Immobilien als Geldanlage in Österreich

Immobilien-Investment in Österreich 2026: Vorsorgewohnung, Rendite, Steuern & Finanzierung. So investieren Sie erfolgreich in Immobilien!

Aktualisiert: 03. April 2026 14 Min. Lesezeit

Immobilien als Geldanlage in Oesterreich 2026

Immobilien gelten seit jeher als solide und wertbestaendige Geldanlage. Auch in Oesterreich investieren viele Menschen in Wohnungen und Haeuser — sei es als Vorsorgewohnung, als Renditeobjekt oder als Eigenheim fuer den eigenen Bedarf. Im Jahr 2026 bietet der oesterreichische Immobilienmarkt nach einer Phase der Abkuehlung wieder interessante Moeglichkeiten.

Warum in Immobilien investieren?

Sachwert mit Substanz

Immobilien sind Sachwerte — im Gegensatz zu Geldwerten wie Spareinlagen oder Anleihen. Sachwerte bieten einen natuerlichen Schutz gegen Inflation, weil ihr Wert tendenziell mit der allgemeinen Preisentwicklung steigt. Eine Wohnung in guter Lage wird langfristig immer einen Wert haben, unabhaengig von Waehrungsreformen oder Finanzkris.

Regelmaessige Mieteinnahmen

Eine vermietete Immobilie generiert regelmaessige Einnahmen durch die Miete. Diese Mieteinnahmen stellen eine Art passives Einkommen dar und koennen zur Tilgung eines Kredits oder als Zusatzeinkommen im Ruhestand genutzt werden.

Wertsteigerung

Neben den Mieteinnahmen profitieren Immobilienanleger von der langfristigen Wertsteigerung der Immobilie. In Oesterreich sind die Immobilienpreise in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen, insbesondere in Wien und den Landeshauptstädten. Allerdings hat es 2023 und 2024 auch eine Korrekturphase gegeben, die zeigt, dass Immobilienpreise nicht nur nach oben gehen.

Hebelwirkung durch Fremdfinanzierung

Ein besonderer Vorteil von Immobilien ist die Moeglichkeit der Fremdfinanzierung. Sie koennen einen Grossteil des Kaufpreises ueber einen Bankkredit finanzieren und so mit verhaeltnismaessig wenig Eigenkapital eine wertvolle Immobilie erwerben. Die Mieter zahlen faktisch den Kredit ueber die Mieteinnahmen zurueck. Dieser Hebel (Leverage) vervielfacht die Eigenkapitalrendite.

Die Vorsorgewohnung — das klassische Immobilieninvestment

Was ist eine Vorsorgewohnung?

Eine Vorsorgewohnung ist eine Eigentumswohnung, die nicht zum Eigenbedarf, sondern als Kapitalanlage gekauft und vermietet wird. Der Kaeufer verfolgt zwei Ziele: laufende Mieteinnahmen und langfristige Wertsteigerung. In Oesterreich ist die Vorsorgewohnung eines der beliebtesten Immobilieninvestments.

Rendite einer Vorsorgewohnung

Die Rendite einer Vorsorgewohnung setzt sich aus der Mietrendite und der Wertsteigerung zusammen:

Bruttorendite: Die Bruttorendite berechnet sich aus der Jahresmiete geteilt durch den Kaufpreis. In Wien liegt die Bruttorendite 2026 typischerweise bei 2,5 % bis 4,0 %, in Landeshauptstädten wie Graz, Linz oder Salzburg teilweise etwas hoeher.

Nettorendite: Nach Abzug aller Kosten (Betriebskosten, Instandhaltung, Verwaltung, Leerstand, Steuern) bleibt die Nettorendite, die oft 1,0 bis 2,0 Prozentpunkte unter der Bruttorendite liegt.

Wertsteigerung: Langfristig steigen Immobilienpreise in guten Lagen. Eine jaehrliche Wertsteigerung von 2 % bis 4 % ist in oesterreichischen Ballungsraeumen langfristig realistisch, wenn auch nicht garantiert.

Worauf beim Kauf achten?

Lage, Lage, Lage: Die Lage ist der wichtigste Faktor bei einer Immobilienanlage. Eine gute Anbindung an oeffentliche Verkehrsmittel, Einkaufsmoeglichkeiten, Schulen und Grünflächen erhoehen die Vermietbarkeit und den Wiederverkaufswert.

Kaufpreis: Der Kaufpreis muss in einem gesunden Verhaeltnis zu den erzielbaren Mieteinnahmen stehen. Rechnen Sie die Bruttorendite aus und vergleichen Sie mit dem Marktdurchschnitt.

Zustand und Baujahr: Neubauten haben niedrigere Instandhaltungskosten, kosten aber mehr. Bestandsimmobilien koennen guenstiger sein, erfordern aber moeglicherweise Renovierungen.

Wohnungsgroesse: Kleinere Wohnungen (30 bis 60 m2) sind in Oesterreich leichter zu vermieten und bieten oft eine hoehere Quadratmetermiete als grosse Wohnungen.

Kosten und Nebenkosten beim Immobilienkauf

Kaufnebenkosten in Oesterreich

Beim Kauf einer Immobilie in Oesterreich fallen erhebliche Nebenkosten an, die den Gesamtpreis deutlich erhoehen:

  • Grunderwerbsteuer: 3,5 % des Kaufpreises
  • Grundbucheintragungsgebühr: 1,1 % des Kaufpreises
  • Maklerprovision: bis zu 3 % des Kaufpreises plus 20 % USt (bei Kaeufen ueber Makler)
  • Notarkosten / Rechtsanwalt: 1 % bis 2 % des Kaufpreises fuer die Vertragserrichtung
  • Beglaubigungskosten: Einige Hundert Euro fuer die Beglaubigung des Kaufvertrags

In Summe liegen die Kaufnebenkosten in Oesterreich typischerweise bei 8 % bis 10 % des Kaufpreises. Das bedeutet: Bei einer Wohnung um 300.000 Euro muessen Sie mit zusaetzlichen Kosten von 24.000 bis 30.000 Euro rechnen.

Laufende Kosten

Betriebskosten: Hausverwaltung, Versicherung, Wasser, Muellabfuhr, Kanalgebuehren etc. Diese werden groesstenteils auf den Mieter umgelegt.

Instandhaltungsruecklage: Als Eigentuemer einer Eigentumswohnung zahlen Sie monatlich in die Instandhaltungsrücklage der Wohnungseigentümergemeinschaft ein. Typisch sind 0,50 bis 1,50 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Nicht umlegbare Kosten: Reparaturen, groessere Sanierungen, Leerstandskosten und Verwaltungskosten fuer die Vermietung (falls ein Verwalter beauftragt wird).

Immobilien finanzieren in Oesterreich

Eigenkapitalanforderungen

Die KIM-Verordnung (gueltig August 2022 bis Juni 2025) schrieb vor, dass Kaeufer in Oesterreich mindestens 20 % Eigenkapital mitbringen muessen. Zudem durfte die monatliche Kreditrate maximal 40 % des Nettoeinkommens betragen, und die Kreditlaufzeit war auf 35 Jahre begrenzt. Seit Juli 2025 ist die Verordnung ausgelaufen, die meisten Banken orientieren sich aber weiterhin an diesen Richtwerten.

Fuer eine Vorsorgewohnung um 300.000 Euro benoetigen Sie also mindestens 60.000 Euro Eigenkapital plus die Kaufnebenkosten von rund 25.000 bis 30.000 Euro — insgesamt also rund 85.000 bis 90.000 Euro.

Fixzins vs. Variabler Zins

Fixzinskredit: Der Zinssatz ist fuer die gesamte Laufzeit (oder einen bestimmten Zeitraum, z.B. 15 oder 20 Jahre) fixiert. Sie haben Planungssicherheit, zahlen aber in der Regel einen hoeheren Zinssatz als beim variablen Kredit.

Variabler Kredit: Der Zinssatz orientiert sich am Euribor und wird regelmaessig angepasst. In Zeiten niedriger Zinsen ist der variable Kredit guenstiger, bei steigenden Zinsen kann die Rate aber deutlich steigen.

Aktuell (2026) liegen die Hypothekenzinsen in Oesterreich fuer Fixzinsen bei etwa 3,0 % bis 4,0 %, je nach Laufzeit und Bonität.

Steuern bei Immobilien-Investments

Mieteinnahmen versteuern

Mieteinnahmen unterliegen in Oesterreich der Einkommensteuer nach dem regulaeren progressiven Tarif (0 % bis 55 %). Von den Mieteinnahmen koennen Sie allerdings zahlreiche Werbungskosten abziehen:

  • Abschreibung (AfA): Fuer Wohngebaeude 1,5 % des Gebaeudewerts pro Jahr (ohne Grundanteil).
  • Instandhaltungskosten: Reparaturen und Erhaltungsarbeiten.
  • Finanzierungskosten: Kreditzinsen fuer den Immobilienkredit.
  • Verwaltungskosten: Hausverwaltung, Steuerberater.
  • Leerstandskosten: Betriebskosten waehrend Leerstands.

Durch die Abschreibung und die abzugsfaehigen Kosten koennen die steuerlichen Mieteinnahmen deutlich niedriger ausfallen als die tatsaechlichen Mieteinnahmen — in den ersten Jahren ist sogar ein steuerlicher Verlust moeglich, der mit anderen Einkuenften verrechnet werden kann.

Vorsteuerabzug bei Vorsorgewohnungen

Wenn Sie als Vermieter umsatzsteuerpflichtig sind (Option zur Umsatzsteuer bei Wohnraumvermietung mit 10 % USt), koennen Sie die beim Kauf angefallene Vorsteuer (20 % auf den Gebaeudanteil) vom Finanzamt zurueckerhalten. Das kann einen erheblichen finanziellen Vorteil darstellen. Voraussetzung ist, dass Sie innerhalb von 20 Jahren eine Einkunftserzielungsabsicht nachweisen koennen (Prognoserechnung).

Immobilienertragsteuer (ImmoESt)

Beim Verkauf einer Immobilie faellt in Oesterreich die Immobilienertragsteuer von 30 % auf den Veräusserungsgewinn an. Der Veräusserungsgewinn ist die Differenz zwischen Verkaufspreis und Anschaffungskosten (abzueglich bereits geltend gemachter Abschreibungen).

Fuer Immobilien, die vor dem 1. April 2002 angeschafft wurden, gilt ein pauschaler Steuersatz von 4,2 % des Verkaufspreises (Altbestand).

Die Hauptwohnsitzbefreiung gilt, wenn die Immobilie ab der Anschaffung oder in den letzten 2 Jahren als Hauptwohnsitz genutzt wurde — in diesem Fall ist der Verkauf steuerfrei.

Immobilienfonds und REITs

Offene Immobilienfonds

Fuer Anleger, die nicht direkt eine Immobilie kaufen moechten, bieten offene Immobilienfonds eine Alternative. Diese Fonds investieren in ein Portfolio aus Immobilien und ermoeglichen es Anlegern, schon mit kleinen Betraegen am Immobilienmarkt teilzuhaben. Die Renditen liegen typischerweise bei 2 % bis 4 % pro Jahr. In Oesterreich bieten Anbieter wie Erste Immobilienfonds oder Union Investment Immobilienfonds an.

REITs (Real Estate Investment Trusts)

REITs sind boersennotierte Immobiliengesellschaften, die den Grossteil ihrer Gewinne als Dividende ausschuetten. In Oesterreich gibt es keine REIT-Gesetzgebung, aber Sie koennen in internationale REITs investieren — etwa ueber REIT-ETFs. REITs bieten hohe Liquiditaet (boersengehandelt), regelmaessige Dividenden und breite Diversifikation ueber viele Immobilien.

Immobilien-Crowdinvesting

Eine neuere Form des Immobilieninvestments ist das Crowdinvesting. Plattformen wie dagobertinvest, Rendity oder HOME ROCKET (alle oesterreichisch) ermoeglichen es Anlegern, schon ab kleinen Betraegen (oft ab 250 Euro) in Immobilienprojekte zu investieren. Die versprochenen Renditen sind attraktiv (oft 5 % bis 8 %), aber das Risiko ist hoeher als bei direkten Immobilieninvestments, da es sich meist um nachrangige Darlehen handelt. Im Falle einer Insolvenz des Projektentwicklers kann ein Totalverlust drohen.

Risiken bei Immobilien-Investments

Klumpenrisiko

Eine einzelne Immobilie stellt ein erhebliches Klumpenrisiko dar. Ihr gesamtes Investment steckt in einem einzigen Objekt an einem einzigen Standort. Sinkt der Marktwert dieser Immobilie oder wird die Vermietung schwierig, hat das starke Auswirkungen auf Ihre Rendite.

Leerstandsrisiko

Wenn Ihre Wohnung ueber laengere Zeit leer steht, entgehen Ihnen Mieteinnahmen, waehrend die laufenden Kosten (Kredit, Betriebskosten, Instandhaltung) weiterlaufen. In weniger gefragten Lagen kann das Leerstandsrisiko erheblich sein.

Zinsaenderungsrisiko

Bei variabel verzinsten Krediten kann ein Anstieg der Zinsen die monatliche Belastung deutlich erhoehen. Die Erfahrungen der Jahre 2022 und 2023 haben gezeigt, wie schnell Kreditzinsen steigen koennen.

Liquiditaetsrisiko

Immobilien sind nicht so schnell verkaeuflich wie Aktien oder ETFs. Der Verkauf einer Immobilie kann Wochen bis Monate dauern. In einer Marktabschwungphase kann es schwierig sein, einen Kaeufer zum gewuenschten Preis zu finden.

Regulatorische Risiken

Mietrechtsaenderungen, neue Bauvorschriften oder steuerliche Aenderungen koennen die Rendite Ihres Immobilieninvestments beeinflussen. Das oesterreichische Mietrecht ist komplex und bietet Mietern starken Schutz, was die Flexibilitaet des Vermieters einschraenken kann.

Immobilienmarkt Oesterreich 2026

Preisentwicklung

Nach dem starken Preisanstieg bis 2022 und einer Korrekturphase 2023/2024 hat sich der oesterreichische Immobilienmarkt 2025 und 2026 stabilisiert. In Wien liegen die Preise fuer Eigentumswohnungen im Durchschnitt bei rund 5.000 bis 7.000 Euro pro Quadratmeter, in guten Lagen auch deutlich darueber. In den Landeshauptstädten sind die Preise etwas niedriger, aber ebenfalls auf hohem Niveau.

Mietpreisentwicklung

Die Mieten in Oesterreich sind tendenziell gestiegen, getrieben durch die allgemeine Inflation und die Wertsicherung vieler Mietvertraege an den VPI (Verbraucherpreisindex). Die Nachfrage nach Mietwohnungen bleibt hoch, insbesondere in Wien, Graz und Linz.

Tipps fuer Immobilienanleger

1. Gruendlich recherchieren

Analysieren Sie den lokalen Markt, die Mietpreise, die Nachfrage und die Infrastruktur. Eine gute Recherche ist die Basis fuer ein erfolgreiches Immobilieninvestment.

2. Konservativ kalkulieren

Rechnen Sie mit realistischen Mieteinnahmen, beruecksichtigen Sie Leerstand und ungeplante Kosten. Eine konservative Kalkulation schuetzt vor boesen Ueberraschungen.

3. Die Finanzierung sorgfaeltig planen

Nutzen Sie nicht das Maximum an Fremdfinanzierung. Ein hoeherer Eigenkapitalanteil reduziert das Risiko und die monatliche Belastung.

4. Einen Steuerberater einschalten

Die steuerliche Behandlung von Immobilien-Investments ist komplex. Ein auf Immobilien spezialisierter Steuerberater kann Ihnen helfen, die steuerlichen Vorteile optimal zu nutzen.

5. Langfristig denken

Immobilien sind eine langfristige Anlage. Planen Sie einen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren, um von Wertsteigerungen zu profitieren und die hohen Kaufnebenkosten zu amortisieren.

Immobilien bleiben eine attraktive Anlageklasse fuer oesterreichische Anleger, die langfristig denken und bereit sind, sich mit den Besonderheiten des Immobilienmarktes auseinanderzusetzen. Eine Vorsorgewohnung in guter Lage kann regelmaessige Mieteinnahmen und langfristige Wertsteigerung bieten. Allerdings sind die hohen Kaufnebenkosten, die Eigenkapitalanforderungen und die Risiken (Leerstand, Zinsaenderungen, Klumpenrisiko) nicht zu unterschätzen. Fuer Anleger, die keine Direktinvestition tätigen moechten, bieten Immobilienfonds, REITs und Crowdinvesting-Plattformen zugaengliche Alternativen mit niedrigeren Einstiegshürden.

Immobilien-Exit-Strategien

Verkauf nach Wertsteigerung

Eine Exit-Strategie ist der Verkauf der Immobilie nach einer erwarteten Wertsteigerung. Dabei sollten Sie die Immobilienertragsteuer von 30 % auf den Gewinn einkalkulieren. Die Spekulationsfrist fuer die vollstaendige Steuerfreiheit bei Hauptwohnsitzen betraegt zwei Jahre durchgehende Nutzung.

Eigennutzung im Alter

Eine andere Strategie ist der Umzug in die Anlageimmobilie im Ruhestand. So wird aus der Vorsorgewohnung die eigene Wohnung, und Sie sparen sich die Mietkosten. Die steuerlichen und rechtlichen Aspekte sollten aber vorab mit einem Steuerberater geklaert werden.

Weitergabe an die Kinder

Immobilien sind oft ein zentrales Element der Vermoegensnachfolge. Die Weitergabe an die Kinder kann zu Lebzeiten (Schenkung) oder im Erbfall erfolgen. Beide Varianten haben steuerliche Konsequenzen, die sorgfaeltig geplant werden sollten.

Rechenbeispiele fuer Immobilieninvestments

Beispiel 1: Klassische Vorsorgewohnung in Wien

Familie Huber kauft eine 60 m2 grosse Vorsorgewohnung in Wien um 330.000 Euro. Zusammen mit Nebenkosten von 30.000 Euro investieren sie insgesamt 360.000 Euro. Sie bringen 90.000 Euro Eigenkapital mit und finanzieren 270.000 Euro ueber einen Bankkredit mit 3,5 % Zinsen und 25 Jahren Laufzeit. Die monatliche Kreditrate betraegt rund 1.350 Euro. Sie vermieten die Wohnung fuer 900 Euro netto pro Monat. Zusammen mit der Abschreibung und den abziehbaren Kosten ergeben sich in den ersten Jahren steuerliche Verluste, die die Einkommensteuerlast reduzieren.

Beispiel 2: Berechnung der Bruttorendite

Peter findet eine Wohnung in Graz um 220.000 Euro. Die erzielbare Jahresmiete betraegt 9.600 Euro (800 Euro pro Monat netto kalt). Die Bruttorendite: 9.600 / 220.000 = 4,36 %. Nach Abzug aller Kosten (Betriebskosten nicht umlegbar, Instandhaltungsruecklage, Versicherung, Leerstand) verbleibt eine Nettorendite von etwa 3,0 %.

Beispiel 3: Hebelwirkung bei Fremdfinanzierung

Anna kauft eine Wohnung um 300.000 Euro und nutzt 60.000 Euro Eigenkapital und 240.000 Euro Kredit. Nach 10 Jahren ist die Wohnung 360.000 Euro wert (20 % Wertsteigerung). Ihr Gewinn: 60.000 Euro auf 60.000 Euro Eigenkapital — eine Eigenkapitalrendite von 100 %, auch wenn der Immobilienwert nur um 20 % gestiegen ist. Die Fremdfinanzierung hat den Gewinn gehebelt.

Vertiefung: Immobilienbewertung und Standortanalyse

Wie wird eine Immobilie bewertet?

Die Bewertung einer Anlageimmobilie erfolgt primaer ueber den Ertragswert: Wie hoch sind die nachhaltig erzielbaren Mieteinnahmen? Der Ertragswert berechnet sich aus der Jahresmiete abzueglich der Bewirtschaftungskosten, kapitalisiert mit einem marktüblichen Zinssatz. Daneben spielen der Sachwert (Grundstueckswert plus Gebaeudewert abzueglich Altersabschreibung) und der Vergleichswert (Preise aehnlicher Objekte in der Umgebung) eine Rolle.

Standortanalyse: Mikro- und Makrolage

Die Makrolage umfasst den uebergeordneten Standort: Stadt, Bezirk, Region. Wichtige Faktoren sind Bevoelkerungsentwicklung, Wirtschaftskraft, Arbeitsmarkt und Infrastruktur. Die Mikrolage bezieht sich auf die unmittelbare Umgebung: Anbindung an oeffentliche Verkehrsmittel, Einkaufsmoeglichkeiten, Schulen, Grünflächen, Laermpegel und Nachbarschaft.

Fuer Wien gilt: Innenstadtnahe Bezirke (1. bis 9. Bezirk) und gut angebundene aeussere Bezirke (13., 18., 19. Bezirk) sind besonders gefragt. In den Landeshauptstädten sind zentrale Lagen und Universitaetsstädte (Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck) attraktiv fuer Mietwohnungen.

Due Diligence vor dem Kauf

Vor dem Kauf einer Anlageimmobilie sollten Sie eine gruendliche Pruefung durchfuehren: Grundbuchauszug pruefen (Lasten, Dienstbarkeiten), Energieausweis einsehen, Zustand der Bausubstanz bewerten lassen, die Hausverwaltung und die Wohnungseigentümergemeinschaft kennenlernen, die Instandhaltungsruecklage pruefen und die Betriebskostenabrechnung der letzten Jahre einsehen.

Vermietung in Oesterreich — rechtliche Rahmenbedingungen

Das Mietrechtsgesetz (MRG)

Das oesterreichische Mietrechtsgesetz regelt die Rechte und Pflichten von Vermietern und Mietern. Es unterscheidet zwischen Vollanwendung (Altbau, vor 1945 errichtet), Teilanwendung (Neubau ab 1945) und Ausnahme (zum Beispiel Einfamilienhaeuser). Bei Vollanwendung gelten strenge Mietzinsobergrenzen (Richtwertmieten), bei Teilanwendung und Ausnahme koennen die Mieten freier vereinbart werden.

Richtwertmieten und Kategoriemieten

In Wien und anderen Bundeslaendern gelten fuer Altbauwohnungen Richtwertmieten, die vom Gesetzgeber festgelegt und regelmaessig angepasst werden. Diese koennen durch Zu- und Abschlaege (Lage, Ausstattung, Zustand) angepasst werden. Fuer Neubauwohnungen gelten keine Richtwertmieten — hier kann die Miete frei vereinbart werden.

Befristete und unbefristete Mietvertraege

Mietvertraege koennen befristet oder unbefristet abgeschlossen werden. Befristete Mietvertraege im MRG-Vollanwendungsbereich muessen mindestens 3 Jahre laufen und erhalten einen Befristungsabschlag von 25 % auf den Richtwert. Unbefristete Mietvertraege bieten dem Mieter einen starken Kuendigungsschutz, was fuer den Vermieter ein Risiko darstellen kann.

Immobilien als Altersvorsorge

Das schuldenfreie Eigenheim

Eine schuldenfreie Immobilie im Alter ist ein wertvoller Baustein der Altersvorsorge. Sie muessen keine Miete zahlen und haben eine wertbestaendige Immobilie, die im Notfall verkauft oder beliehen werden kann. Viele Finanzexperten sehen das Eigenheim als die wichtigste Form der Altersvorsorge neben der staatlichen Pension.

Mieteinnahmen als Zusatzpension

Wenn Sie eine Vorsorgewohnung besitzen, koennen die Mieteinnahmen im Ruhestand als Zusatzeinkommen dienen. Bei einer abbezahlten Wohnung mit einer Nettomiete von 600 bis 800 Euro pro Monat ist das eine willkommene Ergaenzung zur staatlichen Pension.

Immobilien-Leibrente

Ein relativ neues Konzept in Oesterreich ist die Immobilien-Leibrente: Sie verkaufen Ihre Immobilie, erhalten dafuer eine lebenslange monatliche Rente und duerfen weiterhin in der Immobilie wohnen. Dieses Modell eignet sich fuer aeltere Eigentuemer, die Kapital aus ihrer Immobilie ziehen moechten, ohne ausziehen zu muessen.

Mieterauswahl und Vermietungspraxis

Den richtigen Mieter finden

Die sorgfaeltige Auswahl der Mieter ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren fuer Immobilienanleger. Ein solventer, zuverlaessiger Mieter sorgt fuer stabile Einnahmen und behandelt die Wohnung pfleglich. Ein problematischer Mieter kann hingegen erhebliche finanzielle und emotionale Belastungen verursachen.

Typische Unterlagen, die Vermieter von Mietinteressenten verlangen: Einkommensnachweise (Gehaltszettel der letzten drei Monate), Mietschuldenfreiheitsbestaetigung des vorherigen Vermieters, Bonitätsauskunft (zum Beispiel vom KSV), Lichtbildausweis und ein Selbstausk­unftsformular.

Mietvertraege professionell gestalten

Der Mietvertrag ist die rechtliche Grundlage der Vermietung. Er sollte alle wichtigen Aspekte klar regeln: Miethoehe, Nebenkosten, Kautionshoehe, Mietdauer, Kuendigungsbedingungen, Tierhaltung, Schoenheitsreparaturen und Zustaendigkeit fuer Reparaturen. Eine professionelle Vorlage oder die Hilfe eines Rechtsanwalts zahlt sich aus.

Hausverwaltung oder Eigenverwaltung

Die Verwaltung einer Anlageimmobilie kann entweder selbst uebernommen oder an eine Hausverwaltung delegiert werden. Eine Hausverwaltung kuemmert sich um Mieterauswahl, Mietvertraege, Betriebskostenabrechnung, Reparaturen und Konfliktmanagement. Die Kosten betragen typischerweise 3 % bis 5 % der Jahreskaltmiete.

Fuer Anleger mit mehreren Immobilien oder wenig Zeit ist eine Hausverwaltung meist die bessere Wahl. Fuer Anleger mit einer einzelnen Wohnung und ausreichend Zeit kann die Eigenverwaltung Kosten sparen.

Immobilien-Finanzierung — KIM-Verordnung und Praxis

Die KIM-Verordnung im Detail

Die KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmassnahmen-Verordnung) galt von August 2022 bis Juni 2025 und verschaerfte die Kreditvergabe in Oesterreich. Die wichtigsten Kennzahlen:

  • Beleihungsquote (LTV): maximal 90 % des Immobilienwerts
  • Schuldendienstquote (DSTI): maximal 40 % des Nettoeinkommens
  • Laufzeit: maximal 35 Jahre

Seit Juli 2025 ist die Verordnung ausgelaufen. Viele Banken orientieren sich aber weiterhin freiwillig an aehnlichen Vergabestandards, um eine verantwortungsvolle Kreditvergabe sicherzustellen.

Ausnahmen von der KIM-Verordnung

Waehrend ihrer Geltung konnten Banken in begrenztem Umfang von den Vorgaben abweichen. Diese sogenannten “Exempts” ermoeglichten es beispielsweise, in besonderen Faellen eine hoehere Beleihungsquote zuzulassen.

Auswirkungen auf den Immobilienmarkt

Die KIM-Verordnung hat 2023 und 2024 den Immobilienmarkt in Oesterreich spuerbar gebremst. Die Nachfrage sank, weil viele potenzielle Kaeufer die verschaerften Kreditvorgaben nicht erfuellen konnten. Dies trug zur Preiskorrektur an vielen Standorten bei.

Nachhaltigkeit und Immobilien

Energetische Sanierung als Wertsteigerung

Energetisch sanierte Immobilien erzielen hoehere Mieten und Verkaufspreise. Angesichts steigender Energiekosten und strengerer EU-Vorschriften (Stichwort EU-Gebäuderichtlinie) gewinnt die Energieeffizienz von Immobilien zunehmend an Bedeutung. Investitionen in Waermedämmung, Heizungsmodernisierung und Photovoltaik koennen die Rendite einer Anlageimmobilie langfristig verbessern.

Foerderungen fuer Sanierung

In Oesterreich gibt es zahlreiche Foerderungen fuer die energetische Sanierung von Immobilien — auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene. Diese Foerderungen koennen die Investitionskosten erheblich senken und die Rendite der Sanierung verbessern. Informieren Sie sich bei der zustaendigen Landesregierung ueber die aktuellen Programme.

Weiterführende Artikel

Häufig gestellte Fragen

Lohnt sich eine Vorsorgewohnung in Österreich?

Eine Vorsorgewohnung kann sich als langfristige Geldanlage lohnen, wenn Lage, Kaufpreis und Mietrendite stimmen. Die Bruttorendite sollte mindestens 3-4% betragen.

Welche Steuern fallen bei Immobilien-Investments an?

Bei Immobilien-Investments fallen in Österreich u.a. Grunderwerbsteuer (3,5%), Grundbucheintragungsgebühr (1,1%), laufende Einkommensteuer auf Mieteinnahmen und bei Verkauf die Immobilienertragsteuer (30%) an.

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Redaktion finanzinfo.at

Chefredakteur finanzinfo.at

Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.