Passivhaus Österreich | Österreich 2026

Passivhaus Österreich 2026: HWB unter 15 kWh/m2a, Kosten, Förderungen je Bundesland, Energieausweis A++ und Vergleich.

Aktualisiert: 03. April 2026 15 Min. Lesezeit

Was ist ein Passivhaus?

Das Passivhaus gilt als Goldstandard des energieeffizienten Bauens. Mit einem Heizwärmebedarf von maximal 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr verbraucht ein Passivhaus rund 80 bis 90 Prozent weniger Heizenergie als ein konventioneller Altbau. Österreich ist in Europa einer der Vorreiter beim Passivhausbau.

Was ist ein Passivhaus?

Der Begriff Passivhaus bezeichnet ein Gebäude, das seinen Wärmebedarf überwiegend aus passiven Quellen deckt — also aus Sonneneinstrahlung durch die Fenster, Körperwärme der Bewohner und Abwärme von Elektrogeräten. Eine klassische Heizungsanlage im herkömmlichen Sinn ist nicht erforderlich. Die verbleibende Restwärme wird über die kontrollierte Wohnraumlüftung zugeführt.

Der Passivhausstandard wurde in den 1990er Jahren vom Passivhaus Institut (PHI) in Darmstadt unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Feist entwickelt. In Österreich wurde das weltweit erste bewohnte Passivhaus-Mehrfamilienhaus bereits 1996 in Dornbirn (Vorarlberg) errichtet.

Die Passivhaus-Kriterien

Ein Gebäude gilt als Passivhaus, wenn es folgende Grenzwerte einhält:

Heizwärmebedarf (HWB): Maximal 15 kWh pro Quadratmeter Energiebezugsfläche und Jahr (15 kWh/m2a). Das entspricht etwa 1,5 Liter Heizöl oder 1,5 Kubikmeter Erdgas pro Quadratmeter und Jahr. Zum Vergleich: Ein typischer Altbau in Österreich hat einen HWB von 150 bis 250 kWh/m2a, ein konventioneller Neubau nach OIB-Standard liegt bei 30 bis 50 kWh/m2a.

Heizlast: Maximal 10 Watt pro Quadratmeter. Diese niedrige Heizlast ermöglicht es, die Restwärme über die Lüftungsanlage zuzuführen, ohne dass separate Heizkörper in jedem Raum nötig sind.

Primärenergiebedarf: Maximal 120 kWh pro Quadratmeter und Jahr für den gesamten Energiebedarf (Heizung, Warmwasser, Haushaltsstrom, Hilfsstrom).

Luftdichtheit: Der n50-Wert (Luftwechselrate bei 50 Pascal Druckdifferenz) darf maximal 0,6 pro Stunde betragen. Das bedeutet, dass bei einem Drucktest maximal 60 Prozent des Gebäudeluftvolumens pro Stunde durch Undichtigkeiten entweichen dürfen.

Übertemperaturhäufigkeit: Maximal 10 Prozent der Jahresstunden darf die Raumtemperatur 25 Grad Celsius überschreiten (sommerlicher Wärmeschutz).

Die fünf Grundprinzipien des Passivhauses

Der Passivhausstandard basiert auf fünf technischen Grundprinzipien, die zusammenwirken:

1. Hervorragende Wärmedämmung

Die thermische Gebäudehülle (Außenwände, Dach, Kellerdecke/Bodenplatte) wird mit einer Dämmstärke von typischerweise 25 bis 40 Zentimetern ausgeführt. Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) liegt bei maximal 0,10 bis 0,15 W/m2K. Zum Vergleich: Ein konventioneller Neubau hat U-Werte von 0,20 bis 0,35 W/m2K.

Gängige Dämmmaterialien im Passivhausbau sind:

  • EPS (Expandiertes Polystyrol)
  • Mineralwolle (Steinwolle, Glaswolle)
  • Holzfaserdämmplatten
  • Zellulosedämmung
  • Vakuumisolationspaneele (VIP) bei beengten Platzverhältnissen

2. Dreifachverglasung mit gedämmten Rahmen

Die Fenster sind der thermische Schwachpunkt jeder Gebäudehülle. Im Passivhaus werden dreifach verglaste Fenster mit einem Ug-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient der Verglasung) von maximal 0,5 bis 0,7 W/m2K eingesetzt. Die Rahmen sind ebenfalls hochwärmedämmend ausgeführt (Uf-Wert unter 0,8 W/m2K). Der Einbauwert des gesamten Fensters (Uw) liegt bei maximal 0,8 W/m2K.

Gleichzeitig müssen die Fenster einen hohen Energiedurchlassgrad (g-Wert) aufweisen, um die solare Wärmegewinne zu maximieren. Südorientierte Fenster sind daher bewusst groß dimensioniert, um die Wintersonne als kostenlose Wärmequelle zu nutzen.

3. Wärmebrückenfreie Konstruktion

Wärmebrücken sind Stellen in der Gebäudehülle, an denen vermehrt Wärme nach außen abfließt (z.B. Fensterlaibungen, Balkonanschlüsse, Fundamentbereiche). Im Passivhaus werden Wärmebrücken durch sorgfältige Detailplanung und Ausführung minimiert oder ganz vermieden. Der Wärmebrückenzuschlag liegt bei maximal 0,01 W/m2K.

4. Luftdichte Gebäudehülle

Eine luftdichte Gebäudehülle verhindert unkontrollierte Wärmeverluste durch Fugen und Ritzen. Die Luftdichtheit wird durch eine sorgfältig verlegte Dampfbremse oder Luftdichtheitsschicht sichergestellt und mittels Blower-Door-Test überprüft. Beim Blower-Door-Test wird ein Ventilator in eine Außentür eingesetzt und ein Unterdruck von 50 Pascal erzeugt. Der n50-Wert darf maximal 0,6 pro Stunde betragen.

5. Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung

Die kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) ist das Herzstück des Passivhauses. Sie sorgt für einen permanenten Luftaustausch, ohne dass die Fenster geöffnet werden müssen (was natürlich trotzdem jederzeit möglich ist). Die verbrauchte Raumluft wird über einen Wärmetauscher geleitet, der bis zu 90 bis 95 Prozent der Wärme aus der Abluft zurückgewinnt und auf die frische Zuluft überträgt.

Die Lüftungsanlage versorgt alle Räume mit frischer, gefilterter Luft. Für Pollenallergiker ist das ein großer Vorteil, da die Zuluftfilter Pollen und Feinstaub aus der Außenluft entfernen.

Baukosten: Wie viel kostet ein Passivhaus?

Die Frage nach den Baukosten ist eine der häufigsten beim Passivhaus. Der Aufschlag gegenüber einem konventionellen Neubau nach OIB-Standard beträgt typischerweise 10 bis 15 Prozent der Baukosten.

Kostenfaktoren im Detail:

KomponenteMehrkosten gegenüber Standard
Verbesserte Dämmung5.000 — 15.000 Euro
Dreifachverglasung3.000 — 8.000 Euro
Lüftungsanlage mit WRG8.000 — 15.000 Euro
Wärmebrückenfreie Details3.000 — 8.000 Euro
Blower-Door-Test und Planung2.000 — 5.000 Euro
Gesamt-Mehrkosten20.000 — 50.000 Euro

Bei einem konventionellen Einfamilienhaus mit Gesamtbaukosten von 400.000 Euro bedeutet das Mehrkosten von 40.000 bis 60.000 Euro für den Passivhausstandard.

Amortisation: Die Mehrkosten amortisieren sich durch die extrem niedrigen Heizkosten. Ein Passivhaus benötigt typischerweise nur 100 bis 300 Euro pro Jahr an Heizkosten (gegenüber 1.500 bis 3.000 Euro bei einem konventionellen Neubau). Die Amortisationszeit liegt damit bei 10 bis 20 Jahren, abhängig von den Energiepreisen und der Förderung.

Energieausweis und Gebäudeklassen

Der Energieausweis ist in Österreich bei Neubau, Verkauf und Vermietung von Gebäuden vorgeschrieben. Er ordnet Gebäude in Energieeffizienzklassen von A++ (beste) bis G (schlechteste) ein.

Einstufung nach Heizwärmebedarf:

KlasseHWB (kWh/m2a)Gebäudetyp
A++unter 10Passivhaus Plus
A++10 — 15Passivhaus
A+15 — 25Niedrigenergiehaus Plus
A25 — 50Niedrigenergiehaus
B50 — 100Guter Altbau (saniert)
C100 — 150Durchschnittlicher Altbau
D150 — 200Älterer Altbau
E-Güber 200Unsanierter Altbau

Ein Passivhaus erreicht im Energieausweis die Klasse A++ (bei HWB unter 15 kWh/m2a) oder sogar noch bessere Werte bei Passivhaus-Plus-Standard.

Förderungen für Passivhäuser in Österreich 2026

Österreich bietet auf Bundes- und Landesebene verschiedene Förderungen für den Bau oder die Sanierung auf Passivhausstandard. Die Förderlandschaft variiert erheblich zwischen den Bundesländern.

Bundesförderungen:

  • Sanierungsbonus: Für die thermische Sanierung von Bestandsgebäuden auf Passivhausstandard bietet der Bund über den Sanierungsbonus Zuschüsse von bis zu 42.000 Euro (bei umfassender Sanierung eines Einfamilienhauses).
  • Klima- und Energiefonds: Fördert energieeffiziente Neubauten und Sanierungen im Rahmen verschiedener Programme.
  • Umweltförderung im Inland (UFI): Für gewerbliche und öffentliche Gebäude gibt es zusätzliche Förderungen über die Kommunalkredit Public Consulting.

Landesförderungen (Wohnbauförderung):

Jedes Bundesland hat ein eigenes Wohnbauförderungsgesetz mit unterschiedlichen Regelungen. Gemeinsam ist allen, dass der Passivhausstandard mit Bonuspunkten oder höheren Förderbeträgen belohnt wird.

Wien: Die Wiener Wohnbauförderung gewährt für Passivhausstandard einen höheren Förderbetrag. Die Neubauförderung als nicht rückzahlbarer Zuschuss oder zinsgünstiges Darlehen kann bei Passivhausstandard um bis zu 30 Prozent höher ausfallen.

Niederösterreich: Das NÖ Wohnungsförderungsgesetz sieht ein Punktesystem vor. Passivhausstandard bringt die maximale Punktezahl im Bereich Energieeffizienz und führt zu höheren Förderbeträgen (bis zu 60.000 Euro Förderdarlehen).

Oberösterreich: Die OÖ Wohnbauförderung bietet für den Passivhausstandard besonders attraktive Konditionen. Der Basisförderungsbetrag wird um einen Energiebonus aufgestockt.

Salzburg: Salzburg fördert Passivhäuser mit einem Zuschlag auf die Wohnbauförderung. Zusätzlich gibt es die Salzburger Energieberatung, die kostenlos bei der Planung unterstützt.

Steiermark: Die steirische Wohnbauförderung gewährt für Passivhausstandard einen Energiebonus auf das Förderungsdarlehen.

Tirol: Die Tiroler Wohnbauförderung sieht für Passivhausstandard einen erhöhten Zuschuss zum Annuitätendarlehen vor.

Vorarlberg: Vorarlberg ist der Vorreiter im Passivhausbau in Österreich. Die Wohnbauförderung bietet besonders attraktive Konditionen für den Passivhausstandard und hat das dichteste Netz an Passivhäusern im Land.

Kärnten: Die Kärntner Wohnbauförderung bietet einen Energiebonus für Gebäude, die den Passivhausstandard erreichen.

Burgenland: Auch das Burgenland fördert energieeffizientes Bauen mit Zuschlägen für Passivhausstandard.

Tipp: Da sich die Förderbestimmungen häufig ändern, empfiehlt sich eine Beratung bei der jeweiligen Landesförderstelle oder bei einer unabhängigen Energieberatungsstelle, bevor Sie mit der Planung beginnen.

Vergleich: Passivhaus, Niedrigenergiehaus und Plusenergiehaus

Die verschiedenen Gebäudestandards unterscheiden sich erheblich in ihrem Energieverbrauch und ihren Anforderungen:

Niedrigenergiehaus (NEH):

  • HWB: 25 bis 50 kWh/m2a
  • Entspricht dem aktuellen OIB-Mindeststandard für Neubauten in Österreich
  • Keine kontrollierte Wohnraumlüftung zwingend erforderlich
  • Konventionelle Heizung notwendig
  • Energieausweis: Klasse A oder A+
  • Baukosten: Basisniveau für Neubauten

Passivhaus:

  • HWB: unter 15 kWh/m2a
  • Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung erforderlich
  • Keine konventionelle Heizung im klassischen Sinn nötig
  • Energieausweis: Klasse A++
  • Baukosten: +10 bis 15 Prozent gegenüber NEH

Passivhaus Plus (nach PHI):

  • Wie Passivhaus, aber zusätzlich erneuerbare Energieerzeugung (Photovoltaik)
  • Erzeugt mindestens 60 kWh/m2a erneuerbare Energie
  • Primärenergiekennwert: unter 45 kWh/m2a

Passivhaus Premium (nach PHI):

  • Noch höhere Anforderungen an die Energieerzeugung
  • Erzeugt mindestens 120 kWh/m2a erneuerbare Energie
  • Primärenergiekennwert: unter 30 kWh/m2a

Plusenergiehaus:

  • Erzeugt über das Jahr mehr Energie, als es verbraucht
  • Typischerweise Passivhaus-Standard plus große Photovoltaikanlage
  • Überschüssige Energie wird ins Netz eingespeist
  • Energieausweis: Klasse A++ mit negativem Gesamtenergiebedarf
  • Baukosten: +20 bis 30 Prozent gegenüber konventionellem Neubau

Sonnenhaus:

  • Schwerpunkt auf solarer Energiegewinnung (Solarthermie und PV)
  • Mindestens 50 Prozent des Gesamtenergiebedarfs durch Solarenergie
  • Oft mit großem Pufferspeicher kombiniert

Passivhaus-Sanierung: Bestandsgebäude umrüsten

Nicht nur Neubauten, auch bestehende Gebäude können auf Passivhausstandard saniert werden. Die EnerPHit-Zertifizierung des Passivhaus Instituts definiert die Anforderungen für die Sanierung von Bestandsgebäuden:

EnerPHit-Kriterien:

  • HWB: maximal 25 kWh/m2a (etwas großzügiger als beim Neubau, da bauliche Gegebenheiten die Dämmung limitieren können)
  • Luftdichtheit: n50 maximal 1,0 pro Stunde
  • Einzelbauteilanforderungen an Fenster, Dämmung und Lüftung

Die Sanierung auf Passivhausstandard ist anspruchsvoll und erfordert eine sorgfältige Planung. Typische Maßnahmen umfassen:

  • Außendämmung der Fassade (20 bis 30 cm)
  • Dachdämmung oder Dachgeschoßausbau mit hochwertiger Dämmung
  • Austausch aller Fenster gegen Dreifachverglasung
  • Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung
  • Kellerdeckendämmung
  • Beseitigung von Wärmebrücken

Die Kosten für eine umfassende Sanierung auf Passivhausstandard liegen bei einem Einfamilienhaus typischerweise bei 80.000 bis 150.000 Euro, abhängig vom Ausgangszustand und der Gebäudegröße.

Wohnkomfort im Passivhaus

Ein häufiges Vorurteil lautet, dass Passivhäuser unkomfortabel seien oder dass man die Fenster nicht öffnen dürfe. Beides ist falsch.

Fenster öffnen: Sie können jederzeit die Fenster öffnen. Im Winter ist es allerdings sinnvoller, die Fenster geschlossen zu halten und die Lüftungsanlage arbeiten zu lassen, da beim Lüften über die Fenster die Wärmerückgewinnung umgangen wird.

Raumklima: Das Raumklima im Passivhaus wird von den meisten Bewohnern als sehr angenehm empfunden. Die gleichmäßige Temperaturverteilung (keine kalten Wände, keine Zugluft) und die permanente Frischluftzufuhr durch die Lüftungsanlage sorgen für ein behagliches Wohngefühl.

Luftqualität: Durch die kontrollierte Lüftung ist die Luftqualität im Passivhaus in der Regel besser als in konventionellen Gebäuden, wo die Lüftung vom Nutzerverhalten abhängt.

Sommerlicher Wärmeschutz: Ein gutes Passivhaus ist auch im Sommer komfortabel. Die gute Dämmung wirkt in beide Richtungen und hält im Sommer die Hitze draußen. Außenliegende Verschattung (Raffstores, Markisen) und die Möglichkeit der Nachtlüftung über die Fenster sorgen für angenehme Temperaturen auch an heißen Tagen.

Technische Komponenten im Detail

Lüftungsanlage: Die zentrale Lüftungsanlage eines Passivhauses besteht aus dem Lüftungsgerät mit Wärmetauscher, dem Kanalnetz für Zu- und Abluft und den Luftdurchlässen in den Räumen. Der Wärmetauscher (meist ein Kreuzstrom- oder Gegenstrom-Wärmetauscher) überträgt die Wärme von der Abluft auf die Zuluft mit einem Wirkungsgrad von 90 bis 95 Prozent. Der Stromverbrauch der Lüftungsanlage liegt bei ca. 300 bis 500 kWh pro Jahr.

Restwärme: Die geringe Restwärme, die im Passivhaus noch benötigt wird (typischerweise an den kältesten Wintertagen), kann auf verschiedene Arten bereitgestellt werden:

  • Nachheizregister in der Lüftungsanlage (elektrisch oder wassergeführt)
  • Kleine Wärmepumpe (Luft-Wasser oder Sole-Wasser)
  • Pelletsofen oder Kaminofen
  • Infrarotpaneele

Warmwasserbereitung: Die Warmwasserbereitung erfolgt im Passivhaus häufig über eine Wärmepumpe (Brauchwasserwärmepumpe) oder über Solarthermie-Kollektoren in Kombination mit einem Pufferspeicher.

Passivhaus und Immobilienwert

Ein Passivhaus hat in der Regel einen höheren Wiederverkaufswert als ein konventioneller Neubau. Die Gründe:

  • Niedrigere Betriebskosten sind ein starkes Verkaufsargument
  • Der Energieausweis A++ ist ein Qualitätsmerkmal
  • Die steigende Nachfrage nach energieeffizienten Gebäuden
  • Zukunftssicherheit gegenüber steigenden Energiepreisen und strengeren Klimaschutzvorgaben

Bei der Finanzierung eines Passivhauses bieten einige Banken vergünstigte Konditionen (Green Mortgages), da das geringere Betriebskostenrisiko die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredits reduziert.

Passivhaus und Grunderwerbsteuer

Beim Kauf eines Passivhauses gelten die gleichen steuerlichen Regeln wie bei jedem Immobilienerwerb in Österreich. Die Grunderwerbsteuer beträgt 3,5 Prozent des Kaufpreises. Für Erwerbe im Familienkreis (Erbschaft, Schenkung) gilt der Stufentarif: 0,5 % bis 250.000 Euro, 2 % bis 400.000 Euro, 3,5 % darüber. Die Grundbucheintragungsgebühr beträgt 1,1 % des Kaufpreises bzw. Grundstückswerts.

Seit dem Auslaufen der KIM-Verordnung im Juni 2025 ist die Finanzierung von Wohnimmobilien wieder einfacher geworden. Die vormals geltenden Beschränkungen bei der Kreditvergabe (mindestens 20 % Eigenmittel, maximale Schuldendienstquote von 40 %, maximale Kreditlaufzeit von 35 Jahren) sind nicht mehr verbindlich, werden aber von vielen Banken weiterhin als interne Richtwerte verwendet.

Passivhaus-Zertifizierung

Das Passivhaus Institut (PHI) in Darmstadt bietet eine offizielle Zertifizierung für Passivhäuser an. Die Zertifizierung bestätigt, dass das Gebäude die Passivhauskriterien einhält und bietet dem Eigentümer eine unabhängige Qualitätssicherung.

Zertifizierungsklassen:

  • Passivhaus Classic: Erfüllt die Grundanforderungen (HWB max. 15 kWh/m2a, Primärenergie max. 120 kWh/m2a)
  • Passivhaus Plus: Zusätzlich erneuerbare Energieerzeugung von mindestens 60 kWh/m2a
  • Passivhaus Premium: Erneuerbare Energieerzeugung von mindestens 120 kWh/m2a

Die Zertifizierung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, wird aber von vielen Fördergebern als Nachweis akzeptiert und erhöht den Wiederverkaufswert.

Kosten der Zertifizierung: Typischerweise 1.500 bis 3.000 Euro für ein Einfamilienhaus, inklusive der Berechnung mit dem Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP).

Häufige Vorurteile und Irrtümer

Irrtum 1: Im Passivhaus darf man nicht lüften. Falsch. Sie können jederzeit Fenster öffnen. Die Lüftungsanlage bietet lediglich eine komfortablere und energieeffizientere Alternative zum manuellen Lüften.

Irrtum 2: Ein Passivhaus braucht keine Heizung. Teilweise richtig. Ein Passivhaus benötigt keine konventionelle Heizung mit Heizkörpern in jedem Raum. Es braucht aber eine Restwärmeversorgung, die typischerweise über ein Nachheizregister in der Lüftungsanlage, eine kleine Wärmepumpe oder einen Kaminofen bereitgestellt wird.

Irrtum 3: Ein Passivhaus ist ein Fertighaus. Falsch. Passivhäuser können in jeder Bauweise errichtet werden: Massivbau (Ziegel, Beton), Holzbau (Holzriegelbau, Holzmassivbau, CLT), Stahlbau oder Mischbauweisen.

Irrtum 4: Ein Passivhaus sieht immer gleich aus. Falsch. Der Passivhausstandard stellt Anforderungen an die Energieeffizienz, nicht an die Architektur. Passivhäuser können in jedem Stil gebaut werden — vom modernen Kubus bis zum traditionellen Landhaus.

Irrtum 5: Die Lüftungsanlage ist laut. Bei fachgerechter Planung und Ausführung ist die Lüftungsanlage praktisch unhörbar. Der Schalldruckpegel in Wohnräumen liegt typischerweise unter 25 dB(A).

Wartung und Betrieb eines Passivhauses

Ein Passivhaus erfordert einen geringen, aber regelmäßigen Wartungsaufwand:

Lüftungsanlage: Die Zuluft- und Abluftfilter sollten alle 3 bis 6 Monate kontrolliert und bei Bedarf gewechselt werden. Die Kosten für einen Filtersatz liegen bei 30 bis 80 Euro. Der Wärmetauscher sollte alle 2 bis 3 Jahre gereinigt werden. Eine Fachfirma sollte die Anlage alle 3 bis 5 Jahre umfassend warten.

Luftdichtheit: Die Luftdichtheit der Gebäudehülle kann im Laufe der Zeit durch Setzungen, Materialermüdung oder unsachgemäße Durchbrüche (etwa für nachträgliche Elektroinstallationen) beeinträchtigt werden. Ein Blower-Door-Test alle 10 bis 15 Jahre kann die Luftdichtheit überprüfen.

Fenster: Dreifachverglaste Fenster haben eine Lebensdauer von 30 bis 40 Jahren. Die Dichtungen sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf erneuert werden.

Passivhaus in der Praxis: Erfahrungen aus Österreich

Österreich gehört zu den führenden Passivhaus-Nationen weltweit. Einige bemerkenswerte Projekte und Erfahrungen:

Vorarlberg als Vorreiter: Das Bundesland Vorarlberg hat die höchste Passivhausdichte in Österreich. Bereits in den 2000er Jahren wurden hier zahlreiche Wohnbauprojekte im Passivhausstandard realisiert. Die Vorarlberger Architektur verbindet traditionelle Holzbauweise mit modernster Energieeffizienz.

Wien: Passivhaussiedlungen im geförderten Wohnbau: Die Stadt Wien hat in mehreren geförderten Wohnbauprojekten den Passivhausstandard realisiert. Große Wohnhausanlagen wie die Eurogate-Siedlung zeigen, dass Passivhausstandard auch im mehrgeschossigen Wohnbau wirtschaftlich umsetzbar ist.

Oberösterreich: Das Land Oberösterreich hat als eines der ersten Bundesländer den Passivhausstandard in die Wohnbauförderung als Bonuskriterium aufgenommen und damit den Bau zahlreicher Passivhäuser angeregt.

Erfahrungswerte aus der Praxis: Langzeituntersuchungen an österreichischen Passivhäusern zeigen, dass die tatsächlichen Energieverbräuche in der Regel nahe an den berechneten Werten liegen. Die Zufriedenheit der Bewohner mit dem Raumklima ist überdurchschnittlich hoch. Häufigster Kritikpunkt ist die Notwendigkeit der regelmäßigen Filterwartung bei der Lüftungsanlage.

Passivhaus und Klimaziele

Der Gebäudesektor ist für rund 30 Prozent des Energieverbrauchs in Österreich verantwortlich. Die Klimaziele des Bundes sehen eine weitgehende Dekarbonisierung des Gebäudesektors bis 2040 vor. Passivhäuser leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung dieser Ziele:

  • CO2-Reduktion: Ein Passivhaus verursacht im Betrieb rund 80 bis 90 Prozent weniger CO2-Emissionen als ein unsanierter Altbau.
  • Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern: Passivhäuser benötigen so wenig Heizenergie, dass sie problemlos mit erneuerbaren Quellen (Wärmepumpe, Biomasse, Solar) versorgt werden können.
  • Netzdienlichkeit: In Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeicher können Passivhäuser nahezu energieautark betrieben werden.

Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) schreibt ab 2030 für Neubauten den Null-Emissionsstandard vor. Der Passivhausstandard erfüllt diese Anforderung bereits heute und ist damit zukunftssicher.

Zusammenfassung

Das Passivhaus ist der führende Standard für energieeffizientes Bauen und bietet hohen Wohnkomfort bei minimalen Heizkosten. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • HWB: Maximal 15 kWh/m2a
  • Energieausweis: Klasse A++
  • Baukosten-Aufschlag: +10 bis 15 Prozent gegenüber konventionellem Neubau
  • Heizkosten: 100 bis 300 Euro pro Jahr
  • Förderungen: In jedem Bundesland verfügbar, Details variieren
  • Kernprinzipien: Dämmung, Dreifachverglasung, Luftdichtheit, Lüftung mit WRG, Wärmebrückenfreiheit
  • Sanierung: EnerPHit-Standard für Bestandsgebäude (HWB max. 25 kWh/m2a)
  • Vergleich: Deutlich effizienter als Niedrigenergiehaus, Vorstufe zum Plusenergiehaus

Wer langfristig denkt und Wert auf niedrige Betriebskosten, hohen Wohnkomfort und Klimaschutz legt, ist mit einem Passivhaus bestens beraten.

Weiterführende Artikel

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Passivhaus?

Ein Passivhaus ist ein Gebäude mit einem Heizwärmebedarf (HWB) von maximal 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Es benötigt dank hervorragender Dämmung, dreifacher Verglasung und kontrollierter Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung keine klassische Heizung. Im Energieausweis erreicht ein Passivhaus die Klasse A++ oder besser.

Was kostet ein Passivhaus in Österreich?

Der Aufpreis für ein Passivhaus gegenüber einem konventionellen Neubau nach OIB-Standard beträgt in Österreich typischerweise 10 bis 15 Prozent der Baukosten. Bei Gesamtbaukosten von 400.000 Euro sind das 40.000 bis 60.000 Euro Mehrkosten, die sich durch die extrem niedrigen Heizkosten (100 bis 300 Euro pro Jahr) langfristig amortisieren.

Welche Förderungen gibt es für ein Passivhaus in Österreich?

Jedes Bundesland bietet eigene Wohnbauförderungen mit Bonuspunkten oder Zuschlägen für Passivhausstandard. Zusätzlich gibt es Bundesförderungen wie den Sanierungsbonus und den Klima- und Energiefonds. Die Förderungen variieren erheblich und können zwischen 10.000 und 60.000 Euro betragen.

Was ist der Unterschied zwischen Passivhaus, Niedrigenergiehaus und Plusenergiehaus?

Ein Niedrigenergiehaus hat einen HWB von 25 bis 50 kWh/m2a und entspricht dem aktuellen OIB-Mindeststandard. Ein Passivhaus erreicht unter 15 kWh/m2a. Ein Plusenergiehaus erzeugt über das Jahr mehr Energie, als es verbraucht, typischerweise durch eine große Photovoltaikanlage in Kombination mit Passivhaus-Standard.

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Redaktion finanzinfo.at

Chefredakteur finanzinfo.at

Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.