Baukosten in Österreich: was der Index zeigt und was nicht

Statistik Austria misst Preisänderungen, keine Quadratmeterpreise. Im zweiten Quartal 2026 lag der Wohnbau um 3,6 Prozent über dem Vorjahr.

Stand: 04. September 2026 8 Min. Lesezeit

Wer wissen will, was Bauen kostet, findet zwei sehr unterschiedliche Antworten. Die eine besteht aus Quadratmeterpreisen, die frei kursieren und selten eine Quelle nennen. Die andere ist eine amtliche Statistik, die keine Quadratmeterpreise liefert, dafür aber belastbar ist.

Statistik Austria veröffentlicht den Baupreisindex. Er misst nicht, was gebaut wird, sondern wie sich die Preise verändern. Für das zweite Quartal 2026 lautet die Zahl: Wohnhaus- und Siedlungsbau 103,7 Punkte, ein Plus von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Die aktuellen Werte

SparteIndex Q2 2026Veränderung zum Vorjahresquartal
Hoch- und Tiefbau gesamt104,94,9 Prozent
Hochbau103,73,6 Prozent
Wohnhaus- und Siedlungsbau103,73,6 Prozent
sonstiger Hochbau103,83,8 Prozent

Quelle: Statistik Austria, Baupreisindex, Pressemitteilung vom 10. August 2026. Basisjahr 2025, der Gesamtindex 2025 beträgt 100,0.

Gegenüber dem ersten Quartal 2026 stiegen die Preise im Hoch- und Tiefbau um 3,1 Prozent, im Hochbau um 2,2 Prozent. Im ersten Quartal 2026 hatte der Wohnhaus- und Siedlungsbau bei 101,5 Punkten gelegen, ein Plus von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ein Indexwert von 103,7 bedeutet: Dieselbe Bauleistung kostet 3,7 Prozent mehr als im Durchschnitt des Jahres 2025.

Warum es keine amtliche Quadratmeterzahl gibt

Ein Preisindex bildet die Veränderung eines festgelegten Warenkorbs ab. Er sagt nichts darüber, was ein konkretes Haus kostet, weil in diesen Betrag Dinge einfließen, die keine Statistik abbilden kann:

  • Ausführungsstandard. Zwischen einer einfachen und einer gehobenen Ausstattung liegen leicht 30 Prozent.
  • Grundstück und Erschließung. Hanglage, Baugrund, Anschlusskosten und Aushub verändern die Summe erheblich, bevor das erste Mauerwerk steht.
  • Region und Auftragslage. Kapazitäten und Wettbewerb unterscheiden sich zwischen Ballungsraum und ländlichem Gebiet.
  • Eigenleistung. Sie senkt die Rechnung, nicht den Aufwand.

Wer eine belastbare Zahl braucht, kommt an einer Kostenschätzung durch Planer und an Angeboten nicht vorbei. Alles andere ist ein Anhaltspunkt, kein Budget.

Baupreisindex und Baukostenindex sind zweierlei

Die beiden Begriffe werden regelmäßig vermischt, messen aber Unterschiedliches:

  • Der Baupreisindex erfasst die Preise, die Auftraggeber für Bauleistungen zahlen. Er enthält also auch die Gewinnspanne und die Marktlage.
  • Der Baukostenindex erfasst die Kosten, die Bauunternehmen für Material und Arbeit tragen. Er reagiert schneller auf Materialpreise.

In Phasen knapper Kapazitäten können die Preise stärker steigen als die Kosten, in einer Flaute umgekehrt. Für Wertsicherungsklauseln in Bauverträgen ist deshalb entscheidend, welcher Index vereinbart wurde und mit welchem Basisjahr.

Wozu der Index in der Praxis dient

Wertsicherung. Bauverträge und Werkverträge enthalten häufig Indexklauseln. Sie sind nur so präzise wie ihre Formulierung: Index, Sparte, Basisjahr und Anpassungszeitpunkte gehören ausdrücklich vereinbart.

Fortschreibung von Kostenschätzungen. Eine Schätzung aus dem Vorjahr lässt sich mit dem Index auf den heutigen Stand bringen. Bei 3,6 Prozent werden aus einer Schätzung von 350.000 Euro rund 362.600 Euro.

Bewertung. Im Sachwertverfahren nach § 6 des Liegenschaftsbewertungsgesetzes ist bei der Ermittlung des Bauwerts vom Herstellungswert auszugehen, von dem die technische und wirtschaftliche Wertminderung abzuziehen ist. Erhebliche Abweichungen von den üblichen Baukosten sind dabei gesondert zu berücksichtigen. Details unter Immobilienbewertung.

Was zu den reinen Baukosten dazukommt

Eine Baukostenschätzung deckt die Errichtung ab. Für das Gesamtbudget fehlen dann noch:

  • Grundstück samt Nebenkosten, also Grunderwerbsteuer, Eintragungsgebühr und Vertragserrichtung, siehe Grundbuch
  • Planung, Statik, Baubegleitung und behördliche Gebühren
  • Aufschließung: Wasser, Kanal, Strom, Gas, Telekommunikation
  • Außenanlagen: Zufahrt, Zaun, Garten, Terrasse
  • Finanzierungskosten während der Bauzeit
  • Reserve für Unvorhergesehenes

Die Reserve ist der Posten, der in Kostenaufstellungen am häufigsten fehlt und in Bauprojekten am zuverlässigsten gebraucht wird.

Quellen

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Häufig gestellte Fragen

Wie stark sind die Baupreise zuletzt gestiegen?

Im zweiten Quartal 2026 lag der Baupreisindex für Wohnhaus- und Siedlungsbau bei 103,7 Punkten und damit um 3,6 Prozent über dem zweiten Quartal 2025. Der Gesamtindex für Hoch- und Tiefbau stieg um 4,9 Prozent.

Was kostet ein Quadratmeter Neubau?

Dafür gibt es keine amtliche Zahl. Statistik Austria veröffentlicht einen Preisindex, also die Veränderung gegenüber einer Basis, nicht absolute Quadratmeterpreise. Wer eine Zahl braucht, holt Angebote ein.

Was ist der Unterschied zwischen Baupreisindex und Baukostenindex?

Der Baupreisindex misst die Preise, die Auftraggeber tatsächlich zahlen. Der Baukostenindex misst die Kosten der Bauunternehmen für Material und Arbeit. Beide bewegen sich ähnlich, sind aber nicht dasselbe.

Welches Basisjahr gilt?

Seit Anfang 2026 ist das Basisjahr 2025, davor war es 2020. Ein Indexwert von 103,7 bedeutet also 3,7 Prozent über dem Durchschnitt des Jahres 2025.

Wozu braucht man den Index?

Für Wertsicherungsklauseln in Bauverträgen, für die Fortschreibung von Kostenschätzungen und für die Bewertung, weil im Sachwertverfahren vom Herstellungswert ausgegangen wird.

Warum weichen Angebote so stark voneinander ab?

Weil Baukosten von Ausführungsstandard, Grundstück, Erschließung, Region und Auftragslage abhängen. Der Index beschreibt die Bewegung des Marktes, nicht das einzelne Projekt.