Forex-Trading in Österreich: Hebel, Kosten und Besteuerung

Beim Hebel 30:1 beendet eine Kursbewegung von 1,67 Prozent die Position - das Fünffache eines typischen Handelstags. Kosten, Swaps und Besteuerung.

Aktualisiert: 17. August 2026 10 Min. Lesezeit

Beim maximal erlaubten Hebel von 30:1 hinterlegen Sie 3,33 Prozent des Positionswerts als Sicherheit. Bewegt sich der Kurs um 1,67 Prozent gegen Sie, ist die Hälfte davon weg - und genau dort schreibt die Verordnung die Zwangsglattstellung vor.

Wie viel Spielraum das ist, lässt sich an den Referenzkursen der EZB ablesen. Der Euro-Dollar-Kurs bewegte sich seit Anfang 2023 an einem typischen Handelstag um 0,24 Prozent, im Durchschnitt um 0,32 Prozent. Ihr gesamter Puffer entspricht also rund dem Fünf- bis Siebenfachen eines normalen Tages - in eine Richtung. An fünf von 924 Handelstagen wurde er an einem einzigen Tag überschritten, der stärkste Tagesausschlag lag bei 2,72 Prozent.

Das ist keine tägliche Gefahr, aber ein sehr knappes Polster für eine Position, die über Tage oder Wochen offen bleiben soll.

Was Sie beim Forex-Handel tatsächlich kaufen

Der Devisenmarkt ist ein außerbörslicher Markt ohne zentralen Handelsplatz und ohne Aufsicht durch eine Börse. Als Privatanleger nehmen Sie daran nicht direkt teil. Was Ihnen ein Anbieter verkauft, ist in aller Regel ein CFD auf ein Währungspaar - ein Vertrag über die Kursdifferenz, kein Devisengeschäft.

Daraus folgt zweierlei. Erstens ist die Kursstellung Ihres Anbieters die einzige, die für Ihre Abrechnung zählt; einen amtlichen Referenzkurs, gegen den Sie sie prüfen könnten, gibt es beim Devisenhandel nicht in derselben Form wie an einer Börse. Zweitens gelten sämtliche Regeln, die für CFDs gelten - einschließlich der steuerlichen Einordnung.

Die Hebelgrenzen

BasiswertErsteinschussHebel
Währungspaare aus US-Dollar, Euro, Yen, Pfund Sterling, kanadischem Dollar und Schweizer Franken3,33 %30:1
jedes Paar, an dem eine andere Währung beteiligt ist5 %20:1

Die Verordnung spricht nicht von Haupt- und Nebenwährungspaaren, sondern zählt sechs Währungen auf. Das ist mehr als eine Formulierungsfrage: AUD/USD und NZD/USD gelten am Markt als Majors, fallen aber unter die zweite Zeile - dort sind nur 20:1 erlaubt, nicht 30:1.

Die Grenzen setzt die FMA-Produktinterventionsverordnung für Privatkunden. Wer höhere Hebel angeboten bekommt, handelt entweder bei einem Anbieter außerhalb dieses Rechtsrahmens oder wurde als professioneller Kunde eingestuft - und hat damit genau diese Schutzrechte abgegeben.

Zwei weitere Regeln gehören dazu: Der Anbieter muss glattstellen, sobald der Kontowert auf 50 Prozent der Summe aller Ersteinschüsse fällt. Und der Negativsaldoschutz begrenzt Ihren Verlust auf das Guthaben des jeweiligen Handelskontos - eine Nachschusspflicht gibt es für Privatkunden nicht mehr.

Was der Hebel rechnerisch bedeutet

Die Zahlen wirken abstrakt, bis man sie umrechnet.

HebelErsteinschussKursbewegung bis zur GlattstellungKursbewegung bis zum Totalverlust
30:13,33 %rund 1,67 %3,33 %
20:15 %2,5 %5 %
10:110 %5 %10 %

Die dritte Spalte ist die entscheidende. Sie beschreibt, wie weit sich der Kurs gegen Sie bewegen darf, bevor Ihre Position ohne Ihr Zutun geschlossen wird. Die Rechnung unterstellt dabei ein Konto, auf dem nur der Ersteinschuss liegt - die Verordnung misst die 50-Prozent-Schwelle am gesamten Kontoguthaben samt nicht realisierter Gewinne. Wer freies Kapital auf dem Konto hält, verschiebt die Schwelle entsprechend nach hinten. Und sie erklärt, warum die Verlustquoten in den vorgeschriebenen Risikohinweisen so hoch liegen: Nicht die Marktrichtung beendet die meisten Positionen, sondern die Sicherheitsschwelle.

Was der Handel kostet

Beim Forex-Handel liegen die Kosten an drei Stellen, und nur die erste ist offensichtlich.

Der Spread ist die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs. Er fällt sofort bei Eröffnung an: Eine Position ist unmittelbar nach dem Kauf um den Spread im Minus.

Die Finanzierungsgebühr, meist Swap genannt, fällt für jede über Nacht gehaltene Position an. Sie ergibt sich aus der Zinsdifferenz der beiden Währungen und einem Aufschlag des Anbieters. Einmal pro Woche wird sie dreifach berechnet, und zwar am Mittwoch - nicht am Wochenende, wie oft angenommen. Grund ist die Valutakonvention: Eine über Mittwochnacht gehaltene Position wird auf Montag valutiert und überspringt damit rechnerisch das Wochenende.

Die Umrechnung, wenn Ihr Konto in Euro geführt wird und das Ergebnis in einer anderen Währung anfällt.

Die praktische Konsequenz: Der Spread bestimmt die Kosten beim kurzfristigen Handel, die Finanzierungsgebühr bei allem darüber. Wer eine gehebelte Devisenposition über Wochen hält, zahlt daran mehr als an jedem anderen Posten - und zwar unabhängig davon, ob sich der Kurs bewegt.

Die Risikowarnung richtig lesen

Auf jeder Werbung steht eine Prozentzahl. Sie nennt den Anteil der Konten, die über zwölf Monate Verlust gemacht haben - nicht den Anteil der Personen. Gerechnet wird quartalsweise neu, einschließlich nicht realisierter Verluste und aller Kosten; inaktive Konten bleiben außen vor.

Die verbreitete Wiedergabe „X Prozent der Anleger verlieren Geld” gibt die Kennzahl damit falsch wieder. Wer mehrere Konten führt, erscheint mehrfach; wer sein Konto ruhen lässt, gar nicht.

Die Steuer

Devisentermingeschäfte und Optionen auf Währungspaare sind nicht verbriefte Derivate. Der Verwaltungsgerichtshof hat sie in seinem Erkenntnis vom 8. März 2022 ausdrücklich als solche behandelt, gemeinsam mit CFDs auf Aktien und Futures auf Indizes.

Das bedeutet: Paragraf 27a Abs. 2 Z 7 EStG nimmt sie vom besonderen Steuersatz aus, solange keine berechtigte Stelle freiwillig eine der Kapitalertragsteuer entsprechende Steuer einbehält. Führt niemand ab, greift der progressive Tarif bis 55 Prozent.

Ebenso wichtig ist der Verlustausgleich: Solange auf Ihre Devisengeschäfte der Tarif angewendet wird, lassen sich Verluste daraus nicht gegen Aktiengewinne oder Dividenden rechnen. Die beiden Töpfe sind getrennt. Die vollständige Herleitung steht bei den CFDs.

Fragen Sie deshalb vor der Kontoeröffnung schriftlich nach, ob der Anbieter den freiwilligen Steuerabzug auf nicht verbriefte Derivate vornimmt. Diese eine Antwort entscheidet über Ihren Steuersatz und über die Verrechenbarkeit Ihrer Verluste.

Für wen Forex-Handel in Frage kommt

Für sehr wenige Privatanleger, und für keinen als Baustein des Vermögensaufbaus.

Der Devisenmarkt kennt keine Erträge. Eine Aktie kann Gewinne erwirtschaften und ausschütten, eine Anleihe zahlt Zinsen - ein Währungspaar tut nichts davon. Ihr Gewinn ist der Verlust der Gegenseite, abzüglich Spread und Finanzierungskosten. Das ist ein Nullsummenspiel mit Reibungsverlusten, und die Reibung trägt zuverlässig der Privatanleger.

Sinnvoll sein kann die Absicherung eines konkreten Währungsrisikos - etwa wenn Sie eine größere Zahlung in Fremdwährung erwarten. Dann ist der Zweck nicht der Gewinn, sondern die Planbarkeit.

Nicht sinnvoll ist der Devisenhandel als Renditequelle. Wer Vermögen aufbauen will, findet in Aktien und ETFs Instrumente mit klarer steuerlicher Behandlung und einem Ertrag, der nicht aus der Tasche eines anderen Marktteilnehmers kommt.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Welcher Hebel ist beim Forex-Handel in Österreich erlaubt?

Bei Hauptwährungspaaren höchstens 30:1, was einem Ersteinschuss von 3,33 Prozent entspricht. Bei Nebenwährungspaaren sind es 20:1, also 5 Prozent. Diese Grenzen setzt die FMA-Produktinterventionsverordnung für Privatkunden fest.

Wie schnell wird meine Position bei 30:1 geschlossen?

Bei einem Ersteinschuss von 3,33 Prozent halbiert eine Kursbewegung von rund 1,67 Prozent gegen Sie Ihre Sicherheitsleistung, und dort greift die vorgeschriebene Glattstellung. Zum Vergleich: Der Euro-Dollar-Kurs bewegte sich seit Anfang 2023 an einem typischen Handelstag um 0,24 Prozent. Der Puffer entspricht also etwa fünf normalen Handelstagen in eine Richtung. Die Rechnung unterstellt ein Konto, auf dem nur der Ersteinschuss liegt.

Wie werden Forex-Gewinne in Österreich besteuert?

Devisentermingeschäfte und Optionen auf Währungspaare zählen zu den nicht verbrieften Derivaten und sind damit vom besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent ausgenommen, solange keine berechtigte Stelle freiwillig eine der Kapitalertragsteuer entsprechende Steuer abführt. Im Ausgangspunkt gilt dann der progressive Tarif bis 55 Prozent.

Was kostet das Halten einer Forex-Position über Nacht?

Eine Finanzierungsgebühr, oft Swap genannt, die sich aus der Zinsdifferenz der beiden Währungen und dem Aufschlag des Anbieters ergibt. Sie fällt täglich an und einmal wöchentlich dreifach - üblicherweise am Mittwoch, weil eine über Mittwochnacht gehaltene Position auf Montag valutiert wird. Bei länger gehaltenen Positionen übersteigt sie den Spread deutlich.

Ist der Devisenhandel reguliert wie eine Börse?

Nein. Der Devisenmarkt ist ein außerbörslicher Markt ohne zentralen Handelsplatz. Als Privatanleger handeln Sie nicht am Interbankenmarkt, sondern schließen einen Vertrag mit Ihrem Anbieter - üblicherweise einen CFD. Dessen Kursstellung ist die einzige, die für Ihre Abrechnung zählt.