Pilot Gehalt Österreich: AUA-Kollektivvertrag, Ausbildung, Flugstunden

19,4 Prozent mehr bis Ende 2026, Copiloten zusätzlich 11: der AUA-Kollektivvertrag. Dazu 120.000 Euro Ausbildung und die 900-Stunden-Grenze.

Stand: 03. September 2026 8 Min. Lesezeit

Pilotengehälter in Österreich sind Firmentarife. Den einen Kollektivvertrag, der für alle gilt, gibt es nicht; was es gibt, ist der Bord-Kollektivvertrag der Austrian Airlines für rund 1.000 Pilotinnen und Piloten, und der wurde im Frühjahr 2024 nach Streiks neu verhandelt: 19,4 Prozent mehr in drei Stufen bis Jänner 2026, für Copiloten zusätzlich elf Prozent, Laufzeit bis Ende 2026.

Wer diese Gehälter erreichen will, hat zuvor die Ausbildung zu bezahlen: 120.000 Euro an der Flugschule der Lufthansa Group, seit 2024 mit 10.000 Euro Eigenanteil und einer Rückzahlung, die vom späteren Einkommen abhängt.

Der Kollektivvertrag der AUA: drei Stufen bis 2026

Nach Streiks im März und April 2024 einigten sich Austrian Airlines und die Gewerkschaft vida am 25. April 2024 auf einen neuen Kollektivvertrag für das Bordpersonal. Die Eckpunkte laut ORF:

  • Erhöhung in drei Stufen, April 2024, Jänner 2025 und Jänner 2026, um durchschnittlich 19,4 Prozent bis Ende 2026
  • 2026 bis zu zwei zusätzliche Prozentpunkte, abhängig vom Unternehmensergebnis 2025
  • für Copilotinnen und Copiloten eine zusätzliche Erhöhung um durchschnittlich elf Prozent
  • Reduktion der Arbeitsbelastung und bessere Absicherung bei medizinisch bedingtem Lizenzverlust
  • Friedenspflicht für die gesamte Laufzeit bis Ende 2026

Betroffen sind rund 1.000 Pilotinnen und Piloten und 2.500 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter. Die Gewerkschaft sprach von einer deutlichen Erhöhung über der Inflationsrate.

Die Gehaltstabellen selbst stehen im Kollektivvertrag Bordpersonal, den der ÖGB-Verlag im Volltext veröffentlicht, mit den seit 1. Jänner 2025 anwendbaren Tabellen nach Dienstjahren. Sie unterscheiden nach Funktion, Copilot oder Kapitän, und nach Flotte. Wer eine konkrete Zahl für ein bestimmtes Dienstjahr sucht, findet sie dort; für einen Vergleich mit anderen Berufen genügt der Rahmen: Ein Copilot, dessen Gehalt seit April 2024 um 19,4 plus elf Prozent gestiegen ist, hat in zwei Jahren rechnerisch rund 30 Prozent mehr erhalten, während die Herbstlohnrunde 2025 Abschlüsse unter drei Prozent brachte.

Wie der Abschluss zustande kam, ist typisch für Firmenkollektivverträge: nicht in der Herbstlohnrunde mit Leitabschluss, sondern in einem eigenen Konflikt mit Betriebsversammlungen und Streiks, den beide Seiten mit einer Friedenspflicht beendet haben, die bis zum Auslaufen des Vertrags gilt. Die nächste Verhandlung steht damit für 2027 an.

Was vor dem ersten Gehalt steht: 120.000 Euro

Die European Flight Academy ist die Flugschule der Lufthansa Group, zu der Austrian Airlines gehört. Lufthansa Aviation Training hat im Juli 2024 das Finanzierungsmodell umgestellt:

vor Juli 2024seit Juli 2024
Ausbildungspreis110.000 Euro120.000 Euro ab Kursstart November 2024
Eigenanteil bei Vertragsabschluss30.000 Euro10.000 Euro
Finanzierung des Restseigene SicherheitenEinkommensbeteiligung über Brain Capital

Die Einkommensbeteiligung läuft elf Jahre. Absolventen zahlen einen festen Prozentsatz ihres Bruttoeinkommens zurück, höchstens elf Prozent bei voller Finanzierung, und erst ab einem Jahresbrutto von 30.000 Euro. Der Gesamtzinssatz ist mit 8,0 Prozent gedeckelt, zusätzliche Sicherheiten sind nicht nötig. Die Ausbildung dauert rund 24 Monate. Wer im Campus-Modell ausgebildet wird, erhält laut Lufthansa Aviation Training Unterstützung bei der Bewerbung auf Cockpitstellen in der Gruppe und wird gegenüber anderen Bewerbern priorisiert; eine Garantie auf eine Stelle bei einer bestimmten Airline ist das nicht.

Die Rechnung dahinter: Bei elf Prozent des Bruttoeinkommens über elf Jahre trägt ein Pilot mit 60.000 Euro Jahresbrutto 6.600 Euro im Jahr ab, mit 100.000 Euro 11.000 Euro. Das Modell koppelt die Rückzahlung an den Erfolg der Ausbildung, verteuert sie aber gegenüber der Vorauszahlung, sobald der Zinsdeckel ausgeschöpft wird.

Die Obergrenze: 900 Stunden im Jahr

Wie viel ein Pilot arbeitet, regelt nicht der Kollektivvertrag, sondern EU-Recht. Die Verordnung (EU) Nr. 965/2012 legt in Teil ORO, Abschnitt FTL, die Flug- und Dienstzeiten fest. Nach ORO.FTL.210 darf die Gesamtflugzeit eines Besatzungsmitglieds nicht überschreiten:

  • 100 Flugstunden in 28 aufeinanderfolgenden Tagen
  • 900 Flugstunden in einem Kalenderjahr
  • 1.000 Flugstunden in zwölf aufeinanderfolgenden Kalendermonaten

Für die Dienstzeit, die auch Vor- und Nachbereitung umfasst, gelten 60 Stunden in sieben Tagen, 110 Stunden in 14 Tagen und 190 Stunden in 28 Tagen, möglichst gleichmäßig verteilt. Diese Grenzen gelten für jeden gewerblichen Luftverkehrsbetreiber in der EU, unabhängig vom Gehalt. Ein Pilot, der die 900 Stunden ausschöpft, fliegt im Schnitt 75 Stunden im Monat; ein Jahresgehalt lässt sich damit auf die Flugstunde umlegen, was in keiner anderen Branche so präzise begrenzt ist.

Wer sonst noch fliegt

Außerhalb der Linienluftfahrt sind Piloten nach den Regeln ihres Dienstgebers bezahlt: Beamte der Flugpolizei nach dem Gehaltsgesetz mit einer erhöhten Wachdienstzulage nach § 81 Abs. 3, Militärpiloten als Bundesbeamte nach dem Gehaltsgesetz, Rettungshubschrauberpiloten nach den Verträgen der jeweiligen Betreiber. Gemeinsam ist ihnen nur die EU-Flugzeitregel.

Wie ein Grundgehalt nach dem Gehaltsgesetz aussieht und was die Zulagen im Exekutivdienst ausmachen, steht beim Polizei Gehalt. Der Vollzeit-Median aller unselbständig Erwerbstätigen lag 2024 bei 3.977 Euro im Monat, siehe Durchschnittsgehalt.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was hat der Kollektivvertrag der AUA für Piloten gebracht?

Eine Erhöhung von durchschnittlich 19,4 Prozent in drei Stufen, April 2024, Jänner 2025 und Jänner 2026, für rund 1.000 Pilotinnen und Piloten und 2.500 Flugbegleiter. Copilotinnen und Copiloten erhielten zusätzlich im Schnitt elf Prozent. 2026 können je nach Unternehmensergebnis 2025 bis zu zwei Prozentpunkte dazukommen. Der Vertrag läuft bis Ende 2026 mit Friedenspflicht.

Wo stehen die Gehaltstabellen der AUA-Piloten?

Im Kollektivvertrag für das Bordpersonal der Austrian Airlines, der auf kollektivvertrag.at des ÖGB-Verlags einsehbar ist, mit den seit 1. Jänner 2025 anwendbaren Tabellen nach Dienstjahren. Die Beträge sind Firmentarife, die für andere Fluglinien nicht gelten.

Was kostet die Pilotenausbildung?

An der European Flight Academy der Lufthansa Group 120.000 Euro für Kursstarts ab November 2024, davor 110.000 Euro. Der Eigenanteil wurde im Juli 2024 von 30.000 auf 10.000 Euro gesenkt. Den Rest finanziert der Partner Brain Capital über eine Einkommensbeteiligung: elf Jahre lang höchstens elf Prozent des Bruttoeinkommens, erst ab 30.000 Euro Jahresbrutto, mit einem Zinsdeckel von 8 Prozent. Die Ausbildung dauert rund 24 Monate.

Wie viele Stunden darf ein Pilot fliegen?

Nach der EU-Verordnung 965/2012, Regel ORO.FTL.210, höchstens 100 Flugstunden in 28 aufeinanderfolgenden Tagen, 900 Flugstunden im Kalenderjahr und 1.000 Flugstunden in zwölf aufeinanderfolgenden Monaten. Für die Dienstzeit gelten 60 Stunden in sieben, 110 in 14 und 190 in 28 Tagen.

Gibt es einen Kollektivvertrag für alle Piloten in Österreich?

Nein. Der Bord-Kollektivvertrag der Austrian Airlines ist ein Vertrag dieses Unternehmens mit der Gewerkschaft vida. Piloten anderer Fluglinien, der Flugrettung oder der Bundespolizei sind nach den Regelungen ihres jeweiligen Dienstgebers bezahlt.