LYNX in Österreich: Konditionen, Steuer und Anlegerschutz

LYNX aus österreichischer Sicht: Wien ohne Gebührendeckel, kein Steuerreport für Österreich, 20.000 Euro Anlegerschutz und die AFM-Geldbuße.

Aktualisiert: 17. August 2026 10 Min. Lesezeit

Für den Handel an internationalen Börsen ist LYNX eine ernstzunehmende Adresse: über 100 Börsen, die Trader Workstation von Interactive Brokers, Optionen und Futures zu Konditionen, die klassische Banken nicht bieten. Für österreichische Anleger hat der Anbieter allerdings eine Eigenheit, die man kennen sollte, bevor man das Konto eröffnet.

Die Wiener Börse gehört bei LYNX zu den teureren Plätzen - und sie ist einer der wenigen ohne Gebührendeckel nach oben. Und der Steuerbericht, mit dem LYNX wirbt, ist für Sie nicht zu haben: Er existiert nur für Kunden mit Wohnsitz in Deutschland.

Wer der Vertragspartner ist

Ihr Gegenüber ist die LYNX B.V. mit Sitz in der Herengracht 527 in 1017 BV Amsterdam, eingetragen bei der niederländischen Handelskammer unter KvK 34253246. Beaufsichtigt wird sie von der AFM und der niederländischen Zentralbank, für die deutsche Zweigniederlassung in der Berliner Charlottenstraße zusätzlich von der BaFin.

Die Lizenz ist eng gefasst: Sie erlaubt die Annahme und Weiterleitung von Aufträgen. LYNX führt also weder Ihr Depot noch Ihre Orders aus, sondern vermittelt Sie an Interactive Brokers. Konto, Verwahrung und Ausführung liegen bei der Interactive Brokers Ireland Limited in Dublin, beaufsichtigt von der irischen Zentralbank. Ihre Rechte und Pflichten richten sich nach deren Kundenvereinbarung, nicht nach der von LYNX.

Eine österreichische Niederlassung gibt es nicht. Im AFM-Register ist Österreich seit 5. Mai 2014 lediglich im freien Dienstleistungsverkehr notifiziert; Zweigniederlassungen bestehen in Belgien, Deutschland, Tschechien und - seit Juli 2026 - Polen. Die im Impressum genannte Adresse in der Seidlgasse 21 in 1030 Wien ist eine reine Zustelladresse. LYNX schreibt dazu selbst, sie diene der Weiterleitung von Postsendungen an die LYNX B.V., die dort „physisch nicht präsent” sei; Einschreiben sollen ausschließlich an die Berliner Niederlassung gehen.

Offen bleibt, ob österreichische Kunden vertraglich der niederländischen Gesellschaft oder der deutschen Zweigniederlassung zugeordnet sind. Das Aufsichtsregister spricht für die Niederlande, das einzige verlinkte Preisverzeichnis trägt aber die deutsche Zweigniederlassung im Titel.

Nicht verwechseln: Die BaFin warnte am 27. Juni 2025 vor der Website lynxmarket.org wegen unerlaubter Finanz- und Wertpapierdienstleistungen. Mit der LYNX B.V. hat dieser Anbieter nichts zu tun - der Name wird lediglich missbraucht.

Was der Handel kostet

HandelsplatzGebühr
Wiener Börse0,15 %, mindestens 10,00 Euro, keine Obergrenze
Xetra0,14 %, mindestens 5,80 Euro, höchstens 99,00 Euro
Tradegate, gettex0,14 %, mindestens 5,80 Euro, keine Obergrenze
Frankfurt, Stuttgart4,90 Euro plus 0,14 %, keine Obergrenze
Paris, Amsterdam, Zürich, London0,15 %, mindestens 10,00 USD, keine Obergrenze
Nasdaq Baltic1,50 %, mindestens 25,00 Euro, höchstens 99,00 Euro
USA (Nasdaq, NYSE)0,01 USD je Aktie, mindestens 5,00 USD, höchstens 2 %
Optionen Eurex2,00 Euro je Kontrakt
Optionen USA3,50 USD je Kontrakt
Mini-DAX-Future1,50 Euro
Micro E-mini2,50 USD
Depotführung0 Euro
Mindestaktivitätsgebühr Einzel- und Gemeinschaftskonto0,00 Euro
Mindestaktivitätsgebühr Geschäftskonto15,00 Euro abzüglich gezahlter Provisionen, erste drei Monate erlassen
Einzahlungkostenlos
Auszahlungeine je Kalendermonat frei, danach 1,00 Euro SEPA / 8,00 Euro Wire
Währungstausch0,005 %, mindestens 5,00 Euro
Quellensteuerbeleg österreichische Aktien0,00 Euro

Stand: Preis- und Leistungsverzeichnis vom 1. August 2026.

Mit 0,15 Prozent liegt Wien am oberen Ende der großen europäischen Plätze, gleichauf mit Paris, Amsterdam, Zürich und London - und hat unter diesen die höchste Mindestgebühr. Der teuerste Satz im Verzeichnis steht allerdings woanders: Nasdaq Baltic kostet 1,50 Prozent bei mindestens 25 Euro.

Der eigentliche Haken bei Wien ist die fehlende Obergrenze. Im gesamten Aktienteil des Verzeichnisses deckeln nur zwei Zeilen: Xetra bei 99 Euro und Nasdaq Baltic ebenfalls bei 99 Euro. Alles andere läuft prozentual weiter.

Bei 50.000 Euro Ordervolumen zahlen Sie in Wien 75 Euro und über Xetra 70 Euro - noch kein großer Unterschied. Bei 100.000 Euro sind es in Wien 150 Euro, über Xetra dagegen 99 Euro, weil dort die Deckelung greift. Über Tradegate oder gettex wären es 140 Euro, denn dort gibt es keinen Deckel. Wer große Orders plant, sollte also nicht nur auf den Prozentsatz schauen, sondern darauf, ob der Handelsplatz überhaupt deckelt.

Für kleine Orders ist das Verhältnis ebenfalls ungünstig: Die Mindestgebühr von 10 Euro bedeutet, dass eine Wien-Order unter 6.667 Euro immer 10 Euro kostet. Bei 1.000 Euro Ordervolumen ist das ein Prozent.

Eine Mindesteinlage verlangt LYNX nicht, empfiehlt aber 3.000 Euro.

Zinsen: LYNX behält zwei Prozentpunkte ein

Das Zinsmodell ist ungewöhnlich transparent formuliert und trotzdem selten erwähnt: LYNX gibt den Satz weiter, den Interactive Brokers zahlt, abzüglich zwei Prozentpunkten, mindestens aber null. Zwei Prozentpunkte bleiben also bei LYNX.

Dazu kommt eine Schwelle. Den vollen Satz gibt es erst ab einem Depotwert von 100.000 US-Dollar; darunter wird anteilig gerechnet - bei 50.000 US-Dollar also der halbe Satz. Für die meisten Privatanleger bleibt damit wenig übrig. Auf Guthaben in Franken, Yen und Rubel können umgekehrt Negativzinsen anfallen.

Die Sollzinsen für Euro lagen am 13. August 2026 zwischen 4,732 und 5,732 Prozent. Die Staffel fällt dabei nicht durchgehend: Bis 90.000 Euro sind es 5,732 Prozent, in den mittleren Stufen sinkt der Satz bis auf 4,732 Prozent, und in der obersten Stufe springt er wieder auf 5,732 Prozent zurück.

Steuer: kein Report, kein Abzug

LYNX ist in Österreich nicht steuereinfach, und zwar aus demselben strukturellen Grund wie bei anderen Interactive-Brokers-Vermittlern. Abzugsverpflichteter ist nach Paragraf 95 Abs. 2 EStG die inländische depotführende Stelle. Die depotführende Stelle ist hier irisch. Damit gibt es niemanden, der die 27,5 Prozent für Sie abführen könnte, und Sie deklarieren über die Beilage E1kv selbst.

Bemerkenswerter ist, was LYNX dazu bereitstellt. Auf der eigenen österreichischen Website steht:

Der informative Steuerbericht ist aktuell nur mit einem Wohnsitz in Deutschland verfügbar.

Erstellt wird er von einem Drittanbieter, dem RegTech-Unternehmen Regnology, und er ist ausdrücklich kein offizielles Steuerdokument - die Werte sollen von Ihnen oder Ihrem Steuerberater auf Plausibilität und Vollständigkeit geprüft werden.

Was österreichische Kunden bekommen, ist ein Jahresdepotauszug, der laut LYNX alle steuerrelevanten Daten enthält. Eine Gewinn- und Verlustbescheinigung stellt LYNX nach eigener Auskunft nicht aus, weil die Depotführung in Irland beziehungsweise Großbritannien erfolgt - für Kunden mit Wohnsitz in der EU läuft sie seit 2021 über die Interactive Brokers Ireland.

Damit steht Ihnen die Aufbereitung vollständig selbst zu. Wer regelmäßig handelt, sollte die Kosten einer Steuerberatung von vornherein einkalkulieren - sie können die Gebührenersparnis gegenüber einem steuereinfachen Broker übersteigen.

Anlegerschutz: 20.000 Euro, nicht 100.000

LYNX ist keine Bank, und deshalb greift hier keine Einlagensicherung über 100.000 Euro. Zuständig sind zwei Anlegerentschädigungssysteme.

Für Ansprüche gegen die depotführende Interactive Brokers Ireland gilt das irische Investor Compensation Scheme: 90 Prozent des Verlusts, höchstens 20.000 Euro. Für eine Insolvenz von LYNX selbst gilt das niederländische System, ebenfalls mit höchstens 20.000 Euro.

Addieren lassen sich die beiden Beträge nicht - sie decken einander ausschließende Fälle ab. LYNX hält dazu sogar fest, der zweite Fall könne gar nicht eintreten: Da die Kundengelder und Wertpapiere bei Interactive Brokers Ireland liegen, werde die Situation, in der LYNX selbst nicht zurückgeben kann, „nicht eintreten”. Rechnen Sie also mit 20.000 Euro, nicht mit 40.000.

Ihre Wertpapiere sind davon unberührt: Sie werden getrennt vom Eigenkapital von Interactive Brokers verwahrt und fallen nicht in eine Insolvenzmasse. Die Grenze betrifft Bargeldbestände und Herausgabeansprüche.

Was gegen LYNX spricht

Am 17. April 2025 verhängte die AFM eine Geldbuße von 300.000 Euro gegen die LYNX B.V. wegen wiederholter Verstöße gegen die Werberegeln. Zwischen 1. Dezember 2023 und 19. März 2024 war der vorgeschriebene Risikohinweis in fünf Anzeigen - in Wochenmagazinen, auf Nachrichtenseiten und über Google Ads - sowie auf der Startseite zu klein gesetzt und in einem Layout dargestellt, das die Deutlichkeit beeinträchtigte, unter anderem durch zu geringen Farbkontrast. Die beiden Mängel traten nicht bei jeder Anzeige gemeinsam auf. Das europäische Recht verlangt, dass der Risikohinweis mindestens so groß ist wie der übrige Text und lesbar bleibt. Anlass war eine Willkommensaktion, bei der Neukunden 500 Euro an Transaktionsgebühren zurückbekommen sollten.

Straferhöhend wertete die Aufsicht, dass frühere Warnungen ohne Wirkung geblieben waren; mildernd, dass LYNX bei der Untersuchung kooperierte. Den Einspruch wies die AFM am 15. Oktober 2025 zurück, LYNX ging nicht weiter vor Gericht. Die Entscheidung wurde am 9. März 2026 veröffentlicht und ist rechtskräftig.

Das betrifft die Darstellung von Risiken in der Werbung, nicht den Umgang mit Kundengeldern - man sollte es nicht überdehnen. Es passt allerdings zu dem Bild, das die österreichische Website abgibt: Wer hierzulande auf Steuerinformationen klickt, landet bei einem Bericht, den er nicht bekommen kann.

Sanktionen der FMA oder der BaFin gegen LYNX selbst, Gerichtsurteile oder Verfahren österreichischer Konsumentenschützer sind nicht auffindbar.

Für wen LYNX in Frage kommt

Sinnvoll, wenn Sie Optionen und Futures handeln. Zwei Euro je Eurex-Kontrakt und der Zugang zur Trader Workstation sind ein Angebot, das in Österreich kaum eine Bank macht.

Sinnvoll auch für den Handel an US-Börsen und für ein breites internationales Depot, sofern Sie die Steuererklärung ohnehin selbst machen.

Nicht sinnvoll für österreichische Aktien. 0,15 Prozent ohne Obergrenze und eine Mindestgebühr von 10 Euro machen die Wiener Börse hier zum teuersten Pflaster - dafür gibt es günstigere Wege, siehe den Online-Broker-Vergleich.

Nicht sinnvoll, wenn Sie Unterstützung bei der Steuer erwarten. Der beworbene Steuerbericht gilt nicht für Österreich, und eine Gewinn- und Verlustbescheinigung gibt es nicht.

Nicht sinnvoll für größere Bargeldbestände. 20.000 Euro Anlegerentschädigung und ein um zwei Prozentpunkte gekürzter Zins sprechen dafür, Liquidität woanders zu parken.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Ist LYNX in Österreich steuereinfach?

Nein. Die Depotführung liegt bei der Interactive Brokers Ireland Limited in Dublin, es gibt also keine inländische depotführende Stelle, die die Kapitalertragsteuer einbehalten könnte. Sie erklären Ihre Kapitalerträge selbst über die Beilage E1kv zum Satz von 27,5 Prozent.

Gibt es bei LYNX einen österreichischen Steuerreport?

Nein. Der informative Steuerbericht ist laut LYNX derzeit nur für Kunden mit Wohnsitz in Deutschland verfügbar, wird von einem Drittanbieter erstellt und ist ausdrücklich kein offizielles Steuerdokument. Österreichische Kunden erhalten nur einen Jahresdepotauszug; eine Gewinn- und Verlustbescheinigung stellt LYNX wegen der irischen Depotführung nicht aus.

Was kostet eine Order an der Wiener Börse bei LYNX?

0,15 Prozent vom Ordervolumen bei mindestens 10 Euro, ohne Deckelung nach oben. Damit liegt Wien gleichauf mit Paris, Amsterdam, Zürich und London, hat aber die höchste Mindestgebühr. Entscheidend ist der fehlende Deckel: Xetra kostet 0,14 Prozent bei mindestens 5,80 Euro und ist bei 99 Euro gedeckelt, in Wien läuft die Gebühr prozentual weiter.

Wie ist mein Geld bei LYNX geschützt?

Über eine Anlegerentschädigung, nicht über eine Einlagensicherung. LYNX ist keine Bank. Das irische System deckt 90 Prozent des Verlusts bis höchstens 20.000 Euro, bei einer Insolvenz von LYNX selbst greift das niederländische System mit ebenfalls höchstens 20.000 Euro. Ihre Wertpapiere sind davon unabhängig getrennt verwahrt.

Hat LYNX eine Niederlassung in Österreich?

Nein. Im niederländischen Aufsichtsregister ist Österreich seit 2014 nur im freien Dienstleistungsverkehr eingetragen, Zweigniederlassungen bestehen in Belgien, Deutschland, Tschechien und Polen. Die Wiener Adresse in der Seidlgasse ist laut LYNX eine reine Zustelladresse, an der das Unternehmen physisch nicht präsent ist.

Wie viel Zinsen zahlt LYNX auf das Guthaben?

LYNX gibt den Zinssatz von Interactive Brokers abzüglich zwei Prozentpunkten weiter, mindestens aber null. Den vollen Satz gibt es erst ab einem Depotwert von 100.000 US-Dollar, darunter anteilig. Auf Guthaben in Franken und Yen können Negativzinsen anfallen.