Kreditkarte in Österreich: Abrechnungsarten, Kosten, Herausgeber

Charge Card, revolvierende Karte oder Prepaid: Die Abrechnungsart entscheidet über die Kosten. Zinssätze, Zahlungsziele und wer die Karten wirklich ausgibt.

Aktualisiert: 17. August 2026 15 Min. Lesezeit

Eine Kreditkarte kostet in Österreich zwischen null und 690 Euro im Jahr. Das ist die auffällige Zahl - und selten die wichtige. Entscheidend ist, wie abgerechnet wird, denn daran hängt, ob die Karte ein Zahlungsmittel ist oder ein Kredit mit über 25 Prozent effektivem Jahreszins.

Die Oesterreichische Nationalbank unterscheidet zwei Bauarten: Bei der Charge Card wird der offene Betrag zum Fälligkeitstermin vollständig beglichen, bei der Revolving Card kann er in Raten abgezahlt werden. In beiden Fällen, schreibt die Nationalbank, erhält der Kunde „für den Zeitraum zwischen Bezahlung einer Ware und der Fälligkeit der Rechnung einen Kredit mit sehr kurzer Laufzeit”. Bei der einen endet dieser Kredit nach ein paar Wochen. Bei der anderen kann er Jahre laufen.

Die drei Bauarten im Überblick

Charge CardRevolvierende KartePrepaid
Abrechnungvoller Betrag zum FälligkeitsterminMindestrate, Rest wird verzinstnur vorhandenes Guthaben
Zinsenkeine bei fristgerechter Zahlunggut 5 bis über 25 Prozent effektivkeine
Kreditvertragneinja, Verbraucherkreditnein
Typisch fürAmerican Express, viele BankkartenTF Bank, Santander, Teilzahlungsverträgecard complete (PayLife nur noch Bestand)

Wie viele Karten welcher Art im Umlauf sind, weist die Nationalbank aus: rund drei Millionen Kreditkartenprodukte in Österreich, davon etwa zwei Millionen Charge Cards und eine Million Revolving Cards. Dem stehen rund elf Millionen Debitkarten gegenüber. Die Kreditkarte ist in Österreich also die Ausnahme, nicht die Regel - anders als in vielen Vergleichen suggeriert.

Charge Card: alles am Monatsende

Das ist der österreichische Normalfall. Die Bedingungen sind eindeutig formuliert: Bei card complete hat der Karteninhaber „den gesamten offenen Betrag in der Frist zu begleichen”, bei American Express muss der Betrag „zum Fälligkeitstermin in voller Höhe ausgeglichen werden”.

Für Sie bedeutet das zweierlei. Es gibt keine Zinsfalle, weil kein revolvierender Kredit entsteht - der häufigste Kostentreiber fällt weg. Es gibt aber auch keinen Puffer: Wer den Betrag nicht aufbringt, ist im Verzug, und dann fallen Verzugszinsen und Mahnentgelte an.

Sämtliche American-Express-Karten in Österreich sind Charge Cards; die Einzelheiten dazu stehen auf der Seite zu American Express.

Beim Zahlungsziel gehen die Institute weit auseinander, und die verbreitete Faustregel „bis zu acht Wochen zinsfrei” lässt sich für Österreich nicht belegen. Eine Raiffeisenbank nennt drei Tage nach der Abrechnung, bei der Premiumkarte wahlweise 21. Die Erste Bank rechnet zum 25. des Monats ab und stellt zehn Tage später fällig. Die TF Bank kommt auf bis zu 51 Tage - allerdings nur bei vollständiger Zahlung und nur für Einkäufe.

Revolvierende Karte: der teure Komfort

Hier wird aus dem Zahlungsmittel ein Kredit. Die Sätze, die österreichische Anbieter dafür verlangen, liegen zwischen gut 5 und über 25 Prozent:

AnbieterSollzinseffektivMindestrate
Erste Bank5,00 bzw. 9,50 Prozent5,19 bzw. 10,07 Prozent-
PayLife Teilzahlung13,53 Prozent variabel14,40 Prozent10 Prozent, mind. 60 Euro
card complete Überschreitung13 Prozent fix, danach variabelnicht ausgewiesenein Zehntel ab 35 Euro Saldo
TF Bank22,60 Prozent25,09 Prozent3 Prozent, mind. 30 Euro

Drei Beobachtungen dazu.

Der Zinssatz folgt bei PayLife einer Formel: Basiszinssatz der Nationalbank plus 12 Prozentpunkte. Steigt der Leitzins, steigt der Kartenzins mit. Bei card complete ist es nach einer Fixphase der Drei-Monats-Euribor plus 13 Prozentpunkte.

card complete bietet formal gar keine Teilzahlung an, sondern eine „Überschreitung”: Ab einem offenen Saldo von 35 Euro kann der Karteninhaber die Zahlung von „zumindest einem Zehntel des jeweils offenen Saldos” anbieten. Die Bank behält sich vor, das zuzulassen - verpflichtet ist sie nicht. Die Zinsen werden tageweise berechnet, monatlich dem Saldo zugeschlagen und damit kapitalisiert; es entstehen also Zinseszinsen. Einen effektiven Jahreszins nennen die Bedingungen für diesen Fall nicht.

Die Mindestrate entscheidet über die Laufzeit. Bei PayLife sind es 10 Prozent des Monatssaldos, mindestens 60 Euro - damit ist ein Saldo in überschaubarer Zeit getilgt. Bei der TF Bank sind es 3 Prozent oder mindestens 30 Euro; wer nur das zahlt, braucht für 1.000 Euro je nach Auslegung der Bedingungen zwischen knapp drei und gut vier Jahren. Die Rechnung dazu steht auf der Seite zur TF Bank.

Was die Teilzahlung rechtlich auslöst

Dieser Punkt wird selten erwähnt und ist für Sie der wirksamste Hebel: Die Teilzahlung ist ein entgeltlicher Zahlungsaufschub im Sinn des Verbraucherkreditgesetzes - PayLife schreibt das im eigenen Vertragsformular ausdrücklich hin.

Daraus folgen drei Rechte:

  • Sie müssen eine Europäische Standardinformation für Verbraucherkredite bekommen, in vorgeschriebener Form
  • Der effektive Jahreszins muss angegeben werden, nicht nur der Sollzins
  • Es besteht ein Rücktrittsrecht von 14 Tagen

Wenn ein Anbieter Ihnen eine Teilzahlung anbietet, ohne diese Angaben zu liefern, fehlt etwas, das das Gesetz verlangt.

Zum Vormerken: Das Verbraucherkreditgesetz tritt mit Ablauf des 19. November 2026 außer Kraft; ab 20. November 2026 gilt das Verbraucherkreditgesetz 2026. Konditionen und Vertragsunterlagen, die Sie davor und danach vergleichen, stehen unter verschiedenen Regelwerken.

Wer die Karte tatsächlich herausgibt

Bei kaum einem Finanzprodukt liegen Marke und Herausgeber so weit auseinander.

Die card complete Service Bank AG (Lassallestraße 3, 1020 Wien, FN 84409g) ist ein Kreditinstitut unter FMA-Aufsicht und betreibt in Österreich auch Diners Club. Ihre Eigentümerstruktur hat sich gerade geändert: Die UniCredit Bank Austria hat ihren Anteil verkauft, das Closing erfolgte am 16. September 2025. Heute halten die EAVISTA Beteiligungsverwaltungs GmbH 75,1 Prozent und eine Privatstiftung 24,9 Prozent.

PayLife ist keine eigene Gesellschaft, sondern eine Marke der BAWAG P.S.K. AG - dieselbe juristische Person, die auch hinter easybank steht.

American Express gibt in Österreich über eine Zweigniederlassung einer spanischen Gesellschaft aus. Herkunftsaufsicht ist die Banco de España, in Österreich ist die FMA zuständig - und zwar als Zahlungsinstitut, nicht als Kreditinstitut mit Banklizenz.

Bei den Auslandsanbietern lohnt der Blick auf die Firmierung: Die TF Bank heißt seit April 2026 Avarda Bank AB; „TF Bank” ist nur noch ein zweiter Firmenname. Und die Hanseatic Bank, die in Vergleichen häufig auftaucht, hat für Österreich kein Angebot.

Vermitteln oder selbst ausgeben? Beides kommt vor, und die pauschale Aussage, die meisten Banken würden nur vermitteln, ist nicht haltbar. Belegt vermitteln unter anderem die bank99 („Die bank99 vermittelt Kreditkarten von card complete”), die DADAT sowie mehrere Raiffeisen- und Hypo-Institute, deren Karten über den Raiffeisen CardService laufen. Selbst aus geben dagegen Erste Bank, Oberbank und Bank Austria.

Praktische Folge: Wenn zwei Banken dieselben Kartenpreise nennen, vergleichen Sie unter Umständen dasselbe Produkt desselben Herausgebers. Die Jahresentgelte von 21,60, 80,40 und 138,60 Euro etwa finden sich bei bank99 und DADAT identisch - es sind die Tarife von card complete.

Kostenlos ist nicht dasselbe wie günstig

Karten ohne Jahresentgelt gibt es. Die Frage ist, wo stattdessen verdient wird.

Die TF Mastercard Gold kostet dauerhaft nichts, auch Bargeld und Fremdwährung sind entgeltfrei. Bezahlt wird über den Zins: 22,60 Prozent Sollzins und 25,09 Prozent effektiv, sobald der Saldo nicht vollständig beglichen wird. Bei einer Karte, die als kostenlos beworben wird, ist das die eigentliche Kondition.

Die Santander Card kostet ebenfalls kein Jahresentgelt, hat aber die Ratenzahlung als Voreinstellung - und veröffentlicht weder Sollzinssatz noch Behebungsentgelt. Beides wird laut Anbieter vertraglich vereinbart. Wer das vor Vertragsabschluss vergleichen will, kann es nicht.

Bei den Bankkarten funktioniert Gebührenfreiheit anders, als viele erwarten: Eine Umsatzbedingung, wie sie aus Deutschland bekannt ist, gibt es in Österreich nicht. Stattdessen hängt die kostenlose Karte am Kontomodell - etwa an den größeren KontoBoxen der BAWAG oder an easy plus bei der easybank. Wer das Kontomodell wechselt, verliert die Karte oder zahlt für sie.

Für die Praxis heißt das: Ein Kartenvergleich, der nur das Jahresentgelt nebeneinanderstellt, vergleicht die unwichtigste Zeile. Entscheidend sind Sollzins, Fremdwährungsentgelt, Bargeldentgelt und die Frage, ob die Karte an ein Konto gebunden ist.

Debitkarte oder Kreditkarte

Seit die Bankomatkarten auf Debit Mastercard und Visa Debit umgestellt wurden, ist der Unterschied für Konsumenten schwerer zu erkennen - beide Karten tragen dasselbe Logo.

Rechtlich ist die Lage überraschend dünn: Eine Legaldefinition der Kreditkarte gibt es im österreichischen Zahlungsdienste- und Verbraucherkreditrecht nicht. Auch „Bankomatkarte” ist kein Rechtsbegriff. Selbst die Verordnung, die die Begriffe für Entgeltinformationen verbindlich festlegt, führt „Bereitstellung einer Debitkarte” - einen Eintrag „Kreditkarte” enthält sie nicht.

Das ändert sich mit dem neuen Verbraucherkreditgesetz. Es zieht die Grenze erstmals ausdrücklich und knüpft dabei an die Sache statt an den Namen: bei einem zinsfreien Zahlungsaufschub von bis zu 40 Tagen.

Der praktische Unterschied bleibt derselbe wie bisher: Bei der Debitkarte wird sofort vom Konto abgebucht, bei der Kreditkarte gesammelt und später abgerechnet. Wer eine Karte für Mietwagen oder Hotelkaution braucht, braucht deshalb in der Regel eine echte Kreditkarte - warum das so ist, steht auf der Seite zur Prepaid-Kreditkarte.

Eine Zahl zum Händlerentgelt, weil sie die Preisunterschiede erklärt: Die EU deckelt die Interbankenentgelte auf 0,2 Prozent bei Debitkarten und 0,3 Prozent bei Kreditkarten. Was ein Händler darüber hinaus zahlt, verhandelt er mit seinem Acquirer.

Prepaid: die dritte Variante

Prepaid-Karten sind streng genommen keine Kreditkarten, weil kein Kredit gewährt wird - man kann nur ausgeben, was aufgeladen ist. Sie haben dafür Entgeltposten, die sonst nirgends vorkommen: Aufladeentgelt, Rücktauschentgelt und ein Bereithaltungsentgelt für Restguthaben. Die Einzelheiten stehen auf der Seite zur Prepaid-Kreditkarte.

Worauf es beim Vergleich ankommt

  1. Welche Abrechnungsart? Charge oder revolvierend entscheidet, ob die Karte Zinsen kosten kann.
  2. Wie hoch ist der effektive Jahreszins? Er muss bei Teilzahlung angegeben werden. Fehlt er, fehlt eine Pflichtangabe.
  3. Was kostet Fremdwährung, und fällt zusätzlich ein Wechselkursaufschlag an? Bei mehreren Anbietern kumulieren zwei Positionen.
  4. Hängt die Karte an einem Kontomodell? Dann ist sie nur so lange kostenlos, wie Sie dieses Konto führen.
  5. Wer ist der Herausgeber? Davon hängt ab, welche Aufsicht zuständig ist und an welche Schlichtungsstelle Sie sich im Streitfall wenden.

Die Konditionen einzelner Anbieter stehen auf deren Seiten: American Express, TF Bank, bank99, DADAT, BAWAG und Bank Austria.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Charge Card und revolvierender Kreditkarte?

Die Oesterreichische Nationalbank grenzt es so ab: Bei der Charge Card wird der offene Betrag zum Fälligkeitstermin vollständig beglichen, bei der Revolving Card kann er in Raten abgezahlt werden. Wirtschaftlich ist die erste ein sehr kurzfristiger Kredit ohne Zinsen, die zweite ein laufender Kredit mit Zinsen zwischen 13 und über 25 Prozent effektiv.

Welche Kreditkarte ist wirklich kostenlos?

Ohne Jahresentgelt sind einzelne Karten tatsächlich zu haben, etwa die TF Mastercard Gold. Bezahlt wird dann an anderer Stelle: Bei ihr liegt der Sollzins bei 22,60 Prozent und der effektive Jahreszins bei 25,09 Prozent, sobald der Saldo nicht vollständig beglichen wird. Bei den Bankkarten ist die Gebührenfreiheit meist an ein bestimmtes Kontomodell gebunden, nicht an einen Mindestumsatz.

Wie lange habe ich Zeit, die Kreditkartenrechnung zu zahlen?

Sehr unterschiedlich. Eine Raiffeisenbank nennt drei Tage nach der Abrechnung, die Erste Bank zehn Tage nach dem 25. des Monats, die TF Bank bis zu 51 Tage bei vollständiger Zahlung. Die verbreitete Faustregel von bis zu acht Wochen zinsfreiem Zahlungsziel lässt sich für österreichische Karten nicht belegen.

Ist die Teilzahlung ein Kredit?

Ja. Sie ist ein entgeltlicher Zahlungsaufschub im Sinn des Verbraucherkreditgesetzes. Daraus folgen die Europäische Standardinformation, die Pflicht zur Angabe des effektiven Jahreszinses und ein Rücktrittsrecht von 14 Tagen. Mit 20. November 2026 gilt dafür das neue Verbraucherkreditgesetz 2026.

Wer gibt Kreditkarten in Österreich aus?

Überwiegend zwei Häuser: die card complete Service Bank AG und PayLife als Marke der BAWAG P.S.K. Dazu kommen American Express über eine spanische Zweigniederlassung sowie einzelne Auslandsanbieter. Manche Banken vermitteln nur, andere geben selbst aus - eine pauschale Aussage dazu ist nicht haltbar.

Sind Debitkarten inzwischen dasselbe wie Kreditkarten?

Rechtlich nicht, auch wenn beide heute Visa oder Mastercard tragen. Eine Legaldefinition der Kreditkarte gibt es im österreichischen Zahlungsdienste- und Verbraucherkreditrecht nicht. Das ab 20. November 2026 geltende Verbraucherkreditgesetz zieht die Grenze erstmals ausdrücklich: bei einem zinsfreien Zahlungsaufschub von bis zu 40 Tagen.