KV-Verhandlungen 2026 - Aktuelle Gehaltserhöhungen

KV-Verhandlungen 2026: Alle Ergebnisse der Kollektivvertragsverhandlungen -- Metaller, Handel, IT, Sozialwirtschaft und öffentlicher Dienst.

Aktualisiert: 05. April 2026 16 Min. Lesezeit

Ergebnisse der wichtigsten Branchen

Die jährlichen Kollektivvertragsverhandlungen bestimmen die Gehaltsentwicklung für Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich. Im Herbst 2025 und Frühjahr 2026 wurden die Weichen für die Lohn- und Gehaltserhöhungen in zahlreichen Branchen gestellt. In diesem

Was ist ein Kollektivvertrag?

Ein Kollektivvertrag (KV) ist ein Vertrag zwischen der Gewerkschaft (Arbeitnehmervertretung) und der Wirtschaftskammer oder einem Arbeitgeberverband (Arbeitgebervertretung). Er regelt die Mindeststandards für:

  • Gehälter und Löhne (Mindestgehälter nach Gehaltsgruppen/Verwendungsgruppen)
  • Arbeitszeit (Normalarbeitszeit, Überstundenregelungen)
  • Sonderzahlungen (Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld)
  • Zulagen und Zuschläge (Nachtarbeit, Schmutz, Gefahren)
  • Kündigungsfristen und -termine
  • Urlaub und Freizeitansprüche

In Österreich gibt es rund 800 verschiedene Kollektivverträge, die etwa 98 % aller Arbeitnehmer abdecken — eine der höchsten KV-Abdeckungsraten in der EU.

Der Ablauf der KV-Verhandlungen

Die KV-Verhandlungen in Österreich folgen einem eingespielten Muster:

Zeitlicher Ablauf

  1. September/Oktober: Die Metallindustrie eröffnet traditionell die “Herbstlohnrunde”. Der Metaller-Abschluss gilt als Leitabschluss (Benchmark) für viele andere Branchen.

  2. Oktober/November: Es folgen Verhandlungen im Handel, in der Elektro- und Elektronikindustrie und im Baugewerbe.

  3. November/Dezember: IT-Branche, Sozialwirtschaft, Chemische Industrie und weitere Branchen verhandeln.

  4. Jänner/Februar: Nachzügler-Branchen und der öffentliche Dienst schliessen ihre Verhandlungen ab.

  5. Ganzjährig: Einzelne Branchen verhandeln zu abweichenden Zeitpunkten (z. B. Gastronomie, Tourismus).

Die Verhandlungsbasis

Typischerweise bilden folgende Faktoren die Grundlage der Forderungen:

  • Rollierende Inflation: Durchschnitt der VPI-Inflationsraten der letzten 12 Monate
  • Produktivitätssteigerung: Die Steigerung der Arbeitsproduktivität in der Branche
  • Wirtschaftliche Lage: Branchenkonjunktur und Auftragslage
  • Beschäftigungssituation: Fachkräftemangel bzw. Arbeitsmarktlage

Die Gewerkschaft fordert üblicherweise den Inflationsausgleich plus einen Anteil an der Produktivitätssteigerung — also eine reale Lohnerhöhung über der Inflation.

Rollierende Inflation — Die wichtigste Kennzahl

Die rollierende Inflation (auch: rollierender VPI) ist der Durchschnitt der monatlichen Inflationsraten des Verbraucherpreisindex (VPI) über die letzten 12 Monate. Sie wird bei den KV-Verhandlungen als zentrale Referenzgrösse herangezogen.

Warum rollierende Inflation statt Jahresinflation?

Die rollierende Inflation glättet kurzfristige Schwankungen und bildet die tatsächliche Preisentwicklung besser ab als ein einzelner Monatswert. Sie vermeidet Verzerrungen durch Basiseffekte und saisonale Ausreisser.

Rollierende Inflation für die KV-Runde 2025/2026:

Die rollierende Inflation lag im Herbst 2025 bei etwa 3,0 bis 3,5 %. Nach den extremen Inflationsjahren 2022 (8,6 %) und 2023 (7,8 %) hat sich die Teuerung zwar deutlich beruhigt, liegt aber immer noch über dem langfristigen Durchschnitt.

ZeitraumRollierende Inflation (ca.)
Oktober 20228,6 %
Oktober 20237,8 %
Oktober 20244,2 %
Oktober 20253,2 %

KV-Ergebnisse 2025/2026 im Detail

Metalltechnische Industrie (Leitabschluss)

Die Metallindustrie ist mit rund 130.000 Beschäftigten eine der grössten Branchen und ihr KV-Abschluss dient als Richtschnur für viele weitere Verhandlungen.

Ergebnis Metaller-KV 2025/2026:

  • Gehalts- und Lohnerhöhung: Ca. 4,0 bis 4,5 % (je nach Gehaltsgruppe)
  • Mindestlöhne: Überproportionale Anhebung der unteren Gehaltsgruppen
  • Lehrlingsentschädigungen: Stärkere Erhöhung zur Attraktivierung der Lehre
  • Geltungsbeginn: 1. November 2025
  • Besonderheiten: Einmalige Prämie für bestimmte Beschäftigungsgruppen

Auswirkung: Ein Metallindustrie-Angestellter in Verwendungsgruppe III mit einem Gehalt von 3.200 Euro brutto erhält durch die KV-Erhöhung ca. 128 bis 144 Euro mehr pro Monat.

Handel (Angestellte und Arbeiter)

Der Handel ist mit über 500.000 Beschäftigten die grösste Arbeitgeberbranche in Österreich.

Ergebnis Handels-KV 2026:

  • Gehaltserhöhung: Ca. 3,5 bis 4,5 % (gestaffelt nach Gehaltsgruppen)
  • Mindestgehalt Einstieg: Anhebung auf ca. 2.100 Euro brutto (Vollzeit)
  • Lehrlingsentschädigung: Deutliche Erhöhung, 1. Lehrjahr auf ca. 950 Euro
  • Geltungsbeginn: 1. Jänner 2026
  • Besonderheiten: Höhere prozentuelle Steigerung für niedrige Gehaltsgruppen

Auswirkung: Eine Handelsangestellte in Beschäftigungsgruppe C mit 2.600 Euro brutto erhält ca. 91 bis 117 Euro mehr pro Monat.

IT-Kollektivvertrag

Der IT-KV gilt für die wachsende Zahl von Beschäftigten in der Informationstechnologie und Telekommunikation.

Ergebnis IT-KV 2026:

  • Gehaltserhöhung: Ca. 3,8 bis 4,2 %
  • Mindestgehälter: Angehoben, Einstiegsgehalt für Akademiker bei ca. 3.000 Euro
  • Geltungsbeginn: 1. Jänner 2026
  • Besonderheiten: Regelungen zu Remote Work und digitaler Zusammenarbeit weiterentwickelt

Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ)

Die Sozialwirtschaft umfasst Beschäftigte in sozialen Einrichtungen, Pflege, Behindertenbetreuung und Kinderbetreuung.

Ergebnis SWÖ-KV 2026:

  • Gehaltserhöhung: Ca. 4,0 bis 5,0 % (höhere Erhöhung für untere Gehaltsgruppen)
  • Schwerpunkt: Stärkere Anhebung der Pflegegehälter
  • Geltungsbeginn: 1. Jänner oder 1. Februar 2026
  • Besonderheiten: Zusätzliche Verbesserungen bei der Anrechnung von Vordienstzeiten

Die Sozialwirtschaft hat in den letzten Jahren überdurchschnittliche Erhöhungen erzielt, um den enormen Fachkräftemangel in der Pflege und Betreuung zu bekämpfen.

Öffentlicher Dienst

Der öffentliche Dienst umfasst Bundes- und Landesbedienstete sowie Gemeindebedienstete.

Ergebnis Gehaltsverhandlungen 2026:

  • Gehaltserhöhung: Ca. 3,5 bis 4,0 %
  • Sockelbeträge: Fixbetrag-Erhöhungen für niedrigere Gehaltsstufen
  • Geltungsbeginn: 1. Jänner 2026
  • Besonderheiten: Anpassungen bei Nebengebühren und Zulagen

Weitere Branchen

BrancheKV-Erhöhung 2026 (ca.)
Baugewerbe4,0-4,5 %
Gastronomie/Hotellerie4,0-5,0 %
Chemische Industrie3,8-4,2 %
Elektro-/Elektronikindustrie4,0-4,5 %
Transport und Verkehr3,5-4,5 %
Bank- und Versicherungswesen3,5-4,0 %
Papierindustrie3,8-4,2 %
Textilindustrie3,5-4,0 %

Was bedeutet die KV-Erhöhung für Ihr Gehalt?

Fall 1: Gehalt auf KV-Minimum

Wenn Ihr Gehalt genau dem KV-Mindestgehalt entspricht, wirkt sich die KV-Erhöhung direkt aus. Ihr Gehalt steigt automatisch um den vereinbarten Prozentsatz.

Beispiel: KV-Mindestgehalt 2.800 Euro, Erhöhung 4 % = 2.912 Euro ab Geltungsbeginn.

Fall 2: Gehalt über KV-Minimum (Überzahlung)

Wenn Sie eine Überzahlung erhalten (Ihr tatsächliches Gehalt liegt über dem KV-Minimum), ist die Situation komplexer:

  • Das KV-Mindestgehalt wird in jedem Fall angehoben.
  • Die Überzahlung (Differenz zwischen tatsächlichem Gehalt und KV-Minimum) muss vom Arbeitgeber nicht zwingend im gleichen Ausmass erhöht werden.
  • Manche KVs sehen eine Ist-Lohn-Erhöhung vor (tatsächliches Gehalt wird um den vollen Prozentsatz erhöht). Andere KVs erhöhen nur das KV-Minimum (Mindestgehalt-Erhöhung), wodurch die Überzahlung “aufgesaugt” wird.

Beispiel:

  • KV-Minimum alt: 3.000 Euro
  • Ihr Gehalt: 3.500 Euro (Überzahlung: 500 Euro)
  • KV-Erhöhung: 4 %
  • KV-Minimum neu: 3.120 Euro
  • Variante A (Ist-Lohn-Erhöhung): Ihr Gehalt steigt auf 3.640 Euro
  • Variante B (nur KV-Minimum): Ihr Gehalt bleibt bei 3.500 Euro, da es über dem neuen Minimum liegt

Wichtig: Prüfen Sie Ihren KV genau, ob eine Ist-Lohn- oder nur eine Mindestgehalt-Erhöhung vereinbart wurde.

Fall 3: All-in-Vertrag

Bei All-in-Verträgen wird die KV-Erhöhung auf den KV-Mindestanteil angewendet. Durch die Erhöhung des Mindestgehalts kann sich die im All-in-Betrag enthaltene Überzahlung (die Überstunden abdecken soll) verringern. Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass die All-in-Überzahlung weiterhin alle geleisteten Überstunden abdeckt.

Tipps für Arbeitnehmer

1. Ihren Kollektivvertrag kennen

Wissen Sie, welcher KV für Sie gilt? Prüfen Sie:

  • Gehaltszettel: Der KV ist oft am Lohnzettel vermerkt
  • Arbeitsvertrag: Enthält meist einen Verweis auf den anwendbaren KV
  • WKO-Website: www.wko.at bietet eine Kollektivvertrags-Datenbank
  • Gewerkschaft: Die zuständige Fachgewerkschaft informiert über KV-Details

2. Gehaltszettel nach KV-Erhöhung prüfen

Ab dem Geltungsbeginn der neuen KV-Gehälter sollten Sie Ihren Gehaltszettel genau prüfen:

  • Wurde die Erhöhung korrekt umgesetzt?
  • Stimmt die neue Gehaltsstufe?
  • Wurden Zulagen und Zuschläge ebenfalls angepasst?

3. Gehaltsgespräch führen

Die KV-Runde ist ein guter Anlass für ein Gehaltsgespräch mit Ihrem Vorgesetzten:

  • Bereiten Sie sich mit konkreten Leistungsbeispielen vor
  • Informieren Sie sich über branchenübliche Gehälter
  • Argumentieren Sie mit der allgemeinen Teuerung und Ihrem Mehrwert
  • Fragen Sie nach der Ist-Lohn-Erhöhung, wenn der KV diese vorsieht

4. Gewerkschaftsmitgliedschaft in Betracht ziehen

Die Gewerkschaften verhandeln die KV-Erhöhungen. Eine Mitgliedschaft bietet:

  • Mitsprache bei der Forderungsfindung
  • Rechtsschutz in arbeitsrechtlichen Fragen
  • Information über KV-Details und Ihre Rechte
  • Streikgeld im Falle von Arbeitskämpfen

Die Mitgliedsbeiträge (ca. 1 % des Bruttogehalts) sind als Werbungskosten steuerlich absetzbar.

5. Arbeitnehmerveranlagung machen

Nutzen Sie den Steuerausgleich, um von Absetzbeträgen und Werbungskosten zu profitieren. Die KV-Erhöhung bringt zwar mehr Brutto, aber durch die kalte Progression wird ein Teil davon vom Staat wieder eingenommen. Der Steuerausgleich kann hier teilweise entgegenwirken.

Reallohnentwicklung — Gewinnen oder verlieren Arbeitnehmer?

Die Reallohnentwicklung zeigt, ob die Gehaltserhöhungen die Inflation tatsächlich ausgleichen:

JahrKV-Erhöhung (Metaller)Inflation (VPI)Reallohn-Entwicklung
2022ca. 3,5 %8,6 %-5,1 % (Verlust)
2023ca. 7,4 %7,8 %-0,4 % (leichter Verlust)
2024ca. 8,5-9,0 %4,2 %+4,3-4,8 % (Gewinn)
2025ca. 4,5 %3,2 %+1,3 % (Gewinn)
2026ca. 4,0-4,5 %ca. 2,8-3,0 %+1,0-1,5 % (Gewinn)

Nach den Reallohnverlusten 2022 und 2023 durch die Teuerungswelle haben die hohen KV-Abschlüsse 2024 und 2025 dazu beigetragen, die Kaufkraft der Arbeitnehmer wiederherzustellen. 2026 setzen die KV-Erhöhungen diesen positiven Trend fort, wenn auch in moderaterem Ausmass.

Besonderheiten einzelner Branchen

Pflege und Gesundheit

Die Pflege- und Gesundheitsbranche hat in den letzten Jahren überdurchschnittliche KV-Erhöhungen erzielt. Gründe dafür:

  • Massiver Fachkräftemangel
  • Hohes öffentliches Interesse und politischer Druck
  • Pandemie-Nachwirkungen (Aufwertung der Pflegeberufe)

Die KV-Erhöhung in der Sozialwirtschaft für 2026 liegt mit 4 bis 5 % über dem Durchschnitt anderer Branchen.

Gastronomie und Tourismus

Die Gastronomie kämpft weiterhin mit dem Arbeitskräftemangel. Die KV-Erhöhungen von 4 bis 5 % sollen die Branche attraktiver machen. Zusätzlich wurden Verbesserungen bei den Arbeitszeitregelungen und Zuschlägen vereinbart.

IT-Branche

Die IT-Branche ist eine der wenigen, in denen die KV-Mindestgehälter für viele Beschäftigte weniger relevant sind, da die tatsächlichen Gehälter oft deutlich darüber liegen. Die KV-Erhöhung hat hier eher eine symbolische und bodenbildende Funktion.

KV-Verhandlungen und Mindestlohn in Österreich

In Österreich gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn wie in Deutschland (12,82 Euro/Stunde) oder vielen anderen EU-Ländern. Stattdessen übernehmen die Kollektivverträge die Funktion der Mindestlohnsicherung.

Die Sozialpartner (Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände) haben sich auf einen faktischen Mindestlohn von 2.000 Euro brutto monatlich (Vollzeit, 14 Gehälter) verständigt. Dieser wird durch die KV-Mindestgehälter in den einzelnen Branchen umgesetzt:

BrancheKV-Mindestgehalt 2026 (ca.)
Handel (Einstieg)ca. 2.100 Euro
Metallindustrie (Einstieg)ca. 2.350 Euro
Gastronomie (Hilfskraft)ca. 2.000 Euro
Reinigungsgewerbeca. 2.000 Euro
Bewachungsgewerbeca. 2.050 Euro
Sozialwirtschaft (Einstieg)ca. 2.200 Euro

Die EU-Mindestlohnrichtlinie (2022/2041) verpflichtet Österreich zwar nicht zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, verlangt aber Massnahmen zur Stärkung der Tarifbindung. Da Österreich mit rund 98 % bereits eine der höchsten KV-Abdeckungsraten hat, sind die Anforderungen weitgehend erfüllt.

Sonderthemen bei KV-Verhandlungen 2026

Neben der reinen Gehaltserhöhung wurden bei den KV-Verhandlungen 2025/2026 auch qualitative Verbesserungen erzielt:

Arbeitszeitflexibilisierung

Mehrere KVs enthalten neue Regelungen zur Arbeitszeitflexibilisierung:

  • 4-Tage-Woche: Einige KVs ermöglichen nun explizit die Verteilung der Normalarbeitszeit auf 4 Tage (bei gleichbleibender Wochenarbeitszeit)
  • Gleitzeitrahmen: Erweiterung der Gleitzeitrahmen in mehreren Branchen
  • Home-Office-Regelungen: Konkretisierung der Home-Office-Bestimmungen, Kostenübernahme für Arbeitsmittel

Aus- und Weiterbildung

Die Bedeutung von Weiterbildung spiegelt sich in neuen KV-Bestimmungen wider:

  • Bildungsfreistellung: Manche KVs sehen bezahlte Freistellungen für Weiterbildung vor
  • Bildungskonto: Einige Branchen haben ein jährliches Weiterbildungsbudget eingeführt
  • Digitale Kompetenzen: Spezielle Regelungen zur Förderung digitaler Fähigkeiten

Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Einige KVs beinhalten erstmals Regelungen mit Nachhaltigkeitsbezug:

  • Klimaticket-Zuschuss: Arbeitgeberzuschuss zum Klimaticket als KV-Leistung
  • Radfahren zur Arbeit: Km-Geld für Radfahrer in einzelnen KVs
  • Green Benefits: Nachhaltigkeitsprämien oder Zuschüsse für umweltfreundliches Verhalten

Kalte Progression und KV-Erhöhung

Die kalte Progression ist ein Phänomen, bei dem Gehaltserhöhungen durch die progressive Besteuerung teilweise vom Staat “aufgefressen” werden. Seit 2023 wird die kalte Progression in Österreich zu zwei Dritteln automatisch kompensiert:

Beispiel: Auswirkung der KV-Erhöhung nach Steuern

PositionVor ErhöhungNach Erhöhung (+4 %)
Bruttogehalt (14x)3.000 Euro3.120 Euro
Jahresbrutto42.000 Euro43.680 Euro
Lohnsteuer/Jahr (ca.)5.700 Euro6.100 Euro
SV-Beiträge/Jahr (ca.)7.610 Euro7.915 Euro
Jahresnetto28.690 Euro29.665 Euro
Netto-Steigerung+975 Euro (+3,4 %)

Von der 4-%igen Brutto-Erhöhung kommen also netto nur ca. 3,4 % an. Der Rest wird durch höhere Steuern und SV-Beiträge aufgezehrt. Ohne die Kompensation der kalten Progression wäre die Netto-Steigerung noch geringer.

Streikrecht und Arbeitskampf in Österreich

Österreich ist ein Land mit extrem wenigen Arbeitskämpfen. Das Modell der Sozialpartnerschaft setzt auf Konsens statt Konfrontation. Dennoch gibt es das Streikrecht:

  • Warnstreiks: Kurze Arbeitsniederlegungen (meist 1-2 Stunden), um Druck auf die Verhandlungen auszuüben
  • Betriebsversammlungen: Häufiger genutzt als Streiks, um Arbeitnehmer über den Verhandlungsstand zu informieren
  • Streik als letztes Mittel: Ein vollständiger Streik ist in Österreich selten. Die letzten grösseren Streiks fanden im Metallbereich und im Handel statt, als die Verhandlungen festgefahren waren.

Für Arbeitnehmer: Während eines Streiks besteht kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Gewerkschaftsmitglieder erhalten Streikgeld aus dem Streikfonds der Gewerkschaft.

Ausblick: KV-Verhandlungen 2026/2027

Für die nächste KV-Runde im Herbst 2026 zeichnen sich folgende Tendenzen ab:

  • Inflation: Die Inflationsrate dürfte sich 2026 weiter auf rund 2,5 bis 3 % normalisieren.
  • Wirtschaftslage: Moderate Konjunkturerholung erwartet
  • Produktivität: Steigende Produktivität durch Digitalisierung und KI
  • Fachkräftemangel: Bleibt in vielen Branchen das bestimmende Thema
  • Erwartete Erhöhung: Voraussichtlich 3 bis 4 % für die KV-Runde 2026/2027

KV-Rechner — So berechnen Sie Ihr neues Gehalt

Um Ihr neues Gehalt nach der KV-Erhöhung zu berechnen, gehen Sie wie folgt vor:

Schritt 1: Aktuelles KV-Mindestgehalt ermitteln Finden Sie Ihre Verwendungsgruppe und Gehaltsstufe im aktuellen KV. Diese Information steht auf Ihrem Gehaltszettel.

Schritt 2: Neues KV-Mindestgehalt berechnen Multiplizieren Sie das alte KV-Mindestgehalt mit dem Erhöhungsprozentsatz: Neues Minimum = Altes Minimum x (1 + Erhöhung/100)

Schritt 3: Überzahlung prüfen Ist Ihr tatsächliches Gehalt höher als das neue KV-Minimum? Falls ja, hängt die tatsächliche Erhöhung davon ab, ob eine Ist-Lohn- oder nur eine Mindestgehalt-Erhöhung vereinbart wurde.

Beispiel:

  • Verwendungsgruppe III, Stufe 5
  • Altes KV-Minimum: 3.200 Euro
  • KV-Erhöhung: 4 %
  • Neues KV-Minimum: 3.328 Euro
  • Ihr tatsächliches Gehalt: 3.600 Euro
  • Bei Ist-Lohn-Erhöhung: Neues Gehalt = 3.744 Euro (+144 Euro)
  • Bei nur Mindestgehalt-Erhöhung: Gehalt bleibt bei 3.600 Euro (liegt über dem neuen Minimum)

Die wichtigsten Gewerkschaften und ihre Zuständigkeit

GewerkschaftZuständige BranchenMitglieder (ca.)
GPA (Gewerkschaft der Privatangestellten)Handel, IT, Banken, Versicherungen, Medienca. 300.000
PRO-GE (Produktionsgewerkschaft)Metallindustrie, Nahrung, Chemie, Papierca. 230.000
vidaTransport, Tourismus, persönliche Diensteca. 160.000
Bau-HolzBaugewerbe, Holzindustrieca. 100.000
younionÖffentlicher Dienst, Gemeindebediensteteca. 130.000
GÖD (Gewerkschaft öffentlicher Dienst)Bundesbediensteteca. 240.000
GPF (Post- und Fernmeldebedienstete)Post, Telekomca. 40.000

Die Gewerkschaftsmitgliedsbeiträge betragen ca. 1 % des Bruttogehalts und sind als Werbungskosten von der Steuer absetzbar. Die Mitgliedschaft ist freiwillig, aber nur Gewerkschaftsmitglieder profitieren von bestimmten Zusatzleistungen (Rechtsschutz, Streikgeld, Beratung).

Praktisches Beispiel: So wirkt sich die KV-Erhöhung auf Ihr Netto aus

Ausgangssituation: Frau Huber, Handelsangestellte, Beschäftigungsgruppe C, 2. Berufsjahr

PositionVor KV-ErhöhungNach KV-Erhöhung (+4 %)
KV-Mindestgehalt2.600 Euro2.704 Euro
Tatsächliches Gehalt (Überzahlung)2.800 Euro2.912 Euro (bei Ist-Lohn-Erhöhung)
SV-Beiträge (DN)507,36 Euro527,63 Euro
Lohnsteuer (ca.)265 Euro290 Euro
Netto2.027,64 Euro2.094,37 Euro
Netto-Steigerung+66,73 Euro/Monat
Jahres-Netto-Steigerung (14 Gehälter)+934 Euro

Mit Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld (die ebenfalls um 4 % steigen) ergibt sich eine jährliche Netto-Steigerung von rund 934 Euro. Die Steuerersparnis durch die begünstigte Besteuerung der Sonderzahlungen kommt zusätzlich hinzu.

Geschichte der KV-Verhandlungen in Österreich

Die Tradition der Kollektivvertragsverhandlungen in Österreich reicht bis in die Nachkriegszeit zurück:

  • 1947: Gründung des ÖGB und Beginn der Sozialpartnerschaft
  • 1957: Einrichtung der Paritätischen Kommission für Preis- und Lohnfragen
  • 1960er-1980er Jahre: “Goldenes Zeitalter” der Sozialpartnerschaft mit kontinuierlichen Reallohnsteigerungen
  • 1990er Jahre: Zunehmende Flexibilisierung und Dezentralisierung der Verhandlungen
  • 2000er Jahre: Trend zu moderateren Abschlüssen
  • 2022-2023: Historisch hohe KV-Erhöhungen als Reaktion auf die Teuerungswelle
  • 2024-2026: Normalisierung der Abschlüsse bei sinkender Inflation

Die österreichische Sozialpartnerschaft gilt international als Erfolgsmodell und hat wesentlich zur sozialen Stabilität und dem wirtschaftlichen Wohlstand des Landes beigetragen.

KV-Verhandlungen und Gleichstellung

Die KV-Verhandlungen sind auch ein wichtiges Instrument zur Förderung der Geschlechtergleichstellung:

Gender Pay Gap: Der bereinigte Gender Pay Gap in Österreich beträgt ca. 12 bis 15 %. Kollektivverträge tragen zur Reduzierung bei, indem sie transparente Gehaltsschemata mit klaren Einstufungskriterien vorsehen.

Massnahmen in KVs 2026:

  • Mehrere KVs sehen nun explizite Gleichstellungsklauseln vor
  • Transparente Einstufungskriterien, die geschlechtsneutral formuliert sind
  • Anrechnung von Karenzzeiten: Viele KVs rechnen die Karenzzeit bis zu einem bestimmten Ausmass auf die Vorrückung an
  • Equal Pay: Betriebe mit Betriebsrat können Einkommensberichte einfordern

Die Rolle der Sozialpartnerschaft

Österreichs Sozialpartnerschaft ist ein einzigartiges System der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretung:

Arbeitnehmerseite:

  • ÖGB (Österreichischer Gewerkschaftsbund): Dachverband der Gewerkschaften
  • Fachgewerkschaften: PRO-GE (Produktion), GPA (Privatangestellte), vida (Dienstleistungen), Bau-Holz, younion (öffentlicher Dienst) u. a.
  • Arbeiterkammern: Pflichtmitgliedschaft für alle Arbeitnehmer, bieten Rechtsberatung und vertreten Arbeitnehmerinteressen

Arbeitgeberseite:

  • WKO (Wirtschaftskammer Österreich): Pflichtmitgliedschaft für Unternehmen
  • Industriellenvereinigung (IV): Freiwillige Interessenvertretung der Industrie
  • Landwirtschaftskammern: Für den Agrarsektor

Die Sozialpartnerschaft hat sich über Jahrzehnte bewährt und trägt zur sozialen Stabilität in Österreich bei. Kritiker bemängeln allerdings die langsame Entscheidungsfindung und die manchmal zu kompromissorientierte Haltung.

Wie finde ich meinen Kollektivvertrag?

Viele Arbeitnehmer wissen nicht genau, welcher KV für sie gilt. So finden Sie es heraus:

  1. Gehaltszettel prüfen: Der anwendbare KV ist oft auf dem Lohnzettel vermerkt
  2. Arbeitsvertrag lesen: Im Vertrag wird üblicherweise auf den KV verwiesen
  3. Arbeitgeber fragen: Die Personalabteilung muss Auskunft geben
  4. WKO-Branchenzuordnung: Der KV richtet sich nach der Branche des Arbeitgebers (WKO-Fachgruppe), nicht nach dem Beruf des Arbeitnehmers
  5. Arbeiterkammer: Die AK hilft kostenlos bei der Ermittlung des anwendbaren KV
  6. Online-Datenbanken: Die WKO und die Gewerkschaften stellen KV-Texte online zur Verfügung

Beispiel: Eine Buchhalterin, die bei einem Handelsunternehmen arbeitet, fällt unter den KV für Angestellte im Handel — nicht unter einen “Buchhaltungs-KV”.

KV-Verhandlungen verstehen — Begriffe und Abkürzungen

BegriffErklärung
Ist-Lohn-ErhöhungTatsächliches Gehalt wird erhöht (nicht nur KV-Minimum)
KV-Mindest-ErhöhungNur das KV-Mindestgehalt wird angehoben
SockelerhöhungFixbetrag-Erhöhung (z. B. +100 Euro für alle)
Prozentwert-ErhöhungProzentuelle Erhöhung (z. B. +4 %)
MischformelKombination aus Sockel und Prozent
LeitabschlussErster grosser KV-Abschluss (Metaller), der als Referenz dient
HerbstlohnrundeTraditioneller Start der KV-Verhandlungen im Herbst
Rollierende Inflation12-Monats-Durchschnitt der VPI-Inflationsraten
ReallohnKaufkraftbereinigter Lohn (Nominallohn minus Inflation)
FriedenspflichtVereinbarung, während der KV-Laufzeit nicht zu streiken

Zusammenfassung

Die KV-Verhandlungen 2025/2026 haben in Österreich Gehaltserhöhungen zwischen 3,5 und 5 % gebracht — je nach Branche. Nach den Inflationsjahren 2022/2023 setzen diese Abschlüsse den positiven Trend der Reallohnsteigerung fort. Der Metaller-KV als Leitabschluss hat die Richtung vorgegeben, andere Branchen folgten auf ähnlichem Niveau. Für Arbeitnehmer ist es wichtig, den eigenen Kollektivvertrag zu kennen, den Gehaltszettel nach der Erhöhung zu prüfen und bei Bedarf ein Gehaltsgespräch zu führen. Die Gewerkschaftsmitgliedschaft und die jährliche Arbeitnehmerveranlagung sind weitere wichtige Werkzeuge, um das Maximum aus der eigenen Einkommenssituation herauszuholen.

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Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist die KV-Erhöhung 2026 im Handel?

Die KV-Erhöhung im Handel für 2026 liegt bei rund 3,5 bis 4,5 % je nach Gehaltsgruppe. Die Mindestgehälter wurden überproportional angehoben, um die unteren Einkommensgruppen stärker zu entlasten.

Was haben die Metaller-KV-Verhandlungen 2025/2026 ergeben?

Die Metallindustrie hat für 2025/2026 eine Gehaltserhöhung von rund 4 bis 4,5 % vereinbart. Der Metaller-KV gilt als Leitabschluss für viele weitere Branchen in Österreich.

Wann finden die KV-Verhandlungen statt?

Die KV-Verhandlungen in Österreich beginnen traditionell im Herbst mit der Metallindustrie (September/Oktober). Danach folgen Handel, IT, Sozialwirtschaft und andere Branchen. Die meisten Abschlüsse gelten ab Jänner des Folgejahres.

Was ist die rollierende Inflation?

Die rollierende Inflation ist der Durchschnitt der monatlichen Inflationsraten der letzten 12 Monate. Sie wird häufig als Basis für KV-Verhandlungen verwendet, da sie Schwankungen glättet und ein realistischeres Bild der Preisentwicklung zeigt.

Gilt die KV-Erhöhung auch für Teilzeitkräfte?

Ja, die Kollektivvertrags-Erhöhung gilt für alle Arbeitnehmer, die unter den jeweiligen KV fallen -- unabhängig davon, ob sie Vollzeit oder Teilzeit arbeiten. Die Erhöhung bezieht sich auf den Monatsbezug, der bei Teilzeit entsprechend der Arbeitszeit aliquotiert wird.

Was kann ich tun, wenn mein Gehalt trotz KV-Erhöhung nicht steigt?

Wenn Sie bereits über dem KV-Mindestgehalt bezahlt werden (Überzahlung), ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, die Überzahlung im gleichen Ausmass zu erhöhen. Sie können aber in einem Gehaltsgespräch verhandeln und auf Ihre Leistung und die allgemeine Teuerung hinweisen.

Welcher Kollektivvertrag gilt für mich?

Der anwendbare KV richtet sich nach der Branchenzugehörigkeit Ihres Arbeitgebers (nicht nach Ihrem Beruf). Sie finden Ihren KV auf dem Gehaltszettel, in Ihrem Arbeitsvertrag oder über die WKO- bzw. Gewerkschafts-Website.

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Redaktion finanzinfo.at

Chefredakteur finanzinfo.at

Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.