Bruttoinlandsprodukt Österreich: Zahlen und ihre Grenzen
514,3 Milliarden Euro, 0,6 Prozent Wachstum 2025 nach zwei Minusjahren. Was das BIP misst, was es auslässt und wie die Prognosen aussehen.
Das österreichische Bruttoinlandsprodukt betrug 2025 514,3 Milliarden Euro zu laufenden Preisen. Real wuchs die Wirtschaft um 0,6 Prozent - der erste Zuwachs nach zwei Jahren mit Rückgang.
Der Aufwärtstrend hielt an: Im ersten Quartal 2026 lag das BIP um 0,2 Prozent über dem Vorquartal und um 0,9 Prozent über dem Vorjahresquartal.
Die aktuellen Zahlen
| Zeitraum | Veränderung real |
|---|---|
| Jahr 2025 | + 0,6 Prozent |
| 1. Quartal 2026 zum Vorquartal | + 0,2 Prozent |
| 1. Quartal 2026 zum Vorjahresquartal | + 0,9 Prozent |
Getragen wurde das Wachstum zu Jahresbeginn 2026 vor allem von der Herstellung von Waren mit einem realen Plus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ebenfalls im Plus lagen das Wohnungswesen (+1,0 Prozent), die unternehmensnahen Dienstleistungen (+0,4 Prozent) sowie öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheit (+0,2 Prozent).
Der Bau blieb mit minus 0,6 Prozent im Minus - und damit die Branche, die sich am längsten nicht erholt.
Was für 2026 und 2027 erwartet wird
Das Wirtschaftsforschungsinstitut rechnet in seiner Prognose vom Juni 2026 damit, dass die österreichische Wirtschaft in beiden Jahren um jeweils rund ein Prozent wächst.
Der Verlauf ist dabei nicht gleichmäßig. Der Iran-Krieg und die gestiegenen Rohöl- und Erdgaspreise trieben die Inflation und trübten die Stimmung; mit sinkenden Energiepreisen soll die Konjunktur ab der zweiten Jahreshälfte wieder anziehen.
Die begleitenden Erwartungen:
- Inflation: 3,2 Prozent im Jahresdurchschnitt 2026, Rückgang auf 2,4 Prozent 2027
- Arbeitslosenquote: leichter Anstieg 2026, Rückgang auf 7,3 Prozent 2027
Die Inflationsprognose deckt sich mit den bisher gemessenen Werten - im August 2026 lag die Inflationsrate bei 3,2 Prozent.
Was das BIP misst
Das Bruttoinlandsprodukt erfasst den Wert aller im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen in einem Zeitraum, nach Abzug der Vorleistungen. Entscheidend ist das Territorium, nicht die Staatsangehörigkeit: Was ein ausländisches Unternehmen in Österreich produziert, zählt dazu.
Zwei Unterscheidungen sind für das Verständnis nötig:
- nominell wird zu laufenden Preisen gerechnet, real werden Preisänderungen herausgerechnet. Nur die reale Veränderung zeigt, ob tatsächlich mehr produziert wurde. Bei drei Prozent Inflation kann ein nominelles Plus von zwei Prozent real ein Minus sein
- saison- und kalenderbereinigt heißt, dass Effekte wie Feiertagslagen und typische Jahresschwankungen herausgerechnet werden. Nur so lassen sich zwei aufeinanderfolgende Quartale sinnvoll vergleichen
Wo die Kennzahl an Grenzen stößt
Das BIP ist eine Produktionsstatistik, keine Wohlstandsmessung. Drei Punkte fallen dabei systematisch heraus:
Unbezahlte Arbeit zählt nicht. Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Hausarbeit erscheinen nicht im BIP - wird dieselbe Leistung zugekauft, schon. Ein Land, in dem mehr Betreuung ausgelagert wird, erscheint dadurch produktiver, ohne dass mehr Betreuung stattfindet.
Verteilung bleibt unsichtbar. Ein steigendes BIP sagt nichts darüber, bei wem der Zuwachs ankommt. Auch das BIP pro Kopf ist ein Durchschnitt und damit gegenüber der Verteilung blind.
Schäden können das BIP erhöhen. Wiederaufbau nach einer Katastrophe, Reparaturen und Umweltfolgekosten schlagen als Wirtschaftsleistung zu Buche.
Das macht die Kennzahl nicht wertlos - für Konjunkturbeobachtung, Budgetplanung und internationale Vergleiche ist sie unverzichtbar. Es heißt nur, dass ein Wachstum von einem Prozent keine Aussage darüber trifft, ob es den Haushalten besser geht.
Warum die Zahlen sich nachträglich ändern
BIP-Werte werden mehrfach revidiert. Die erste Veröffentlichung eines Quartals stützt sich auf unvollständige Datenbasis und wird später präzisiert; die Jahresergebnisse werden ebenfalls überarbeitet. Der Wert von 514,3 Milliarden Euro für 2025 trägt den Revisionsstand Juni 2026, die detaillierten Jahresergebnisse folgen später.
Wer ältere Meldungen mit aktuellen vergleicht, sollte deshalb auf den Revisionsstand achten - Abweichungen von einigen Zehntelprozentpunkten sind normal und kein Widerspruch.
Quellen
- Statistik Austria: Bruttoinlandsprodukt und Hauptaggregate - BIP 2025 von 514,3 Milliarden Euro zu laufenden Preisen nach dem Revisionsstand vom 3. Juni 2026, Wachstum von 0,6 Prozent für 2025
- Statistik Austria: Leichtes Wirtschaftswachstum im 1. Quartal 2026 (PDF) - reales BIP um 0,2 Prozent über dem Vorquartal und 0,9 Prozent über dem Vorjahresquartal, Beiträge der Herstellung von Waren mit 1,0 Prozent, des Wohnungswesens mit 1,0 Prozent, der unternehmensnahen Dienstleistungen mit 0,4 Prozent sowie von öffentlicher Verwaltung, Bildung und Gesundheit mit 0,2 Prozent, Bau mit minus 0,6 Prozent
- WIFO: Konjunkturprognose 2/2026 (PDF) - Prognose vom Juni 2026 mit Wachstum von jeweils rund einem Prozent für 2026 und 2027, Inflation von 3,2 Prozent 2026 und 2,4 Prozent 2027, Rückgang der Arbeitslosenquote auf 7,3 Prozent 2027, Einordnung der Energiepreisentwicklung
Stand der Angaben: 2. September 2026. BIP-Werte werden laufend revidiert; die detaillierten Jahresergebnisse erscheinen später im Jahr.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist das BIP Österreichs?
514,3 Milliarden Euro zu laufenden Preisen für das Jahr 2025, nach dem Revisionsstand vom Juni 2026.
Wie stark ist die Wirtschaft zuletzt gewachsen?
2025 um 0,6 Prozent, nach zwei Jahren mit Rückgang. Im ersten Quartal 2026 lag das BIP um 0,2 Prozent über dem Vorquartal und um 0,9 Prozent über dem Vorjahresquartal.
Was wird für 2026 und 2027 erwartet?
Das WIFO rechnet in seiner Prognose vom Juni 2026 mit einem Wachstum von jeweils rund einem Prozent in beiden Jahren.
Was misst das BIP eigentlich?
Den Wert aller im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen innerhalb eines Zeitraums, abzüglich der Vorleistungen. Nicht erfasst sind unbezahlte Arbeit und Schwarzarbeit.
Was ist der Unterschied zwischen nominell und real?
Nominell wird zu laufenden Preisen gerechnet, real werden Preisänderungen herausgerechnet. Nur die reale Größe zeigt, ob tatsächlich mehr produziert wurde.
Welche Branche trug zuletzt am meisten bei?
Im ersten Quartal 2026 die Herstellung von Waren mit einem realen Plus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Bau lag mit minus 0,6 Prozent weiter im Minus.