Anwalt Gehalt Österreich: Konzipient, Kanzlei, Honorar
2.370 Rechtsanwaltsanwärter, 7.151 Anwälte, kein Kollektivvertrag für Konzipienten. Wie Anwälte nach Tarifgesetz und Honorarkriterien abrechnen.
Für Rechtsanwälte gibt es keine Gehaltstabelle, für ihre Konzipienten in Wien keinen Kollektivvertrag, und für beide keine amtliche Einkommensstatistik. Was sich belegen lässt, ist der Rahmen: fünf Jahre Ausbildung nach dem Studium, ein Tarifgesetz, das Honorare am Streitwert misst, Honorarkriterien der Kammer für alles, was keinen Streitwert hat, und die Mitgliederzahlen, die zeigen, wie eng der Markt geworden ist. 7.151 Anwälte und 2.370 Anwärter standen Ende 2025 in den Listen, mehr als die Hälfte davon in Wien.
Ein Gehalt im engeren Sinn haben in diesem Beruf nur zwei Gruppen: Rechtsanwaltsanwärter, deren Bezahlung frei vereinbart wird, und Kanzleiangestellte, für die es in sechs Bundesländern Kollektivverträge gibt.
Der Weg: fünf Jahre und zwei Gesetze
Wer Rechtsanwalt werden will, braucht nach dem Studium des österreichischen Rechts eine praktische Verwendung von fünf Jahren (§ 2 Rechtsanwaltsordnung). Davon sind im Inland mindestens fünf Monate bei Gericht oder einer Staatsanwaltschaft und mindestens drei Jahre bei einem Rechtsanwalt zu verbringen; Zeiten bei einem Notar oder in bestimmten anderen juristischen Tätigkeiten sind anrechenbar.
Die Rechtsanwaltsprüfung steht früher an: Nach § 2 Rechtsanwaltsprüfungsgesetz genügen drei Jahre praktische Verwendung, davon fünf Monate bei Gericht und zwei Jahre bei einem Anwalt, dazu die Teilnahme an den verbindlichen Ausbildungsveranstaltungen. Zwischen bestandener Prüfung und Eintragung in die Anwaltsliste liegen damit in der Regel zwei weitere Jahre als Rechtsanwaltsanwärter.
Konzipienten: außerhalb des Kollektivvertrags
In dieser Zeit sind Rechtsanwaltsanwärter Angestellte ihrer Kanzlei. Vom Wiener Kollektivvertrag sind sie ausgenommen: Der Wiener Kollektivvertrag für Angestellte in Rechtsanwaltskanzleien definiert seine Berufsgruppe II ausdrücklich als juristische Angestellte, die ein rechtswissenschaftliches Studium abgeschlossen haben und nicht in eine Liste der Rechtsanwälte oder Rechtsanwaltsanwärter eingetragen sind. Wer eingetragen ist, fällt heraus.
Was ein Konzipient verdient, ist deshalb Verhandlungssache zwischen Kanzlei und Anwärter, und dafür gibt es keine belastbare öffentliche Quelle. Der Rechtsanwaltskammertag veröffentlicht Mitgliederzahlen, keine Gehälter. Die einzige Zahl, die als Untergrenze taugt, ist die des Kollektivvertrags für jene Juristen, die nicht eingetragen sind: 2.163 Euro brutto im ersten Berufsjahr in Wien.
Kanzleiangestellte: die Wiener Mindestsätze
Kollektivverträge für Angestellte in Rechtsanwaltskanzleien bestehen laut Gewerkschaft GPA in Wien, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, Tirol und Vorarlberg. Der Wiener Vertrag, abgeschlossen mit der Rechtsanwaltskammer Wien, nennt Mindestsätze ab 1. Jänner 2025:
| Berufsjahr | Berufsgruppe I: Angestellte aller Art | Berufsgruppe II: Kanzleileitung, juristische Angestellte |
|---|---|---|
| 1 | 1.967 | 2.163 |
| 3 | 2.127 | 2.340 |
| 5 | 2.301 | 2.531 |
| 8 | 2.478 | 2.725 |
| 11 | 2.629 | 2.892 |
| 15 | 2.846 | - |
Euro brutto pro Monat. Zur Berufsgruppe II gehören Angestellte, die höchste Kanzleiarbeiten selbständig verrichten, etwa das Betreibungswesen, Buchhaltung und Fremdgeldverwaltung in erheblichem Ausmaß oder komplexe Grundbuchseingaben, sowie Kanzleileiterinnen und die genannten juristischen Angestellten. In Tirol wurden die Kollektivvertragsgehälter mit 1. Jänner 2026 um 3,2 Prozent angehoben, in Vorarlberg stiegen die Mindestgehälter 2025 um 21,6 Prozent.
Wie ein Honorar entsteht
Das Honorar eines Rechtsanwalts wird nach den Allgemeinen Honorar-Kriterien des Rechtsanwaltskammertags, Stand 1. Oktober 2024, frei vereinbart; Schriftform wird empfohlen. Ohne Vereinbarung ist nach §§ 1004 und 1152 ABGB eine angemessene Entlohnung geschuldet, und für die Angemessenheit liefern zwei Regelwerke den Maßstab.
Das Rechtsanwaltstarifgesetz regelt den Anspruch in Zivilverfahren, Schiedsverfahren und bei Privatbeteiligung im Strafverfahren, und damit auch, was die unterlegene Partei an Kosten ersetzen muss. Sein Tarif ordnet jeder Leistung, von der Klage bis zur Verhandlungsstunde, eine Tarifpost zu, deren Betrag mit der Bemessungsgrundlage steigt. Bei einer Geldforderung ist das der Streitwert.
Wo es keinen Streitwert gibt, setzen die Honorar-Kriterien Pauschalwerte fest, auf die der Tarif angewendet wird:
- Bestandsachen: der dreifache Jahresbestandzins, sonst 9.300 Euro bei Wohnungen bis drei Räume, 14.000 Euro bei größeren Wohnungen, 17.300 Euro bei Geschäftsräumen
- Bausachen: 9.300 Euro bei geringfügigen, 34.600 Euro bei mittleren, 286.700 Euro bei Großprojekten
- Abgabensachen: der strittige Betrag, sonst 5.500 Euro
- Adoptionen: das Vermögen des Annehmenden, sonst 9.300 Euro
- Agrarsachen: 17.300 Euro, Bergrechtssachen 57.000 Euro
Daneben steht das Zeithonorar: Bei vereinbartem Stundensatz ergibt sich der Anspruch aus Satz und Zeitaufwand. Welche Stundensätze üblich sind, sagen weder Gesetz noch Kriterien; sie sind Gegenstand der Vereinbarung, und der Rechtsanwaltskammertag verweist auf die Wichtigkeit und Schwierigkeit der Sache als Kostenfaktoren.
Die Zahlen der Kammer
Der Rechtsanwaltskammertag zählte zum 31. Dezember 2025 7.151 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, 114 niedergelassene europäische Anwälte und 2.370 Rechtsanwaltsanwärter. Frauen stellen 25,6 Prozent der Anwälte und 52,6 Prozent der Anwärter; der Nachwuchs ist also weiblich, der Bestand männlich. Wien führt mit 3.811 Anwälten und 1.524 Anwärtern vor Oberösterreich mit 698 und der Steiermark mit 603 Anwälten. Seit 2000, als 3.969 Anwälte eingetragen waren, hat sich der Stand um 80 Prozent erhöht.
Für die Einordnung: Ein Richteramtsanwärter mit Prüfung, der dieselbe Ausbildung durchlaufen hat und in einem festen Gehaltsschema steht, erhält 4.492,90 Euro, eine Richterin beginnt mit 5.286,50 Euro, siehe Richter Gehalt. Der Vollzeit-Median aller unselbständig Erwerbstätigen lag 2024 bei 3.977 Euro im Monat, siehe Durchschnittsgehalt.
Quellen
- Rechtsanwaltsordnung, § 2 (RIS), abgerufen 03.09.2026
- Rechtsanwaltsprüfungsgesetz, § 2 (RIS), abgerufen 03.09.2026
- Rechtsanwaltstarifgesetz (RIS), abgerufen 03.09.2026
- Österreichischer Rechtsanwaltskammertag, Allgemeine Honorar-Kriterien (PDF), Stand 01.10.2024, abgerufen 03.09.2026
- Österreichischer Rechtsanwaltskammertag, Honorar und Tarife, abgerufen 03.09.2026
- Österreichischer Rechtsanwaltskammertag, Mitglieder, Stand 31.12.2025, abgerufen 03.09.2026
- Kollektivvertrag für Angestellte in Rechtsanwaltskanzleien Wien 2025 (PDF), Mindestsätze ab 01.01.2025, abgerufen 03.09.2026
- GPA, Kollektivverträge Anwälte, Bundesländer und Abschlüsse 2025/2026, abgerufen 03.09.2026
Häufig gestellte Fragen
Gibt es ein Mindestgehalt für Rechtsanwaltsanwärter?
In Wien nicht. Der Kollektivvertrag für Angestellte in Rechtsanwaltskanzleien nimmt Personen, die in die Liste der Rechtsanwaltsanwärter eingetragen sind, ausdrücklich aus. Er kennt zwei Berufsgruppen für Kanzleiangestellte, die zweite mit 2.163 Euro im ersten Berufsjahr gilt für juristische Angestellte ohne Eintragung. Was ein Konzipient bekommt, ist frei vereinbart.
Wie lange dauert es bis zum Rechtsanwalt?
Nach § 2 Rechtsanwaltsordnung fünf Jahre praktische Verwendung nach dem Studium, davon mindestens fünf Monate bei Gericht oder Staatsanwaltschaft und mindestens drei Jahre bei einem Rechtsanwalt. Die Rechtsanwaltsprüfung ist nach § 2 Rechtsanwaltsprüfungsgesetz schon nach drei Jahren möglich, davon fünf Monate bei Gericht und zwei Jahre bei einem Anwalt, samt verpflichtenden Ausbildungsveranstaltungen.
Wie rechnen Rechtsanwälte ihr Honorar ab?
Frei vereinbart, meist nach Stundensatz oder Pauschale. Ohne Vereinbarung schulden Auftraggeber ein angemessenes Entgelt. Als Maßstab dienen das Rechtsanwaltstarifgesetz mit Tarifposten nach dem Streitwert, das für Zivilverfahren und den Kostenersatz gilt, und die Allgemeinen Honorar-Kriterien des Rechtsanwaltskammertags, die Bemessungsgrundlagen für nicht bezifferbare Sachen festlegen.
Was ist die Bemessungsgrundlage, wenn es keinen Streitwert gibt?
Die Allgemeinen Honorar-Kriterien nennen Pauschalwerte: 9.300 Euro für Bestandsachen bei Wohnungen bis drei Räume, 17.300 Euro bei Geschäftsräumen, 9.300 Euro für geringfügige und 286.700 Euro für große Bausachen, 5.500 Euro für sonstige Abgabensachen, 9.300 Euro für Adoptionen. Auf diese Beträge werden die Tarifposten des Rechtsanwaltstarifgesetzes angewendet.
Wie viele Anwälte gibt es in Österreich?
7.151 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zum 31. Dezember 2025, dazu 114 niedergelassene europäische Anwälte und 2.370 Rechtsanwaltsanwärter. 3.811 Anwälte sind in Wien eingetragen. Der Frauenanteil liegt bei 25,6 Prozent unter den Anwälten und 52,6 Prozent unter den Anwärtern. Im Jahr 2000 gab es 3.969 Anwälte, ein Plus von 80 Prozent.
Was verdienen Kanzleiangestellte?
Nach dem Wiener Kollektivvertrag seit 1. Jänner 2025 mindestens 1.967 Euro im ersten und 2.846 Euro im 15. Berufsjahr in der Berufsgruppe I, in der Berufsgruppe II für Kanzleileitung und juristische Angestellte 2.163 bis 2.892 Euro. Kollektivverträge gibt es nur in sechs Bundesländern; in Tirol stiegen die Gehälter 2026 um 3,2 Prozent.