Broker-Gebühren Österreich 2026 - Vergleich

Broker-Gebühren in Österreich: Depotgebühr, Ordergebühr, Spread, versteckte Kosten & großer Vergleich aller Broker. Sparen Sie beim Trading 2026!

Aktualisiert: 03. April 2026 15 Min. Lesezeit

Broker-Gebühren in Österreich 2026

Die Kosten beim Wertpapierhandel können Ihre Rendite erheblich schmälern — oder kaum ins Gewicht fallen. Alles hängt davon ab, welchen Broker Sie wählen und wie Sie handeln. In Österreich reicht die Spanne von Filialbanken mit Gebühren von 30+ Euro pro Order bis zu Neo-Brokern mit 0-1 Euro pro Trade. Dieser umfassende Gebührenvergleich zeigt Ihnen alle Kostenarten beim Trading, vergleicht die wichtigsten Broker und hilft Ihnen, die günstigste Option für Ihre Anlagestrategie zu finden.

Warum Gebühren so wichtig sind

Der stille Rendite-Killer

Gebühren sind der stille Rendite-Killer vieler Portfolios. Während Anleger stundenlang über die richtige Aktie diskutieren, wird die Frage der Gebühren oft vernachlässigt. Dabei sind Gebühren die einzige Variable beim Investieren, die vollständig vorhersagbar und kontrollierbar ist. Jeder Euro Gebühr ist ein Euro weniger Rendite für Sie.

Das Ausmaß des Unterschieds

Studien zeigen, dass die Unterschiede bei den Gebühren zwischen Brokern erheblich sein können — und sich über die Zeit zu riesigen Summen aufsummieren. Selbst kleine Prozentpunkte machen über Jahrzehnte einen Unterschied von zehntausenden Euro aus. Wenn Sie die Wahl zwischen zwei gleichwertigen Brokern haben, sollte der günstigere immer bevorzugt werden.

Die Kostenarten beim Wertpapierhandel

Beim Wertpapierhandel fallen verschiedene Kosten an, die nicht immer auf den ersten Blick sichtbar sind. Um die tatsächlichen Gesamtkosten zu verstehen, müssen Sie alle Kostenarten kennen.

Depotgebühr (Verwahrgebühr)

Die Depotgebühr ist eine laufende Gebühr für die Verwahrung Ihrer Wertpapiere. Sie wird üblicherweise als Prozentsatz des Depotwerts berechnet und quartalsweise oder jährlich abgerechnet. Bei einigen Brokern gibt es Mindest- und Höchstbeträge.

Die Depotgebühr fällt unabhängig davon an, ob Sie handeln oder nicht — sie ist eine reine Bestandsgebühr. Für langfristige Buy-and-Hold-Anleger ist die Depotgebühr oft der größte Kostenfaktor, da sie jedes Jahr anfällt und sich über die Haltedauer summiert.

Depotgebühren im Vergleich:

BrokerDepotgebührBei 50.000 Euro Depotwert
Trade Republic0 Euro0 Euro/Jahr
Scalable Capital0 Euro / 4,99 Euro/Monat0 / 59,88 Euro/Jahr
Flatex AT0,1 % p.a.50 Euro/Jahr
DADAT0,09 % p.a. (mind. 3,78 Euro/Q.)45 Euro/Jahr
Erste Bank0,144 % p.a. (mind. 16,32 Euro/Q.)72 Euro/Jahr
Raiffeisenca. 0,2 % p.a.ca. 100 Euro/Jahr

Ordergebühr (Transaktionsgebühr)

Die Ordergebühr fällt bei jeder Kauf- oder Verkaufsorder an. Es gibt verschiedene Modelle:

Pauschalgebühr: Ein fixer Betrag pro Order, unabhängig vom Ordervolumen (z.B. Trade Republic: 1 Euro, Flatex AT: 5,90 Euro).

Staffelgebühr: Eine Kombination aus fixem Grundbetrag und prozentualem Anteil am Ordervolumen (z.B. DADAT: 3,90 Euro + 0,25 %).

Volumenbasierte Gebühr: Ein prozentualer Anteil am Ordervolumen, oft mit Mindest- und Höchstgebühr (z.B. Filialbanken: 1 % vom Ordervolumen, mindestens 30 Euro).

Beispielrechnung bei einer Order von 5.000 Euro:

BrokerGebührenmodellKosten
Trade Republic1 Euro pauschal1,00 Euro
Scalable (FREE)0,99 Euro pauschal0,99 Euro
Flatex AT5,90 Euro pauschal5,90 Euro
DADAT3,90 Euro + 0,25 %16,40 Euro
Erste BankStaffelca. 20-25 Euro
Filialbank (typisch)1 % (mind. 30 Euro)50,00 Euro

Spread

Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kaufkurs (Ask) und dem Verkaufskurs (Bid) eines Wertpapiers. Er ist eine versteckte Gebühr, die bei jedem Kauf und Verkauf anfällt. Spreads entstehen an jedem Handelsplatz und variieren je nach Liquidität des Wertpapiers, der Tageszeit und dem Handelsplatz.

An liquiden Handelsplätzen wie Xetra sind die Spreads für beliebte ETFs und Aktien minimal — oft nur wenige Cent. Bei Neo-Brokern, die über alternative Handelsplätze (z.B. Lang & Schwarz, gettex) abwickeln, können die Spreads etwas breiter sein, insbesondere außerhalb der Xetra-Handelszeiten.

Spread-Beispiel: Ein ETF hat einen Bid-Kurs von 99,98 Euro und einen Ask-Kurs von 100,02 Euro. Der Spread beträgt 0,04 Euro oder 0,04 %. Bei einem Kauf von 100 Anteilen (ca. 10.000 Euro) kostet Sie der Spread ca. 4 Euro. An Xetra könnte der Spread nur 0,01 Euro (0,01 %) betragen — bei 10.000 Euro nur 1 Euro.

Börsengebühren

Zusätzlich zu den Broker-Gebühren können Börsengebühren anfallen, die vom Handelsplatz selbst erhoben werden. Diese sind oft in der Ordergebühr enthalten, können aber separat berechnet werden. Xetra erhebt ca. 0,0015-0,004 % des Ordervolumens, die Wiener Börse ca. 0,06-0,12 % (je nach Ordervolumen).

Produktkosten (TER bei ETFs)

Die Total Expense Ratio (TER) eines ETFs ist keine Broker-Gebühr, sondern eine Fondsgebühr, die vom ETF-Anbieter erhoben wird. Sie wird direkt vom Fondsvermögen abgezogen und mindert die Rendite. Die TER liegt bei den meisten breit gestreuten ETFs bei 0,07-0,50 % pro Jahr. Ein MSCI World ETF kostet z.B. 0,20 % p.a. — bei einem Investment von 50.000 Euro sind das 100 Euro pro Jahr.

Währungsumrechnungsgebühr

Wenn Sie Wertpapiere in einer anderen Währung als Euro handeln (z.B. US-Aktien in Dollar), fällt eine Währungsumrechnungsgebühr an. Diese liegt typischerweise bei 0,1-0,5 % des Ordervolumens. Bei Flatex AT beträgt sie ca. 0,4 %, bei Trade Republic ca. 0,25 %.

Sonstige Gebühren

Weitere mögliche Gebühren sind die Dividendengebühr (manche Broker berechnen eine Gebühr pro Dividendenausschüttung), die Depotübertragungsgebühr (bei Wechsel des Brokers), die Kontoführungsgebühr (für das Verrechnungskonto), Gutschriftengebühr bei ausländischen Dividenden, Limit-Änderungs- oder Streichungsgebühren und Kosten für Echtzeit-Kursdaten.

Gesamtkostenvergleich: Szenarien

Um die tatsächlichen Kosten zu vergleichen, betrachten wir drei typische Anleger-Profile:

Szenario 1: Einsteiger mit Sparplan

Profil: Monatlicher ETF-Sparplan über 200 Euro, Depotwert nach 1 Jahr: ca. 2.400 Euro.

BrokerSparplankostenDepotgebührGesamtkosten/Jahr
Trade Republic0 Euro (12 x kostenlos)0 Euro0 Euro
Flatex AT0 Euro (kostenlose Sparpläne)2,40 Euro2,40 Euro
DADAT0,75 Euro x 12 = 9 Euro15,12 Euro (Mindest.)24,12 Euro
Erste Bankca. 1,50 Euro x 12 = 18 Euro65,28 Euro (Mindest.)83,28 Euro

Szenario 2: Buy-and-Hold-Anleger

Profil: 50.000 Euro Depot, 4 Orders pro Jahr (2 Käufe, 2 Verkäufe), keine Sparpläne.

BrokerOrderkostenDepotgebührGesamtkosten/Jahr
Trade Republic4 Euro0 Euro4 Euro
Scalable FREE3,96 Euro0 Euro3,96 Euro
Flatex AT23,60 Euro50 Euro73,60 Euro
DADATca. 50 Euro45 Euro95 Euro
Erste Bankca. 80 Euro72 Euro152 Euro

Szenario 3: Aktiver Trader

Profil: 100.000 Euro Depot, 50 Orders pro Jahr, durchschnittliches Ordervolumen 5.000 Euro.

BrokerOrderkostenDepotgebührGesamtkosten/Jahr
Trade Republic50 Euro0 Euro50 Euro
Scalable PRIME59,88 Euro (Abo)0 Euro (inkl.)59,88 Euro
Flatex AT295 Euro100 Euro395 Euro
DADATca. 600 Euro90 Euro690 Euro
Erste Bankca. 1.000 Euro144 Euro1.144 Euro

Der wahre Preis: Steuereinfach-Aufschlag

Die Gebührenunterschiede müssen im Kontext der Steuereinfachheit betrachtet werden. Für das Szenario 2 (Buy-and-Hold, 50.000 Euro) beträgt der Aufpreis für steuereinfach (Flatex AT vs. Trade Republic): 73,60 - 4 = 69,60 Euro/Jahr.

Dafür sparen Sie sich ca. 5-15 Stunden Steuerarbeit pro Jahr und das Risiko von Fehlern bei der Steuererklärung. Wenn Ihre Zeit 10 Euro/Stunde wert ist, lohnt sich steuereinfach bereits ab einem Zeitaufwand von 7 Stunden für die Selbstveranlagung.

Spezialgebühren und Sonderkosten

Gebühren für Limit-Änderungen

Manche Broker berechnen Gebühren, wenn Sie eine bestehende Limit-Order ändern oder löschen. Flatex AT verlangt z.B. 2,90 Euro für Limit-Streichung und -Änderung (bei bestimmten Handelsplätzen). Diese Gebühren sind oft versteckt und werden erst bei der Abrechnung sichtbar. Trade Republic und Scalable Capital berechnen keine solchen Gebühren.

Dividendengebühren

Einige Broker berechnen eine Gebühr pro Dividendenausschüttung (typischerweise 0,50-2 Euro pro Dividende). Bei einem Portfolio mit vielen Dividendenaktien können sich diese Gebühren summieren. Prüfen Sie die Gebührenstruktur Ihres Brokers im Hinblick auf Dividendenverarbeitung.

Gebühren für Realtime-Kurse

Viele Broker bieten verzögerte Kursdaten (15 Minuten Verzögerung) kostenlos an. Echtzeit-Daten (sofortige Kurse) kosten oft extra. Für Daytrader sind Echtzeit-Daten unverzichtbar, für Buy-and-Hold-Anleger sind verzögerte Daten ausreichend. Flatex AT und DADAT bieten kostenlose Echtzeit-Daten für die wichtigsten Börsen, bei Interactive Brokers müssen Echtzeit-Daten kostenpflichtig abonniert werden (ca. 10-20 Euro/Monat pro Markt).

Inaktivitätsgebühren

Manche Broker (insbesondere ausländische wie Interactive Brokers) erheben Inaktivitätsgebühren, wenn Sie über einen längeren Zeitraum nicht handeln. Bei IBKR liegt die monatliche Mindestgebühr bei 10 USD, die bei entsprechender Handelsaktivität entfällt. Bei österreichischen steuereinfachen Brokern gibt es keine Inaktivitätsgebühren.

Langfristige Auswirkung von Gebühren

Der Gebühreneffekt über 30 Jahre

Die Auswirkung von Gebühren auf Ihr Vermögen wird oft unterschätzt. Durch den Zinseszinseffekt können selbst kleine Gebührenunterschiede über Jahrzehnte einen enormen Unterschied machen. Ein Beispiel verdeutlicht dies:

Angenommen, Sie investieren 300 Euro monatlich über 30 Jahre bei einer durchschnittlichen Rendite von 7 % pro Jahr:

  • Bei 0 % Gebühren: Endvermögen ca. 365.000 Euro
  • Bei 0,5 % Gebühren: Endvermögen ca. 325.000 Euro (Differenz: 40.000 Euro)
  • Bei 1,0 % Gebühren: Endvermögen ca. 290.000 Euro (Differenz: 75.000 Euro)
  • Bei 1,5 % Gebühren: Endvermögen ca. 258.000 Euro (Differenz: 107.000 Euro)

Ein Gebührenunterschied von 1 % kostet Sie über 30 Jahre rund 75.000 Euro — bei einer monatlichen Sparrate von nur 300 Euro. Bei höheren Sparraten oder längeren Zeiträumen ist der Effekt noch dramatischer.

Gebühren vs. Rendite

Die Gebühren sind der einzige Faktor bei der Geldanlage, den Sie vollständig kontrollieren können. Die Rendite der Märkte können Sie nicht beeinflussen, aber die Kosten, die von Ihrer Rendite abgezogen werden, liegen in Ihrer Hand. Jeder Euro, den Sie an Gebühren sparen, arbeitet für Sie — und nicht für den Broker oder Fondsanbieter.

Gesamtkostenquote (Total Cost of Ownership)

Um die tatsächlichen Kosten Ihrer Geldanlage zu ermitteln, sollten Sie die Total Cost of Ownership (TCO) berechnen. Diese umfasst die Broker-Gebühren (Depot + Orders), die Produktkosten (TER der ETFs/Fonds), die Transaktionskosten (Spreads, Börsengebühren), die Steuerkosten (KESt, Progressionsvorbehalt) und die Opportunitätskosten (entgangene Zinsen auf nicht investiertes Geld). Nur wenn Sie alle Kostenbestandteile kennen, können Sie eine fundierte Entscheidung treffen.

Gebühren bei Sparplänen

Kostenlose Sparpläne: Wo ist der Haken?

Viele Broker bieten kostenlose ETF-Sparpläne an. Wie finanzieren sie das? Die Broker erhalten Provisionen von den ETF-Anbietern (Kickbacks), die Spreads im Sparplan können etwas breiter sein als bei Einzelorders, die Broker hoffen, dass Sparplan-Kunden auch andere kostenpflichtige Dienstleistungen nutzen, und manche Broker nutzen Sparpläne als Einstiegsprodukt, um Kunden zu gewinnen, die später auch teurere Produkte kaufen.

In der Praxis sind kostenlose Sparpläne ein echtes Schnäppchen für Anleger. Die versteckten Kosten (Spread-Differenz) sind minimal und werden durch die Gebührenersparnis bei Weitem überkompensiert.

Sparplan-Ausführungszeiten

Die Ausführungszeit des Sparplans kann die Kosten beeinflussen. Manche Broker führen Sparpläne zu Marktöffnung aus (höhere Liquidität, engere Spreads), andere in der Mittagszeit (möglicherweise breitere Spreads). Die Unterschiede sind in der Regel minimal, aber bei sehr großen Sparraten können sie sich bemerkbar machen.

Versteckte Kosten erkennen

Payment for Order Flow (PFOF)

Manche Broker (insbesondere Neo-Broker) leiten Ihre Orders an bestimmte Handelsplätze weiter und erhalten dafür eine Vergütung (Payment for Order Flow). Dies kann dazu führen, dass Sie nicht den besten verfügbaren Kurs erhalten. Die EU hat PFOF ab 2026 weitgehend eingeschränkt, aber die Auswirkungen variieren je nach Broker.

Spread-Aufschläge

Im Direkthandel (außerbörslicher Handel) können die Spreads breiter sein als an regulären Börsenplätzen. Insbesondere außerhalb der Xetra-Handelszeiten (vor 9 Uhr und nach 17:30 Uhr) weiten sich die Spreads deutlich aus. Handeln Sie daher möglichst während der regulären Börsenzeiten.

Negativzinsen auf Cash

Manche Broker berechnen Negativzinsen oder Verwahrentgelt auf hohe Barguthaben auf dem Verrechnungskonto. Halten Sie nur so viel Cash wie nötig auf dem Verrechnungskonto und investieren Sie Überschüsse.

Preis-Leistung: Nicht nur die Gebühren zählen

Qualität des Service

Billig ist nicht immer die beste Wahl. Bei Brokern mit sehr niedrigen Gebühren müssen Sie oft Abstriche beim Service machen: Schlechtere Erreichbarkeit des Kundenservice, eingeschränkte Produktauswahl, keine telefonische Beratung, weniger Handelsplätze und keine oder reduzierte Steuerunterstützung. Überlegen Sie, welche Leistungen für Sie wichtig sind, und prüfen Sie, ob der billigste Broker diese bietet.

Plattform-Stabilität

Die Stabilität der Handelsplattform ist ein oft unterschätztes Kriterium. Wenn die Plattform bei hoher Belastung (z.B. während eines Börsencrashs) ausfällt oder langsam wird, können Sie keine Orders platzieren — ein potenziell teurer Nachteil. Traditionelle Broker wie Flatex AT und DADAT haben in den letzten Jahren in die Stabilität ihrer Systeme investiert und bieten hohe Verfügbarkeit. Neobroker hatten dagegen mehrfach Ausfälle bei hohem Traffic.

Transparenz der Gebühren

Wählen Sie einen Broker mit transparenter Gebührenstruktur. Versteckte Gebühren, komplizierte Rabattsysteme oder häufige Änderungen der Gebührenliste sollten Sie misstrauisch machen. Die besten Broker haben klare, einfach zu verstehende Preislisten, die online öffentlich einsehbar sind.

Gebühren sparen: Praktische Tipps

  1. Sparpläne nutzen: Viele ETF-Sparpläne sind kostenlos — nutzen Sie diese für regelmäßige Investments.
  2. Sammelorders: Bündeln Sie kleine Orders zu größeren, um die fixe Ordergebühr prozentual zu senken.
  3. Handelszeiten beachten: Handeln Sie während der regulären Börsenzeiten für die besten Spreads.
  4. Limit Orders verwenden: Schützen Sie sich vor unerwarteten Kursausschlägen und Spread-Erweiterungen.
  5. Depotgebühr minimieren: Bei großen Depots macht der Wechsel zu einem Broker ohne oder mit niedriger Depotgebühr den größten Unterschied.
  6. Weniger handeln: Jede Order kostet Geld. Buy-and-Hold spart nicht nur Nerven, sondern auch Gebühren.
  7. Neukundenangebote nutzen: Viele Broker bieten Wechselprämien, kostenlose Monate oder Free-Trade-Aktionen für Neukunden.

Gebühren bei Entnahmephase

Entnahmestrategien im Ruhestand

Wenn Sie im Ruhestand regelmäßig aus Ihrem Depot Geld entnehmen, werden die Ordergebühren wieder wichtig. Bei einer monatlichen Entnahme von z.B. 1.000 Euro über 20 Jahre fallen 240 Verkaufsorders an. Bei 5,90 Euro pro Order (Flatex AT) summieren sich die Kosten auf 1.416 Euro. Bei Trade Republic (1 Euro/Order) nur 240 Euro. Der Unterschied ist erheblich.

Alternativ können Sie größere Beträge weniger oft entnehmen (z.B. quartalsweise oder halbjährlich) und das Geld auf einem hoch verzinsten Tagesgeldkonto parken. Dies reduziert die Ordergebühren, erfordert aber mehr Planung.

Cost-Average-Effekt auch bei Entnahmen

Ähnlich wie beim Cost-Average-Effekt beim Einzahlen gibt es auch einen negativen Cost-Average-Effekt beim Auszahlen: Wenn Sie regelmäßig verkaufen, verkaufen Sie bei niedrigen Kursen zu ungünstigen Bedingungen. Eine Strategie ist es, in Bärenmärkten aus dem Anleihenteil des Portfolios zu entnehmen und Aktien nur in steigenden Märkten zu verkaufen.

Währungs- und Umrechnungskosten

Bei USD-Aktien

Wenn Sie US-Aktien oder US-ETFs handeln, fallen Währungsumrechnungskosten an. Bei Flatex AT beträgt der Aufschlag auf den Interbanken-Wechselkurs ca. 0,4 %, bei Trade Republic ca. 0,25 %, bei Interactive Brokers nur ca. 0,002 % (nahezu Null). Bei größeren US-Investments kann der Währungsaufschlag erheblich ins Gewicht fallen.

Alternativen: Euro-denominierte ETFs

Ein Weg, die Währungsumrechnungskosten zu minimieren, sind Euro-denominierte ETFs. Diese sind zwar nominal in Euro, halten aber weiterhin die zugrunde liegenden ausländischen Aktien (z.B. S&P 500). Das Währungsrisiko bleibt bestehen, aber die expliziten Umrechnungskosten entfallen. Die meisten iShares-, Vanguard- und Xtrackers-ETFs sind an europäischen Börsen in Euro notiert.

Gebühren-Benchmark und Marktentwicklung

Historische Entwicklung der Gebühren

Die Gebühren im Online-Brokerage sind in den letzten 20 Jahren drastisch gefallen. Im Jahr 2000 waren Ordergebühren von 30-50 Euro üblich, Depotgebühren von 0,5-1,0 %. Heute sind 1 Euro pro Order und keine Depotgebühr bei Neo-Brokern Standard. Dieser Trend wird voraussichtlich weitergehen, da der Wettbewerb zwischen den Brokern zunimmt und Neobroker den Markt aufmischen.

Zukunft der Gebühren

Mit der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung werden die Gebühren für Privatanleger weiter sinken. Gleichzeitig werden neue Dienstleistungen (Robo-Advisor, KI-basierte Analysetools, Fractional Shares) zunehmend kostenlos angeboten. Für Anleger bedeutet dies: Profitieren Sie von den niedrigen Kosten, aber wählen Sie Ihren Broker nicht nur nach dem Preis aus. Sicherheit, Service und Steuereinfachheit sind ebenso wichtig wie die Gebühren.

Gebühren vergleichen: Schritt-für-Schritt

Um die tatsächlichen Gebühren verschiedener Broker zu vergleichen, gehen Sie systematisch vor:

  1. Profil definieren: Wie viel wollen Sie investieren? Wie oft handeln Sie? Wie viele Sparpläne planen Sie?
  2. Fixkosten berechnen: Depotgebühr + eventuelle Mindestbeträge x 12 Monate.
  3. Variable Kosten schätzen: Anzahl der Orders x Ordergebühr + Spreads.
  4. Sonderkosten berücksichtigen: Währungsumrechnung, Dividendengebühren, Inaktivitätsgebühren.
  5. Steuerliche Kosten: Aufwand für Selbstveranlagung bei nicht-steuereinfachen Brokern.
  6. Gesamtkosten vergleichen: Summe aller Kosten über 1 Jahr für jeden Broker.

So erhalten Sie einen realistischen Vergleich der tatsächlichen Gesamtkosten. Die billigste Option auf den ersten Blick ist nicht immer die günstigste über die Gesamtnutzungsdauer.

Die Wahl des richtigen Brokers kann bei einem Depot von 50.000 Euro und moderater Handelsaktivität einen Unterschied von über 1.000 Euro pro Jahr ausmachen (Filialbank vs. Neo-Broker). Für die meisten österreichischen Anleger bietet Flatex AT das beste Gesamtpaket aus akzeptablen Gebühren und Steuereinfachheit. Wer die steuerliche Selbstveranlagung in Kauf nimmt, spart mit Trade Republic oder Scalable Capital am meisten. Und vergessen Sie nicht: Die niedrigsten Gebühren nützen nichts, wenn Sie nicht investieren. Starten Sie lieber mit einem etwas teureren steuereinfachen Broker, als gar nicht zu investieren.

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Häufig gestellte Fragen

Welcher Broker hat die niedrigsten Gebühren in Österreich?

Trade Republic und Scalable Capital haben die niedrigsten Gebühren (0-1 Euro/Order, keine Depotgebühr), sind aber nicht steuereinfach. Der günstigste steuereinfache Broker ist Flatex AT (5,90 Euro/Order, 0,1% Depotgebühr).

Was ist der Unterschied zwischen Depotgebühr und Ordergebühr?

Die Depotgebühr ist eine jährliche Gebühr für die Verwahrung Ihrer Wertpapiere (prozentual vom Depotwert). Die Ordergebühr fällt pro Kauf- oder Verkaufsauftrag an und ist meist ein Fixbetrag oder eine Kombination aus Fixbetrag und prozentualem Anteil.

Was ist der Spread und wie beeinflusst er die Kosten?

Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- (Ask) und Verkaufskurs (Bid) eines Wertpapiers. Er ist eine versteckte Gebühr, die bei jedem Kauf anfällt. An liquiden Börsenplätzen wie Xetra ist der Spread minimal (wenige Cent), bei Neobroker-Handelsplätzen kann er breiter sein.

Lohnt sich ein Depotwechsel wegen der Gebühren?

Ein Depotwechsel lohnt sich besonders bei großen Depots (hohe Depotgebühr) oder vielen Transaktionen (hohe Ordergebühren). Bereits ab 20.000 Euro Depotwert kann der Wechsel von einer Filialbank zu einem Online-Broker mehrere hundert Euro pro Jahr sparen.

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Redaktion finanzinfo.at

Chefredakteur finanzinfo.at

Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.