Weihnachtsgeld in Österreich: Steuer, Sozialversicherung und Jahressechstel
Wie viel vom Weihnachtsgeld netto bleibt: 17,07 Prozent Sozialversicherung, 6 Prozent Lohnsteuer im Jahressechstel. Rechenbeispiel, Kontrollsechstel, Prämien.
Von 3.500 Euro Weihnachtsgeld bleiben netto rund 2.728 Euro. Abgezogen werden 17,07 Prozent Sozialversicherung und 6 Prozent Lohnsteuer, weit weniger als beim laufenden Gehalt. Möglich macht das das Jahressechstel: Sonderzahlungen werden bis zu einem Sechstel der laufenden Bezüge mit festen, niedrigen Sätzen besteuert.
Der Rahmen ist allerdings knapp bemessen. Urlaubs- und Weihnachtsgeld füllen ihn bei gleichbleibendem Gehalt genau aus, jede Prämie darüber hinaus kostet den vollen Tarifsatz.
Eckdaten zum Weihnachtsgeld 2026
| Punkt | Regel |
|---|---|
| Sozialversicherung | 17,07 Prozent für Arbeiter und Angestellte |
| Höchstbeitragsgrundlage Sonderzahlungen | 13.860 Euro im Jahr |
| Lohnsteuer | erste 620 Euro frei, dann 6 Prozent bis 25.000 Euro |
| Obergrenze | Jahressechstel, bei gleichem Gehalt zwei Monatsbezüge |
| Freigrenze | Jahressechstel bis 2.615 Euro: keine Lohnsteuer |
| Kontrolle zum Jahresende | Kontrollsechstel nach § 77 Abs. 4a EStG |
| Mitarbeiterprämie 2026 | bis 500 Euro steuerfrei, Juli bis Dezember, nur mit Kollektivvertrag |
| Rechtsanspruch | aus Kollektivvertrag oder Vertrag, nicht aus dem Gesetz |
Weihnachtsgeld netto: Rechenbeispiel
Eine Angestellte verdient 3.500 Euro brutto im Monat und bekommt im November 3.500 Euro Weihnachtsgeld. Das Urlaubsgeld im Sommer hat den Freibetrag von 620 Euro bereits verbraucht:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Weihnachtsgeld brutto | 3.500,00 Euro |
| Sozialversicherung 17,07 Prozent | minus 597,45 Euro |
| Bemessungsgrundlage für die Lohnsteuer | 2.902,55 Euro |
| Lohnsteuer 6 Prozent | minus 174,15 Euro |
| Weihnachtsgeld netto | 2.728,40 Euro |
Ist das Weihnachtsgeld die erste Sonderzahlung des Jahres, bleiben die ersten 620 Euro steuerfrei. Die Lohnsteuer sinkt dann auf 136,95 Euro, netto bleiben 2.765,60 Euro.
Lohnsteuer im Jahressechstel nach § 67 EStG
§ 67 Abs. 1 EStG besteuert sonstige Bezüge wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld nach Abzug der darauf entfallenden Sozialversicherung mit festen Sätzen:
| Betrag innerhalb des Jahressechstels | Steuersatz |
|---|---|
| die ersten 620 Euro | 0 Prozent |
| die nächsten 24.380 Euro | 6 Prozent |
| die nächsten 25.000 Euro | 27 Prozent |
| die nächsten 33.333 Euro | 35,75 Prozent |
Die Stufen gelten für alle Sonderzahlungen eines Jahres zusammen, nicht für jede einzeln. Der Freibetrag von 620 Euro steht deshalb nur einmal im Jahr zu.
Beträgt das Jahressechstel höchstens 2.615 Euro (2027: 2.675 Euro), fällt auf die Sonderzahlungen gar keine Lohnsteuer an. Das ist eine Freigrenze, kein Freibetrag: Liegt das Sechstel einen Euro darüber, wird ganz normal mit den festen Sätzen besteuert. Sie betrifft Teilzeitkräfte mit einem Monatsbezug bis etwa 1.300 Euro.
Jahressechstel und Kontrollsechstel
Das Jahressechstel ist nach § 67 Abs. 2 ein Sechstel der im Kalenderjahr bereits zugeflossenen, auf das ganze Jahr umgerechneten laufenden Bezüge. Bei 3.500 Euro im Monat sind das 42.000 Euro geteilt durch sechs, also 7.000 Euro. Urlaubs- und Weihnachtsgeld zusammen schöpfen das genau aus.
Weil das Sechstel bei jeder Auszahlung hochgerechnet wird, könnte eine früh im Jahr gezahlte Sonderzahlung mehr begünstigen, als am Ende tatsächlich verdient wurde. Dagegen wirkt das Kontrollsechstel nach § 77 Abs. 4a EStG: Mit dem letzten Gehalt des Jahres ermittelt der Arbeitgeber ein Sechstel der tatsächlich zugeflossenen laufenden Bezüge. Wurde mehr mit den festen Sätzen besteuert, versteuert er den Überhang nachträglich nach dem Tarif.
Ausgenommen sind Jahre mit bestimmten Unterbrechungen. Das Kontrollsechstel wird nicht angewendet bei:
- Elternkarenz
- Krankengeld oder Rehabilitationsgeld
- Pflegekarenz, Pflegeteilzeit, Familienhospizkarenz
- Wiedereingliederungsteilzeit, Altersteilzeit oder Teilpension
- Grundwehr- oder Zivildienst
- Ende des Dienstverhältnisses ohne neues beim selben Arbeitgeber oder Konzern
Wer etwa wegen Karenz einige Monate kein Gehalt bezogen hat, verliert die Begünstigung für die volle Sonderzahlung deshalb nicht.
Prämien und Boni über dem Jahressechstel
Ist das Sechstel durch Urlaubs- und Weihnachtsgeld ausgeschöpft, wird jede weitere Sonderzahlung nach § 67 Abs. 10 im Auszahlungsmonat wie laufender Bezug besteuert. Bei 3.500 Euro Monatsbrutto liegt der Grenzsteuersatz bei 30 Prozent:
| Prämie 3.000 Euro brutto | innerhalb des Sechstels | über dem Sechstel |
|---|---|---|
| Sozialversicherung 17,07 Prozent | 512,10 Euro | 512,10 Euro |
| Lohnsteuer | 6 Prozent: 149,27 Euro | 30 Prozent: 746,37 Euro |
| netto | 2.338,63 Euro | 1.741,53 Euro |
Der Unterschied von knapp 600 Euro entsteht allein dadurch, dass das Sechstel schon voll ist. Eine Erhöhung des laufenden Gehalts hebt dagegen auch das Sechstel.
Für das zweite Halbjahr 2026 gibt es eine Ausnahme: Eine Mitarbeiterprämie, die von Juli bis Dezember 2026 zusätzlich gezahlt wird, ist nach Angaben der WKO bis 500 Euro steuerfrei, wenn sie auf einem Kollektivvertrag oder einer darauf gestützten Betriebsvereinbarung beruht. Sie zählt nicht zum Jahressechstel. Eine Zahlung, die bisher üblich war, lässt sich nicht in eine solche Prämie umwidmen.
Sachgeschenke und die Weihnachtsfeier bleiben dagegen bis 186 und 365 Euro je Mitarbeiter steuerfrei.
Sozialversicherung auf Sonderzahlungen
Auf Sonderzahlungen fallen nach der ÖGK Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung an, für Arbeiter und Angestellte zusammen 17,07 Prozent. Arbeiterkammerumlage und Wohnbauförderungsbeitrag entfallen, deshalb liegt der Satz einen Prozentpunkt unter jenem auf das laufende Gehalt.
Beitragspflichtig sind Sonderzahlungen bis zur Höchstbeitragsgrundlage von 13.860 Euro im Jahr 2026, das Doppelte der monatlichen Höchstbeitragsgrundlage von 6.930 Euro. Was darüber liegt, ist beitragsfrei. Bei mehreren Dienstgebern werden die Sonderzahlungen dafür zusammengerechnet; zu viel gezahlte Beiträge erstattet die Sozialversicherung. Steuerlich rechnet dagegen jeder Arbeitgeber sein eigenes Jahressechstel. Mehr zu den Beiträgen bei der Sozialversicherung.
Anspruch auf Weihnachtsgeld
Ein Gesetz, das Weihnachtsgeld vorschreibt, gibt es für die Privatwirtschaft nicht. Der Anspruch steht in aller Regel im Kollektivvertrag, der Höhe, Fälligkeit und die Aliquotierung bei Ein- oder Austritt im Lauf des Jahres regelt. Ohne Kollektivvertrag kann er sich aus dem Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung ergeben. Das Gegenstück im Sommer ist das Urlaubsgeld, die Besteuerung des laufenden Gehalts erklärt die Lohnsteuer.
Quellen
Abgerufen am 14.10.2026.
- § 67 EStG im RIS, sonstige Bezüge, Jahressechstel, Freigrenze, Wert 2027 in den Anmerkungen
- § 77 EStG im RIS, Abs. 4a Kontrollsechstel
- ÖGK: Sonderzahlungen, Höchstbeitragsgrundlage 13.860 Euro, Stand 01.01.2026
- ÖGK: Höchstbeitragsgrundlagen, 6.930 Euro monatlich
- WKO: Mitarbeiterprämie 2026
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Weihnachtsgeld bleibt netto?
Bei 3.500 Euro brutto rund 2.728 Euro, wenn der Freibetrag von 620 Euro schon beim Urlaubsgeld verbraucht wurde. Abgezogen werden 17,07 Prozent Sozialversicherung und 6 Prozent Lohnsteuer auf den Rest.
Wie wird das Weihnachtsgeld besteuert?
Innerhalb des Jahressechstels mit festen Sätzen: die ersten 620 Euro aller Sonderzahlungen eines Jahres steuerfrei, die nächsten 24.380 Euro mit 6 Prozent, danach 27 und 35,75 Prozent. Was über das Jahressechstel hinausgeht, wird nach dem Tarif besteuert.
Was ist das Jahressechstel?
Ein Sechstel der im Jahr bereits zugeflossenen, auf das ganze Jahr umgerechneten laufenden Bezüge. Bei gleichbleibendem Gehalt sind das genau zwei Monatsgehälter, also Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Was passiert bei einer Prämie zusätzlich zum 13. und 14. Gehalt?
Ist das Jahressechstel durch Urlaubs- und Weihnachtsgeld ausgeschöpft, wird die Prämie nach dem Tarif besteuert, bei 3.500 Euro Monatsbrutto mit 30 statt 6 Prozent. Eine Mitarbeiterprämie nach Kollektivvertrag ist von Juli bis Dezember 2026 bis 500 Euro steuerfrei.
Fallen auf das Weihnachtsgeld Sozialversicherungsbeiträge an?
Ja, 17,07 Prozent für Arbeiter und Angestellte, bis zur Höchstbeitragsgrundlage für Sonderzahlungen von 13.860 Euro im Jahr 2026. Arbeiterkammerumlage und Wohnbauförderungsbeitrag entfallen.
Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Weihnachtsgeld?
Nein, kein Gesetz schreibt es vor. Der Anspruch ergibt sich in der Regel aus dem Kollektivvertrag, sonst aus dem Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung.
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