Negativsteuer: Geld vom Finanzamt ohne Steuer gezahlt zu haben

Wer unter der Steuergrenze verdient, bekommt trotzdem etwas zurück - über die SV-Rückerstattung. Die Beträge für 2026 und wie man sie bekommt.

Stand: 03. September 2026 9 Min. Lesezeit

Wer im Jahr unter 13.539 Euro verdient, zahlt keine Einkommensteuer. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass genau diese Gruppe trotzdem Geld vom Finanzamt bekommen kann - und zwar nur auf Antrag.

Der Mechanismus heißt im Gesetz nicht Negativsteuer, sondern SV-Rückerstattung. Erstattet wird nicht gezahlte Lohnsteuer, sondern ein Teil der gezahlten Sozialversicherungsbeiträge.

Die Rechtsgrundlage

§ 33 Abs 8 EStG knüpft an denselben Ausgangspunkt an: Ergibt die Steuerberechnung „eine Einkommensteuer unter null”, greifen drei Erstattungstatbestände.

Ziffer 1 - Alleinverdienende und Alleinerziehende. Der entsprechende Absetzbetrag ist insoweit zu erstatten, als er sich steuerlich nicht ausgewirkt hat. Bei einem Kind sind das bis zu 612 Euro, bei zwei Kindern bis zu 828 Euro.

Ziffer 2 - Arbeitnehmer. Wer Anspruch auf den Verkehrsabsetzbetrag hat, bekommt 55 Prozent bestimmter Werbungskosten zurück - im Wesentlichen die Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung:

FallHöchstbetrag
Grundfall496 Euro
mit Anspruch auf Pendlerpauschale750 Euro
zusätzlich bei Anspruch auf den Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag+ 804 Euro (SV-Bonus)

Ziffer 3 - Pensionisten. Für sie gelten 80 Prozent der Werbungskosten nach § 16 Abs 1 Z 4 EStG, höchstens jedoch 723 Euro jährlich. Die Rückerstattung vermindert sich um steuerfreie Zulagen nach § 3 Abs 1 Z 4 lit. f.

Der SV-Bonus in Ziffer 2 ist der Posten, der am häufigsten übersehen wird. Er verdoppelt den möglichen Betrag beinahe - und er hängt am Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag, der bis zu einem Einkommen von 19.761 Euro zusteht und bis 30.259 Euro einschleifend ausläuft.

Wer typischerweise betroffen ist

Die Konstellationen ähneln einander: geringes Jahreseinkommen bei laufender Sozialversicherungspflicht.

  • Teilzeitbeschäftigte mit wenigen Wochenstunden
  • Ferial- und Nebenjobs, insbesondere von Studierenden
  • Unterjähriger Beginn eines Dienstverhältnisses, etwa nach der Ausbildung
  • Karenz oder längere Krankenstände, die das Jahreseinkommen drücken
  • Kleine Pensionen unterhalb der Steuergrenze

Nicht erfasst sind geringfügig Beschäftigte ohne Vollversicherung - dort fallen keine Pflichtbeiträge an, die erstattet werden könnten. Wer sich freiwillig selbstversichert, sollte den konkreten Fall prüfen lassen.

Automatisch oder auf Antrag

Das Finanzamt führt seit einigen Jahren eine antragslose Arbeitnehmerveranlagung durch: Liegt für ein Jahr nur ein Lohnzettel vor, ergibt sich eine Gutschrift und ist bis zum 30. Juni des Folgejahres kein Antrag eingegangen, wird von selbst veranlagt.

Verlassen sollte man sich darauf nicht. Die antragslose Veranlagung unterbleibt unter anderem, wenn mehrere Bezüge vorliegen, wenn Anhaltspunkte für weitere abzugsfähige Ausgaben bestehen oder wenn dem Finanzamt die Bankverbindung fehlt.

Der eigene Antrag ist deshalb der sichere Weg - und er ist der einzige, wenn zusätzlich Werbungskosten oder Sonderausgaben geltend gemacht werden sollen. Eingereicht wird über FinanzOnline; der Ablauf steht beim Lohnsteuerausgleich.

Fünf Jahre rückwirkend ist die Antragsveranlagung möglich. Wer bisher nie eingereicht hat, kann damit mehrere Jahre gleichzeitig nachholen - jedes Jahr wird für sich beantragt und beschieden.

Was die Erstattung nicht ist

Zwei Abgrenzungen ersparen Enttäuschungen.

Die Negativsteuer ist keine Sozialleistung. Sie setzt voraus, dass Sozialversicherungsbeiträge gezahlt wurden, und sie bemisst sich an deren Höhe. Wer nichts einbezahlt hat, bekommt nichts zurück.

Und sie ist nicht der Familienbonus Plus. Dieser kann die Steuer auf null senken, aber nicht darunter - er ist in dieser Weise nicht erstattungsfähig. Die Abgrenzung der beiden Systeme steht beim Familienbonus Plus, die vollständige Übersicht aller Absetzbeträge bei den Absetzbeträgen.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Negativsteuer?

Eine Erstattung vom Finanzamt an Personen, deren berechnete Einkommensteuer unter null liegt. Sie beruht auf Paragraf 33 Absatz 8 EStG und wird auch dann ausgezahlt, wenn im ganzen Jahr keine Lohnsteuer angefallen ist.

Wie hoch ist die SV-Rückerstattung 2026?

Für Arbeitnehmer 55 Prozent bestimmter Werbungskosten, höchstens 496 Euro. Bei Anspruch auf ein Pendlerpauschale sind es höchstens 750 Euro. Kommt der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag dazu, erhöht sich der Höchstbetrag um 804 Euro.

Was gilt für Pensionisten?

Für sie sind 80 Prozent der Werbungskosten nach Paragraf 16 Absatz 1 Ziffer 4 EStG rückzuerstatten, höchstens jedoch 723 Euro jährlich. Der Betrag vermindert sich um bestimmte steuerfreie Zulagen.

Bekomme ich die Negativsteuer automatisch?

Teilweise. Die antragslose Arbeitnehmerveranlagung erfasst viele Fälle, greift aber nicht immer - etwa nicht, wenn Angaben fehlen oder mehrere Bezüge vorliegen. Sicher ist nur der eigene Antrag.

Wie lange kann ich rückwirkend beantragen?

Fünf Jahre. Eine Antragsveranlagung für 2021 ist damit noch bis Ende 2026 möglich. Wer mehrere Jahre versäumt hat, kann sie einzeln nachholen.

Wird auch der Alleinverdienerabsetzbetrag ausgezahlt?

Ja. Ergibt sich eine Einkommensteuer unter null, ist der Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag nach Paragraf 33 Absatz 8 Ziffer 1 EStG insoweit zu erstatten - unabhängig von der SV-Rückerstattung.