Umsatzsteuer für Unternehmer: Sätze, Fristen und Vorsteuer
Österreich hat seit Juli 2026 fünf Steuersätze, nicht vier. Welcher wann gilt, wann die Voranmeldung entfällt und wo der Vorsteuerabzug scheitert.
Wer sich eine Übersicht der österreichischen Umsatzsteuersätze heraussucht, findet fast überall vier. Seit 1. Juli 2026 sind es fünf.
Paragraf 10 Absatz 1a des Umsatzsteuergesetzes ordnet an: „Die Steuer ermäßigt sich auf 4,9% für die Lieferungen und die Einfuhr der in Anlage 3 aufgezählten Gegenstände.” Die Regelung ist unbefristet.
Entscheidend ist, wie eng die Anlage gefasst ist: Sie zählt zwölf Ziffern auf und bezeichnet jede über Positionen der Kombinierten Nomenklatur, also über das Zolltarifschema. Wer nur die Schlagworte liest, wendet den Satz zu breit an.
Besonders deutlich wird das beim Obst. Anlage 3 erfasst „Genießbare Früchte” ausschließlich in den Positionen 0808 und 0809 - das sind Äpfel, Birnen, Quitten, Marillen, Kirschen, Pfirsiche und Zwetschken. Bananen, Zitrusfrüchte, Weintrauben, Melonen und Beeren bleiben bei 10 Prozent.
Ähnlich eng ist es an anderen Stellen: Milch nur in zwei Unterpositionen, Eier nur frische Hühnereier, Gemüse mit vier ausdrücklich ausgenommenen Unterpositionen, Brot nur in einer einzigen Unterposition. Für die Zuordnung im Einzelfall führt kein Weg an der Anlage selbst vorbei.
Der Satz geht den anderen ermäßigten Sätzen vor - das Gesetz formuliert die 13 Prozent ausdrücklich als Auffangregel für den Fall, dass „der Steuersatz nach Abs. 1a oder Abs. 2 nicht anzuwenden” ist. Und er gilt nur für Lieferung und Einfuhr, nicht für die Abgabe im Restaurant. Dasselbe Brot trägt also 4,9 Prozent im Regal und 10 Prozent auf dem Teller.
Die fünf Sätze
| Satz | Wofür |
|---|---|
| 20 Prozent | Normalsatz für alles, was nicht ermäßigt ist |
| 13 Prozent | unter anderem Künstler, Filmvorführungen, Schwimmbäder, Eintritte zu Sportveranstaltungen, Ab-Hof-Verkauf von Wein, Personenbeförderung im Luftverkehr |
| 10 Prozent | Lebensmittel allgemein, Restauration, Wohnungsvermietung, Beherbergung, Personenbeförderung, elektronische Publikationen, bestimmte Reparaturdienstleistungen |
| 4,9 Prozent | zwölf Grundnahrungsmittel, nur bei Lieferung und Einfuhr |
| 19 Prozent | Sondersatz für Jungholz und Mittelberg |
Der 19-Prozent-Satz hat drei Eigenheiten, die regelmäßig falsch dargestellt werden. Er verlangt beides zugleich: Der Umsatz muss in Jungholz oder Mittelberg bewirkt werden und der Unternehmer dort Wohnsitz oder Sitz haben. Lieferung und Vermietung von Kraftfahrzeugen ins übrige Inland sind ausgenommen. Und er ersetzt nur den Normalsatz - die ermäßigten Sätze gelten dort unverändert.
Zu den Reparaturdienstleistungen mit 10 Prozent zählt das Gesetz abschließend auf: Fahrräder, Schuhe, Lederwaren, Kleidung und Haushaltswäsche. Was das Gesetz dort nicht nennt, bleibt beim Normalsatz.
Voranmeldung: Fristen und wann sie entfällt
Die Voranmeldung ist bis zum 15. des zweitfolgenden Monats einzureichen. Abgabe- und Zahlungsfrist fallen zusammen - für die Umsätze im Jänner also der 15. März.
Ob monatlich oder quartalsweise, entscheidet der Vorjahresumsatz:
- über 100.000 Euro: monatlich
- bis 100.000 Euro: quartalsweise, mit der Möglichkeit, freiwillig monatlich abzugeben
Und es gibt einen dritten Fall, den viele Darstellungen mit einer veralteten Zahl wiedergeben: Die Voranmeldung entfällt ganz, wenn der Vorjahresumsatz 55.000 Euro nicht überstieg und die Vorauszahlung fristgerecht und vollständig geleistet wird. Diese Grenze lag bis Ende 2024 bei 35.000 Euro; sie steht nicht im Gesetz selbst, sondern in einer eigenen Verordnung. Wer noch mit der alten Zahl rechnet, gibt Voranmeldungen ab, die er nicht abgeben müsste.
Die Jahreserklärung ist bei Selbstabgabe bis Ende April einzureichen, über FinanzOnline bis Ende Juni. Wer von einer Steuerberatung vertreten wird, fällt unter die Quotenregelung mit einer Frist bis 31. März des zweitfolgenden Jahres, verlängerbar bis 30. Juni. Diese Regelung steht seit einiger Zeit ausdrücklich im Gesetz und ist damit keine bloße Verwaltungsübung mehr.
Wo der Vorsteuerabzug scheitert
Drei Ausschlüsse treffen kleine Betriebe am häufigsten.
Der PKW. Personenkraftwagen, Kombinationskraftwagen und Krafträder sind vom Vorsteuerabzug ausgeschlossen - und zwar nicht nur bei der Anschaffung, sondern auch bei Miete und Betrieb. Wer also glaubt, wenigstens Treibstoff und Service abziehen zu können, irrt.
Die Ausnahmen sind abschließend: Fahrschulfahrzeuge, Vorführkraftfahrzeuge, Fahrzeuge zur Weiterveräußerung sowie Fahrzeuge, die zu mindestens 80 Prozent der gewerblichen Personenbeförderung oder Vermietung dienen.
Elektrofahrzeuge sind gesondert geregelt und grundsätzlich abzugsberechtigt. Die Angemessenheitsgrenze von 40.000 Euro brutto gilt dabei weiter - was darüber liegt, ist nicht abzugsfähig.
Private Lebensführung und Repräsentation. Das Umsatzsteuergesetz koppelt hier an das Ertragsteuerrecht. Das entscheidende Wort ist „überwiegend” - es geht nicht um jede private Mitbenutzung, sondern um das Überwiegen.
Die 10-Prozent-Schwelle. Wird ein Gegenstand zu weniger als 10 Prozent unternehmerisch genutzt, gibt es gar keinen Vorsteuerabzug, auch nicht anteilig. Das ist eine Alles-oder-nichts-Grenze.
Ist oder Soll - und die Falle dabei
Kleine Betriebe versteuern nach vereinnahmten Entgelten (Ist-Besteuerung): Die Umsatzsteuer wird fällig, wenn der Kunde zahlt. Das schont die Liquidität, weil man nicht für offene Rechnungen in Vorlage tritt.
Die Pflicht zur Soll-Besteuerung tritt erst ein, wenn der Umsatz in zwei aufeinanderfolgenden Jahren über 110.000 Euro lag. Ein einzelnes gutes Jahr löst sie nicht aus. Für Gewerbetreibende sowie Land- und Forstwirte gilt diese Grenze überhaupt nicht - dort entscheidet die Buchführungspflicht.
Der Punkt, der in Standarddarstellungen fehlt und die Rechnung dreht: Wer Ist versteuert, darf auch die Vorsteuer erst nach Bezahlung ziehen. Der Vorteil auf der Ausgangsseite hat also einen Preis auf der Eingangsseite. Erst ab einem Vorjahresumsatz über zwei Millionen Euro gilt das nicht.
Reverse Charge
In bestimmten Fällen geht die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger über. Die praktisch wichtigsten:
- Bauleistungen zwischen Unternehmern
- grenzüberschreitende sonstige Leistungen an Unternehmer im EU-Ausland
Der leistende Unternehmer stellt dann ohne Umsatzsteuer aus und muss auf der Rechnung auf den Übergang der Steuerschuld hinweisen. Die UID-Nummer des Empfängers gehört dazu.
Der häufigste Fehler: Umsatzsteuer trotzdem auszuweisen. Wer sie ausweist, schuldet sie - und der Empfänger darf sie nicht als Vorsteuer abziehen, weil sie nicht geschuldet war.
Was Säumnis kostet
Der Säumniszuschlag beträgt 2 Prozent des nicht zeitgerecht entrichteten Betrags. Wichtig ist der Anknüpfungspunkt: Er bemisst sich ab dem ursprünglichen Fälligkeitstag, nicht ab einer Mahnung. Wer im Mai bemerkt, dass die März-Zahlung fehlt, zahlt den Zuschlag rückwirkend.
Daneben kann ein Verspätungszuschlag für die nicht rechtzeitig abgegebene Erklärung festgesetzt werden.
Eine Regelung, die ausgelaufen ist
Zum Schluss ein Hinweis, weil hier der Gesetzeswortlaut in die Irre führt: Der Nullsteuersatz für Photovoltaikanlagen steht zwar weiterhin im Gesetz, greift aber nur für Umsätze vor bestimmten Stichtagen. Für 2026 gilt er nicht mehr. Wer nur den Paragrafen liest und die Datumsgrenzen überliest, rechnet mit einer Begünstigung, die es nicht mehr gibt.
Wer unter der Kleinunternehmergrenze bleibt, ist von alldem befreit - mit den Folgen, die auf der Seite zur Kleinunternehmerregelung stehen. Was auf eine Rechnung gehört, steht auf der Seite zum Rechnung schreiben.
Quellen
- Paragraf 10 Umsatzsteuergesetz 1994 im RIS mit allen fünf Steuersätzen, abgerufen 18.08.2026
- Paragraf 12 Umsatzsteuergesetz zu den Vorsteuerausschlüssen
- Paragraf 17 Umsatzsteuergesetz zur Ist- und Soll-Besteuerung
- Paragraf 21 Umsatzsteuergesetz zu Voranmeldung und Fristen
- Paragraf 217 Bundesabgabenordnung zum Säumniszuschlag
- WKO zur Umsatzsteuersenkung auf Nahrungsmittel zum 4,9-Prozent-Satz seit 1. Juli 2026
Häufig gestellte Fragen
Welche Umsatzsteuersätze gelten in Österreich?
Seit 1. Juli 2026 sind es fünf: 20 Prozent als Normalsatz, 13 und 10 Prozent als ermäßigte Sätze, neu 4,9 Prozent auf bestimmte Grundnahrungsmittel und 19 Prozent als Sondersatz für Jungholz und Mittelberg. Vor Juli 2026 verfasste Übersichten kennen den 4,9-Prozent-Satz nicht.
Wann muss ich die Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?
Bis zum 15. des zweitfolgenden Monats. Abgabe- und Zahlungsfrist fallen zusammen. Monatlich ist abzugeben, wenn der Vorjahresumsatz über 100.000 Euro lag, sonst quartalsweise.
Wann entfällt die Voranmeldung ganz?
Wenn der Vorjahresumsatz 55.000 Euro nicht überstieg und die Vorauszahlung fristgerecht und vollständig geleistet wird. Diese Grenze wurde Ende 2024 von 35.000 auf 55.000 Euro angehoben - viele Darstellungen nennen noch den alten Wert.
Warum kann ich für den Firmenwagen keine Vorsteuer abziehen?
Weil das Umsatzsteuergesetz PKW, Kombi und Krafträder vom Vorsteuerabzug ausschließt, und zwar für Anschaffung, Miete und Betrieb. Ausnahmen gelten abschließend für Fahrschul-, Vorführ- und Weiterverkaufsfahrzeuge sowie für Fahrzeuge, die zu mindestens 80 Prozent der gewerblichen Personenbeförderung oder Vermietung dienen. Elektrofahrzeuge sind gesondert geregelt.
Ab wann muss ich Soll statt Ist versteuern?
Erst wenn der Umsatz in zwei aufeinanderfolgenden Jahren über 110.000 Euro lag. Für Gewerbetreibende sowie Land- und Forstwirte gilt diese Grenze überhaupt nicht - dort entscheidet allein die Buchführungspflicht.
Was kostet eine verspätete Zahlung?
Der Säumniszuschlag beträgt 2 Prozent des nicht rechtzeitig entrichteten Betrags. Er bemisst sich ab dem ursprünglichen Fälligkeitstag, nicht ab einer späteren Mahnung. Dazu kann ein Verspätungszuschlag für die nicht rechtzeitig abgegebene Erklärung kommen.
Darf ich bei Ist-Besteuerung die Vorsteuer sofort abziehen?
Nein. Wer nach vereinnahmten Entgelten versteuert, darf die Vorsteuer erst nach Bezahlung der Eingangsrechnung ziehen. Eine Ausnahme gilt erst bei einem Vorjahresumsatz über zwei Millionen Euro. Dieser Punkt fehlt in vielen Darstellungen und verschiebt die Liquiditätsrechnung spürbar.