Copy-Trading: Rechtsstellung, Schutzrechte und Steuer

Warum automatisches Kopieren nach Auffassung der ESMA Portfolioverwaltung ist, welche Schutzrechte daran hängen und wie die Gewinne besteuert werden.

Aktualisiert: 17. August 2026 7 Min. Lesezeit

Beim Copy-Trading übernehmen Sie die Handelsentscheidungen anderer Nutzer automatisch in Ihr eigenes Depot. Das wirkt wie eine Komfortfunktion. Rechtlich ist es nach Auffassung der europäischen Wertpapieraufsicht etwas anderes - und daran hängt, welche Schutzrechte Sie haben.

Was die Aufsicht dazu sagt

Die ESMA hat sich 2023 in einer Aufsichtsmitteilung an die nationalen Behörden festgelegt: Wird eine Order automatisch und ohne Ihr Zutun ausgeführt, sobald der kopierte Trader handelt, dann liegt Portfolioverwaltung im Sinne der MiFID II vor. Die Aktivierung der Kopierfunktion sei das Mandat, das Sie erteilen.

Portfolioverwaltung ist konzessionspflichtig. Erfordert das Modell dagegen vor jeder einzelnen Transaktion eine Handlung von Ihnen, kommen Anlageberatung oder die bloße Annahme und Übermittlung von Aufträgen in Betracht.

Für eine bestimmte Konstellation wird die ESMA deutlicher: Ist ein einziger Anbieter beteiligt und hat dieser eine direkte Verbindung zu den kopierten Tradern, dann erscheint es ihr sehr unwahrscheinlich, dass er nur Auftragsausführung erbringt. Beide Bedingungen müssen zusammentreffen.

Ein weiterer Punkt betrifft die kopierten Trader selbst: Die ESMA hält es für möglich, dass deren Veröffentlichung von Trades ihrerseits Anlageberatung darstellt - mit den Pflichten, die daran hängen.

Zwei Einschränkungen gehören dazu: Die Mitteilung ist nicht bindend und schafft kein neues Recht. Sie beschreibt, wie die Aufsichtsbehörden die bestehenden Regeln anwenden sollen.

Warum die Einstufung für Sie zählt

Der Unterschied ist kein juristisches Detail, sondern entscheidet über die Prüfung, die der Anbieter vornehmen muss.

EinstufungPrüfpflicht des Anbieters
Portfolioverwaltung, AnlageberatungGeeignetheitsprüfung nach Paragraf 56 WAG 2018: Passt das Produkt zu Ihren Zielen, Kenntnissen, finanziellen Verhältnissen und Ihrer Fähigkeit, Verluste zu tragen?
Annahme und Übermittlung, AusführungAngemessenheitsprüfung nach Paragraf 57 WAG 2018: Verfügen Sie über ausreichende Kenntnisse und Erfahrung?
reines Execution-only bei nicht komplexen Instrumentenkeine Prüfung nach Paragraf 58 WAG 2018

Die Geeignetheitsprüfung ist der deutlich stärkere Schutz. Wo sie greift, muss der Anbieter von einer Empfehlung absehen, wenn sie nicht zu Ihnen passt - bei der Angemessenheitsprüfung genügt eine Warnung.

Die dritte Zeile greift beim Copy-Trading allerdings selten: Sobald CFDs im Spiel sind, handelt es sich um komplexe Instrumente, und die Ausnahme gilt nicht.

Fragen Sie deshalb vor der Nutzung, welche Dienstleistung Ihr Anbieter rechtlich erbringt und über welche Konzession er dafür verfügt.

Die Steuer hängt am kopierten Produkt

Copy-Trading ist keine eigene Anlageklasse. Besteuert wird, was tatsächlich in Ihrem Depot landet.

Werden echte Aktien gekauft, gilt der besondere Steuersatz von 27,5 Prozent. Werden CFDs kopiert - der Regelfall, sobald Hebel oder Short-Positionen im Spiel sind -, greift im Ausgangspunkt der progressive Tarif bis 55 Prozent, solange der Anbieter keinen freiwilligen Steuerabzug vornimmt. Die Herleitung steht beim CFD-Handel.

Für Anbieter mit Sitz im EU-Ausland - und das sind die großen Copy-Trading-Plattformen - kommt ein Zwischenschritt dazu: Der Verwaltungsgerichtshof hat 2022 entschieden, dass der günstigere Sondersatz bei Auslandsabwicklung aus unionsrechtlichen Gründen nicht versagt werden darf. Die 55 Prozent sind damit nicht das letzte Wort, aber auch nicht automatisch vom Tisch.

Zwei praktische Folgen: Ein kopierter Trader, der gehebelt arbeitet, verändert Ihre Steuerlast, ohne dass Sie eine Entscheidung getroffen hätten. Und Verluste aus kopierten CFDs lassen sich nicht gegen Gewinne aus Ihren eigenen Aktien rechnen, weil die beiden Steuertöpfe getrennt sind.

Was die Bestenlisten nicht zeigen

Anbieter präsentieren erfolgreiche Trader mit ihrer bisherigen Rendite. Darin steckt ein Auswahlproblem, das unabhängig von der Seriosität des Anbieters besteht: Wer aus tausenden Nutzern die besten Ergebnisse herausfiltert, filtert zwangsläufig auch die größten Glückstreffer heraus. Je größer die Grundgesamtheit, desto beeindruckender die Spitze - auch dann, wenn niemand über besondere Fähigkeiten verfügt.

Als Analogie taugt zudem der Befund aus den Untersuchungen zum kurzfristigen Handel - erhoben wurde er an Daytradern, nicht an Signalgebern von Copy-Trading-Plattformen: Dort ließ sich kein Lerneffekt nachweisen. Wer lange dabei war, wurde im Durchschnitt nicht besser.

Für die Bewertung der Angaben gibt das ESMA-Briefing selbst brauchbare Kriterien vor. Anbieter müssen bei Angaben zur Wertentwicklung fünf Jahre abdecken, dürfen sie nicht zum auffälligsten Element der Darstellung machen und dürfen keine simulierte Vergangenheitsperformance zeigen. Wo eine dieser Vorgaben verletzt wird, ist das ein prüfbarer Hinweis.

Wenn Sie dennoch kopieren wollen, prüfen Sie nicht die Rendite, sondern die Schwankung dahinter, die Dauer der Historie und ob der Trader mit Hebel arbeitet. Die dritte Frage entscheidet über Ihren Steuersatz.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Ist Copy-Trading eine Portfolioverwaltung?

Nach Auffassung der ESMA ja, sobald das Kopieren automatisch und ohne Ihr Zutun bei jeder einzelnen Transaktion erfolgt. Die Aufsichtsbehörde bezeichnet die Aktivierung der Kopierfunktion ausdrücklich als das erteilte Mandat. Damit handelt es sich um Portfolioverwaltung im Sinne der MiFID II, die eine Konzession erfordert.

Welche Schutzrechte habe ich beim Copy-Trading?

Das hängt an der Einstufung. Portfolioverwaltung und Anlageberatung lösen die Geeignetheitsprüfung aus - der Anbieter muss prüfen, ob das Produkt zu Ihren Zielen, Kenntnissen und Verhältnissen passt. Bei bloßer Auftragsausführung greift nur die schwächere Angemessenheitsprüfung.

Wie werden Copy-Trading-Gewinne in Österreich besteuert?

Nach dem, was tatsächlich gehandelt wird. Werden echte Aktien kopiert, gilt der besondere Steuersatz von 27,5 Prozent. Werden CFDs kopiert - der Regelfall bei gehebelten oder Short-Positionen -, greift im Ausgangspunkt der progressive Tarif bis 55 Prozent, solange der Anbieter keinen freiwilligen Steuerabzug vornimmt.

Haftet der kopierte Trader für Verluste?

Er verwaltet Ihr Geld nicht und schuldet Ihnen im Regelfall keine Leistung. Ganz so einfach ist es aber nicht: Die ESMA hält es für möglich, dass das Veröffentlichen von Trades als Anlageberatung durch den kopierten Trader zu qualifizieren ist - eine konzessionspflichtige Wertpapierdienstleistung. Ob daraus im Einzelfall Ansprüche folgen, ist damit nicht entschieden.

Sagt die vergangene Rendite eines Traders etwas über die künftige?

Wenig. Wer unter tausenden Nutzern die besten Ergebnisse auswählt, wählt zwangsläufig auch die größten Glückstreffer aus. Untersuchungen zum kurzfristigen Handel finden zudem keinen Lerneffekt: Wer lange dabei ist, wird im Durchschnitt nicht besser.