Broker-Gebühren in Österreich: Kostenarten und Rechenbeispiele
Wie Depot- und Ordergebühren rechnen, welche Kostenart bei welchem Anlegertyp zählt und was ein Prozentpunkt über 30 Jahre wirklich kostet.
Die Gebühr, die in jedem Vergleich steht, ist selten die, die Sie am meisten kostet. Ordergebühren sind sichtbar, einmalig und leicht zu vergleichen. Depotgebühren, Zinsverzicht und Währungsumrechnung sind unsichtbar, laufend und wirken über Jahre.
Ein Beispiel vorweg: Wer 50.000 Euro in vier Orders kauft und zehn Jahre liegen lässt, zahlt bei einem der großen österreichischen Institute rund 110 Euro Ordergebühren - und rund 1.400 Euro Depotgebühr. Wer nur die erste Zahl vergleicht, vergleicht sieben Prozent der Kosten.
Die fünf Kostenarten
Die Ordergebühr fällt bei jedem Kauf und jedem Verkauf an. Sie ist entweder pauschal, nach Volumen gestaffelt oder prozentual, oft mit Mindestbetrag und manchmal mit Obergrenze.
Die Depotgebühr fällt laufend an, meist als Prozentsatz des Depotwerts mit Mindestbetrag je Position. Bei österreichischen Banken kommt fast immer die Umsatzsteuer dazu.
Der Zinsverzicht auf dem Verrechnungskonto steht auf keiner Rechnung. Er entsteht, wenn Ihr Broker das Guthaben mit null Prozent verzinst, während der Marktzins darüber liegt.
Die Währungsumrechnung trifft jeden, der außerhalb des Euroraums kauft. Sie fällt zweimal an und wird gern übersehen, weil sie im Kurs steckt statt in einer Gebührenzeile.
Der Steueraufwand ist die fünfte Kostenart, auch wenn er nicht als Betrag erscheint. Bei einem Broker ohne österreichische depotführende Stelle machen Sie die Arbeit selbst oder bezahlen jemanden dafür. Näheres dazu bei den steuereinfachen Brokern.
Wie Gebührenmodelle rechnen
Drei Grundformen kommen vor, und jede hat einen Bereich, in dem sie gewinnt.
Pauschal. Ein fixer Betrag je Order, unabhängig vom Volumen. Bei kleinen Orders teuer, bei großen unschlagbar - zwei Euro auf 20.000 Euro sind 0,01 Prozent.
Gestaffelt. Feste Beträge nach Volumenstufen. Achten Sie auf die Sprungstellen: Bei flatex kostet eine Order über 12.500 Euro 9,90 Euro, eine über 12.500,01 Euro dagegen 19,90 Euro. Ein Cent mehr verdoppelt die Gebühr.
Prozentual mit Mindestbetrag. Die Form, die fast alle österreichischen Banken verwenden. „0,10 Prozent, mindestens 8 Euro” heißt nicht acht Euro plus 0,10 Prozent. Es heißt: der höhere der beiden Werte. Unterhalb von 8.000 Euro Ordervolumen zahlen Sie den Mindestbetrag, darüber den Prozentsatz.
Prüfen Sie zusätzlich, ob es eine Obergrenze gibt. Ohne Deckel wächst die Gebühr mit dem Volumen unbegrenzt weiter - bei 0,75 Prozent kostet eine Order über 100.000 Euro dann 750 Euro.
Die praktische Regel: Rechnen Sie jede Gebühr in Prozent Ihrer typischen Ordergröße um. 9,90 Euro sind auf 1.000 Euro knapp ein Prozent und auf 12.500 Euro 0,08 Prozent. Dieselbe Zahl, ein Unterschied um den Faktor zwölfeinhalb.
Szenario 1: Der Sparplan
200 Euro im Monat, zwölf Ausführungen im Jahr, also 2.400 Euro Anlagesumme.
| Modell | je Ausführung | im Jahr | Anteil der Sparsumme |
|---|---|---|---|
| kostenlose Ausführung | 0,00 Euro | 0,00 Euro | 0,00 % |
| 0,75 Euro plus 0,175 % | 1,10 Euro | 13,20 Euro | 0,55 % |
| 1 Euro Mindestgebühr | 1,00 Euro | 12,00 Euro | 0,50 % |
| 1,50 Euro je Ausführung | 1,50 Euro | 18,00 Euro | 0,75 % |
| 1 % der Rate | 2,00 Euro | 24,00 Euro | 1,00 % |
Die Beträge wirken klein. Über die Laufzeit sind sie es nicht: Bei 200 Euro monatlich, 30 Jahren und sechs Prozent Rendite fehlen durch 1,50 Euro je Ausführung rund 1.500 Euro im Endvermögen, durch ein Prozent der Rate rund 2.000 Euro.
Das ist der Grund, warum bei Sparplänen die Ausführungsgebühr über allem steht - nicht die Ordergebühr, die für Sparpläne meist gar nicht gilt. Und es ist der Grund, warum sich ein Blick auf die Ausnahmelisten lohnt: Mehrere Anbieter führen ausgewählte ETFs gratis aus und alle übrigen zum Normaltarif.
Szenario 2: Buy-and-Hold
50.000 Euro in vier Orders zu je 12.500 Euro, danach zehn Jahre halten.
| Kostenart | günstiges Modell | teures Modell |
|---|---|---|
| vier Orders | 4 Euro | rund 110 Euro |
| Depotgebühr pro Jahr | 0 Euro | rund 140 Euro |
| Summe nach zehn Jahren | 4 Euro | rund 1.510 Euro |
Die Ordergebühren machen in diesem Szenario weniger als acht Prozent der Gesamtkosten aus. Alles andere ist Depotgebühr, die jedes Jahr aufs Neue anfällt. Die Rechnung hält den Depotwert der Einfachheit halber konstant - da die Gebühr prozentual ist, wächst sie mit einem steigenden Depot mit, und der Abstand fällt in der Praxis noch deutlicher aus.
Für langfristige Anleger ist die Depotgebühr deshalb das einzige Kriterium, das wirklich zählt. Wer eine prozentuale Verwahrgebühr zahlt und den Anbieter nicht wechseln will, sollte zumindest wissen, was ihn das Bleiben kostet.
Szenario 3: Aktiver Handel
50 Orders zu je 5.000 Euro im Jahr, also 250.000 Euro Umsatz.
| Modell | je Order | im Jahr |
|---|---|---|
| 1 Euro pauschal | 1,00 Euro | 50 Euro |
| 0,06 %, mindestens 1 Euro | 3,00 Euro | 150 Euro |
| gestaffelt, 9,90 Euro in dieser Stufe | 9,90 Euro | 495 Euro |
| 0,22 %, mindestens 7,95 Euro | 11,00 Euro | 550 Euro |
| 0,75 %, mindestens 19 Euro | 37,50 Euro | 1.875 Euro |
Hier dreht sich das Bild aus Szenario 2 vollständig um: Die Depotgebühr fällt kaum ins Gewicht, die Ordergebühr entscheidet alles. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Modell liegen 1.825 Euro im Jahr - bei identischem Handelsverhalten.
Wer häufig handelt, sollte deshalb prüfen, ob der Anbieter eine Obergrenze je Order kennt und ob bei größeren Volumina ein anderes Preismodell greift.
Der unsichtbarste Posten
Der EZB-Einlagenzins liegt seit 17. Juni 2026 bei 2,25 Prozent. Mehrere österreichische Anbieter verzinsen das Verrechnungskonto ausdrücklich mit 0,00 Prozent - DADAT, easybank und flatex weisen das so in ihren Preisblättern aus.
Was das kostet, hängt davon ab, wie viel Geld dort liegt:
| Guthaben | Verzicht pro Jahr bei 2,25 % |
|---|---|
| 5.000 Euro | 112,50 Euro |
| 10.000 Euro | 225,00 Euro |
| 25.000 Euro | 562,50 Euro |
Bei einem durchschnittlichen Privatanleger übersteigt dieser Posten die Ordergebühren deutlich - und er erscheint auf keiner Abrechnung, weil nicht abgebucht wird, was nie gutgeschrieben wurde.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist ein hoher Kassenbestand beim Broker ohnehin selten sinnvoll. Zweitens sind Zinsangebote der Neobroker meist freiwillige Leistungen mit kurzer Kündigungsfrist - eine Bestandsgarantie ist das nicht.
Währungskosten
Wer US-Aktien kauft, zahlt die Umrechnung zweimal: einmal beim Kauf, einmal beim Verkauf. Die Spannweite ist groß und reicht in den geprüften Preisblättern von null bis 0,75 Prozent je Umtausch - easybank weist die Devisenprovision mit 0,00 Prozent aus, die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien mit 0,25 Prozent, Bank Austria mit 0,30 Prozent, und eToro rechnet beim Handel 0,75 Prozent.
Bei einer Position über 10.000 US-Dollar, also rund 8.600 Euro, macht das über Kauf und Verkauf zusammen zwischen null und etwa 130 Euro aus. Die Ordergebühr liegt im selben Beispiel je nach Anbieter zwischen 2 und 65 Euro - die Umrechnung kann sie also übersteigen, muss es aber nicht.
Achten Sie auf zwei Details. Manche Anbieter rechnen Dividenden nicht automatisch in Euro um, sodass Fremdwährungsguthaben liegen bleibt, das Sie irgendwann zum jeweils gültigen Satz tauschen. Und Margen auf den Interbankenkurs sind je Währung sehr unterschiedlich - eine niedrige absolute Zahl im Preisblatt bedeutet nicht automatisch einen niedrigen Prozentsatz, weil sie am Wechselkurs zu messen ist.
Ein Konto in Euro zu führen hilft nur dann, wenn Sie auch in Euro handeln. Sobald ein Papier in Dollar notiert, greift die Umrechnung wieder.
Was der Wechsel kostet
Ein Depotwechsel ist beim Eingang fast immer kostenlos und beim Ausgang selten. flatex verlangt 15,90 Euro je Position - bei zwölf Titeln 190,80 Euro. Dazu kommen bei Auslandsverwahrung Lagerstellenwechselgebühren, die pro Gattung anfallen.
Rechnen Sie diese Kosten ein, bevor Sie ein breit gestreutes Depot mit vielen Kleinpositionen aufbauen. Und prüfen Sie vorher, ob der Zielanbieter eingehende Überträge überhaupt annimmt: Trade Republic hat sie 2025 für Kunden außerhalb Deutschlands ausgesetzt.
Steuerlich wichtig: Werden beim Übertrag die Anschaffungskosten nicht mitübertragen, kann der aufnehmende Broker die Kapitalertragsteuer beim späteren Verkauf nicht anhand Ihres tatsächlichen Einstands berechnen. Er rechnet dann nach der Ersatzregel des Paragrafen 93 Abs. 4 EStG: gemeiner Wert bei Depoteinlage abzüglich 0,5 Prozent je Monat seit der Anschaffung, mindestens aber der halbe gemeine Wert. Das geht in aller Regel zu Ihren Lasten. Prüfen Sie nach dem Wechsel, ob die Einstandswerte richtig übernommen wurden.
Welcher Anbieter welche Konditionen hat, steht im Online-Broker-Vergleich und in den einzelnen Anbieterportraits.
Quellen
- flatex: Preis- und Leistungsverzeichnis, gültig ab 06.02.2026
- DADAT: Konditionenblatt
- Erste Bank: Gebührenblatt DirektDepot
- easybank: Preisblatt easy flat Wertpapierdepot
- Bank Austria: Konditionen OnlineTrader für die Orderspesen und Preise im Wertpapiergeschäft für Depotgebühr und Devisenkommission
- EZB: Leitzinssätze
- Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien: Flex Depot SMART
- Trade Republic: Preisübersicht Österreich
Häufig gestellte Fragen
Welche Gebühr kostet mich am meisten?
Das hängt davon ab, wie Sie anlegen. Wer kauft und liegen lässt, zahlt am meisten über die prozentuale Depotgebühr - bei 50.000 Euro Depotwert und 0,235 Prozent zuzüglich Umsatzsteuer sind das rund 141 Euro im Jahr, jedes Jahr. Wer viel handelt, zahlt über die Ordergebühr. Und wer regelmäßig kleine Beträge bespart, über die Gebühr je Sparplanausführung.
Wie rechne ich Ordergebühren richtig um?
Rechnen Sie sie immer in Prozent der Order um. 9,90 Euro auf 1.000 Euro sind knapp ein Prozent, auf 12.500 Euro nur 0,08 Prozent. Bei prozentualen Modellen prüfen Sie zusätzlich, ob es eine Mindestgebühr und eine Obergrenze gibt - beides verschiebt die Rechnung erheblich.
Was kostet ein unverzinstes Verrechnungskonto?
Bei einem Guthaben von 10.000 Euro und einem EZB-Einlagenzins von 2,25 Prozent verzichten Sie auf gut 200 Euro im Jahr. Das ist bei den meisten Privatanlegern mehr, als sie im selben Jahr an Ordergebühren zahlen - taucht aber auf keiner Abrechnung auf.
Wie viel kostet ein Sparplan über 30 Jahre?
Bei 200 Euro Monatsrate und 1,50 Euro je Ausführung gehen 0,75 Prozent jeder Rate weg. Über 30 Jahre und bei sechs Prozent Rendite fehlen im Endvermögen rund 1.500 Euro - allein durch diese eine Gebühr. Kostenlose Sparplanausführung ist deshalb das wichtigste Kriterium für Sparplananleger.
Was kostet ein Depotwechsel?
Der eingehende Übertrag ist meist gratis, der ausgehende nicht. flatex verlangt 15,90 Euro je Position - bei zwölf Titeln also 190,80 Euro. Prüfen Sie das, bevor Sie ein Depot mit vielen Kleinpositionen aufbauen.
Was kosten US-Aktien zusätzlich?
Die Währungsumrechnung. Sie fällt zweimal an, beim Kauf und beim Verkauf, und reicht in den geprüften Preisblättern von null bis 0,75 Prozent je Umtausch. Bei einer Position über 10.000 US-Dollar, also rund 8.600 Euro, sind das über Kauf und Verkauf zusammen null bis etwa 130 Euro.