Rechnungsprogramme Österreich 2026

Rechnungsprogramme 2026 im Vergleich: FreeFinance, sevDesk, lexoffice, ProSaldo, Billomat -- Funktionen, Preise, FinanzOnline-Anbindung und E-Rechnung.

Aktualisiert: 05. April 2026 19 Min. Lesezeit

Anforderungen an Rechnungssoftware

Die richtige Rechnungssoftware ist für Selbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen in Österreich ein entscheidender Erfolgsfaktor. Sie spart Zeit bei der Rechnungserstellung, hilft bei der Buchhaltung und sorgt für Gesetzeskonformität. Angesichts der bevorstehenden E-Rechnungspflicht wird die Wahl des richtigen Programms noch wichtiger. Dieser Vergleich stellt die beliebtesten Rechnungsprogramme für den österreichischen Markt vor.

Anforderungen an Rechnungsprogramme in Österreich

Gesetzliche Pflichtangaben auf Rechnungen

Jede Rechnung in Österreich muss gemäß Paragraph 11 UStG folgende Angaben enthalten:

  1. Name und Anschrift des liefernden oder leistenden Unternehmens
  2. Name und Anschrift des Leistungsempfängers
  3. Menge und handelsübliche Bezeichnung der Lieferung oder Art und Umfang der sonstigen Leistung
  4. Tag oder Zeitraum der Lieferung oder Leistung
  5. Entgelt für die Lieferung oder Leistung (netto)
  6. Anzuwendender Steuersatz (10 %, 13 % oder 20 %)
  7. Auf das Entgelt entfallender Steuerbetrag
  8. Ausstellungsdatum
  9. Fortlaufende Rechnungsnummer
  10. UID-Nummer des Lieferanten
  11. UID-Nummer des Empfängers (bei Rechnungen über 10.000 Euro brutto)

Registrierkassenpflicht

Unternehmen mit einem Jahresumsatz über 15.000 Euro und Bar-Umsätzen über 7.500 Euro unterliegen der Registrierkassenpflicht. Ein gutes Rechnungsprogramm sollte eine Kassenfunktion integriert haben oder eine Anbindung an gängige Kassensysteme ermöglichen.

E-Rechnung

Die elektronische Rechnung gewinnt zunehmend an Bedeutung:

  • B2G (Business to Government): E-Rechnung an den Bund bereits seit 2014 Pflicht (Format: ebInterface)
  • B2B (Business to Business): Die EU-Richtlinie sieht eine schrittweise Einführung der E-Rechnungspflicht vor — in Österreich voraussichtlich ab 2028
  • Unterstützte Formate: ebInterface (österreichischer Standard), ZUGFeRD/Factur-X (internationaler Standard), Peppol (EU-Standard)

FreeFinance — der österreichische Spezialist

Überblick

FreeFinance ist ein österreichisches Rechnungsprogramm, das speziell für den heimischen Markt entwickelt wurde. Es bietet eine cloudbasierte Lösung mit FinanzOnline-Anbindung und ist besonders bei EPU und Kleinunternehmen beliebt.

Funktionen

  • Rechnungserstellung mit allen österreichischen Pflichtangaben
  • Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR)
  • Automatische UVA-Berechnung und Übermittlung an FinanzOnline
  • Belegerfassung (Scan und OCR)
  • Kundenverwaltung (CRM)
  • Mahnwesen
  • Bankanbindung (automatischer Zahlungsabgleich)
  • E-Rechnung (ebInterface und ZUGFeRD)
  • Registrierkasse
  • Angebote und Auftragsbestätigungen

Preise 2026

TarifPreis/MonatFunktionen
Starterca. 9 EuroBasis-Rechnungen, Belegerfassung
Standardca. 19 EuroEAR, UVA, Bankanbindung
Professionalca. 29 EuroAlle Funktionen, Multi-User

Vorteile und Nachteile

Vorteile:

  • Speziell für Österreich entwickelt
  • Direkte FinanzOnline-Anbindung
  • Österreichischer Support
  • Integrierte Registrierkasse
  • E-Rechnung nach ebInterface

Nachteile:

  • Kleineres Ökosystem als internationale Anbieter
  • Design und Benutzeroberfläche könnte moderner sein
  • Limitierte Integrationen mit Drittanbietern

sevDesk — der Allrounder

Überblick

sevDesk ist ein deutsches Buchhaltungsprogramm, das auch für den österreichischen Markt optimiert ist. Es bietet ein modernes Interface und umfangreiche Funktionen für Buchhaltung und Rechnungswesen.

Funktionen

  • Rechnungserstellung (österreichische Steuersätze integriert)
  • Automatische Belegerkennung (KI-basiert)
  • Online-Banking-Integration
  • Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) für Österreich
  • Kundenverwaltung
  • Laufende Buchhaltung (EAR und doppelte Buchhaltung)
  • Zeiterfassung
  • Angebote, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine
  • E-Rechnung (ZUGFeRD)
  • Steuerberater-Zugang
  • Mobile App (iOS und Android)

Preise 2026

TarifPreis/MonatFunktionen
Rechnungca. 9 EuroRechnungen, Angebote
Buchhaltungca. 19 EuroZusätzlich EAR, UVA
Warenwirtschaftca. 30 EuroZusätzlich Lagerverwaltung

Vorteile und Nachteile

Vorteile:

  • Modernes, intuitives Design
  • Starke KI-basierte Belegerkennung
  • Umfangreiches Ökosystem (viele Integrationen)
  • Gute mobile App
  • Regelmäßige Updates und neue Funktionen

Nachteile:

  • Deutsches Unternehmen (Support primär aus Deutschland)
  • FinanzOnline-Anbindung nicht direkt (über Export)
  • Manche österreichische Spezifika weniger gut abgedeckt

lexoffice — die Haufe-Lösung

Überblick

lexoffice ist ein Produkt der Haufe Group und bietet eine cloudbasierte Buchhaltungslösung. Seit einigen Jahren ist lexoffice auch für den österreichischen Markt verfügbar und bietet österreichische Steuersätze und UVA-Unterstützung.

Funktionen

  • Rechnungserstellung mit österreichischen Pflichtangaben
  • Automatische Belegerkennung
  • EAR und doppelte Buchhaltung
  • UVA-Erstellung für Österreich
  • Banking-Integration
  • Kundenverwaltung
  • Lohnabrechnung (eher auf Deutschland fokussiert)
  • Mobile App
  • Steuerberater-Zugang

Preise 2026

TarifPreis/MonatFunktionen
S (Rechnung und Finanzen)ca. 8 EuroRechnungen, Banking
M (Buchhaltung und Finanzen)ca. 14 EuroZusätzlich EAR
L (Buchhaltung und Berichte)ca. 19 EuroAlle Funktionen
XL (mit Lohn und Gehalt)ca. 30 EuroZusätzlich Lohnabrechnung

Vorteile und Nachteile

Vorteile:

  • Sehr benutzerfreundlich
  • Günstige Einstiegspreise
  • Starke Haufe-Wissensdatenbank
  • Gute Banking-Integration

Nachteile:

  • Lohnabrechnung primär für Deutschland
  • Keine direkte FinanzOnline-Anbindung
  • Weniger Österreich-spezifische Funktionen als FreeFinance

ProSaldo MonKey Office — die Desktop-Lösung

Überblick

ProSaldo MonKey Office ist eine österreichische Buchhaltungssoftware, die als Desktop-Anwendung (mit optionaler Cloud-Erweiterung) angeboten wird. Sie ist besonders bei Steuerberatern und kleineren Unternehmen in Österreich verbreitet.

Funktionen

  • Vollständige Buchhaltung (EAR und doppelte Buchhaltung)
  • Rechnungserstellung
  • Direkte FinanzOnline-Anbindung (UVA, Zusammenfassende Meldung)
  • Belegerfassung und -verwaltung
  • Anlagenbuchhaltung
  • Kassabuch
  • Mahnwesen
  • Steuerberater-Export (BMD, RZL kompatibel)
  • E-Rechnung (ebInterface)

Preise 2026

VersionPreis (Einmalkauf)Funktionen
MonKey Office FreeKostenlosBasis-Buchhaltung (bis 100 Belege)
MonKey Office Plusca. 200 EuroVollversion für EPU
MonKey Office Proca. 400 EuroMulti-User, erweiterte Funktionen
MonKey Cloudab 15 Euro/MonatCloud-basierte Version

Vorteile und Nachteile

Vorteile:

  • Speziell für Österreich entwickelt
  • Direkte FinanzOnline-Integration
  • Einmalkauf möglich (keine laufenden Kosten)
  • Kostenlose Basisversion
  • Export für österreichische Steuerkanzleien (BMD, RZL)

Nachteile:

  • Desktop-Software (weniger flexibel als Cloud)
  • Älteres Design
  • Weniger modern als Cloud-Lösungen
  • Updates kostenpflichtig

Billomat — die Cloud-Alternative

Überblick

Billomat ist ein deutsches Cloud-Rechnungsprogramm, das auch in Österreich verfügbar ist. Es fokussiert auf einfache Rechnungserstellung und eignet sich besonders für Freiberufler und kleine Unternehmen.

Funktionen

  • Rechnungserstellung (anpassbar für Österreich)
  • Angebote und Auftragsbestätigungen
  • Automatische Zahlungserinnerungen
  • Kundenverwaltung
  • Zeiterfassung
  • API für Integrationen
  • Online-Banking
  • Steuerberater-Export

Preise 2026

TarifPreis/MonatFunktionen
Soloca. 9 Euro30 Dokumente/Monat
Businessca. 19 EuroUnbegrenzte Dokumente
Enterpriseca. 39 EuroMulti-User, erweitert

Vergleichstabelle

KriteriumFreeFinancesevDesklexofficeProSaldoBillomat
HerkunftÖsterreichDeutschlandDeutschlandÖsterreichDeutschland
CloudJaJaJaOptionalJa
FinanzOnlineDirektExportExportDirektNein
E-RechnungJaJaJaJaTeilweise
EARJaJaJaJaNein
RegistrierkasseJaNeinNeinJaNein
Mobile AppJaJaJaNeinJa
Ab-Preis/Monat9 Euro9 Euro8 Euro0/15 Euro9 Euro
Österreich-FokusSehr hochMittelMittelSehr hochGering

E-Rechnung — die Zukunft der Rechnungsstellung

Was ändert sich?

Die EU treibt die Digitalisierung der Rechnungsstellung voran. In Österreich wird die E-Rechnung im B2B-Bereich voraussichtlich ab 2028 schrittweise verpflichtend. Unternehmen sollten sich frühzeitig darauf vorbereiten.

Unterstützte Formate

  • ebInterface: Österreichischer Standard für E-Rechnungen an die öffentliche Verwaltung
  • ZUGFeRD/Factur-X: Hybridformat (PDF mit eingebetteten strukturierten Daten)
  • Peppol BIS: EU-weiter Standard für grenzüberschreitende E-Rechnungen
  • XRechnung: Deutscher Standard (relevant für Geschäfte mit Deutschland)

Empfehlung

Wählen Sie ein Rechnungsprogramm, das bereits jetzt E-Rechnungsformate unterstützt. FreeFinance und ProSaldo unterstützen den österreichischen ebInterface-Standard, sevDesk und lexoffice setzen auf ZUGFeRD.

Buchhaltungspflichten in Österreich

Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR) vs. doppelte Buchhaltung

Je nach Umsatz und Rechtsform gelten unterschiedliche Buchführungspflichten:

Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR):

  • Für EPU und Personengesellschaften mit Umsatz unter 700.000 Euro
  • Einfacheres System: Nur Einnahmen und Ausgaben werden chronologisch erfasst
  • Die meisten Rechnungsprogramme unterstützen die EAR
  • Ideal für Freiberufler, Kleinunternehmer und kleine Gewerbetreibende

Doppelte Buchhaltung (Bilanzierung):

  • Pflicht für Kapitalgesellschaften (GmbH, AG)
  • Pflicht für Einzelunternehmen und Personengesellschaften ab 700.000 Euro Umsatz (zwei Jahre in Folge)
  • Erfordert Bilanz und GuV
  • Komplexer, aber aussagekräftiger
  • Professionelle Software oder Steuerberater empfehlenswert

Umsatzsteuervoranmeldung (UVA)

Die UVA ist monatlich (bei Umsatz über 100.000 Euro) oder vierteljährlich (bei geringerem Umsatz) an das Finanzamt zu übermitteln. Ein gutes Rechnungsprogramm berechnet die UVA automatisch aus den erfassten Ein- und Ausgangsrechnungen und ermöglicht die direkte Übermittlung an FinanzOnline.

Belegaufbewahrung

Alle Geschäftsbelege müssen sieben Jahre lang aufbewahrt werden. Digitale Belege sind den physischen gleichgestellt, sofern sie unveränderbar gespeichert werden. Moderne Rechnungsprogramme bieten eine GoBD-konforme (bzw. in Österreich BAO-konforme) Belegarchivierung.

Integration mit Steuerberatern

Warum die Integration wichtig ist

Ein gutes Rechnungsprogramm sollte nahtlos mit der Software Ihres Steuerberaters zusammenarbeiten. In Österreich verwenden die meisten Steuerberater die Software von BMD, RZL oder Datev. Die Exportformate und Schnittstellen sind daher entscheidend.

BMD-Export

BMD ist die meistverbreitete Steuerberater-Software in Österreich. ProSaldo MonKey Office bietet einen direkten BMD-kompatiblen Export. FreeFinance unterstützt den Export in gängigen Formaten, die vom Steuerberater importiert werden können.

RZL-Export

RZL ist eine weitere verbreitete Software in österreichischen Steuerkanzleien. Achten Sie darauf, dass Ihr Rechnungsprogramm RZL-kompatible Exporte unterstützt.

Steuerberater-Zugang

Viele Cloud-Programme (sevDesk, FreeFinance, lexoffice) bieten einen eigenen Zugang für den Steuerberater. Dieser kann dann direkt auf die Buchhaltungsdaten zugreifen, ohne dass Sie Exporte erstellen und versenden müssen.

Zukunftstrends bei Rechnungsprogrammen

Künstliche Intelligenz

KI-basierte Funktionen werden immer wichtiger:

  • Automatische Belegerkennung und Kategorisierung
  • Vorschläge für die Buchung von wiederkehrenden Geschäftsvorfällen
  • Cashflow-Prognosen und Liquiditätsplanung
  • Erkennung von steuerlichen Optimierungsmöglichkeiten

Open Banking

Die PSD2-Richtlinie ermöglicht den direkten Zugriff auf Bankkonten über APIs. Rechnungsprogramme können Kontobewegungen automatisch importieren und mit offenen Rechnungen abgleichen. sevDesk und FreeFinance bieten diese Funktion bereits an.

Peppol-Netzwerk

Das Peppol-Netzwerk ermöglicht den standardisierten Austausch von E-Rechnungen über Ländergrenzen hinweg. Für Unternehmen, die international tätig sind, wird die Peppol-Unterstützung zunehmend wichtig.

Tipps zur Auswahl

Für EPU und Kleinunternehmer

Wenn Sie als Ein-Personen-Unternehmen oder Kleinunternehmer tätig sind, empfehlen wir FreeFinance oder ProSaldo MonKey Office Free. Beide sind speziell auf den österreichischen Markt zugeschnitten und bieten alle notwendigen Funktionen für die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.

Für wachsende Unternehmen

Wenn Ihr Unternehmen wächst und Sie mehrere Mitarbeiter haben, sind sevDesk oder FreeFinance Professional gute Optionen. Sie bieten Multi-User-Funktionen, umfangreichere Buchhaltung und bessere Skalierbarkeit.

Für die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater

Achten Sie auf die Export-Möglichkeiten: ProSaldo bietet direkte Kompatibilität mit österreichischen Steuerberater-Programmen (BMD, RZL). FreeFinance und sevDesk bieten ebenfalls Steuerberater-Zugänge und Export-Funktionen.

Kostenlose Testphasen nutzen

Fast alle Anbieter bieten kostenlose Testphasen von 14 bis 30 Tagen an. Nutzen Sie diese, um verschiedene Programme zu vergleichen und das für Sie passende zu finden. Achten Sie besonders auf die Benutzerfreundlichkeit und die österreichspezifischen Funktionen.

Registrierkassenpflicht und Rechnungsprogramme

Wer braucht eine Registrierkasse?

Seit 2016 besteht in Österreich die Registrierkassenpflicht für Unternehmen mit:

  • Jahresumsatz über 15.000 Euro UND
  • Bar-Umsätzen über 7.500 Euro pro Jahr

“Bar” umfasst nicht nur Bargeld, sondern auch Bankomat- und Kreditkartenzahlungen. Nur reine Überweisungen und Lastschriften gelten als unbar.

Rechnungsprogramme mit Kassenfunktion

FreeFinance und ProSaldo MonKey Office bieten integrierte Kassenfunktionen, die die Registrierkassenpflicht abdecken. Die Kasse ist direkt mit der Buchhaltung verknüpft, sodass alle Bareinnahmen automatisch korrekt verbucht werden.

Technische Sicherheitseinrichtung (TSE)

Jede Registrierkasse muss mit einer Sicherheitseinrichtung ausgestattet sein, die die Manipulation der Daten verhindert. Die Rechnungsprogramme mit Kassenfunktion erfüllen diese Anforderung und stellen einen manipulationsgeschützten Datenexport sicher.

Datenschutz und Datensicherheit

DSGVO-Konformität

Alle Rechnungsprogramme, die in der EU angeboten werden, müssen DSGVO-konform sein. Achten Sie auf:

  • Serverstandort in der EU (idealerweise Österreich oder Deutschland)
  • Verschlüsselte Datenübertragung (SSL/TLS)
  • Möglichkeit zur Löschung von Kundendaten (Recht auf Vergessenwerden)
  • Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit dem Anbieter

Datensicherung

Cloud-basierte Programme bieten den Vorteil automatischer Backups. Bei Desktop-Software (wie ProSaldo MonKey Office) müssen Sie selbst für regelmäßige Datensicherungen sorgen. Empfohlen: Tägliche automatische Sicherung auf eine externe Festplatte oder einen Cloud-Speicher.

Export und Portabilität

Achten Sie darauf, dass Ihre Daten jederzeit exportiert werden können (z.B. im CSV-, DATEV- oder BMD-Format). Im Falle eines Anbieterwechsels müssen Sie Ihre Daten mitnehmen können. Die siebenjährige Aufbewahrungspflicht erfordert zudem, dass Sie auch nach Beendigung des Abonnements auf Ihre Daten zugreifen können.

Die Wahl des richtigen Rechnungsprogramms hängt von Ihren individuellen Anforderungen ab. Für den österreichischen Markt bieten FreeFinance und ProSaldo die beste Integration mit FinanzOnline und österreichischen Standards. sevDesk und lexoffice punkten mit modernem Design und umfangreichen Funktionen. Angesichts der kommenden E-Rechnungspflicht sollten Sie darauf achten, dass Ihr Programm zukunftssicher ist und aktuelle E-Rechnungsformate unterstützt.

Anhang: Checkliste zur Auswahl eines Rechnungsprogramms

Muss-Kriterien

  1. Österreichische Steuersätze korrekt integriert (0 %, 10 %, 13 %, 20 %)
  2. Alle Pflichtangaben auf Rechnungen gemäß Paragraph 11 UStG
  3. Fortlaufende Rechnungsnummerierung (lückenlos)
  4. UVA-Erstellung für Österreich
  5. DSGVO-konforme Datenspeicherung (Server in EU)
  6. Export-Möglichkeit für Steuerberater (BMD, RZL oder CSV)
  7. Backup und Datensicherung
  8. Sieben Jahre Datenzugriff (auch nach Kündigung)

Soll-Kriterien

  1. FinanzOnline-Anbindung (direkte UVA-Übermittlung)
  2. E-Rechnung-Unterstützung (ebInterface, ZUGFeRD)
  3. Banking-Integration (automatischer Zahlungsabgleich)
  4. Mobile App (für Belege unterwegs scannen)
  5. Steuerberater-Zugang (direkter Online-Zugriff)
  6. Automatische Belegerkennung (OCR/KI)
  7. Registrierkassenfunktion (wenn Bar-Umsätze vorhanden)

Kann-Kriterien

  1. Zeiterfassung und Projektmanagement
  2. Kundenverwaltung (CRM)
  3. Angebots- und Auftragsverwaltung
  4. Lagerverwaltung
  5. Lohnabrechnung
  6. Mehrwährungsfähigkeit (bei internationalen Geschäften)
  7. API für individuelle Integrationen

Migration vom alten System

Wenn Sie von einem anderen Programm oder von Excel wechseln, beachten Sie:

  • Exportieren Sie alle historischen Daten (Rechnungen, Belege, Kundendaten)
  • Importieren Sie offene Posten ins neue System
  • Stimmen Sie die Konten mit dem Steuerberater ab
  • Führen Sie das alte und neue System für mindestens einen Monat parallel
  • Planen Sie den Wechsel idealerweise zum Jahreswechsel

Die meisten Anbieter bieten Migrations-Support an. Nutzen Sie diesen Service, um sicherzustellen, dass keine Daten verloren gehen und die Buchhaltung lückenlos weitergeführt wird.

Steuerliche Sonderregelungen in der Rechnungssoftware

Ein gutes österreichisches Rechnungsprogramm muss verschiedene steuerliche Sonderregelungen abbilden können:

Reverse Charge (Umkehr der Steuerschuldnerschaft): Bei bestimmten B2B-Geschäften innerhalb der EU schuldet nicht der leistende Unternehmer die Umsatzsteuer, sondern der Leistungsempfänger. Das Rechnungsprogramm muss solche Rechnungen korrekt erstellen und in der UVA ausweisen.

Innergemeinschaftliche Lieferungen: Warenlieferungen an Unternehmen in andere EU-Länder sind unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei. Die Rechnung muss den Vermerk “steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung” tragen und die UID-Nummer des Empfängers enthalten.

Differenzbesteuerung: Für den Handel mit gebrauchten Waren kann die Differenzbesteuerung angewendet werden. Nicht alle Rechnungsprogramme unterstützen diese Sonderregelung.

Bauleistungen (Reverse Charge): Bei Bauleistungen zwischen Unternehmern greift in Österreich die Reverse-Charge-Regelung. Das Rechnungsprogramm muss diese korrekt abbilden.

Dreiecksgeschäfte: Bei EU-Dreiecksgeschäften gelten besondere Regeln für die Rechnungsstellung. Diese Sonderregelungen werden nicht von allen Programmen vollständig unterstützt.

Überprüfen Sie vor der Entscheidung für ein Rechnungsprogramm, ob die für Ihr Geschäftsmodell relevanten Sonderregelungen unterstützt werden. Im Zweifelsfall kann ein Steuerberater bei der Auswahl helfen.

Rechnungsprogramme und Jahresabschluss

Am Ende des Geschäftsjahres müssen alle Buchungen abgeschlossen und der Jahresabschluss erstellt werden. Ein gutes Rechnungsprogramm unterstützt Sie dabei mit:

Automatische Abschlussbuchungen: Vorkontierte Abschlussbuchungen für Abgrenzungen, Rückstellungen und Abschreibungen. Bei der EAR ist der Abschluss einfacher, da nur die tatsächlichen Zahlungsströme relevant sind.

Steuerrelevante Auswertungen: Einnahmen-Ausgaben-Übersicht, Umsatzsteuer-Jahreserklärung, Anlageverzeichnis und Wareneingangsbuch. Diese Auswertungen sind die Grundlage für die Steuererklärung.

Steuerberater-Export: Zum Jahresende exportieren Sie die Daten an Ihren Steuerberater. Je besser die Datenqualität, desto geringer der Aufwand (und die Kosten) beim Steuerberater. Achten Sie auf ein kompatibles Exportformat.

Archivierung: Nach dem Jahresabschluss sollten die Daten des abgelaufenen Jahres archiviert werden. Die siebenjährige Aufbewahrungspflicht beginnt mit dem Ende des Kalenderjahres, in dem die Buchungen erfolgt sind. Stellen Sie sicher, dass die Daten auch nach einem Anbieterwechsel zugänglich bleiben.

Kosten-Nutzen-Analyse: Lohnt sich ein Rechnungsprogramm?

Viele EPU und Kleinunternehmer fragen sich, ob die monatlichen Kosten für ein Rechnungsprogramm gerechtfertigt sind. Die Antwort ist in den allermeisten Fällen ein klares Ja. Ein durchschnittlicher Selbstständiger verbringt ohne Software ca. 5-10 Stunden pro Monat mit Rechnungserstellung und Buchhaltung. Mit einem guten Programm reduziert sich dieser Aufwand auf ca. 2-4 Stunden. Bei einem Stundensatz von 50 Euro ergibt sich eine Zeitersparnis von 150-300 Euro pro Monat — bei Softwarekosten von 9-30 Euro pro Monat ein hervorragendes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Zudem reduziert sich das Fehlerrisiko erheblich, was Nachforderungen des Finanzamts und kostspielige Korrekturen vermeidet.

Weiterführende Artikel

Häufig gestellte Fragen

Welches Rechnungsprogramm ist das beste für Österreich?

Das hängt von Ihren Anforderungen ab. FreeFinance und ProSaldo MonKey Office sind speziell auf den österreichischen Markt zugeschnitten und bieten FinanzOnline-Anbindung. sevDesk und lexoffice sind deutsche Lösungen mit guter Österreich-Anpassung. Für EPU und Kleinunternehmer reicht oft FreeFinance, für wachsende Unternehmen ist sevDesk oder ProSaldo empfehlenswert.

Was kostet ein Rechnungsprogramm für Österreich?

Die Preise variieren stark: FreeFinance startet ab ca. 9 Euro pro Monat, sevDesk ab ca. 9 Euro, lexoffice ab ca. 8 Euro, ProSaldo MonKey Office als Einmalkauf ab ca. 200 Euro. Viele Anbieter bieten Gratisversionen mit eingeschränktem Funktionsumfang an.

Was ist die E-Rechnung und wird sie in Österreich Pflicht?

Die E-Rechnung ist eine elektronische Rechnung in einem strukturierten Datenformat (z.B. ebInterface oder ZUGFeRD). An den Bund muss bereits seit 2014 elektronisch fakturiert werden. Für B2B-Rechnungen wird die E-Rechnung ab 2028 schrittweise verpflichtend. Gute Rechnungsprogramme unterstützen bereits jetzt E-Rechnungsformate.

Brauche ich eine FinanzOnline-Anbindung?

Eine direkte FinanzOnline-Anbindung ist nicht zwingend erforderlich, aber sehr empfehlenswert. Sie ermöglicht die automatische Übermittlung der Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) und vereinfacht die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater erheblich. FreeFinance und ProSaldo bieten eine direkte Integration.

Sind deutsche Rechnungsprogramme in Österreich nutzbar?

Ja, Programme wie sevDesk und lexoffice bieten Österreich-Module mit österreichischen Steuersätzen, UVA-Formular und rechtlich korrekten Rechnungen. Allerdings sind manche Funktionen (z.B. FinanzOnline-Anbindung) bei spezifisch österreichischen Anbietern besser integriert.

Was muss auf einer Rechnung in Österreich stehen?

Pflichtangaben sind: Name und Anschrift des Lieferanten und Empfängers, Menge und Art der Leistung, Entgelt, Steuersatz und Steuerbetrag, Ausstellungsdatum, fortlaufende Rechnungsnummer, UID-Nummer (ab 10.000 Euro Gesamtbetrag die des Empfängers). Bei Kleinunternehmerregelung: Hinweis auf Steuerbefreiung.

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Redaktion finanzinfo.at

Chefredakteur finanzinfo.at

Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.