Fahrtenbuch für Selbstständige Österreich 2026

Fahrtenbuch 2026: Wann Pflicht, was hinein muss, elektronisch vs. Papier, Apps und Kilometergeld-Alternative. Jetzt informieren!

Aktualisiert: 05. April 2026 15 Min. Lesezeit

Wann ist ein Fahrtenbuch notwendig?

Für Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende in Österreich ist die steuerliche Absetzbarkeit von Kfz-Kosten ein wichtiges Thema. Das Fahrtenbuch ist dabei das zentrale Instrument, um den betrieblichen Anteil der Fahrzeugnutzung nachzuweisen. Hier erfahren Sie, wann ein Fahrtenbuch notwendig ist, welche Anforderungen es erfüllen muss, welche Alternativen es gibt und wie Sie steuerlich optimal vorgehen.

Wann ist ein Fahrtenbuch notwendig?

Grundsatz: Kein genereller Zwang

In Österreich gibt es keine generelle gesetzliche Pflicht, ein Fahrtenbuch zu führen. Die Bundesabgabenordnung und das Einkommensteuergesetz verlangen jedoch, dass betrieblich veranlasste Ausgaben nachgewiesen werden müssen. Wer betriebliche Kfz-Kosten steuerlich geltend machen möchte, muss den betrieblichen Nutzungsanteil belegen können.

Das Fahrtenbuch ist hierfür die anerkannte und sicherste Methode. Ohne ordnungsgemässes Fahrtenbuch kann das Finanzamt den betrieblichen Anteil schätzen — und diese Schätzung fällt erfahrungsgemäss eher konservativ aus.

Typische Situationen, in denen ein Fahrtenbuch sinnvoll ist

  • Betriebliches Fahrzeug mit Privatnutzung: Wenn ein Firmenfahrzeug auch privat genutzt wird, muss der Privatanteil ermittelt und als Sachbezug versteuert werden
  • Privatfahrzeug mit betrieblicher Nutzung: Wenn das private Auto für betriebliche Fahrten verwendet wird, können die anteiligen Kosten abgesetzt werden
  • Hohe Kfz-Kosten: Bei teuren Fahrzeugen oder hohen Kilometerleistungen kann ein Fahrtenbuch zu deutlich besseren steuerlichen Ergebnissen führen als das pauschale Kilometergeld
  • Betriebsprüfung: Im Falle einer Betriebsprüfung wird das Fahrtenbuch als Nachweis für die geltend gemachten Kfz-Kosten herangezogen

Die 50-Prozent-Grenze

Ein wichtiger Schwellenwert: Wird ein Fahrzeug zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt, gilt es als Betriebsvermögen. In diesem Fall müssen alle Kosten über das Fahrtenbuch ermittelt und der private Nutzungsanteil herausgerechnet werden. Wird das Fahrzeug zu weniger als 50 Prozent betrieblich genutzt, bleibt es Privatvermögen, und die betrieblichen Fahrten können alternativ auch über das Kilometergeld abgerechnet werden.

Anforderungen an ein ordnungsgemässes Fahrtenbuch

Pflichtangaben für jede Fahrt

Damit das Fahrtenbuch vom Finanzamt anerkannt wird, muss es bestimmte Mindestangaben enthalten. Für jede betriebliche Fahrt sind folgende Informationen zu dokumentieren:

  • Datum der Fahrt
  • Abfahrtsort (Start der Fahrt)
  • Zielort (Endpunkt der Fahrt)
  • Kilometerstand bei Abfahrt und Ankunft
  • Gefahrene Kilometer (Differenz)
  • Zweck der Fahrt (betrieblicher Anlass, z.B. Kundenbesuch bei Firma XY, Lieferung, Besprechung)
  • Aufgesuchte Geschäftspartner oder Kunden (Name oder Firma)

Für Privatfahrten genügt in der Regel der Vermerk “privat” mit Angabe der Kilometer. Der Fahrtenbuchführer muss keine detaillierten Angaben zum Ziel oder Zweck der Privatfahrt machen.

Formale Anforderungen

Das Finanzamt stellt strenge formale Anforderungen an Fahrtenbücher:

Zeitnähe: Die Einträge müssen zeitnah zur Fahrt erfolgen, idealerweise noch am selben Tag. Ein nachträglich erstelltes Fahrtenbuch wird in der Regel nicht anerkannt.

Lückenlosigkeit: Das Fahrtenbuch muss lückenlos sein. Jede Fahrt muss erfasst werden, sowohl betriebliche als auch private. Lücken im Kilometerstand führen dazu, dass das gesamte Fahrtenbuch verworfen wird.

Unveränderbarkeit: Einträge dürfen nicht nachträglich geändert oder gelöscht werden. Bei einem Papier-Fahrtenbuch sind Durchstreichungen und Korrekturen so vorzunehmen, dass der ursprüngliche Eintrag noch lesbar ist.

Nachvollziehbarkeit: Die Einträge müssen für Dritte nachvollziehbar sein. Abkürzungen sind zulässig, wenn sie allgemein verständlich sind.

Häufige Fehler, die zur Nichtanerkennung führen

Die folgenden Fehler führen häufig dazu, dass das Finanzamt ein Fahrtenbuch verwirft:

  • Nachträgliches Erstellen des gesamten Fahrtenbuchs (z.B. am Jahresende)
  • Fehlende Kilometerstandsangaben
  • Unplausible Kilometerangaben (grosse Abweichungen zum Tachostand)
  • Fehlende oder zu allgemeine Zweckangaben (z.B. nur “geschäftlich” ohne weitere Details)
  • Lücken zwischen Privatfahrten und betrieblichen Fahrten
  • Überschreibungen oder unleserliche Korrekturen im Papier-Fahrtenbuch

Elektronisches Fahrtenbuch vs. Papier

Papier-Fahrtenbuch

Das klassische Papier-Fahrtenbuch hat den Vorteil der Einfachheit. Es erfordert keine technischen Voraussetzungen und ist sofort einsetzbar. Fertige Fahrtenbuch-Formulare sind im Bürofachhandel erhältlich.

Vorteile:

  • Keine technischen Voraussetzungen
  • Günstig in der Anschaffung
  • Physisch greifbar und einfach vorzulegen
  • Keine Software-Updates notwendig

Nachteile:

  • Aufwändig bei vielen Fahrten
  • Fehleranfällig (Schreibfehler, vergessene Einträge)
  • Schwer nachträglich zu korrigieren
  • Muss sieben Jahre physisch aufbewahrt werden
  • Keine automatische Auswertung möglich

Elektronisches Fahrtenbuch

Elektronische Fahrtenbücher bieten zahlreiche Vorteile und werden vom Finanzamt grundsätzlich anerkannt, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind:

Unveränderbarkeit: Die Software muss sicherstellen, dass Einträge nicht nachträglich gelöscht oder verändert werden können. Änderungen müssen als solche erkennbar und dokumentiert sein (Audit-Trail).

Exportierbarkeit: Die Daten müssen in einem gängigen Format (z.B. CSV, PDF) exportiert und dem Finanzamt vorgelegt werden können.

Vollständigkeit: Das System muss alle erforderlichen Angaben erfassen.

Vorteile:

  • Automatische GPS-Erfassung der Fahrten
  • Geringerer manueller Aufwand
  • Automatische Auswertung (betrieblich/privat, Kilometerstatistik)
  • Einfache Archivierung
  • Integrierbarkeit in die Buchhaltung

Nachteile:

  • Anschaffungskosten (Hardware und/oder Software)
  • Technische Abhängigkeit
  • Datenschutzbedenken (GPS-Tracking)
  • Nicht alle Produkte erfüllen die steuerlichen Anforderungen

Beliebte Apps und Lösungen

Es gibt verschiedene Lösungen für elektronische Fahrtenbücher:

GPS-basierte Hardware-Lösungen: Kleine Geräte, die an die OBD-Schnittstelle des Fahrzeugs angeschlossen werden und automatisch jede Fahrt aufzeichnen. Diese Lösungen sind besonders zuverlässig, da sie fahrzeugseitig arbeiten und nicht vergessen werden können.

Smartphone-Apps: Zahlreiche Apps ermöglichen die Fahrtenbuch-Führung per Smartphone. GPS-Tracking erfasst Start- und Endpunkt automatisch, der Nutzer ergänzt den Fahrtzweck. Populäre Optionen sind unter anderem Vimcar, FLEETIZE und TripLog.

Cloud-basierte Softwarelösungen: Webbasierte Tools, die sowohl manuelle Eingabe als auch GPS-Import unterstützen und die Daten zentral speichern.

Bei der Auswahl einer Lösung sollten Sie auf folgende Kriterien achten:

  • Konformität mit den Anforderungen der österreichischen Finanzverwaltung
  • Unveränderbarkeit der Daten
  • Möglichkeit zum Datenexport
  • Zuverlässigkeit der GPS-Erfassung
  • Datenschutz und Serverstandort (idealerweise EU/Österreich)

Das Kilometergeld als Alternative

Was ist das amtliche Kilometergeld?

Das amtliche Kilometergeld ist ein von der Finanzverwaltung festgelegter Pauschalbetrag pro betrieblich gefahrenem Kilometer. Es dient als vereinfachte Alternative zum Fahrtenbuch, bei der die tatsächlichen Kfz-Kosten nicht einzeln nachgewiesen werden müssen.

Höhe des Kilometergelds 2026

Das amtliche Kilometergeld beträgt 2026:

  • Pkw und Kombi: 0,42 Euro pro Kilometer
  • Motorräder und Motorfahrräder: 0,24 Euro pro Kilometer
  • Fahrräder und E-Bikes: 0,38 Euro pro Kilometer

Das Kilometergeld deckt sämtliche Kfz-Kosten ab, einschliesslich Treibstoff, Abnutzung, Versicherung, Reparaturen, Parkgebühren und Mautgebühren.

Kilometergeld-Obergrenze

Das Kilometergeld kann für maximal 30.000 betriebliche Kilometer pro Kalenderjahr geltend gemacht werden. Bei 0,42 Euro pro Kilometer ergibt das einen maximalen Abzug von 12.600 Euro. Für darüber hinausgehende Kilometer müssen die tatsächlichen Kosten über das Fahrtenbuch ermittelt werden.

Wann lohnt sich das Kilometergeld, wann das Fahrtenbuch?

Kilometergeld ist vorteilhafter, wenn:

  • Die tatsächlichen Kilometerkosten unter 0,42 Euro liegen
  • Das Fahrzeug günstig im Unterhalt ist
  • Die betriebliche Fahrleistung unter 30.000 Kilometern liegt
  • Der Verwaltungsaufwand minimal gehalten werden soll

Das Fahrtenbuch ist vorteilhafter, wenn:

  • Die tatsächlichen Kilometerkosten über 0,42 Euro liegen
  • Ein teures Fahrzeug verwendet wird (Anschaffung, Leasing, hohe Versicherung)
  • Die betriebliche Fahrleistung über 30.000 Kilometer liegt
  • Hohe Treibstoffkosten anfallen

Aufzeichnungspflicht beim Kilometergeld

Auch bei Verwendung des Kilometergelds müssen die betrieblichen Fahrten dokumentiert werden. Die Anforderungen sind jedoch geringer als beim vollständigen Fahrtenbuch. Es genügt ein vereinfachtes Fahrtenbuch mit:

  • Datum der Fahrt
  • Strecke (von - nach)
  • Gefahrene Kilometer
  • Zweck der Fahrt

Der Kilometerstand des Fahrzeugs muss in diesem Fall nicht erfasst werden.

Steuerliche Absetzbarkeit von Kfz-Kosten

Betrieblich genutzte Fahrzeuge im Betriebsvermögen

Wird ein Fahrzeug zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt, gehört es zum Betriebsvermögen. Folgende Kosten können über das Fahrtenbuch anteilig abgesetzt werden:

  • Abschreibung (AfA): Die Anschaffungskosten werden über die Nutzungsdauer abgeschrieben. Für Pkw beträgt die steuerliche Nutzungsdauer in der Regel acht Jahre. Die Angemessenheitsgrenze für Pkw liegt bei 40.000 Euro (Anschaffungskosten).
  • Leasingraten: Bei Leasingfahrzeugen die monatlichen Raten
  • Treibstoffkosten: Benzin, Diesel, Strom
  • Versicherung: Haftpflicht, Kasko
  • Reparaturen und Service: Werkstattkosten, Reifenwechsel
  • Steuern und Abgaben: Motorbezogene Versicherungssteuer (ausser bei E-Autos)
  • Maut und Parkgebühren
  • Garagierung: Mietkosten für einen Stellplatz

Luxustangente

Bei Fahrzeugen, deren Anschaffungskosten die Angemessenheitsgrenze von 40.000 Euro übersteigen, kommt die sogenannte Luxustangente zum Tragen. Der Teil der Anschaffungskosten, der über 40.000 Euro liegt, ist steuerlich nicht absetzbar. Die Abschreibung wird entsprechend gekürzt.

Beispiel: Bei einem Fahrzeug mit Anschaffungskosten von 50.000 Euro können nur 40.000 Euro abgeschrieben werden. Die Luxustangente beträgt 20 Prozent (10.000 von 50.000 Euro).

Für Elektrofahrzeuge gilt eine höhere Angemessenheitsgrenze, die derzeit ebenfalls bei 40.000 Euro liegt, wobei die NoVA (die bei E-Autos ohnehin nicht anfällt) und die Umsatzsteuer (die bei E-Autos als Vorsteuer abgezogen werden kann) das Bild zusätzlich verändern.

Vorsteuerabzug

Der Vorsteuerabzug aus Kfz-Kosten ist grundsätzlich auf bestimmte Fahrzeugtypen beschränkt. Für normale Pkw gibt es keinen Vorsteuerabzug. Ausnahmen gelten für:

  • Elektrofahrzeuge (voller Vorsteuerabzug bis zur Angemessenheitsgrenze)
  • Klein-Lkw (Pritschenwagen, Kastenwagen)
  • Taxis und Fahrschulfahrzeuge

E-Autos und Fahrtenbuch

Besonderheiten bei Elektrofahrzeugen

Elektrofahrzeuge bieten steuerliche Vorteile, die auch das Fahrtenbuch beeinflussen:

  • Kein Sachbezug bei Privatnutzung eines betrieblichen E-Autos
  • Voller Vorsteuerabzug (bis zur Angemessenheitsgrenze)
  • Keine motorbezogene Versicherungssteuer
  • Steuerfreies Laden am Arbeitsplatz

Diese Vorteile machen es besonders attraktiv, ein E-Auto als Firmenfahrzeug zu nutzen. Das Fahrtenbuch ist dennoch zu führen, um den betrieblichen Anteil zu dokumentieren.

Fahrtenbuch bei Betriebsprüfung

Was prüft das Finanzamt?

Bei einer Betriebsprüfung wird das Fahrtenbuch intensiv unter die Lupe genommen. Die Prüfer achten besonders auf:

  • Plausibilität: Stimmen die eingetragenen Kilometer mit der tatsächlichen Entfernung überein? Navigationsdienste werden zur Kontrolle herangezogen.
  • Lückenlosigkeit: Gibt es Lücken zwischen den Einträgen? Stimmt der Gesamtkilometerstand mit dem Tachostand überein?
  • Zeitnähe: Wurden die Einträge zeitnah vorgenommen oder nachträglich erstellt?
  • Konsistenz: Passen die Fahrten zum Geschäftsbetrieb? Stimmen die aufgesuchten Kunden mit der Buchhaltung überein?

Konsequenzen bei Mängeln

Wird das Fahrtenbuch nicht anerkannt, hat dies folgende Konsequenzen:

  • Das Finanzamt schätzt den betrieblichen Anteil (meist ungünstiger)
  • Bereits abgesetzte Kosten können nachversteuert werden
  • Es können Nachzahlungen plus Zinsen anfallen
  • Im schlimmsten Fall drohen Finanzstrafen bei Verdacht auf Steuerhinterziehung

Praktische Tipps für die Fahrtenbuchführung

Routine entwickeln

Der wichtigste Tipp: Machen Sie die Fahrtenbuchführung zur täglichen Routine. Tragen Sie jede Fahrt sofort nach Abschluss ein, nicht erst am Abend oder am Wochenende. Je länger Sie warten, desto ungenauer werden die Einträge.

Jahreswechsel beachten

Zum Jahreswechsel sollten Sie den Kilometerstand des Fahrzeugs notieren. Dies dient als Kontrollwert für das neue Jahr und erleichtert die Jahresauswertung.

Werkstattrechnungen aufbewahren

Bewahren Sie alle Werkstattrechnungen auf, auch wenn sie den Kilometerstand enthalten. Diese können als zusätzlicher Nachweis für die Richtigkeit des Fahrtenbuchs dienen.

Tankrechnungen sammeln

Sammeln Sie alle Tankrechnungen und ordnen Sie diese dem Fahrtenbuch zu. Die Tankmengen müssen plausibel zum eingetragenen Kilometerstand passen.

Vergleichsrechnung: Fahrtenbuch vs. Kilometergeld

Beispiel 1: Günstiges Fahrzeug, wenige Kilometer

Ein freiberuflicher Grafiker fährt einen VW Polo (Anschaffung 18.000 Euro, 5 Jahre alt). Betriebliche Kilometer pro Jahr: 8.000 km.

Variante Kilometergeld: 8.000 km mal 0,42 Euro ergibt 3.360 Euro absetzbar

Variante Fahrtenbuch (tatsächliche Kosten):

  • AfA: 18.000 geteilt durch 8 Jahre ergibt 2.250 Euro (Gesamtabschreibung)
  • Versicherung: 800 Euro
  • Steuer (motorbezogene Versicherungssteuer): 400 Euro
  • Treibstoff: 1.800 Euro (bei 12.000 km Gesamtleistung)
  • Service und Reifen: 600 Euro
  • Gesamtkosten: 5.850 Euro
  • Betrieblicher Anteil (8.000 von 12.000 km gleich 67%): 3.920 Euro

Ergebnis: Das Fahrtenbuch bringt hier rund 560 Euro mehr Abzug als das Kilometergeld. Bei diesem günstigen Fahrzeug ist der Unterschied gering.

Beispiel 2: Teures Fahrzeug, viele Kilometer

Eine selbstständige Unternehmensberaterin fährt einen BMW 3er (Anschaffung 45.000 Euro, Luxustangente beachten). Betriebliche Kilometer pro Jahr: 25.000 km.

Variante Kilometergeld: 25.000 km mal 0,42 Euro ergibt 10.500 Euro absetzbar

Variante Fahrtenbuch (tatsächliche Kosten):

  • AfA: 40.000 Euro geteilt durch 8 Jahre ergibt 5.000 Euro (Anschaffung über 40.000 Euro, Luxustangente greift)
  • Versicherung: 1.400 Euro
  • Steuer: 700 Euro
  • Treibstoff: 4.500 Euro (bei 35.000 km Gesamtleistung)
  • Service und Reifen: 1.200 Euro
  • Gesamtkosten: 12.800 Euro
  • Betrieblicher Anteil (25.000 von 35.000 km gleich 71%): 9.088 Euro

Ergebnis: In diesem Fall ist das Kilometergeld sogar günstiger (10.500 vs. 9.088 Euro), obwohl das Fahrzeug teuer ist. Der Grund: Die Luxustangente beschränkt die AfA, während das Kilometergeld keine solche Grenze kennt.

Beispiel 3: Elektrofahrzeug

Ein selbstständiger IT-Berater fährt ein Tesla Model 3 (Anschaffung 43.000 Euro). Betriebliche Kilometer: 20.000 km.

Variante Kilometergeld: 20.000 km mal 0,42 Euro ergibt 8.400 Euro absetzbar

Variante Fahrtenbuch (tatsächliche Kosten):

  • AfA: 43.000 Euro geteilt durch 8 Jahre ergibt 5.375 Euro (keine Luxustangente bei E-Autos bis 40.000 Euro — hier leicht darüber, aber Vorsteuerabzug möglich)
  • Versicherung: 1.000 Euro (keine motorbezogene Versicherungssteuer bei E-Autos)
  • Strom: 1.200 Euro (bei 35.000 km Gesamtleistung)
  • Service: 400 Euro (E-Autos haben geringeren Wartungsbedarf)
  • Gesamtkosten: 7.975 Euro
  • Betrieblicher Anteil (20.000 von 35.000 km gleich 57%): 4.546 Euro
  • Plus Vorsteuerabzug auf Anschaffung und laufende Kosten

Ergebnis: Beim E-Auto ist das Kilometergeld deutlich vorteilhafter. Die niedrigeren laufenden Kosten des E-Autos reduzieren den Vorteil des Fahrtenbuchs. Allerdings kommt beim E-Auto der Vorsteuerabzug hinzu, der die Gesamtrechnung deutlich verändern kann.

Sonderregelungen für bestimmte Berufsgruppen

Handelsvertreter und Aussendienstmitarbeiter

Für Handelsvertreter und Aussendienstmitarbeiter, die regelmässig hohe betriebliche Kilometerleistungen erbringen, ist das Fahrtenbuch besonders relevant. Die betrieblichen Fahrten machen oft 80 bis 90 Prozent der Gesamtfahrleistung aus. In solchen Fällen kann das Fahrtenbuch trotz des Mehraufwands finanziell deutlich vorteilhafter sein als das Kilometergeld, insbesondere wenn die 30.000-Kilometer-Grenze des Kilometergelds überschritten wird.

Ärzte und Therapeuten mit Hausbesuchen

Ärzte und Therapeuten, die Hausbesuche durchführen, haben ebenfalls einen hohen betrieblichen Fahrtanteil. Für sie gelten keine besonderen Regelungen beim Fahrtenbuch, aber die Dokumentation der Hausbesuche (Patientenname, Adresse) sollte mit dem Fahrtenbuch abgestimmt sein.

Land- und Forstwirte

Für Land- und Forstwirte gibt es Pauschalierungsregelungen, die die Kfz-Kosten abdecken können. In der Vollpauschalierung sind die Kfz-Kosten bereits enthalten. Bei der Teilpauschalierung oder der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung gelten die allgemeinen Regeln für Fahrtenbuch oder Kilometergeld.

Fahrtenbuch bei mehreren Fahrzeugen

Grundsatz: Ein Fahrtenbuch pro Fahrzeug

Wenn Sie mehrere Fahrzeuge betrieblich nutzen, muss für jedes Fahrzeug ein eigenes Fahrtenbuch geführt werden. Die Kosten werden pro Fahrzeug ermittelt und der betriebliche Anteil jeweils separat berechnet.

Gelegentliche Nutzung des Privatfahrzeugs des Partners

Wird gelegentlich das Fahrzeug des Lebenspartners für betriebliche Fahrten genutzt, können diese Fahrten über das Kilometergeld abgerechnet werden, auch wenn für das eigene Fahrzeug ein Fahrtenbuch geführt wird. In diesem Fall wird für das Partnerfahrzeug kein vollständiges Fahrtenbuch benötigt, aber die einzelnen betrieblichen Fahrten müssen dokumentiert werden.

Digitalisierung und Zukunft des Fahrtenbuchs

Die Digitalisierung verändert auch die Fahrtenbuchführung:

  • KI-gestützte Erkennung: Moderne Apps erkennen automatisch, ob eine Fahrt betrieblich oder privat war, und lernen aus dem Nutzungsverhalten
  • Integration in Buchhaltungssoftware: Direkte Schnittstellen zu Buchhaltungsprogrammen wie BMD, ProSaldo oder RZL
  • Flottenmanagement: Für Unternehmen mit mehreren Fahrzeugen bieten Flottenmanagement-Systeme integrierte Fahrtenbuch-Funktionen
  • Blockchain-basierte Lösungen: Einige Anbieter experimentieren mit Blockchain-Technologie, um die Unveränderbarkeit der Daten zu gewährleisten

Steuerliche Auswirkung im Vergleich

Um die finanzielle Bedeutung des Fahrtenbuchs zu verdeutlichen, hier eine Übersicht der typischen Steuerersparnis:

Bei einem betrieblichen Fahrtanteil von 60 Prozent und jährlichen Gesamtkosten von 8.000 Euro:

  • Absetzbare Kosten über Fahrtenbuch: 4.800 Euro
  • Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent: Steuerersparnis von 2.016 Euro
  • Beim Kilometergeld (15.000 betriebliche km): 6.300 Euro absetzbar, Steuerersparnis 2.646 Euro

In diesem Fall wäre das Kilometergeld vorteilhafter. Bei teuren Fahrzeugen dreht sich das Verhältnis jedoch um.

Aufbewahrungspflichten

Alle fahrtenbuchrelevanten Unterlagen müssen sieben Jahre aufbewahrt werden:

  • Das Fahrtenbuch selbst (Papier oder elektronische Daten)
  • Tankrechnungen und Treibstoffbelege
  • Werkstattrechnungen und Servicenachweise
  • Leasingverträge oder Kaufverträge
  • Versicherungspolizzen und -abrechnungen
  • TÜV- und Serviceheft-Einträge

Bei elektronischen Fahrtenbüchern muss sichergestellt sein, dass die Daten während der gesamten Aufbewahrungsfrist lesbar und zugänglich bleiben. Regelmässige Datensicherungen sind daher unerlässlich.

Mögliche gesetzliche Änderungen

Es wird diskutiert, ob die Finanzverwaltung in Zukunft elektronische Fahrtenbücher bevorzugt oder sogar vorschreibt. Derzeit sind beide Formen (Papier und elektronisch) gleichberechtigt, aber der Trend geht klar in Richtung digitaler Lösungen.

Häufige Fragen zum Fahrtenbuch

Kann ich das Fahrtenbuch nachträglich führen?

Nein, ein nachträglich erstelltes Fahrtenbuch wird vom Finanzamt nicht anerkannt. Die Einträge müssen zeitnah, idealerweise am Tag der Fahrt, vorgenommen werden. Ein erkennbar nachträglich erstelltes Fahrtenbuch wird bei einer Betriebsprüfung verworfen.

Was zählt als betriebliche Fahrt?

Betriebliche Fahrten umfassen alle Fahrten, die im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen: Kundenbesuche, Fahrten zu Lieferanten, Fahrten zur Bank, Fahrten zum Steuerberater, Fahrten zu Fortbildungen, Materialtransporte und ähnliche Fahrten. Nicht als betriebliche Fahrt zählen: Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte (diese fallen unter das Pendlerpauschale), rein private Besorgungen und Urlaubsfahrten.

Muss ich auch Privatfahrten eintragen?

Ja, für ein lückenloses Fahrtenbuch müssen auch Privatfahrten eingetragen werden. Allerdings genügt bei Privatfahrten der Vermerk “privat” mit Angabe der gefahrenen Kilometer. Details zum Ziel oder Zweck der Privatfahrt sind nicht erforderlich.

Was ist bei einem Fahrzeugwechsel zu beachten?

Bei einem Fahrzeugwechsel muss das Fahrtenbuch für das alte Fahrzeug abgeschlossen und für das neue Fahrzeug ein neues Fahrtenbuch begonnen werden. Der letzte Kilometerstand des alten Fahrzeugs und der erste Kilometerstand des neuen Fahrzeugs sind zu dokumentieren.

Das Fahrtenbuch ist für Selbstständige in Österreich ein unverzichtbares Instrument zur steuerlichen Optimierung der Kfz-Kosten. Ob Papier oder elektronisch, lückenlos und zeitnah geführt muss es sein. Die Alternative des Kilometergelds bietet sich bei geringerer betrieblicher Fahrleistung und günstigen Fahrzeugen an. Wer ein teures Fahrzeug fährt oder viele betriebliche Kilometer zurücklegt, fährt mit dem Fahrtenbuch und der Absetzung der tatsächlichen Kosten besser. Achten Sie auf die formalen Anforderungen und machen Sie die Führung zur täglichen Routine — so sind Sie auch bei einer Betriebsprüfung auf der sicheren Seite.

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Häufig gestellte Fragen

Ist ein Fahrtenbuch für Selbstständige Pflicht?

Nein, es gibt keine generelle Pflicht. Wer aber tatsächliche Kfz-Kosten steuerlich absetzen will, muss den betrieblichen Anteil nachweisen, wofür ein Fahrtenbuch der sicherste Weg ist.

Was muss im Fahrtenbuch stehen?

Jede Fahrt muss mit Datum, Abfahrts- und Ankunftsort, Kilometerstand, gefahrenen Kilometern und dem Zweck der Fahrt dokumentiert werden. Bei Privatfahrten genügt der Vermerk privat.

Kann ich statt dem Fahrtenbuch das Kilometergeld verwenden?

Ja, alternativ zum Fahrtenbuch können Selbstständige das amtliche Kilometergeld von 0,42 Euro pro Kilometer ansetzen, jedoch nur für maximal 30.000 Kilometer pro Jahr.

Welche Apps eignen sich für ein elektronisches Fahrtenbuch?

Es gibt zahlreiche Apps wie Fahrtenbuch-Apps mit GPS-Tracking, die automatisch Fahrten aufzeichnen. Wichtig ist, dass die Daten unveränderbar gespeichert und bei einer Prüfung vorgelegt werden können.

Was passiert, wenn das Finanzamt das Fahrtenbuch nicht anerkennt?

Wird das Fahrtenbuch vom Finanzamt nicht anerkannt, schätzt die Behörde den betrieblichen Anteil. Diese Schätzung fällt oft ungünstiger aus als die tatsächlichen Werte.

Wie lange muss ich das Fahrtenbuch aufbewahren?

Fahrtenbücher müssen wie alle steuerrelevanten Unterlagen sieben Jahre lang aufbewahrt werden.

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Redaktion finanzinfo.at

Chefredakteur finanzinfo.at

Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.