Negativsteuer: SV-Rückerstattung, SV-Bonus und Kindermehrbetrag

Wer keine Lohnsteuer zahlt, bekommt bis zu 496 Euro, mit SV-Bonus bis 1.300 Euro zurück. Beträge 2026 und 2027, Rechenbeispiele und wann es automatisch kommt.

Wer 2026 weniger als 13.539 Euro Einkommen hat, zahlt keine Einkommensteuer, bekommt vom Finanzamt aber trotzdem Geld zurück: bis zu 496 Euro, mit SV-Bonus bis zu 1.300 Euro. Erstattet wird nicht Lohnsteuer, sondern ein Teil der Sozialversicherungsbeiträge, die vom Lohn abgezogen wurden.

Im Gesetz heißt das SV-Rückerstattung. Dazu kommen zwei weitere Auszahlungen, der Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag und der Kindermehrbetrag. Alle drei gibt es nur über die Arbeitnehmerveranlagung, die das Finanzamt in vielen Fällen von selbst durchführt.

Eckdaten zur Negativsteuer 2026

Punkt20262027
SV-Rückerstattung Arbeitnehmer55 Prozent, höchstens 496 Eurohöchstens 508 Euro
mit Pendlerpauschalehöchstens 750 Eurohöchstens 767 Euro
SV-Bonus zusätzlichbis 804 Eurobis 823 Euro
SV-Rückerstattung Pensionisten80 Prozent, höchstens 723 Eurohöchstens 740 Euro
Kindermehrbetragbis 700 Euro je Kindbis 700 Euro je Kind
Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetragbis 612 Euro bei einem Kindbis 626 Euro
antragslose Veranlagungab Juli des Folgejahres, Gutschrift mindestens 5 Euro
Antrag rückwirkendfünf Jahre

SV-Rückerstattung für Arbeitnehmer nach § 33 Abs. 8 EStG

Die Erstattung setzt voraus, dass sich nach Abzug aller Absetzbeträge eine Einkommensteuer unter null ergibt. Wer Anspruch auf den Verkehrsabsetzbetrag hat, also in einem aktiven Dienstverhältnis steht, bekommt nach § 33 Abs. 8 Z 2 EStG 55 Prozent zurück von:

  • den Pflichtbeiträgen zur Sozialversicherung,
  • der Arbeiterkammerumlage und anderen Pflichtbeiträgen an Interessenvertretungen, ohne Betriebsratsumlage,
  • dem Wohnbauförderungsbeitrag.
FallHöchstbetrag 2026
Grundfall496 Euro
mit Anspruch auf Pendlerpauschale750 Euro
mit Anspruch auf den Zuschlag zum VerkehrsabsetzbetragHöchstbetrag plus 804 Euro (SV-Bonus)

Der SV-Bonus hängt am Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag. Er steht bei einem Einkommen bis 19.761 Euro voll zu und schleift bis 30.259 Euro auf null ein. Mit ihm steigt der mögliche Betrag von 496 auf 1.300 Euro, mit Pendlerpauschale auf 1.554 Euro.

Rechenbeispiele

Wie viel tatsächlich zurückkommt, hängt von den gezahlten Beiträgen ab. Die Erstattung ist die kleinere von zwei Zahlen: 55 Prozent der Beiträge oder der Höchstbetrag.

Gezahlte Beiträge im Jahr55 Prozentohne SV-Bonusmit vollem SV-Bonus
600 Euro330 Euro330 Euro330 Euro
1.200 Euro660 Euro496 Euro660 Euro
2.000 Euro1.100 Euro496 Euro1.100 Euro
3.000 Euro1.650 Euro496 Euro1.300 Euro

Die gezahlten Beiträge stehen auf dem Jahreslohnzettel. Ob jemand in einem Jahr nur teilweise unter die Steuergrenze fällt, entscheidet die Veranlagung selbst: Die Erstattung ist mit der Einkommensteuer unter null begrenzt.

SV-Rückerstattung für Pensionisten

Wer Anspruch auf den Pensionistenabsetzbetrag hat, bekommt nach § 33 Abs. 8 Z 3 EStG 80 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge zurück, im Wesentlichen also der Krankenversicherungsbeiträge, höchstens 723 Euro im Jahr. Die Erstattung vermindert sich um steuerfreie Ausgleichszulagen. Wer eine Ausgleichszulage bezieht, bekommt deshalb meist wenig oder nichts.

Alleinverdienerabsetzbetrag und Kindermehrbetrag

Zwei weitere Auszahlungen betreffen Eltern mit niedrigem Einkommen:

  • Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag. Soweit er die Steuer übersteigt, wird er ausgezahlt, bei einem Kind bis zu 612 Euro, bei zwei Kindern bis zu 828 Euro.
  • Kindermehrbetrag nach § 33 Abs. 7 EStG. Liegt die Einkommensteuer unter 700 Euro, wird die Differenz auf 700 Euro je Kind ausgezahlt. Voraussetzung ist, dass der Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag zusteht oder auch der Partner weniger als 700 Euro Steuer zahlt; dann bekommt ihn der Elternteil, der die Familienbeihilfe bezieht. Nötig sind Einkünfte an mindestens 30 Tagen im Jahr oder ganzjährig Kinderbetreuungsgeld, Wochengeld oder Pflegekarenzgeld.

Der Familienbonus Plus wird dagegen nicht ausgezahlt, er kann die Steuer nur auf null senken. Alle Absetzbeträge im Überblick stehen bei den Absetzbeträgen.

Antragslose Arbeitnehmerveranlagung oder eigener Antrag

Nach § 41 Abs. 2a EStG veranlagt das Finanzamt von Amts wegen, wenn bis Ende Juni keine Erklärung für das Vorjahr eingereicht wurde und drei Bedingungen erfüllt sind:

  • Es liegen voraussichtlich nur lohnsteuerpflichtige Einkünfte vor.
  • Es ergibt sich eine Gutschrift von mindestens fünf Euro.
  • Es ist nicht anzunehmen, dass die Gutschrift höher wäre, als die übermittelten Daten ergeben.

Ist bis zum Ende des zweiten Folgejahres keine Erklärung eingegangen, wird jedenfalls antragslos veranlagt, wenn sich eine Gutschrift ergibt.

Der eigene Antrag über FinanzOnline ist trotzdem sinnvoll, wenn das Finanzamt nicht alles kennt: Werbungskosten, ein nicht gemeldetes Pendlerpauschale oder der Alleinverdienerabsetzbetrag fließen nur so ein. Ein Antrag ersetzt einen bereits ergangenen antragslosen Bescheid. Möglich ist er fünf Jahre rückwirkend, der Ablauf steht beim Lohnsteuerausgleich.

Wer typischerweise Anspruch hat

Die Erstattung trifft Menschen mit geringem Jahreseinkommen, die trotzdem voll sozialversichert sind:

  • Teilzeitbeschäftigte mit wenigen Wochenstunden
  • Ferial- und Nebenjobs über der Geringfügigkeitsgrenze, etwa von Studierenden
  • Wer erst im Lauf des Jahres zu arbeiten beginnt, etwa nach der Ausbildung
  • Jahre mit Karenz, längerer Arbeitslosigkeit oder Krankenstand
  • kleine Pensionen unter der Steuergrenze

Bei einer geringfügigen Beschäftigung fallen dagegen keine Pflichtbeiträge des Arbeitnehmers an, es gibt also nichts zu erstatten. Die Negativsteuer ist auch keine Sozialleistung: Wer keine Beiträge gezahlt hat, bekommt nichts zurück.

Quellen

Abgerufen am 14.10.2026.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Negativsteuer?

Eine Auszahlung des Finanzamts an Personen, deren Einkommensteuer nach Abzug der Absetzbeträge unter null liegt. Rechtlich heißt sie SV-Rückerstattung und beruht auf § 33 Abs. 8 EStG. Erstattet wird ein Teil der gezahlten Sozialversicherungsbeiträge.

Wie hoch ist die SV-Rückerstattung 2026?

Für Arbeitnehmer 55 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge, höchstens 496 Euro, mit Pendlerpauschale höchstens 750 Euro. Bei Einkommen bis 19.761 Euro erhöht sich der Höchstbetrag um den SV-Bonus von 804 Euro. Pensionisten bekommen 80 Prozent der Beiträge, höchstens 723 Euro.

Bekomme ich die Negativsteuer automatisch?

Oft ja. Wer nur lohnsteuerpflichtige Einkünfte hat und bis Ende Juni keine Arbeitnehmerveranlagung einreicht, wird antragslos veranlagt, wenn sich eine Gutschrift von mindestens fünf Euro ergibt. Werbungskosten oder Sonderausgaben, die das Finanzamt nicht kennt, bringt nur der eigene Antrag.

Was ist der Kindermehrbetrag?

Eine Auszahlung von bis zu 700 Euro je Kind für Eltern, die weniger als 700 Euro Einkommensteuer zahlen. Voraussetzung ist der Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag oder dass auch der Partner unter 700 Euro Steuer bleibt.

Wie lange kann ich rückwirkend beantragen?

Fünf Jahre. Eine Arbeitnehmerveranlagung für 2021 ist damit noch bis Ende 2026 möglich. Jedes Jahr wird für sich beantragt und beschieden.

Bekommen geringfügig Beschäftigte eine SV-Rückerstattung?

In der Regel nicht, weil bei einer geringfügigen Beschäftigung keine Pflichtbeiträge des Arbeitnehmers anfallen. Erstattet werden nur Beiträge, die tatsächlich gezahlt wurden.

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