Stundensatz berechnen: Rechenweg, Arbeitstage und Abgaben
Branchenübliche Stundensätze gibt es in Österreich kartellrechtlich nicht mehr. Der Rechenweg über verkaufbare Stunden, Feiertage, SVS und Steuer.
In Österreich gibt es keine branchenüblichen Stundensätze mehr, und das ist kein Zufall, sondern Kartellrecht. Tabellen mit „üblichen Sätzen” beschreiben deshalb Konventionen, keine Marktpreise.
Die Honorarordnungen der freien Berufe wurden abgeschafft. Bei den Ziviltechnikern wurden sämtliche Honorarleitlinien mit Wirkung 31. Dezember 2006 aufgehoben - bestätigt vom Kartellgericht 2005 und vom Kartellobergericht im Dezember desselben Jahres. Bemerkenswert daran: Selbst die unverbindlichen Leitlinien galten als kartellwidrig. Bei den Wirtschaftstreuhändern wurden die Honorargrundsätze widerrufen.
Die Bundeswettbewerbsbehörde formuliert die Linie klar: Sie geht gegen Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen vor, die konkrete Preise enthalten oder empfehlen. Erlaubt bleiben nur „echte Kalkulationsrichtlinien, die keine Preise enthalten”.
Wer seinen Stundensatz festlegt, rechnet deshalb von unten: verkaufbare Stunden, Kosten, Abgaben, Zielgewinn.
Eckdaten Stundensatzkalkulation
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Gesetzliche Feiertage | 13, Karfreitag seit 2019 keiner |
| Urlaubsanspruch Selbstständiger | keiner, Annahme in der Kalkulation |
| Unproduktive Zeit im WKO-Beispiel | 30 Prozent |
| Sozialversicherung | 26,83 Prozent plus Unfallversicherung |
| SVS-Unterstützungsleistung bei Krankheit | 40,04 Euro täglich, ab mehr als 42 Tagen |
| Gerichtssachverständige | 29 bis 217,50 Euro je Stunde laut GebAG |
Stand 15. Oktober 2026.
Feiertage und Urlaub
13 gesetzliche Feiertage. Das Arbeitsruhegesetz zählt sie abschließend auf: 1. und 6. Jänner, Ostermontag, 1. Mai, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam, 15. August, 26. Oktober, 1. November, 8. Dezember, 25. und 26. Dezember.
Der Karfreitag ist keiner - die entsprechende Bestimmung wurde 2019 aufgehoben und durch den persönlichen Feiertag ersetzt. Wer ihn mitzählt, rechnet mit 14.
Selbstständige haben keinen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Das Urlaubsgesetz gilt nur für Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnis auf einem privatrechtlichen Vertrag beruht. Urlaubswochen in einer Kalkulation sind damit eine Annahme über das eigene Verhalten, keine Rechtsgröße - und wer sie zu knapp ansetzt, kalkuliert einen Stundensatz, den er nur durchhält, solange er durcharbeitet.
Produktive Stunden: Annahme statt Messwert
Der Anteil produktiver Stunden ist nicht erhoben, für Österreich gibt es dazu keine belastbare Statistik. Der Gründerleitfaden der Wirtschaftskammer rechnet mit 30 Prozent unproduktiver Zeit, bezeichnet das aber selbst ausdrücklich als Beispielannahme.
Aufschlussreich ist ein Detail in derselben Rechnung: Der Unternehmerin werden dort drei Wochen Urlaub und 30 Prozent unproduktive Zeit unterstellt, einer angestellten Arbeitskraft dagegen fünf Wochen und 15 Prozent. Die Unterschiede sind plausibel, aber sie sind gesetzt, nicht gemessen.
Für die Praxis heißt das: Rechnen Sie mit Ihrer eigenen Quote, sobald Sie ein Jahr Erfahrung haben. Bis dahin ist jede Zahl eine Schätzung - und man sollte sie eher vorsichtig als optimistisch ansetzen.
Rechenweg in vier Schritten
Die übliche Kalkulation läuft in vier Schritten. Beispielhaft mit den Annahmen des WKO-Leitfadens:
| Schritt | Beispielrechnung |
|---|---|
| Wochen im Jahr abzüglich Urlaub, Feiertagen und Fehlzeiten | 52 - 3 - 2 - 1 = 46 Wochen |
| Anwesenheitsstunden | 46 × 5 Tage × 8 Stunden = 1.840 Stunden |
| abzüglich 30 Prozent unproduktive Zeit | 1.288 verkaufbare Stunden |
| Stundensatz | (Zielgewinn + Betriebskosten) ÷ 1.288 |
Der letzte Schritt ist der, an dem die meisten zu kurz greifen: Der Zielgewinn ist nicht das, was Sie zum Leben brauchen. Von ihm gehen erst noch die Sozialversicherung und die Einkommensteuer ab.
Abgaben und Ausfallzeiten im Stundensatz
Die Sozialversicherung. 26,83 Prozent der Beitragsgrundlage plus die Unfallversicherung als fixer Monatsbetrag. Die Einzelheiten und den Nachzahlungsmechanismus, der Gründer im vierten Jahr trifft, finden Sie auf der Seite zu den SVS-Beiträgen.
Die Einkommensteuer nach dem Tarif - bis 13.539 Euro null, danach in Stufen bis 50 Prozent. Der Gewinnfreibetrag mindert die Bemessungsgrundlage.
Die Ausfallzeiten. Die Unterstützungsleistung der SVS bei Krankheit greift erst ab mehr als 42 Tagen durchgehender Arbeitsunfähigkeit, dann rückwirkend ab dem vierten Tag, mit 40,04 Euro täglich im Jahr 2026, höchstens 20 Wochen und nur bei weniger als 25 Mitarbeitern.
Im Klartext: Sechs Wochen Krankheit bedeuten sechs Wochen ohne Umsatz bei weiterlaufenden Kosten. Das ist das stärkste Argument dafür, Ausfallzeiten in den Stundensatz einzurechnen.
Die Investitionen und die Weiterbildung. Für ihren Anteil am Stundensatz gibt es keine Richtgröße; er ergibt sich aus der eigenen Planung.
Nettopreis oder Bruttopreis
Ein Punkt, der bei der Angebotslegung Verwirrung stiftet:
- Gegenüber Unternehmen nennen Sie den Nettopreis. Die Umsatzsteuer ist dort ein durchlaufender Posten, weil der Kunde sie als Vorsteuer abzieht.
- Gegenüber Privatkunden zählt der Bruttopreis. Für sie sind die 20 Prozent echte Kosten.
Wer als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer ausweist, hat gegenüber Privatkunden einen Preisvorteil - und gegenüber Unternehmen keinen, dafür aber keinen Vorsteuerabzug.
Gesetzliche Tarife: Anwälte, Notare, Sachverständige
Drei Ausnahmen von der Regel, dass Preise frei vereinbart werden:
- Rechtsanwälte: Der Rechtsanwaltstarif regelt den Kostenersatz im Verfahren, nicht das Honorar. Das Gesetz sagt es selbst: „Durch den Tarif wird das Recht der freien Vereinbarung nicht berührt.”
- Notare: Hier gibt es einen echten gesetzlichen Werttarif. Die Beträge im Gesetzestext stehen allerdings noch in Schilling und werden per Verordnung valorisiert - aus dem Gesetzeswortlaut lassen sich also keine aktuellen Gebühren ablesen.
- Gerichtlich bestellte Sachverständige: der einzige Ort mit Euro-Stundensätzen im Gesetz. Das Gebührenanspruchsgesetz nennt seit 1. Jänner 2024 Rahmen von 29 bis 87 Euro, 72,50 bis 145 Euro und 116 bis 217,50 Euro je Stunde, gestaffelt nach Qualifikation. Diese Sätze gelten nur für Gerichtsaufträge, nicht für Privataufträge desselben Sachverständigen.
Quellen
- Paragraf 7 Arbeitsruhegesetz im RIS mit der abschließenden Liste der 13 Feiertage und der Aufhebung der Karfreitagsregelung, abgerufen 15.10.2026
- Paragraf 1 Urlaubsgesetz zum auf Arbeitnehmer beschränkten Geltungsbereich
- Paragraf 2 Rechtsanwaltstarifgesetz zur freien Vereinbarung
- Paragraf 34 Gebührenanspruchsgesetz mit den Stundensätzen für gerichtlich bestellte Sachverständige, valorisiert ab 1.1.2024
- WKO: Leitfaden für Gründerinnen und Gründer mit der Beispielrechnung zu produktiven Stunden, und WKO zum Stundensatz für Einpersonenunternehmen
- WKO: Unterstützungsleistung für Selbstständige bei Arbeitsunfähigkeit mit der 42-Tage-Schwelle und dem Tagessatz 2026
Häufig gestellte Fragen
Gibt es in Österreich branchenübliche Stundensätze?
Rechtlich nicht mehr. Honorarordnungen mit konkreten Preisen wurden als kartellwidrig aufgehoben - bei den Ziviltechnikern mit Wirkung 31. Dezember 2006, bestätigt von Kartellgericht und Kartellobergericht. Selbst unverbindliche Leitlinien mit Preisen waren unzulässig. Ein heute genannter üblicher Stundensatz ist deshalb eine Konvention, keine Marktinformation.
Wie viele Arbeitstage hat ein Jahr für Selbstständige?
Fest stehen nur die Ausgangsgrößen: 52 Wochen und 13 gesetzliche Feiertage. Urlaub und Krankheitstage sind Annahmen, denn Selbstständige haben keinen gesetzlichen Urlaubsanspruch - das Urlaubsgesetz gilt nur für Arbeitnehmer.
Wie hoch ist der Anteil produktiver Stunden?
Dazu gibt es keine belastbare österreichische Erhebung. Der WKO-Gründerleitfaden rechnet beispielhaft mit 30 Prozent unproduktiver Zeit, bezeichnet das aber selbst ausdrücklich als Beispielannahme. Jede kursierende Quote ist Konvention, keine Messung.
Was passiert, wenn ich als Selbstständige krank werde?
Eine Unterstützungsleistung der SVS gibt es erst ab mehr als 42 Tagen durchgehender Arbeitsunfähigkeit, dann rückwirkend ab dem vierten Tag. Sie beträgt 2026 40,04 Euro täglich und setzt weniger als 25 Mitarbeiter voraus. Sechs Wochen Krankheit heißt also sechs Wochen ohne Umsatz bei laufenden Kosten.
Gibt es gesetzliche Mindesthonorare?
Nur in Sonderfällen. Der Rechtsanwaltstarif regelt den Kostenersatz im Verfahren, nicht das Honorar - das Gesetz sagt ausdrücklich, das Recht der freien Vereinbarung werde dadurch nicht berührt. Echte Eurobeträge stehen nur im Gebührenanspruchsgesetz für gerichtlich bestellte Sachverständige.
Netto oder brutto anbieten?
Gegenüber Unternehmen netto, weil die Umsatzsteuer dort ein durchlaufender Posten ist. Gegenüber Privatkunden ist der Bruttopreis der entscheidende, weil die Umsatzsteuer für sie echte Kosten sind.
Welche Abgaben muss der Stundensatz tragen?
Die Sozialversicherung mit 26,83 Prozent der Beitragsgrundlage plus rund 13 Euro Unfallversicherung im Monat, dazu die Einkommensteuer nach dem Tarif. Beides bemisst sich am Gewinn, nicht am Umsatz - der Stundensatz muss also auch die Betriebskosten decken, bevor überhaupt etwas zu versteuern ist.
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