Freibeträge in Österreich: Werbungskostenpauschale, Behinderung, Veranlagungsfreibetrag
Ein Freibetrag mindert die Bemessungsgrundlage, seine Wirkung hängt am Grenzsteuersatz. Wichtige Beträge von 22 bis 46.400 Euro und der Freibetragsbescheid.
Ein Freibetrag von 1.000 Euro bringt bei einem Grenzsteuersatz von 20 Prozent 200 Euro, bei 48 Prozent 480 Euro, in der Nullzone gar nichts. Ein Freibetrag mindert die Bemessungsgrundlage, ein Absetzbetrag die Steuer selbst. Deshalb begünstigen Freibeträge höhere Einkommen stärker.
Die wichtigsten Freibeträge für Arbeitnehmer sind der Werbungskostenpauschbetrag von 132 Euro, der Veranlagungsfreibetrag von bis zu 730 Euro für Nebeneinkünfte und der Freibetrag bei Behinderung. Für Selbständige ist der Gewinnfreibetrag der größte Posten.
Eckdaten zu den Freibeträgen 2026
| Freibetrag | Höhe | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Werbungskostenpauschbetrag | 132 Euro | § 16 Abs. 3 EStG |
| Veranlagungsfreibetrag für Nebeneinkünfte | bis 730 Euro, null ab 1.460 Euro | § 39 Abs. 5 EStG |
| Freibetrag bei Behinderung | 124 bis 1.198 Euro | § 35 Abs. 3 EStG |
| Kapitalerträge ohne Sondersteuersatz | bis 22 Euro außer Ansatz | § 39 Abs. 1 EStG |
| Grundfreibetrag für Selbständige | 15 Prozent bis 33.000 Euro Gewinn, also bis 4.950 Euro | § 10 EStG |
| Gewinnfreibetrag gesamt | höchstens 46.400 Euro | § 10 EStG |
| Freibetragsbescheid | ab 90 Euro jährlichem Freibetrag | § 63 EStG |
Absetzbeträge wie der Verkehrsabsetzbetrag oder der Alleinverdienerabsetzbetrag stehen bei den Absetzbeträgen.
Wert eines Freibetrags nach Grenzsteuersatz
Was ein Freibetrag bringt, ist Freibetrag mal Grenzsteuersatz:
| Freibetrag | bei 20 Prozent | bei 30 Prozent | bei 40 Prozent | bei 48 Prozent |
|---|---|---|---|---|
| 132 Euro | 26,40 Euro | 39,60 Euro | 52,80 Euro | 63,36 Euro |
| 730 Euro | 146,00 Euro | 219,00 Euro | 292,00 Euro | 350,40 Euro |
| 1.198 Euro | 239,60 Euro | 359,40 Euro | 479,20 Euro | 575,04 Euro |
| 4.950 Euro | 990,00 Euro | 1.485,00 Euro | 1.980,00 Euro | 2.376,00 Euro |
Der Tarif 2026 beginnt bei 13.539 Euro mit 20 Prozent, ab 21.992 Euro gelten 30, ab 36.458 Euro 40 und ab 70.365 Euro 48 Prozent. Wer mit seinem Einkommen in der Nullzone bleibt, hat von einem Freibetrag nichts, weil keine Steuer anfällt, die sich mindern ließe.
Werbungskostenpauschbetrag: 132 Euro ohne Nachweis
Nach § 16 Abs. 3 EStG werden bei Lohneinkünften 132 Euro im Jahr ohne Nachweis als Werbungskosten abgezogen, schon bei der monatlichen Lohnsteuer. Zwei Einschränkungen:
- Er steht nicht zu, wenn die Einkünfte den Anspruch auf den Pensionistenabsetzbetrag begründen.
- Der Abzug darf nicht zu einem Verlust aus nichtselbständiger Arbeit führen.
Wer Werbungskosten nachweist, gewinnt deshalb erst oberhalb von 132 Euro etwas: Bei 400 Euro nachgewiesenen Kosten sind es 268 Euro zusätzlich. Ohne Anrechnung auf den Pauschbetrag werden dagegen Sozialversicherungs- und Kammerbeiträge, Gewerkschaftsbeiträge, das Pendlerpauschale sowie Telearbeitspauschale und Homeoffice-Möbel abgezogen. Einzelheiten bei den Werbungskosten.
Veranlagungsfreibetrag: Nebeneinkünfte bis 730 Euro steuerfrei
Die 730 Euro haben zwei Funktionen. Nach § 41 Abs. 1 Z 1 EStG muss eine Steuererklärung abgeben, wer neben Lohn oder Pension andere Einkünfte über 730 Euro bezogen hat, etwa aus Vermietung, einem Werkvertrag oder einer selbständigen Nebentätigkeit.
Zugleich sind diese Nebeneinkünfte nach § 39 Abs. 5 EStG bis 730 Euro steuerfrei. Darüber schleift der Freibetrag ein: Er vermindert sich um den Betrag, um den die anderen Einkünfte 730 Euro übersteigen.
| Andere Einkünfte | Veranlagungsfreibetrag | zu versteuern |
|---|---|---|
| 500 Euro | 500 Euro | 0 Euro |
| 730 Euro | 730 Euro | 0 Euro |
| 1.000 Euro | 460 Euro | 540 Euro |
| 1.460 Euro und mehr | 0 Euro | alles |
Für Kapitalerträge mit dem Sondersteuersatz von 27,5 oder 25 Prozent gilt der Freibetrag nicht. Wer zwei Dienstverhältnisse oder Lohn und Pension zugleich hat, muss nach § 41 Abs. 1 Z 2 ebenfalls eine Erklärung abgeben, daraus folgt meist eine Nachzahlung, siehe Lohnsteuer.
Freibetrag bei Behinderung nach § 35 EStG
§ 35 Abs. 3 EStG gewährt einen jährlichen Freibetrag nach dem Ausmaß der Minderung der Erwerbsfähigkeit:
| Minderung der Erwerbsfähigkeit (Grad der Behinderung) | Freibetrag pro Jahr |
|---|---|
| 25 bis 34 Prozent | 124 Euro |
| 35 bis 44 Prozent | 164 Euro |
| 45 bis 54 Prozent | 401 Euro |
| 55 bis 64 Prozent | 486 Euro |
| 65 bis 74 Prozent | 599 Euro |
| 75 bis 84 Prozent | 718 Euro |
| 85 bis 94 Prozent | 837 Euro |
| ab 95 Prozent | 1.198 Euro |
Statt des Freibetrags können auch die tatsächlichen Kosten der Behinderung abgesetzt werden, wenn sie höher sind. Haben mehrere Personen Anspruch auf denselben Freibetrag, etwa Eltern für ein Kind, wird er im Verhältnis der Kostentragung aufgeteilt. Bei mehreren Arbeitgebern steht er nur einmal zu. Weitere Kosten stehen bei den außergewöhnlichen Belastungen.
Gewinnfreibetrag für Selbständige
Für betriebliche Einkünfte ist der Gewinnfreibetrag nach § 10 EStG der größte Freibetrag. Der Grundfreibetrag beträgt 15 Prozent des Gewinns bis 33.000 Euro, also bis zu 4.950 Euro, ohne jede Investition. Darüber steht ein investitionsbedingter Gewinnfreibetrag zu, gestaffelt und nur gegen Anschaffung begünstigter Wirtschaftsgüter, insgesamt höchstens 46.400 Euro. Einzelheiten beim Gewinnfreibetrag.
Freibetragsbescheid: Entlastung schon beim Lohn
Wer jedes Jahr hohe Werbungskosten, Sonderausgaben oder Kosten einer Behinderung hat, muss nicht bis zur Veranlagung warten. Nach § 63 EStG erlässt das Finanzamt auf Antrag gemeinsam mit dem Veranlagungsbescheid einen Freibetragsbescheid für das zweitfolgende Jahr. Mit der Veranlagung 2024 gilt er also für 2026, auf Basis der Beträge von 2024.
Der Arbeitgeber berücksichtigt den Freibetrag dann bei der monatlichen Lohnsteuer, das Netto steigt, die spätere Gutschrift sinkt. Erlassen wird er nur bei einem Freibetrag von mindestens 90 Euro im Jahr und nicht mehr nach dem 30. November des betreffenden Jahres. Wurde ein Freibetrag berücksichtigt, ist für dieses Jahr eine Veranlagung verpflichtend. Sinken die Kosten, sollte man ihn herabsetzen lassen, sonst folgt eine Nachzahlung.
Quellen
Abgerufen am 14.10.2026.
- § 16 EStG im RIS, Abs. 3 Werbungskostenpauschbetrag
- § 35 EStG im RIS, Freibeträge bei Behinderung
- § 39 EStG im RIS, Abs. 1 Kapitalerträge bis 22 Euro, Abs. 5 Veranlagungsfreibetrag
- § 41 EStG im RIS, Pflichtveranlagung
- § 63 EStG im RIS, Freibetragsbescheid
- § 10 EStG im RIS, Gewinnfreibetrag
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Freibetrag und Absetzbetrag?
Ein Freibetrag mindert die Bemessungsgrundlage, seine Wirkung entspricht dem Grenzsteuersatz. Ein Absetzbetrag mindert die Steuer selbst und wirkt bei allen gleich. 100 Euro Freibetrag bringen bei 30 Prozent 30 Euro, 100 Euro Absetzbetrag immer 100 Euro.
Wie hoch ist der Werbungskostenpauschbetrag?
132 Euro im Jahr nach § 16 Abs. 3 EStG. Er wird ohne Nachweis abgezogen, steht aber nicht zu, wenn die Einkünfte den Anspruch auf den Pensionistenabsetzbetrag begründen.
Wie hoch ist der Freibetrag bei einer Behinderung?
Er ist nach dem Grad der Behinderung gestaffelt und reicht von 124 Euro bei 25 bis 34 Prozent bis 1.198 Euro ab 95 Prozent. Statt des Freibetrags können auch die tatsächlichen Kosten der Behinderung abgesetzt werden.
Was ist der Veranlagungsfreibetrag?
Wer Lohneinkünfte hat, muss andere Einkünfte bis 730 Euro im Jahr nicht versteuern. Darüber schleift der Freibetrag ein und fällt bei 1.460 Euro anderen Einkünften ganz weg. Für Kapitalerträge mit Sondersteuersatz gilt er nicht.
Kann ich Freibeträge schon während des Jahres berücksichtigen lassen?
Ja, mit einem Freibetragsbescheid. Das Finanzamt erlässt ihn auf Antrag gemeinsam mit dem Veranlagungsbescheid für das zweitfolgende Jahr, wenn Werbungskosten, bestimmte Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen oder Freibeträge wegen Behinderung berücksichtigt wurden und der Betrag mindestens 90 Euro erreicht.
Wann muss ich wegen Nebeneinkünften eine Steuererklärung abgeben?
Wenn Sie neben Lohn oder Pension andere Einkünfte von mehr als 730 Euro im Jahr hatten, etwa aus Vermietung oder einem Werkvertrag. Dann besteht nach § 41 Abs. 1 Z 1 EStG Pflichtveranlagung.
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