreich und Deutschlandab 5,90 Euro pro Order
Aktien Europa und Nordamerikaab 15,90 Euro pro Order
über 700 ausgewählte ETF- und Fondssparpläneab 0,00 Euro
weitere Sparpläne1,50 Euro
Einmalanlage weiterer ETFs und Fondsab 5,90 Euro

Preisangaben des Anbieters, abgerufen am 04.09.2026, jeweils zuzüglich marktüblicher Spreads und Produktkosten. Bei Orders an US- und kanadischen Börsen fällt ab einem Ordergegenwert von 40.000 Euro für den übersteigenden Teil zusätzlich 0,04 Prozent an. Fremdspesen und länderspezifische Kosten können hinzukommen.

Die Struktur ist typisch für einen Broker mit Filialbank-Erbe: günstig im Heimatmarkt und bei Sparplänen, spürbar teurer bei Einzelorders im Ausland. Ein breiterer Kostenvergleich steht im Ratgeber Online-Broker, die Einordnung des Anbieters unter flatex.

Der teuerste Fehler beim Depotübertrag

Weil aus dem DEGIRO-Ende viele Depotüberträge folgten, lohnt der Blick auf die Regel, die dabei am meisten Geld kosten kann. Nach § 93 Abs. 4 EStG muss die depotführende Stelle, wenn ihr die tatsächlichen Anschaffungskosten nicht nachgewiesen werden, für den Steuerabzug einen pauschalen Wert ansetzen: den gemeinen Wert im Zeitpunkt der Depoteinlage, vermindert um 0,5 Prozent für jeden seit der Anschaffung vergangenen Monat, mindestens aber den halben gemeinen Wert.

Was das bedeutet, zeigt ein Beispiel. Angenommen, ein ETF wurde vor fünf Jahren um 14.000 Euro gekauft und ist beim Übertrag 15.000 Euro wert. Ohne Nachweis setzt die Bank an: 15.000 Euro minus 0,5 Prozent für 60 Monate, also 30 Prozent, ergibt 10.500 Euro angenommene Anschaffungskosten statt der tatsächlichen 14.000 Euro. Beim späteren Verkauf entsteht damit ein Gewinn, der um 3.500 Euro zu hoch ist, und darauf 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer: 962,50 Euro zu viel.

Zurückholen lässt sich das über die Veranlagung, aber nur mit den Belegen, die man beim Übertrag ohnehin hätte liefern können. Vor jedem Depotwechsel gilt deshalb: Kaufabrechnungen sichern und prüfen, ob die abgebende Stelle die Anschaffungsdaten mitschickt. Innerhalb Österreichs geschieht das in der Regel automatisch, bei einem Übertrag aus dem Ausland nicht.

Quellen

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Häufig gestellte Fragen

Kann ich in Österreich noch ein DEGIRO-Depot eröffnen?

Nein. DEGIRO hält auf der eigenen Website fest, dass nach der Verschmelzung von DEGIRO B.V. auf die flatexDEGIRO Bank keine neuen Depoteröffnungen bei DEGIRO Österreich angeboten werden. Das österreichische Geschäft läuft unter der Marke flatex.

Was ist mit den bestehenden österreichischen DEGIRO-Konten passiert?

Die verbliebenen Kundenverträge wurden mit Stichtag 31. Jänner 2024 geschlossen. Die Depotübertragungskosten übernahm DEGIRO, unabhängig davon, ob zu flatex oder zu einem anderen Broker übertragen wurde. Restguthaben gingen auf das hinterlegte Referenzkonto.

War DEGIRO steuereinfach?

Nein. DEGIRO führte die österreichische Kapitalertragsteuer nicht ab. Kursgewinne, Dividenden und ausschüttungsgleiche Erträge mussten selbst erklärt werden. Genau dieser Punkt war für österreichische Anleger der größte Nachteil.

Ist flatex in Österreich steuereinfach?

Ja, der Anbieter bestätigt das ausdrücklich. Gewinne und Verluste werden bankseitig gegenübergestellt und verrechnet. Ausgenommen ist der automatische Verlustausgleich bei Gemeinschaftskonten, und Verluste aus Kryptowerten lassen sich nicht automatisch mit anderen Kapitaleinkünften verrechnen.

Wer ist bei flatex Österreich der Vertragspartner?

Die flatexDEGIRO Bank SE mit Sitz in Frankfurt am Main, über eine unselbstständige Niederlassung nach § 9 Bankwesengesetz am Gadollaplatz 1 in 8010 Graz. Einlagen sind der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken zugeordnet, nicht der österreichischen Sicherung.

Worauf muss ich bei einem Depotübertrag steuerlich achten?

Die tatsächlichen Anschaffungskosten müssen der neuen depotführenden Stelle nachgewiesen werden. Fehlt der Nachweis, setzt sie nach § 93 Abs. 4 EStG einen pauschalen Wert an: den gemeinen Wert bei Depoteinlage, vermindert um 0,5 Prozent je Monat seit der Anschaffung. Das kann einen Gewinn erzeugen, den es nie gab.