Businessplan: Wer ihn wirklich verlangt und in welcher Form

Eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht. Was aws und AMS konkret fordern - und warum das AMS bei der Antragstellung noch gar kein Dokument sehen will.

Stand: 18. August 2026 13 Min. Lesezeit

Ein Businessplan ist in Österreich nicht vorgeschrieben. Es gibt keine Norm, die ihn verlangt, und keine amtliche Gliederung, an die man sich halten müsste.

Verlangt wird er von Dritten - und die verlangen Unterschiedliches. Wer einen Businessplan schreibt, ohne zu wissen, wer ihn lesen wird, schreibt am Adressaten vorbei. Deshalb steht hier die Frage am Anfang, die sonst am Ende steht: Wofür genau?

Die aws: eine Zahl, die es sonst nirgends gibt

Die Austria Wirtschaftsservice ist die einzige Stelle, bei der sich eine verbindliche Umfangsvorgabe finden lässt. Für die Linie Preseed Innovative Solutions verlangt sie einen „Businessplan (25 Seiten, maximale Abweichung von plus/minus 5 Seiten)”.

Interessanter ist, was daneben steht: Die Deep-Tech-Linien verlangen gar keinen Businessplan. Dort genügen ein Identifikationsnachweis und Lebensläufe, dafür kommt ein Pitch vor einer Jury.

LinieHöchstbetragBusinessplan
Preseed Innovative Solutions100.000 Euroja, 25 Seiten
Seedfinancing Innovative Solutions400.000 Euroja
Preseed Deep Tech300.000 Euronein
Seedfinancing Deep Tech1.000.000 Euronein

Die Beträge verstehen sich einschließlich des Genderbonus. Zur Einordnung nennt die aws für Preseed Innovative Solutions eine Erfolgsquote von rund 20 Prozent.

Zwei Zahlen, die dazu kursieren, gehören richtiggestellt. Der WKO-Leitfaden nennt für Preseed „bis max. EUR 300.000”, ohne dazuzusagen, dass das die Deep-Tech-Linie ist - für Innovative Solutions sind es 100.000. Und der Betrag von 365.000 Euro, der in Suchergebnissen auftaucht, steht auf keiner aws-Seite.

Das AMS: kein Dokument bei der Antragstellung

Für Gründerinnen und Gründer aus der Arbeitslosigkeit ist das Unternehmensgründungsprogramm der wichtigste Weg - und die verbreitete Vorstellung davon ist falsch.

Sie brauchen bei der Antragstellung keinen fertigen Businessplan. Unternehmenskonzept und Finanzplan entstehen erst während des Programms, mit Beratung. Wer wartet, bis er ein fertiges Dokument hat, wartet umsonst.

Der Zugang ist offener, als viele annehmen: Voraussetzung ist, beim AMS arbeitslos vorgemerkt zu sein. Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld ist ausdrücklich keine Voraussetzung.

Der Ablauf nach der aktuellen Bundesrichtlinie, die seit August 2025 gilt:

PhaseDauer
Klärungsphasehöchstens 8 Wochen, für Wiedereinsteigerinnen 10
Vorbereitung und Realisierungim Regelfall 6 Monate, höchstens 9
Nachbetreuungbis 2 Jahre nach der Gründung, höchstens 4 Termine

Die Gründungsbeihilfe entspricht der Höhe des Arbeitslosengeldes zuzüglich eines Zuschlags für die Sozialversicherung und wird für mindestens zwei Monate gewährt. Kurskosten werden bis 4.200 Euro übernommen, in begründeten Fällen bis 6.300 Euro.

Zwei Ausschlüsse gehören dazu: Wer in einem laufenden Schuldenregulierungsverfahren steht, kann nicht teilnehmen. Und Rechtsanwälte und Ärzte zählen nicht zur Zielgruppe.

Die Bank

Banken verlangen bei der Kreditvergabe regelmäßig einen Businessplan, aber keine bestimmte Form. Was sie tatsächlich prüfen, ist der Finanzteil: Kapitalbedarf, Rentabilitätsvorschau und vor allem die Liquiditätsplanung.

Der Grund ist einfach: Eine Bank verdient an der Rückzahlung, nicht am Gewinn. Ein Plan, der einen soliden Gewinn zeigt und dabei im vierten Monat kein Geld auf dem Konto hat, wird abgelehnt - der Gewinn kommt zu spät.

Was hineingehört

Da es keine amtliche Gliederung gibt, hilft die Frage, welche Zweifel der Leser hat. In der Praxis sind es fünf:

  1. Was verkaufen Sie, und an wen? Konkret genug, dass jemand ohne Branchenkenntnis es versteht.
  2. Warum Sie? Qualifikation, Erfahrung, Gewerbeberechtigung - bei reglementierten Gewerben ist der Befähigungsnachweis eine harte Voraussetzung, siehe die Seite zur Gewerbeanmeldung.
  3. Was kostet der Start, und woher kommt das Geld? Kapitalbedarf gegen Eigenmittel, Kredit und Förderung.
  4. Wann tragen Sie sich? Umsatzplanung gegen laufende Kosten - inklusive Sozialversicherung und Steuern, die beide erst zeitversetzt zuschlagen. Wie stark, steht auf der Seite zu den SVS-Beiträgen.
  5. Was passiert, wenn es langsamer läuft? Der Teil, den fast alle auslassen und nach dem fast jeder Kreditsachbearbeiter fragt.

Der Kalkulationsteil hängt unmittelbar am Stundensatz - die belegbaren Ausgangsgrößen dafür stehen auf der eigenen Seite dazu.

Zur Länge: Wenn kein Adressat etwas anderes vorgibt, ist Kürze kein Nachteil. Selbst die Wirtschaftskammer ist sich hier nicht einig - ihr Leitfaden nennt 20 Seiten, ihre Website 30.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Businessplan in Österreich vorgeschrieben?

Nein. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, einen Businessplan zu erstellen. Verlangt wird er von Dritten - von Banken bei der Kreditvergabe und von einzelnen Förderstellen, und dort in sehr unterschiedlicher Form.

Wie lang muss ein Businessplan sein?

Es gibt dafür keine allgemeine Vorgabe. Die einzige verbindliche Umfangsangabe, die sich in Österreich finden lässt, stammt von der aws für eine einzelne Förderlinie: 25 Seiten mit einer Abweichung von höchstens fünf Seiten nach oben oder unten.

Brauche ich für jede aws-Förderung einen Businessplan?

Nein. Die Deep-Tech-Linien der aws verlangen gar keinen Businessplan, sondern einen Identifikationsnachweis, Lebensläufe und einen Pitch vor einer Jury. Nur die Linie Innovative Solutions fordert das Dokument.

Muss ich beim AMS einen fertigen Businessplan vorlegen?

Nein, und das ist der häufigste Irrtum zu diesem Programm. Unternehmenskonzept und Finanzplan entstehen erst während des Unternehmensgründungsprogramms. Bei der Antragstellung wird kein fertiges Dokument verlangt.

Wer kann am AMS-Unternehmensgründungsprogramm teilnehmen?

Wer beim AMS arbeitslos vorgemerkt ist. Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld ist ausdrücklich keine Voraussetzung. Ausgeschlossen ist, wer in einem laufenden Schuldenregulierungsverfahren steht; Rechtsanwälte und Ärzte zählen nicht zur Zielgruppe.

Wie lange dauert das AMS-Programm?

Die Klärungsphase dauert höchstens acht Wochen, für Wiedereinsteigerinnen zehn. Vorbereitung und Realisierung nehmen im Regelfall sechs Monate in Anspruch, höchstens neun. Danach gibt es eine Nachbetreuung bis zu zwei Jahre nach der Gründung.

Wie hoch ist die Gründungsbeihilfe?

Sie entspricht der Höhe des Arbeitslosengeldes zuzüglich eines Zuschlags für die Sozialversicherung und wird für mindestens zwei Monate gewährt.