Scalable Capital Österreich: Konditionen und Erfahrungen

Scalable Capital für Österreich: Preismodelle, Gebührenerhöhung ab September 2026, Einlagensicherung und warum der Broker nicht steuereinfach ist.

Aktualisiert: 17. August 2026 11 Min. Lesezeit

Scalable Capital ist mit über einer Million Kunden und mehr als 40 Milliarden Euro Plattformvermögen einer der größten Neobroker Europas. Für österreichische Anleger hat der Anbieter allerdings einen Haken, der alle Gebührenvorteile relativiert: Er ist nicht steuereinfach.

Dazu kommen zwei Änderungen, die 2026 unmittelbar ins Geld gehen. Seit 8. Juli kostet eine Xetra-Order 1,99 Euro statt bisher 3,99 Euro plus Handelsplatzgebühr - das ist günstiger. Ab 1. September verdoppelt sich dagegen der Preis für gettex-Orders von 0,99 auf 1,99 Euro. Wer über gettex handelt, zahlt ab dann das Doppelte.

Wer hinter Scalable Capital steht

Die Bank- und Wertpapiergeschäfte erbringt die Scalable Capital Bank GmbH mit Sitz in der Seitzstraße 8e in München, eingetragen beim Amtsgericht München unter HRB 217778. Sie ist ein Kreditinstitut nach Paragraph 32 KWG und steht unter Aufsicht der BaFin und der Deutschen Bundesbank.

Die Vollbanklizenz erteilte am 10. September 2025 die Europäische Zentralbank. Seither führt Scalable die Depots selbst; die Migration weg von der Baader Bank war am 7. Dezember 2025 abgeschlossen. Dieses Datum hat steuerliche Folgen, dazu unten mehr.

Für Österreich besteht eine Zweigniederlassung unter FN 628438 z beim Handelsgericht Wien, Adresse Wohllebengasse 12 in 1040 Wien. Die Fachpresse datiert ihre Registrierung auf Mitte Januar 2026.

Der Konzern firmiert seit November 2021 als Scalable GmbH. Verwechslungsgefahr besteht innerhalb der eigenen Firmenfamilie: Neben der Bank existieren weiterhin eine Scalable Capital GmbH, eine Scalable Operations GmbH und die zugekaufte justETF GmbH. Für Ihr Depot maßgeblich ist ausschließlich die Scalable Capital Bank GmbH.

Die Preismodelle

Hier hat sich eine hartnäckige Verwirrung festgesetzt, weil zwei verschiedene Zahlen kursieren. Beide sind richtig, sie betreffen nur unterschiedliche Tarife.

ModellGrundpreisOrdergebühr
FREE0 Euro0,99 Euro pro Order
PRIME+4,99 Euro pro Monat0 Euro ab 250 Euro Ordervolumen, darunter 0,99 Euro
PRIME (Altbestand)2,99 Euro pro Monat bei Jahreszahlung, 35,88 Euro jährlich-

PRIME zu 2,99 Euro wird Neukunden 2026 nicht mehr angeboten. Wer die Zahl in einem Vergleich findet, sieht einen veralteten Stand. Das aktuelle Factsheet kennt nur noch FREE und PRIME+.

Die Depotführung kostet in beiden Modellen nichts. Sparpläne sind ab einem Euro und in beliebiger Zahl ohne Ordergebühr möglich - das gilt für Aktien, ETFs, Fonds und Krypto-ETPs gleichermaßen.

Was sich zum 1. September ändert

Scalable handelt an drei Plätzen: der hauseigenen European Investor Exchange an der Börse Hannover, gettex an der Börse München und Xetra.

Handelsplatzbisherneu
EIX0,99 Eurounverändert 0,99 Euro
Xetra3,99 Euro plus 0,01 % Handelsplatzgebühr, mindestens 1,50 Euro1,99 Euro seit 8. Juli 2026
gettex0,99 Euro1,99 Euro ab 1. September 2026

Der Neuregelung müssen Sie in der App oder im Webzugang aktiv zustimmen. Die Richtung ist erkennbar: Der teurer werdende Fremdhandelsplatz gettex und der günstiger werdende Eigenhandelsplatz EIX lenken Ordervolumen auf die eigene Börse.

Für die Praxis heißt das: Prüfen Sie vor dem 1. September, über welchen Handelsplatz Ihre Sparpläne und Orders laufen. Wer bisher gettex genutzt hat und nicht umstellt, zahlt ab September pro Order einen Euro mehr.

Das Angebot

AnlageklasseUmfang
Aktien8.000
ETFs2.700
Fonds3.800
Derivateüber 1,8 Millionen Produkte von sieben Emittenten
Anleihenhandelbar, auch als Sparplan
KryptoKryptowährungen und Crypto-ETPs, sparplanfähig ab 1 Euro

ETFs der PRIME-Partner DWS Xtrackers, Amundi, iShares und Vanguard kaufen Sie ab 250 Euro Ordervolumen ohne Gebühr, auch im FREE-Modell. Der Verkauf kostet dann 0,99 Euro.

Über ELTIFs können geeignete Kunden zusätzlich in Private Equity investieren; in Österreich gibt es das seit April 2025.

Die digitale Vermögensverwaltung Scalable Wealth ist ein eigenes Produkt und kostet 0,75 Prozent pro Jahr, ab 100.000 Euro Anlagebestand 0,69 Prozent und ab 500.000 Euro 0,49 Prozent. Eine Performance-Gebühr gibt es nicht.

Der österreichische Knackpunkt: nicht steuereinfach

Ein steuereinfacher Broker behält die Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent ein und führt sie ans Finanzamt ab. Scalable Capital tut das für österreichische Kunden nicht. Sie müssen Ihre Kapitalerträge selbst über die Einkommensteuererklärung deklarieren, mit der Beilage E1kv.

Der Stand der Dinge im Zeitverlauf:

  • September 2025: Vollbanklizenz durch die EZB
  • Januar 2026: Registrierung der österreichischen Zweigniederlassung
  • Februar 2026: automatische KESt-Abfuhr ausdrücklich nicht aktiv
  • Juni 2026: Scalable hält am Ziel fest, das noch 2026 anzubieten, nennt als Fortschritt die Eintragung in die Unternehmensdatenbank der FMA, gibt aber keinen Termin
  • Juli und August 2026: unverändert nicht steuereinfach

Rechtlich ist die Zweigniederlassung der entscheidende Schritt, denn Paragraph 95 Abs. 2 EStG lässt Zweigstellen von EU-Kreditinstituten als inländische depotführende Stelle zu. Zum Vergleich: Bei Trade Republic lagen zwischen Gründung der Wiener Zweigniederlassung im Juli 2024 und der Steuereinfachheit Ende April 2025 gut neun Monate. Scalables Zweigniederlassung besteht seit Januar 2026.

Wenn Sie irgendwo lesen, Scalable sei „seit 2024 steuereinfach”: Das kann nicht stimmen. Die Zweigniederlassung, ohne die es rechtlich nicht geht, gibt es erst seit Januar 2026. Die Quelle, die das behauptet, enthält zwei weitere nachweislich falsche Angaben - sie schreibt, Scalable biete keine Anleihen an und habe keinen Telefonservice. Beides ist falsch.

Der KPMG-Steuerreport und seine Lücken

Als Ersatz stellt Scalable seit Mai 2023 einen Steuerreport bereit, den KPMG nach österreichischem Steuerrecht erstellt. Er ist kostenlos, erscheint einmal jährlich, üblicherweise im ersten Quartal des Folgejahres, und ist ausdrücklich keine Steuerberatung.

Beim Report für 2025 gab es zwei Probleme. Erstens war er Anfang Juni 2026 noch nicht vollständig verfügbar, ohne dass Scalable einen Termin genannt hätte. Zweitens deckt der vorliegende Teil nur den Zeitraum 1. Jänner bis 7. Dezember 2025 ab - also bis zum Depotübertrag von der Baader Bank. Für die restlichen gut drei Wochen des Jahres sollte ein separater Report folgen.

Wer den Report ungeprüft in die Steuererklärung überträgt, geht ein Risiko ein: Bei ausschüttungsgleichen Erträgen und angerechneten Quellensteuern kam es in Vorjahren zu Abweichungen.

Zinsen und Einlagensicherung

Seit 16. März 2026 gibt es ein eigenes Tagesgeldkonto mit 2,50 Prozent variabel pro Jahr auf unbegrenztes Guthaben, für alle Kunden, mit monatlicher Zinsgutschrift, eigener IBAN und ohne Mindestanlage.

Das Verrechnungskonto wird seit April 2026 mit null Prozent verzinst. Wer Zinsen will, muss das Guthaben also aktiv aufs Tagesgeldkonto legen.

Bei der Absicherung unterscheiden sich die Modelle erheblich:

PRIME+ verteilt das Guthaben auf die Scalable Capital Bank und bis zu vier Partnerbanken. Das ergibt bis zu fünfmal 100.000 Euro gesetzliche Einlagensicherung, also bis zu 500.000 Euro.

FREE kommt auf 100.000 Euro pro Kunde und Bank - allerdings liegt ein Teil des Guthabens in qualifizierten Geldmarktfonds. Und dort gilt keine Einlagensicherung, sondern die OGAW-Schutzstandards.

Genau daran hat sich Kritik entzündet. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bemängelte im März 2026, die Bezeichnung „Tagesgeld” sei problematisch, weil sie ein anderes Schutzniveau suggeriere als tatsächlich vorliegt, und ein Hinweis in einer Fußnote reiche nicht aus. Der Einwand ist berechtigt: Ein Geldmarktfonds ist eine Wertpapieranlage, kein besichertes Bankguthaben.

Was gegen Scalable Capital spricht

Neben der fehlenden Steuereinfachheit gab es 2026 zwei konkrete Ärgernisse.

Am 8. April 2026 fiel ab etwa sieben Uhr morgens der Login aus, die App lud nicht, neue Orders verzögerten sich. Bereits übermittelte Orders blieben aktiv. Als Ursache nannte eine Sprecherin einen Fehler im Zusammenspiel interner Systeme, ausdrücklich nicht erhöhte Kundenaktivität.

Und die Kommunikation zum Steuerreport war zäh: Auf Nachfrage der Fachpresse blieben die Antworten vage, ein Veröffentlichungstermin wurde nicht genannt, während Kunden Ende Mai noch warteten.

Ein Girokonto oder eine Zahlungskarte bietet Scalable nicht. Wer beides aus einer Hand will, ist bei Trade Republic besser aufgehoben.

Für wen sich Scalable Capital lohnt

Sinnvoll, wenn Sie viel handeln und PRIME+ nutzen. Ab etwa fünf Orders pro Monat rechnet sich die Flatrate gegenüber Einzelgebühren, und das Angebot an Fonds und Derivaten ist das breiteste im Neobroker-Feld.

Sinnvoll auch, wenn Sie die Steuererklärung ohnehin machen - etwa weil Sie Depots bei mehreren Instituten führen oder Auslandseinkünfte haben. Dann kostet die fehlende Steuereinfachheit wenig zusätzlichen Aufwand.

Nicht sinnvoll, wenn Sie einen Broker suchen, der Ihnen die Steuer abnimmt. Dafür gibt es in Österreich mehrere Anbieter, die das seit Jahren erledigen, und mit Trade Republic seit April 2025 auch einen zum vergleichbaren Preis. Ein Blick auf die steuereinfachen Broker lohnt sich vor der Entscheidung.

Nicht sinnvoll, wenn Sie größere Summen als Tagesgeld parken wollen und Wert auf lückenlose Einlagensicherung legen. Im FREE-Modell ist ein Teil davon Geldmarktfonds.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Ist Scalable Capital in Österreich steuereinfach?

Nein, Stand August 2026 nicht. Die Kapitalertragsteuer wird nicht automatisch abgeführt, Sie geben Ihre Kapitalerträge selbst in der Einkommensteuererklärung an. Scalable hat im Jänner 2026 eine österreichische Zweigniederlassung registriert und hält am Ziel fest, die Steuereinfachheit noch 2026 anzubieten, nennt aber keinen Termin.

Was kostet Scalable Capital?

Das Modell FREE kostet nichts und 0,99 Euro pro Order. PRIME+ kostet 4,99 Euro im Monat, dafür sind Orders ab 250 Euro Volumen kostenlos. Die Depotführung ist in beiden Modellen kostenlos, Sparpläne sind ab einem Euro gebührenfrei.

Was ändert sich am 1. September 2026?

Orders über den Handelsplatz gettex kosten dann 1,99 statt bisher 0,99 Euro, der Preis verdoppelt sich also. Über die hauseigene Börse EIX bleibt es bei 0,99 Euro, Xetra kostet seit 8. Juli 2026 ebenfalls 1,99 Euro. Der neuen Preisliste müssen Sie in der App aktiv zustimmen.

Wie sicher ist das Guthaben bei Scalable Capital?

In PRIME+ wird es auf die Scalable Capital Bank und bis zu vier Partnerbanken verteilt, was bis zu fünfmal 100.000 Euro gesetzliche Einlagensicherung ergibt. In FREE liegt ein Teil in Geldmarktfonds - dort greift keine Einlagensicherung, sondern die OGAW-Schutzstandards. Verbraucherschützer kritisieren, dass die Bezeichnung Tagesgeld das verdeckt.

Was ist der KPMG-Steuerreport?

Ein kostenloser Jahresbericht, den KPMG nach österreichischem Steuerrecht auf Basis der Scalable-Daten erstellt. Er ersetzt keine automatische KESt-Abfuhr und keine Steuerberatung, sondern hilft beim Ausfüllen der Erklärung. Der Report für 2025 war Anfang Juni 2026 noch nicht vollständig verfügbar.

Bekomme ich bei Scalable Capital noch den PRIME-Tarif für 2,99 Euro?

Neukunden nicht. Angeboten werden 2026 nur noch FREE und PRIME+. Der frühere PRIME-Tarif zu 2,99 Euro monatlich bei jährlicher Zahlung taucht in den aktuellen Unterlagen nicht mehr auf.