Daytrading in Österreich: Studienlage, Steuer und Gewerblichkeit
Was Untersuchungen über die Erfolgsquote von Daytradern zeigen, wie Gewinne besteuert werden und wann aus privatem Handel ein Gewerbebetrieb wird.
Zur Erfolgsquote im kurzfristigen Handel gibt es belastbare Zahlen, und sie stammen nicht von Brokern. Eine Untersuchung des taiwanesischen Marktes über vierzehn Jahre kommt zu dem Schluss, dass weniger als ein Prozent der Daytrader vorhersagbar und verlässlich positive Überrenditen nach Kosten erzielt.
Eine brasilianische Studie hat später alle Einsteiger verfolgt, die mindestens 300 Handelstage durchhielten. Von ihnen verloren 97 Prozent Geld. Nur 0,4 Prozent verdienten mehr als ein Bankangestellter - und der Bestverdiener kam auf 310 US-Dollar pro Tag bei einer Standardabweichung von 2.560 US-Dollar, was die Schwankung seines Ergebnisses achtmal größer macht als das Ergebnis selbst.
Was die Studien genau sagen
Zahlen dieser Art kursieren viel, meist ohne Quelle. Diese drei sind zitierfähig.
Barber, Lee, Liu und Odean, veröffentlicht im Journal of Financial Markets 2014, untersuchten den taiwanesischen Markt von 1992 bis 2006 - ein Datensatz mit sämtlichen Transaktionen des Marktes. Ihr zentraler Befund im Original: „Less than 1% of the day trader population is able to predictably and reliably earn positive abnormal returns net of fees.”
Dieselbe Forschergruppe, erweitert um Zhang, kam in einer Arbeit von 2017 zu einem negativen Gesamtergebnis und beschreibt, dass die große Mehrheit unprofitabel bleibt und viele trotz langer Verlustserien weitermachen.
Chague, De-Losso und Giovannetti untersuchten 2019 den brasilianischen Aktien-Futures-Markt der Jahre 2013 bis 2015. Sie betrachteten alle Personen, die neu begannen und mindestens 300 Handelstage durchhielten - also gerade nicht die Aussteiger, sondern die Ausdauernden. Ergebnis: 97 Prozent verloren Geld, 0,4 Prozent verdienten mehr als 54 US-Dollar am Tag.
Der interessanteste Nebenbefund ist das Fehlen eines Lerneffekts. Wer lange dabei blieb, wurde im Durchschnitt nicht besser.
Zwei Einschränkungen gehören dazu: Beide Datensätze stammen aus anderen Märkten als dem österreichischen, und der brasilianische betrifft speziell Aktien-Futures. Eine Untersuchung mit österreichischer oder europäischer Datenbasis ist nicht auffindbar.
Die Steuer hängt am Instrument, nicht am Handelsstil
Das ist der Punkt, an dem die meisten Darstellungen ungenau werden. Wie oft Sie handeln, ändert an der Besteuerung zunächst gar nichts - was zählt, ist was Sie handeln.
| Instrument | Steuerliche Behandlung |
|---|---|
| Aktien, ETFs, Anleihen | besonderer Steuersatz 27,5 % |
| verbriefte Derivate wie Zertifikate und Optionsscheine | besonderer Steuersatz 27,5 % |
| CFDs, Futures, Devisengeschäfte | nicht verbriefte Derivate, im Ausgangspunkt progressiver Tarif bis 55 % |
Die letzte Zeile gilt nur, solange keine berechtigte Stelle freiwillig eine der Kapitalertragsteuer entsprechende Steuer abführt. Ob Ihr Anbieter das tut, ist deshalb die wichtigste Frage vor der Kontoeröffnung - die Herleitung steht bei den CFDs.
Beim Verlustausgleich wird es für Daytrader besonders unangenehm. Die beiden Steuertöpfe sind getrennt: Verluste aus CFDs mindern keinen Aktiengewinn, solange auf die CFDs der Tarif angewendet wird. Und einen Verlustvortrag in Folgejahre gibt es für private Kapitaleinkünfte nicht: Paragraf 18 Abs. 6 EStG lässt den Verlustabzug nur für betrieblich ermittelte Verluste zu. Ein Jahr mit hohen Verlusten und ein Folgejahr mit hohen Gewinnen ergibt damit keine Verrechnung, sondern eine volle Steuerlast im zweiten Jahr.
Wann aus Handel ein Gewerbebetrieb wird
Hier hält sich hartnäckig die Vorstellung, es gebe eine Zahl - so viele Trades im Jahr, so viel Umsatz, und schon sei man gewerblich. Diese Zahl gibt es nicht, und das ist kein Rechercheproblem, sondern der Rechtsstand.
Die Rechtsprechung stellt auf etwas anderes ab: ob Sie für fremde Rechnung handeln und ob Sie nach außen erkennbar Händlerdienste anbieten. Wer ausschließlich eigenes Vermögen verwaltet, bleibt privat.
Wie weit das trägt, zeigt ein entschiedener Fall aus dem Jahr 2004. Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts aus drei Gesellschaftern handelte Devisen und Wertpapiere, vollständig fremdfinanziert - die Verbindlichkeiten überstiegen den Depotwert -, und kam im Jahr 1994 auf 37 Ankaufs- und 67 Verkaufsakte. Die Verluste lagen bei rund 550.000 Euro in diesem Jahr.
Bemerkenswert ist die Richtung: Die Gesellschafter wollten als Gewerbebetrieb eingestuft werden, um die Verluste als betriebliche Einkünfte abzusetzen. Sie scheiterten damit. Ausdrücklich als unerheblich gewertet wurden die technische Ausstattung und der Umstand, dass Devisenhandel rund um die Uhr möglich ist. Der Einsatz von Fremdkapital ist ein Indiz, mehr nicht.
Die Entscheidung stützt sich dabei auf zwei Erkenntnisse des Verwaltungsgerichtshofs aus den Jahren 1997 und 1998, die den Maßstab bis heute vorgeben.
Sollten Sie dennoch als gewerblich eingestuft werden, hat das zwei Folgen, die zusammen teurer sind als jeder erhoffte Vorteil:
Der besondere Steuersatz entfällt. Bei betrieblichem Schwerpunkt greift er nicht mehr, sämtliche Gewinne unterliegen dem progressiven Tarif.
Die Sozialversicherung kommt dazu. Es entsteht eine Pflichtversicherung nach dem GSVG - je nachdem, ob eine Gewerbeberechtigung vorliegt, als Gewerbetreibender oder als Neuer Selbständiger. In der zweiten Variante greift sie, sobald die Einkünfte die Versicherungsgrenze überschreiten; für 2026 liegt sie bei 6.613,20 Euro im Jahr.
Wer mit dem Gedanken spielt, sich Trading-Kosten als Betriebsausgaben absetzen zu lassen, sollte diese Rechnung vollständig aufmachen. In aller Regel geht sie nicht auf.
Was Daytrading in der Praxis kostet
Neben der Steuer wirken drei Kostenarten gegen Sie, und alle drei skalieren mit der Zahl der Trades.
Der Spread fällt bei jeder Eröffnung an. Bei zwanzig Trades am Tag zahlen Sie ihn zwanzigmal, unabhängig vom Ergebnis.
Die Ordergebühr fällt doppelt an, weil jeder Trade aus Kauf und Verkauf besteht. Bei einem pauschalen Modell mit einem Euro je Order und zwanzig Trades täglich sind das 40 Orders am Tag - bei 250 Handelstagen rund 10.000 Euro im Jahr, unabhängig davon, ob Sie gewinnen oder verlieren. Wie stark Gebührenmodelle auseinandergehen, zeigen die Rechenbeispiele zu den Broker-Gebühren.
Die Finanzierungskosten, sobald eine gehebelte Position über Nacht offen bleibt.
Dazu kommt der Posten, den keine Abrechnung ausweist: die Zeit. Wer den Handel ernsthaft betreibt, bindet damit Arbeitszeit, die anderswo ein verlässlicheres Ergebnis bringt.
Eine nüchterne Einordnung
Daytrading ist nicht verboten, nicht unseriös und für manche ein Beruf. Für den Vermögensaufbau eines Privatanlegers ist es trotzdem das falsche Werkzeug, und zwar aus einem strukturellen Grund: Die kurzfristigen Kursbewegungen, an denen Sie verdienen wollen, sind ein Nullsummenspiel zwischen Marktteilnehmern. Ihre Gegenseite ist in aller Regel besser ausgestattet als Sie.
Wer es dennoch versuchen will, sollte drei Dinge vorher klären: ob der Anbieter den freiwilligen Steuerabzug vornimmt, wie viel die Ordergebühren bei der geplanten Frequenz im Jahr ausmachen, und ob er den Betrag, den er einsetzt, vollständig verlieren kann, ohne dass es ihn trifft.
Quellen
- Barber, Lee, Liu, Odean: The cross-section of speculator skill: Evidence from day trading, Journal of Financial Markets 18 (2014), Seiten 1 bis 24
- Chague, De-Losso, Giovannetti: Day Trading for a Living?, Universität São Paulo, Working Paper 2019_47
- Paragraf 27a EStG: besonderer Steuersatz
- Paragraf 27 EStG: Verlustausgleich bei Kapitalvermögen
- Paragraf 18 EStG: Verlustabzug nur für betrieblich ermittelte Verluste
- UFS Innsbruck, 22.04.2004, RV/0663-I/02, mit Verweis auf VwGH 29.07.1997, 96/14/0115 und VwGH 25.02.1998, 98/14/0005
- WKO: Neue Selbständige und die Versicherungsgrenze sowie die Werte in der Sozialversicherung 2026
- SVS: Einkünfte unter der Versicherungsgrenze
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Daytrader sind dauerhaft erfolgreich?
Sehr wenige. Eine Untersuchung des taiwanesischen Marktes über vierzehn Jahre kommt zu dem Ergebnis, dass weniger als ein Prozent der Daytrader vorhersagbar und verlässlich positive Überrenditen nach Kosten erzielt. Eine brasilianische Studie fand unter allen Einsteigern mit mindestens 300 Handelstagen 97 Prozent, die Geld verloren.
Lernt man Daytrading mit der Zeit?
Die brasilianische Untersuchung fand keinen Lerneffekt: Auch nach hunderten Handelstagen verbesserten sich die Ergebnisse im Durchschnitt nicht, und der Anteil der Profitablen sank mit zunehmender Ausdauer. Eine Arbeit der taiwanesischen Forschergruppe von 2017 beschreibt zudem, dass viele trotz langer Verlustserien weitermachen.
Wie werden Daytrading-Gewinne in Österreich besteuert?
Das hängt vom Instrument ab. Aktien und verbriefte Derivate unterliegen dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent. CFDs, Futures und Devisengeschäfte sind nicht verbriefte Derivate und davon ausgenommen, solange keine Stelle freiwillig eine der KESt entsprechende Steuer abführt - dann greift der progressive Tarif bis 55 Prozent.
Ab wie vielen Trades werde ich gewerblich?
Es gibt keine Zahl. Der Umfang allein macht aus privater Vermögensverwaltung keinen Gewerbebetrieb, auch bei erheblichem Handelsvolumen nicht. Entscheidend ist nach der Rechtsprechung, ob Sie für fremde Rechnung handeln und nach außen erkennbar Händlerdienste anbieten.
Was passiert, wenn ich doch als gewerblich eingestuft werde?
Der besondere Steuersatz entfällt, die Gewinne unterliegen dem progressiven Tarif. Dazu kommt die Pflichtversicherung nach dem GSVG als Neuer Selbständiger, sobald die Versicherungsgrenze überschritten ist. Die Einstufung ist damit teurer als die Steuerersparnis, die manche sich davon erhoffen.
Kann ich Verluste aus dem Daytrading absetzen?
Nur innerhalb desselben Steuertopfs. Paragraf 27 Abs 8 Z 3 EStG trennt sondersatzbesteuerte von tarifbesteuerten Kapitaleinkünften. Verluste aus CFDs mindern also keinen Aktiengewinn, solange auf die CFDs der Tarif angewendet wird. Ein Verlustvortrag in Folgejahre ist für private Kapitaleinkünfte nicht vorgesehen, weil Paragraf 18 Abs 6 EStG den Verlustabzug auf betrieblich ermittelte Verluste beschränkt.