Stundensatz berechnen 2026 - Selbstständige

Stundensatz berechnen für Selbstständige 2026: Formel, alle Kosten einrechnen (SVS, ESt, Betriebskosten) und branchenübliche Sätze.

Aktualisiert: 05. April 2026 15 Min. Lesezeit

Warum viele Selbstständige zu wenig verlangen

Einer der grössten Fehler, den Selbstständige und Freiberufler machen, ist die falsche Berechnung ihres Stundensatzes. Viele orientieren sich an Angestelltengehältern, vergessen dabei aber, dass sie als Selbstständige deutlich höhere Kosten tragen müssen — von SVS-Beiträgen über Einkommensteuer bis hin zu Betriebskosten, Urlaub und Krankenstand. In diesem

Warum so viele Selbstständige zu wenig verlangen

Eine Studie der WKO zeigt: Rund 40 % der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) in Österreich erzielen ein Einkommen, das unter dem Durchschnittsgehalt vergleichbarer Angestellter liegt. Der Hauptgrund: Der Stundensatz wird zu niedrig angesetzt.

Typischer Denkfehler: “Als Angestellter habe ich 3.500 Euro brutto verdient. Bei 160 Arbeitsstunden pro Monat sind das 21,88 Euro pro Stunde. Also verlange ich 25 Euro — das ist ja sogar mehr.”

Das Problem: Als Angestellter zahlt der Arbeitgeber zusätzlich SV-Beiträge (ca. 21 %), stellt Büro, Equipment und Software bereit, übernimmt Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und vieles mehr. Als Selbstständiger müssen Sie all das selbst finanzieren.

Die Grundformel für den Stundensatz

Die Berechnung des Stundensatzes folgt einer einfachen Grundformel:

Stundensatz = (Gesamtkosten + Gewünschter Gewinn) / Produktive Stunden pro Jahr

Die Herausforderung liegt darin, alle Komponenten korrekt zu erfassen.

Schritt 1: Produktive Stunden ermitteln

Die produktiven Stunden sind die Stunden, die Sie tatsächlich an bezahlten Kundenprojekten arbeiten. Sie sind deutlich geringer als die theoretische Arbeitszeit:

Berechnung der produktiven Stunden:

FaktorTage/Stunden
Kalendertage pro Jahr365
Abzüglich Wochenenden-104
Abzüglich Feiertage-13
Abzüglich Urlaub-25
Abzüglich Krankenstand/Arzt-10
Arbeitstage netto213
Arbeitsstunden (8h/Tag)1.704
Abzüglich unproduktive Zeit (30 %)-511
Produktive Stunden pro Jahr1.193

Was zählt zur unproduktiven Zeit (30 %)?

  • Buchhaltung und Administration
  • Akquise und Angebotserstellung
  • Marketing und Networking
  • Weiterbildung
  • E-Mails und Telefonate (nicht projektbezogen)
  • IT-Wartung und Updates

Realistische Schätzung: Die meisten Selbstständigen kommen auf 1.000 bis 1.300 produktive Stunden pro Jahr. Für die Berechnung empfehlen wir einen konservativen Wert von 1.100 bis 1.200 Stunden.

Schritt 2: Alle Kosten erfassen

Als Selbstständiger in Österreich müssen Sie folgende Kosten einkalkulieren:

A. Sozialversicherung (SVS)

Die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) ist der grösste Einzelposten:

SVS-BeitragProzentsatz 2026
Pensionsversicherung18,50 %
Krankenversicherung6,80 %
UnfallversicherungFixbetrag ca. 131 Euro/Jahr
Selbstständigenvorsorge1,53 %
Gesamt (ohne UV)ca. 26,83 %

Achtung: Die SVS-Beiträge werden von der Beitragsgrundlage berechnet, nicht vom Umsatz. Die Beitragsgrundlage entspricht in etwa dem Gewinn. In den ersten Jahren gelten Mindestbeitragsgrundlagen.

Höchstbeitragsgrundlage 2026: 6.930 Euro monatlich (97.020 Euro jährlich). Außerdem fallen keine weiteren SVS-Beiträge an.

Beispiel: Bei einem Jahresgewinn von 50.000 Euro betragen die SVS-Beiträge ca. 13.415 Euro (26,83 %) plus Unfallversicherung.

B. Einkommensteuer

Die Einkommensteuer (ESt) wird auf den Gewinn nach Abzug der SVS-Beiträge berechnet. In Österreich gelten 2026 folgende Steuerstufen:

EinkommenSteuersatz
Bis 13.539 Euro0 %
13.539 bis 21.992 Euro20 %
21.992 bis 36.458 Euro30 %
36.458 bis 70.365 Euro40 %
70.365 bis 104.859 Euro48 %
104.859 bis 1.000.000 Euro50 %
Über 1.000.000 Euro55 %

Beispiel: Bei einem steuerpflichtigen Einkommen von 40.000 Euro (nach Abzug aller Betriebsausgaben und SVS) beträgt die Einkommensteuer ca. 8.600 Euro (effektiver Steuersatz: ca. 21,5 %).

C. Betriebskosten

Typische Betriebskosten für Selbstständige:

KostenkategorieMonatlich (ca.)Jährlich (ca.)
Büro/Coworking oder Heimarbeitsplatz200-800 Euro2.400-9.600 Euro
Computer, Hardware50-100 Euro600-1.200 Euro
Software und Lizenzen50-200 Euro600-2.400 Euro
Telefon und Internet50-100 Euro600-1.200 Euro
Berufshaftpflichtversicherung30-100 Euro360-1.200 Euro
Steuerberater100-300 Euro1.200-3.600 Euro
Weiterbildung50-200 Euro600-2.400 Euro
Marketing und Werbung100-500 Euro1.200-6.000 Euro
Reisekosten50-200 Euro600-2.400 Euro
Büromaterial, Porto20-50 Euro240-600 Euro
WKO-Mitgliedschaftvariabel100-500 Euro
Summe750-2.650 Euro8.500-31.100 Euro

D. Private Lebenshaltungskosten

Als Selbstständiger müssen Sie von Ihrem Gewinn auch Ihre Lebenshaltungskosten bestreiten:

PostenMonatlich (ca.)
Miete/Wohnen800-1.500 Euro
Lebensmittel400-600 Euro
Mobilität200-400 Euro
Versicherungen (privat)100-300 Euro
Freizeit, Kleidung, Sonstiges300-500 Euro
Rücklagen/Altersvorsorge200-500 Euro
Summe2.000-3.800 Euro

Schritt 3: Stundensatz berechnen — Konkrete Beispielrechnung

Beispiel: IT-Freelancer in Wien

PositionBetrag/Jahr
Gewünschtes Netto-Einkommen42.000 Euro
SVS-Beiträge (ca. 26,83 % vom Gewinn)18.400 Euro
Einkommensteuer (ca. 22 % effektiv)13.500 Euro
Betriebskosten15.000 Euro
Gesamtbedarf (Umsatz)88.900 Euro
Produktive Stunden1.150 Stunden
Stundensatz netto (ohne USt)77,30 Euro
Stundensatz brutto (mit 20 % USt)92,76 Euro

Wichtig: Der Stundensatz von 77,30 Euro netto klingt auf den ersten Blick hoch, ergibt aber nur ein Netto-Einkommen von 3.500 Euro monatlich — vergleichbar mit einem Angestelltengehalt von ca. 4.800 Euro brutto (mit 14 Gehältern und allen Nebenleistungen).

Stundensatz-Tabelle: Was Sie verlangen müssen

Basierend auf verschiedenen Einkommensniveaus:

Gewünschtes Netto/MonatNetto/JahrErforderlicher Umsatz ca.Stundensatz netto
2.500 Euro30.000 Euro60.000 Euro52 Euro
3.000 Euro36.000 Euro72.000 Euro63 Euro
3.500 Euro42.000 Euro89.000 Euro77 Euro
4.000 Euro48.000 Euro103.000 Euro90 Euro
5.000 Euro60.000 Euro135.000 Euro117 Euro
6.000 Euro72.000 Euro168.000 Euro146 Euro

(Basis: 1.150 produktive Stunden, durchschnittliche Kostenstruktur)

Branchenübliche Stundensätze in Österreich 2026

BrancheStundensatz netto (Spanne)
IT-Entwicklung (Junior)60-80 Euro
IT-Entwicklung (Senior)90-140 Euro
IT-Beratung/Architektur120-200 Euro
SAP-Beratung130-200 Euro
Grafik-/Webdesign60-100 Euro
Marketing/PR-Beratung70-120 Euro
Unternehmensberatung100-250 Euro
Steuerberatung100-200 Euro
Rechtsanwalt150-400 Euro
Handwerk (Elektriker, Installateur)50-80 Euro
Text/Content-Erstellung50-90 Euro
Übersetzung40-70 Euro
Fotografie60-150 Euro
Coaching/Training100-200 Euro

Stundensatz vs. Pauschalpreis — Was ist besser?

Die Entscheidung zwischen Stundensatz und Pauschalpreis hängt von mehreren Faktoren ab:

Stundensatz eignet sich bei:

  • Unklarem Projektumfang (Anforderungen ändern sich häufig)
  • Laufender Beratung oder Support
  • Maintenance und Wartungsarbeiten
  • Wenn der Kunde Flexibilität wünscht

Pauschalpreis eignet sich bei:

  • Klar definierten Projekten mit fixem Scope
  • Wiederkehrenden Standardleistungen
  • Wenn Sie schneller sind als der Durchschnitt (Sie profitieren von Effizienz)
  • Wenn der Kunde Budgetsicherheit benötigt

Tagessatz als Alternative

Viele Selbstständige bieten einen Tagessatz statt eines Stundensatzes an. Dies ist besonders in der Beratung und bei Projektarbeit üblich:

Tagessatz = Stundensatz x 8 Stunden (abzüglich ca. 5-10 % Rabatt)

Ein Stundensatz von 100 Euro ergibt einen Tagessatz von ca. 720 bis 760 Euro.

Stundensatz erhöhen — Strategien

Wenn Ihr aktueller Stundensatz zu niedrig ist, gibt es verschiedene Wege zur Erhöhung:

1. Spezialisierung Generalisten verdienen weniger als Spezialisten. Positionieren Sie sich als Experte in einer Nische.

2. Referenzen und Portfolio aufbauen Erfolgreiche Projekte und zufriedene Kunden sind das beste Argument für höhere Honorare.

3. Kontinuierliche Weiterbildung Aktuelle Zertifizierungen und Kenntnisse rechtfertigen höhere Sätze.

4. Wertbasierte Preisgestaltung Statt nach Stunden abzurechnen, berechnen Sie den Preis nach dem Wert, den Ihre Arbeit für den Kunden schafft.

5. Schrittweise Erhöhung Erhöhen Sie Ihre Preise regelmässig — mindestens jährlich um die Inflationsrate (2026: ca. 3 %). Neue Kunden erhalten den neuen Satz, Bestandskunden werden mit Vorlaufzeit informiert.

6. Kleinaufträge meiden Kleine Aufträge mit viel Verwaltungsaufwand sind oft unwirtschaftlich. Setzen Sie einen Mindestauftragswert oder Mindestpauschale.

Stundensatz für Neugründer

Als Neugründer in Österreich gibt es einige Besonderheiten:

  • Neugründerförderung: In den ersten 3 Jahren entfallen bestimmte Gebühren (NeuFöG)
  • SVS-Mindestbeitragsgrundlage: In den ersten 3 Jahren gelten reduzierte Mindestbeiträge
  • Kleinunternehmerregelung: Bis 55.000 Euro Umsatz pro Jahr keine USt-Pflicht (dafür auch kein Vorsteuerabzug)

Tipp für Neugründer: Auch wenn Sie am Anfang weniger Erfahrung haben, sollten Sie Ihren Stundensatz nicht zu niedrig ansetzen. Ein einmal etablierter niedriger Preis ist schwer zu erhöhen. Lieber etwas weniger Aufträge zu angemessenen Preisen als viele Aufträge, von denen Sie nicht leben können.

Stundensatz für verschiedene Branchen — Detailanalyse

IT-Freelancer und Softwareentwickler

IT-Freelancer sind die am besten bezahlte Gruppe unter den Selbstständigen. Die Stundensätze variieren je nach Technologie, Erfahrung und Spezialisierung erheblich:

Junior (0-3 Jahre Erfahrung): 60 bis 80 Euro Typische Aufgaben: Frontend-Entwicklung, einfache Backend-Entwicklung, Testing, Support. Als Junior-Freelancer ist es schwieriger, Kunden zu akquirieren. Viele starten über Vermittlungsplattformen.

Mid-Level (3-7 Jahre): 80 bis 120 Euro Typische Aufgaben: Full-Stack-Entwicklung, Datenbankdesign, API-Entwicklung, DevOps. Mit einem soliden Portfolio und Referenzen lassen sich stabile Kundenbeziehungen aufbauen.

Senior (7+ Jahre): 100 bis 150 Euro Typische Aufgaben: Architektur, technische Leitung, komplexe Systeme, Performance-Optimierung. Senior-Freelancer werden oft direkt angefragt und benötigen kaum aktive Akquise.

Spezialist/Berater: 120 bis 200+ Euro Bereiche wie SAP-Beratung, IT-Security, Cloud-Architektur (AWS, Azure), Data Science oder KI-Entwicklung erreichen Premium-Stundensätze von 150 bis 200 Euro und darüber.

Grafik- und Webdesigner

Design-Freelancer haben eine grosse Bandbreite an Stundensätzen:

  • Webdesign: 60 bis 100 Euro (höher bei UX/UI-Spezialisierung)
  • Grafikdesign: 50 bis 90 Euro
  • Corporate Design/Branding: 80 bis 120 Euro
  • Motion Design/Animation: 80 bis 130 Euro

Tipp: Im Designbereich sind Pauschalpreise oft sinnvoller als Stundensätze. Ein Logo-Design für 2.000 Euro pauschal ist transparenter für den Kunden als 20 Stunden zu je 100 Euro.

Berater und Trainer

Unternehmensberater und Trainer erzielen überdurchschnittliche Stundensätze:

  • Management-Beratung: 120 bis 250 Euro
  • Personalberatung: 100 bis 180 Euro
  • Steuer-/Rechtsberatung: 100 bis 200 Euro
  • Coaching/Training: 100 bis 200 Euro
  • Organisationsentwicklung: 120 bis 180 Euro

Handwerker und technische Dienstleister

Auch Handwerker müssen ihren Stundensatz kalkulieren:

  • Elektriker: 50 bis 80 Euro
  • Installateur (Gas/Wasser): 55 bis 85 Euro
  • Tischler: 50 bis 75 Euro
  • Maler/Anstreicher: 40 bis 65 Euro
  • KFZ-Mechaniker: 80 bis 120 Euro (Werkstattstundensatz)

Beachten Sie: Diese Sätze beinhalten oft einen Materialaufschlag und Fahrtkosten, die separat verrechnet werden.

Häufige Fehler bei der Stundensatz-Kalkulation

Vermeiden Sie diese typischen Kalkulationsfehler:

  1. Angestelltendenken: Den Bruttolohn durch Stunden teilen und 10 % draufschlagen — das ist viel zu wenig
  2. Produktive Stunden überschätzen: Nicht 2.080 Stunden (52 Wochen x 40 Stunden) ansetzen, sondern realistisch 1.100 bis 1.200
  3. SVS-Beiträge vergessen: Die Sozialversicherung frisst ca. 27 % des Gewinns
  4. Keine Rücklagen: Kein Puffer für schlechte Monate, Investitionen oder Nachzahlungen (Finanzamt, SVS)
  5. Umsatzsteuer verwechseln: Die USt gehört nicht Ihnen — sie wird durchgeleitet. Kalkulieren Sie immer netto
  6. Akquisezeit nicht einrechnen: 20 bis 40 % der Arbeitszeit gehen für unbezahlte Tätigkeiten drauf
  7. Preisdumping aus Angst: Zu niedrige Preise ziehen die falschen Kunden an und führen in die Erschöpfung

Stundensatz und Angebotserstellung

Bei der Angebotserstellung ist die Kommunikation des Stundensatzes entscheidend:

Variante 1: Transparenter Stundensatz “Mein Stundensatz beträgt 95 Euro netto zzgl. USt. Für das beschriebene Projekt schätze ich einen Aufwand von ca. 40 Stunden.”

Variante 2: Pauschalangebot mit Stundenbasis “Für die Umsetzung des Projekts biete ich einen Pauschalpreis von 3.500 Euro netto an. Dies beinhaltet alle beschriebenen Leistungen.”

Variante 3: Tagessatz “Mein Tagessatz beträgt 720 Euro netto. Das Projekt erfordert voraussichtlich 5 Beratertage.”

Variante 4: Retainer-Modell “Für laufende Betreuung biete ich ein Monatspaket von 15 Stunden zu 85 Euro/Stunde an (Gesamtpreis: 1.275 Euro netto/Monat).”

Kleinunternehmerregelung und Stundensatz

Als Kleinunternehmer (Umsatz bis 55.000 Euro/Jahr) verrechnen Sie keine Umsatzsteuer. Ihr Stundensatz ist für den Kunden der Endpreis:

  • Vorteil: Für Privatkunden und nicht-vorsteuerabzugsberechtigte Kunden ist Ihr Preis um 20 % günstiger als der eines USt-pflichtigen Anbieters.
  • Nachteil: Sie können keinen Vorsteuerabzug geltend machen. Investitionen und Betriebskosten sind um 20 % teurer.

Rechenbeispiel:

  • Regulär USt-pflichtig: 80 Euro netto + 16 Euro USt = 96 Euro brutto
  • Kleinunternehmer: 80 Euro (= Endpreis, keine USt)
  • Differenz für den Kunden: 16 Euro günstiger

Stundensatz und Preisverhandlung mit Kunden

Die Preisverhandlung ist für viele Selbstständige eine Herausforderung. Hier bewährte Strategien:

1. Wert statt Kosten kommunizieren Sprechen Sie nicht über Ihre Kosten, sondern über den Wert, den Sie für den Kunden schaffen. “Durch meine Optimierung sparen Sie 20.000 Euro pro Jahr” ist überzeugender als “Ich brauche 30 Stunden zu 100 Euro”.

2. Ankereffekt nutzen Nennen Sie zuerst einen etwas höheren Preis als Ihren Wunschpreis. Der Kunde verhandelt dann nach unten — auf Ihr tatsächliches Ziel.

3. Paketpreise anbieten Bieten Sie drei Pakete an (Basic, Standard, Premium). Die meisten Kunden wählen das mittlere Paket — platzieren Sie dort Ihr Wunschangebot.

4. Rabatte vermeiden Statt Rabatte zu geben, bieten Sie lieber zusätzliche Leistungen an. Ein Rabatt senkt Ihren wahrgenommenen Wert dauerhaft.

5. Zahlungsbedingungen als Verhandlungsmasse Bieten Sie Skonto bei schneller Zahlung (z. B. 2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 7 Tagen) statt den Stundensatz zu senken.

Stundensatz regelmässig überprüfen

Überprüfen und aktualisieren Sie Ihren Stundensatz mindestens einmal jährlich:

  • Inflation einbeziehen: Erhöhen Sie Ihren Satz mindestens um die Inflationsrate (2026: ca. 3 %)
  • Erfahrungszuwachs: Mit jedem Jahr wächst Ihre Expertise — das rechtfertigt höhere Preise
  • Marktentwicklung: Beobachten Sie die Preisentwicklung in Ihrer Branche
  • Kostenentwicklung: SVS-Beiträge, Mieten und andere Kosten steigen regelmässig
  • Auslastung: Wenn Sie permanent zu 100 % ausgelastet sind, ist Ihr Preis zu niedrig

Faustregel: Wenn mehr als 80 % Ihrer Angebote angenommen werden, sind Sie vermutlich zu günstig. Eine gesunde Ablehnungsquote liegt bei ca. 30 bis 40 %.

Stundensatz im internationalen Vergleich

Österreichische Selbstständige bewegen sich im europäischen Mittelfeld der Stundensätze:

LandIT-Freelancer (Senior, ca.)Design (ca.)Beratung (ca.)
Schweiz130-200 CHF100-150 CHF180-300 CHF
Deutschland80-130 Euro60-100 Euro100-200 Euro
Österreich90-140 Euro60-100 Euro100-200 Euro
Niederlande80-120 Euro60-90 Euro90-180 Euro
Spanien40-80 Euro30-60 Euro60-120 Euro
Polen30-60 Euro20-40 Euro40-80 Euro

Die niedrigeren Stundensätze in Süd- und Osteuropa schaffen durch Remote-Arbeit einen zunehmenden Wettbewerbsdruck. Österreichische Freelancer können sich durch Qualität, Zuverlässigkeit, Sprachkenntnisse und räumliche Nähe zum Kunden differenzieren.

Stundensatz-Checkliste für 2026

Nutzen Sie diese Checkliste, um Ihren Stundensatz zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen:

  • Alle Betriebskosten vollständig erfasst (Büro, Software, Hardware, Telefon, Versicherung, Steuerberater)
  • SVS-Beiträge korrekt einkalkuliert (ca. 27 % des Gewinns)
  • Einkommensteuer berücksichtigt (effektiver Steuersatz nach Gewinnhöhe)
  • Produktive Stunden realistisch geschätzt (max. 1.100-1.300 pro Jahr)
  • Urlaub eingerechnet (mindestens 25 Tage)
  • Krankenstand berücksichtigt (mindestens 10 Tage)
  • Unproduktive Zeit einkalkuliert (Akquise, Verwaltung, Weiterbildung — ca. 30 %)
  • Gewünschtes Netto-Einkommen definiert
  • Rücklagen für Investitionen und Schwankungen eingeplant
  • Jährliche Preisanpassung an Inflation vorgesehen
  • Marktniveau der Branche recherchiert und verglichen

Stundensatz und SVS-Beiträge im Detail

Die SVS-Beiträge sind der grösste Kostenfaktor für Selbstständige in Österreich. Verstehen Sie die Berechnung im Detail:

Nachbemessung: Die SVS berechnet die Beiträge im aktuellen Jahr auf Basis einer vorläufigen Beitragsgrundlage (basierend auf dem Einkommen von vor 3 Jahren). Sobald der aktuelle Steuerbescheid vorliegt, erfolgt eine Nachbemessung. Dies kann zu erheblichen Nachzahlungen führen, wenn das Einkommen gestiegen ist.

SVS-Nachzahlungen einkalkulieren: Legen Sie mindestens 27 % Ihres Gewinns für SVS-Beiträge zurück — auch wenn die aktuellen Vorschreibungen niedriger sind. So vermeiden Sie böse Überraschungen bei der Nachbemessung.

Opting-in zur Arbeitslosenversicherung: Seit 2009 können sich Selbstständige freiwillig zur Arbeitslosenversicherung anmelden. Der Beitrag beträgt je nach gewählter Stufe ca. 88, 175 oder 263 Euro monatlich. Dies gibt Ihnen ein Sicherheitsnetz bei Auftragsflauten — berücksichtigen Sie diese Kosten im Stundensatz.

GSVG-Befreiung für Kleinstunternehmer: Wenn Ihr Jahresumsatz unter 55.000 Euro und Ihr Jahresgewinn unter 6.221,28 Euro liegt, können Sie sich von der Kranken- und Pensionsversicherung befreien lassen. Das senkt Ihre Kosten, reduziert aber auch Ihren Versicherungsschutz und Ihre Pensionsansprüche.

Stundensatz und Einkommensteuer-Vorauszahlungen

Das Finanzamt schreibt Einkommensteuer-Vorauszahlungen vor, die vierteljährlich fällig sind. Diese Vorauszahlungen basieren auf dem letzten Steuerbescheid und werden automatisch um einen Erhöhungsbetrag angepasst.

Wichtig für die Stundensatzkalkulation:

  • Legen Sie ca. 25 bis 30 % des Gewinns für die Einkommensteuer zurück
  • Planen Sie die quartalsweisen Vorauszahlungstermine ein (15.2., 15.5., 15.8., 15.11.)
  • Beantragen Sie bei sinkenden Einkünften eine Herabsetzung der Vorauszahlungen beim Finanzamt
  • Bei steigenden Einkünften drohen Nachzahlungen — bauen Sie Rücklagen auf

Stundensatz-Kalkulation für verschiedene Geschäftsmodelle

Freelancer (Projektarbeit)

Typisches Modell: Auftragsbasierte Arbeit mit wechselnden Kunden

FaktorAnnahme
Auslastung70-85 % der produktiven Stunden
Akquiseaufwand15-25 % der Arbeitszeit
Zahlungsziele14-30 Tage (Liquiditätspuffer nötig)
Risikozuschlag10-15 % auf den Basisstundensatz

Berater (laufende Mandate)

Typisches Modell: Retainer-Verträge und Beratungsmandate

FaktorAnnahme
Auslastung60-75 % (höherer Vorbereitungsaufwand)
Wissensaufbau20-30 % der Arbeitszeit für Recherche
KundenbindungHöher, weniger Akquise nötig
TagessatzÜblicher als Stundensatz

Kreativer (Design, Text, Foto)

Typisches Modell: Projektbasiert mit kreativer Vorarbeit

FaktorAnnahme
Auslastung60-75 % (Kreativarbeit braucht Pausen)
Konzeption30-40 % der Zeit für Ideenfindung
KorrekturrundenMindestens 2 Korrekturrunden einkalkulieren
NutzungsrechteZusätzlich zum Stundensatz verrechnen

Zusammenfassung

Die korrekte Berechnung des Stundensatzes ist die Grundlage für eine wirtschaftlich erfolgreiche Selbstständigkeit. Viele Freiberufler und EPU unterschätzen die tatsächlichen Kosten und arbeiten dadurch unter Wert. Berücksichtigen Sie alle Faktoren — SVS-Beiträge, Einkommensteuer, Betriebskosten, unproduktive Zeiten, Urlaub und Krankenstand — und setzen Sie Ihren Stundensatz so an, dass Sie mindestens das Netto-Einkommen erzielen, das Sie als Angestellter verdienen würden. Der berechnete Stundensatz mag zunächst hoch erscheinen, ist aber die einzige Basis für eine tragfähige Selbstständigkeit.

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Häufig gestellte Fragen

Wie berechne ich meinen Stundensatz als Selbstständiger?

Die Grundformel lautet: (Alle Kosten + Gewünschter Gewinn) / Produktive Stunden pro Jahr. Sie müssen alle Kosten einberechnen: SVS-Beiträge, Einkommensteuer, Betriebskosten, Urlaub, Krankenstand und unproduktive Zeiten.

Wie viele produktive Stunden hat ein Selbstständiger pro Jahr?

Von 365 Tagen bleiben nach Abzug von Wochenenden (104), Feiertagen (13), Urlaub (25), Krankenstand (10) und unproduktiven Tagen (Akquise, Verwaltung -- ca. 30%) nur rund 1.100 bis 1.300 produktive Stunden pro Jahr.

Was muss ich als Selbstständiger an die SVS zahlen?

Die SVS-Beiträge (Sozialversicherung der Selbstständigen) betragen 2026 ca. 26,83 % der Beitragsgrundlage: 18,50 % Pensionsversicherung, 6,80 % Krankenversicherung, 1,53 % Selbstständigenvorsorge und 0,50 % Unfallversicherung (Fixbetrag).

Was ist ein üblicher Stundensatz für IT-Freelancer in Österreich?

IT-Freelancer in Österreich verrechnen 2026 üblicherweise zwischen 80 und 150 Euro pro Stunde netto. Spezialisierte Bereiche wie SAP-Beratung, IT-Security oder Cloud-Architektur können auch 150 bis 200 Euro und mehr verlangen.

Soll ich einen Stundensatz oder Pauschalpreis anbieten?

Das hängt vom Projekt ab. Stundensätze eignen sich bei unklarem Umfang oder laufender Beratung. Pauschalpreise sind bei klar definierten Projekten besser -- Sie profitieren von Effizienz. Viele Selbstständige nutzen eine Mischform.

Wie berücksichtige ich Urlaub und Krankenstand im Stundensatz?

Als Selbstständiger haben Sie keinen bezahlten Urlaub oder Krankenstand. Diese Ausfallzeiten müssen Sie in den Stundensatz einrechnen. Bei 25 Urlaubstagen und 10 Krankenstandstagen entgehen Ihnen ca. 280 produktive Stunden -- diese Kosten müssen die verbleibenden Stunden tragen.

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Redaktion finanzinfo.at

Chefredakteur finanzinfo.at

Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.