Rendite berechnen: Durchschnitt, Steuer und Kaufkraft

Warum plus 50 und minus 50 Prozent nicht null ergeben, wieso zwei Anleger im selben Fonds verschiedene Renditen haben und was real übrig bleibt.

Stand: 03. September 2026 9 Min. Lesezeit

Ein Depot verliert in einem Jahr 50 Prozent und gewinnt im nächsten 50 Prozent. Der Durchschnitt ist null, das Depot müsste also wieder bei seinem Ausgangswert stehen. Tatsächlich fehlt ein Viertel.

Aus 10.000 Euro werden nach dem Zugewinn 15.000 Euro, und die Hälfte davon sind 7.500 Euro. Das ist kein Rechentrick, sondern der Normalfall bei jeder schwankenden Anlage - und der Grund, warum die Zahl, die in Werbeunterlagen steht, selten die Zahl ist, die auf dem Konto ankommt.

Warum der Durchschnitt in die Irre führt

Prozentsätze lassen sich nicht mitteln, weil jeder auf einen anderen Ausgangsbetrag wirkt. Der Verlust von 50 Prozent trifft die aufgeblähten 15.000 Euro, der Gewinn davor nur 10.000 Euro.

Richtig gerechnet wird über Wachstumsfaktoren. Aus plus 50 Prozent wird der Faktor 1,5, aus minus 50 Prozent der Faktor 0,5. Multipliziert ergibt das 0,75, also ein Minus von 25 Prozent über beide Jahre. Die jährliche Rendite ist die Quadratwurzel daraus, minus eins: minus 13,4 Prozent pro Jahr.

Aussage
arithmetisches Mittel0,0 % pro Jahr
tatsächliches Ergebnis- 25 % über zwei Jahre
geometrisches Mittel- 13,4 % pro Jahr

Der Abstand zwischen beiden Mittelwerten wächst mit der Schwankungsbreite. Bei ruhigen Anlagen ist er vernachlässigbar, bei stark schwankenden erheblich. Wer zwei Anlagen vergleicht, muss deshalb wissen, welches Mittel jeweils angegeben ist - das arithmetische fällt immer höher aus.

Die Faustregel für die Praxis: Nur das geometrische Mittel beantwortet die Frage, welcher gleichbleibende Zinssatz zum selben Endwert geführt hätte. Nur diese Zahl ist vergleichbar.

Wann das Geld kam, entscheidet mit

Zwei Anleger halten denselben Fonds über dieselben zwei Jahre. Der Fonds gewinnt im ersten Jahr 20 Prozent und verliert im zweiten 10 Prozent.

Anleger A legt zu Beginn 10.000 Euro an. Nach zwei Jahren stehen 10.800 Euro im Depot, ein Plus von 800 Euro.

Anleger B legt ebenfalls 10.000 Euro an und stockt nach dem guten ersten Jahr um weitere 10.000 Euro auf. Zum Jahreswechsel liegen damit 22.000 Euro im Depot. Das schwache zweite Jahr trifft nun den vollen Betrag: Am Ende stehen 19.800 Euro bei 20.000 Euro Einzahlung - ein Verlust von 200 Euro.

Derselbe Fonds, derselbe Zeitraum, einmal Gewinn und einmal Verlust. Der Unterschied liegt ausschließlich im Zeitpunkt der zweiten Einzahlung.

Daraus folgen zwei verschiedene Renditebegriffe:

  • Die zeitgewichtete Rendite blendet Ein- und Auszahlungen aus und misst allein die Leistung der Anlage. Sie beträgt für beide Anleger 8 Prozent über zwei Jahre. Fondsgesellschaften weisen diese Zahl aus, und das zu Recht - sie können nichts dafür, wann jemand einzahlt.
  • Die geldgewichtete Rendite berücksichtigt jede Bewegung und misst das Ergebnis des Anlegers. Sie ist für A positiv und für B negativ.

Für die Beurteilung eines Fonds zählt die erste Zahl, für die eigene Bilanz die zweite. Wer regelmäßig einzahlt, findet in seiner Depotübersicht deshalb oft eine andere Rendite als im Factsheet - beide können korrekt sein. Die Mechanik regelmäßiger Einzahlungen steht beim Sparplan.

Von brutto zu real

Zwischen der beworbenen Rendite und dem Kaufkraftgewinn liegen drei Abzüge, die nacheinander wirken. Ein Beispiel mit einer Bruttorendite von 6 Prozent:

SchrittRechnungErgebnis
Bruttorendite6,00 %
abzüglich Fondskosten von 0,2 %6,00 - 0,205,80 %
abzüglich 27,5 % Kapitalertragsteuer5,80 × 0,7254,21 %
abzüglich Inflation von 3,2 %1,0421 / 1,0320,97 %

Von sechs Prozent bleibt knapp ein Prozent realer Zuwachs. Zwei Punkte daran sind wichtig.

Erstens wird die Inflation nicht abgezogen, sondern herausgerechnet. Die Näherung durch einfache Subtraktion ergäbe 1,01 statt 0,97 Prozent - bei diesen Größenordnungen ein kleiner Fehler, bei hoher Inflation ein großer. Die aktuelle Rate von 3,2 Prozent für August 2026 stammt aus der Schnellschätzung von Statistik Austria; Hintergrund und Verlauf stehen bei der Inflation.

Zweitens greift die Steuer nicht in jedem Jahr auf den vollen Ertrag zu. Bei einem thesaurierenden Fonds werden laufend nur die ausschüttungsgleichen Erträge besteuert, also Zinsen und Dividenden voll sowie 60 Prozent der im Fonds realisierten Kursgewinne. Der Rest bleibt bis zum Verkauf unversteuert und arbeitet weiter. Diese Stundung ist ein realer Vorteil, und die Rechnung oben unterschätzt das Ergebnis insoweit. Die Systematik dazu steht bei den ETFs.

Was daraus über 30 Jahre wird

Der Unterschied zwischen 5,8 und 4,2 Prozent sieht klein aus. Über lange Zeiträume ist er es nicht.

Rendite p.a.Faktor nach 30 Jahrenaus 10.000 Euro werden
5,80 %5,4354.300 Euro
4,21 %3,4434.400 Euro

Ein Abstand von 1,6 Prozentpunkten kostet nach dreißig Jahren rund 20.000 Euro, also gut ein Drittel des Endwertes. Der Grund ist der Zinseszins: Jeder entnommene Euro fehlt nicht nur selbst, sondern auch mit allem, was er in den Folgejahren erwirtschaftet hätte.

Dasselbe gilt für Kosten. Ein Prozentpunkt mehr an laufenden Gebühren wirkt über dreißig Jahre wie ein Prozentpunkt weniger Rendite - was die Fondskosten zur wichtigsten beeinflussbaren Größe macht, denn die Marktrendite lässt sich nicht steuern, die Kostenquote schon.

Woran ein Vergleich scheitert

Vier Angaben müssen übereinstimmen, sonst vergleicht die Gegenüberstellung nichts:

  • derselbe Zeitraum. Eine Zehnjahresrendite, die 2015 beginnt, enthält andere Marktphasen als eine, die 2013 beginnt.
  • dieselbe Basis. Kumuliert oder pro Jahr, brutto oder nach Kosten - alle vier Varianten derselben Anlage ergeben verschiedene Zahlen.
  • dasselbe Mittel. Das arithmetische fällt bei schwankenden Anlagen immer höher aus als das geometrische, und zwar umso deutlicher, je stärker die Schwankung war.
  • dieselbe Währung. Eine in Dollar ausgewiesene Rendite sagt einem Anleger im Euroraum wenig, solange der Wechselkurs nicht eingerechnet ist.

Bei verzinsten Anlagen kommt eine fünfte Frage hinzu: nominal oder effektiv. Ein Zinssatz mit unterjähriger Gutschrift führt zu einem höheren Jahresertrag als derselbe Satz mit jährlicher Gutschrift. Wie das bei Spareinlagen aussieht, steht bei den Sparzinsen.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Warum ergeben plus 50 und minus 50 Prozent nicht null?

Weil Prozentsätze auf unterschiedliche Beträge wirken. Aus 10.000 Euro werden mit plus 50 Prozent 15.000 Euro, davon minus 50 Prozent ergibt 7.500 Euro. Der arithmetische Durchschnitt sagt null, tatsächlich fehlen 25 Prozent.

Was ist der Unterschied zwischen arithmetischem und geometrischem Mittel?

Das arithmetische Mittel addiert die Jahresrenditen und teilt sie durch die Anzahl der Jahre. Das geometrische Mittel multipliziert die Wachstumsfaktoren und zieht die entsprechende Wurzel. Nur das geometrische Mittel gibt an, welcher konstante Satz zum tatsächlichen Endwert geführt hätte.

Warum haben zwei Anleger im selben Fonds unterschiedliche Renditen?

Weil sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedlich viel Geld investiert hatten. Die zeitgewichtete Rendite misst die Leistung des Fonds und ist für beide gleich. Die geldgewichtete Rendite misst das Ergebnis des Anlegers und kann weit auseinandergehen.

Wie rechnet man die Realrendite aus?

Nicht durch Abziehen der Inflationsrate, sondern durch Division der Wachstumsfaktoren. Bei 4,2 Prozent Nominalrendite und 3,2 Prozent Inflation ergibt 1,042 geteilt durch 1,032 einen realen Zuwachs von rund 1,0 Prozent.

Wie stark drückt die Kapitalertragsteuer die Rendite?

Um gut ein Viertel des Ertrags. Aus 5,8 Prozent nach Kosten werden nach 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer 4,2 Prozent. Über lange Zeiträume wirkt das stärker, als der einmalige Abzug vermuten lässt, weil auch die entnommene Steuer keine Zinsen mehr trägt.

Welche Rendite ist für einen Vergleich die richtige?

Die annualisierte Rendite nach Kosten über denselben Zeitraum. Unterschiedlich lange Zeiträume, Bruttoangaben und kumulierte statt jährlicher Werte machen Vergleiche wertlos.