Ehevertrag in Österreich: Gütertrennung, Aufteilung, Notariatsakt und Grenzen

Gesetzlich gilt Gütertrennung - aufgeteilt wird erst bei der Scheidung. Wann ein Notariatsakt nötig ist und was sich vertraglich nicht regeln lässt.

In Österreich gilt ohne Vertrag die Gütertrennung: Jeder Ehepartner behält, was er einbringt oder während der Ehe erwirbt, verwaltet es allein und haftet nur für eigene Schulden. Ein gemeinsames Vermögen entsteht nicht automatisch.

Erst bei der Auflösung der Ehe wird umverteilt, und dann nur ein bestimmter Ausschnitt: das eheliche Gebrauchsvermögen und die ehelichen Ersparnisse nach den §§ 81 bis 97 Ehegesetz. Ein Ehevertrag regelt diese Aufteilung im Voraus, mit Formvorschriften und einer gerichtlichen Kontrolle, die viele nicht kennen.

Eckdaten zum Ehevertrag

PunktRegel
gesetzlicher GüterstandGütertrennung
Aufteilung bei ScheidungGebrauchsvermögen und Ersparnisse, §§ 81 ff. EheG
Form für Ersparnisse und EhewohnungNotariatsakt, § 97 Abs. 1 EheG
Form für übriges GebrauchsvermögenSchriftform
Abweichen des Gerichtsnur bei unzumutbarer Benachteiligung, § 97 Abs. 2 und 3 EheG
nicht bindend regelbarObsorge, Kindesunterhalt
gesetzliches Erbrecht neben Kindernein Drittel, § 744 ABGB

Aufteilung bei Scheidung: was nach § 82 EheG ausgenommen ist

Wird aufgeteiltBleibt außen vor
eheliches Gebrauchsvermögenpersönliche Gegenstände
eheliche ErsparnisseBerufsausstattung
Unternehmen und Unternehmensanteile, außer bloße Wertanlagen
Eingebrachtes
Geschenke und Erbschaften

Aufgeteilt wird also, was gemeinsam genutzt oder gemeinsam erspart wurde - der Hausrat, das gemeinsame Sparbuch. Was einer geerbt oder geschenkt bekommen hat, bleibt bei ihm, ebenso der Betriebsanteil und das Werkzeug, mit dem er sein Einkommen erzielt.

Diese Ausnahmen gelten allerdings nur, soweit nichts anderes vereinbart ist. Wer eine abweichende Regelung will, kann sie treffen - in beide Richtungen.

Ehewohnung: Einbeziehung nach § 82 Abs. 2 EheG

Hat ein Ehegatte die Wohnung eingebracht, geerbt oder geschenkt bekommen, fällt sie nach § 82 Abs. 2 EheG dennoch in die Aufteilung, wenn das vereinbart wurde, wenn der andere Ehegatte zur Sicherung seiner Lebensbedürfnisse auf ihre Weiterbenützung angewiesen ist oder wenn ein gemeinsames Kind daran einen berücksichtigungswürdigen Bedarf hat. Das Gericht kann dann bis zur Übertragung des Eigentums auf den anderen Ehegatten gehen. Diese Übertragung können die Ehegatten nach § 87 Abs. 1 EheG durch Vereinbarung ausschließen, ein schuldrechtliches Nutzungsrecht, etwa eine Miete, kann das Gericht dann trotzdem begründen. Wer eine Immobilie in die Ehe einbringt, regelt diesen Punkt deshalb am besten ausdrücklich.

Form des Ehevertrags: Notariatsakt oder Schriftform

Der Formzwang gilt nicht für den ganzen Vertrag, sondern für einzelne Gegenstände:

  • Notariatsakt für Vereinbarungen über die ehelichen Ersparnisse und die Ehewohnung (§ 97 Abs. 1 EheG)
  • Schriftform genügt für sonstiges Gebrauchsvermögen

Der Notariatsakt ist keine Schikane, sondern Schutz vor übereilten Vermögensdispositionen. Was er kostet und wann er sonst noch zwingend ist, steht beim Notar.

Praktisch heißt das: Ein Vertrag, der die Ersparnisse regelt und nur unterschrieben, aber nicht notariell errichtet wurde, ist in diesem Punkt unwirksam - im Ernstfall gilt dann die gesetzliche Aufteilung.

Abgeschlossen werden kann der Vertrag vor oder während der Ehe. Sinnvoll ist, ihn nach größeren Veränderungen zu überprüfen: Immobilienkauf, Unternehmensgründung, Geburt eines Kindes, längere Berufspause eines Partners.

Gerichtliche Kontrolle nach § 97 EheG

Auch ein formgültiger Vertrag bindet das Gericht nicht unbedingt. Von einer Vereinbarung über Ersparnisse und Gebrauchsvermögen darf es nach § 97 Abs. 2 EheG abweichen, soweit sie einen Teil in einer Gesamtbetrachtung des aufzuteilenden Vermögens im Zeitpunkt der Entscheidung unbillig benachteiligt, sodass ihm die Zuhaltung unzumutbar ist. Bei der Nutzung der Ehewohnung genügt nach Abs. 3, dass der andere Ehegatte oder ein gemeinsames Kind seine Lebensbedürfnisse nicht hinreichend decken kann oder eine deutliche Verschlechterung hinnehmen müsste.

Weicht das Gericht ab, berücksichtigt es nach Abs. 4 die Gestaltung der ehelichen Lebensverhältnisse, die Dauer der Ehe, die Form des Vertrags und ob ihm eine rechtliche Beratung vorangegangen ist. Ein beim Notar beratener und begründeter Vertrag hält deshalb besser als ein selbst aufgesetzter. Vereinbarungen im Zusammenhang mit dem Scheidungsverfahren selbst fallen nach Abs. 5 nicht unter diese Regeln.

Grenzen: Obsorge, Kindesunterhalt, Unterhaltsverzicht

Nicht alles lässt sich vertraglich festschreiben:

  • Obsorge und Kindesunterhalt können nicht bindend vereinbart werden. Solche Klauseln wirken nur als Absichtserklärung, weil das Gericht am Kindeswohl zu messen hat und Unterhaltsansprüche dem Kind zustehen, nicht den Eltern. Wie sich der Kindesunterhalt tatsächlich bemisst, steht bei Unterhalt und Alimente
  • Ein vollständiger wechselseitiger Unterhaltsverzicht während aufrechter Ehe ist unzulässig
  • Ein Verzicht auf nachehelichen Unterhalt ist wirksam, soweit er nicht sittenwidrig ist

Eine Regelung, die einen Partner nach langer Ehe und Kinderbetreuung mittellos zurücklässt, läuft damit sowohl beim Unterhalt als auch bei der Vermögensaufteilung Gefahr, nicht zu halten.

Ehevertrag bei Immobilie, Unternehmen und Patchwork-Familie

Die Gütertrennung führt in vielen Fällen zu vernünftigen Ergebnissen. Ein Vertrag ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Ausgangslagen ungleich sind:

  • ein Partner bringt eine Immobilie ein, die gemeinsam bewohnt werden soll
  • einer führt ein Unternehmen, dessen Bestand nicht von einer Scheidung abhängen soll
  • die Einkommen und Karriereverläufe unterscheiden sich stark, etwa weil einer die Kinderbetreuung übernimmt
  • es bestehen Vermögenswerte im Ausland
  • es gibt Kinder aus früheren Beziehungen, deren erbrechtliche Stellung mitzudenken ist

Im letzten Fall lohnt der Blick auf das Erbrecht: Der Ehepartner erbt nach § 744 ABGB neben Kindern ein Drittel, und Pflichtteilsansprüche lassen sich durch einen Ehevertrag nicht beseitigen.

Was ein Ehevertrag nicht leisten kann, ist Konfliktvermeidung durch Schweigen. Sein Wert liegt darin, dass beide vorher aussprechen, was im Fall der Fälle gelten soll - solange das noch ohne Druck möglich ist.

Quellen

  • oesterreich.gv.at: Ehegüterrecht und partnerschaftliches Vermögen - gesetzlicher Güterstand der Gütertrennung mit eigener Verwaltung und Haftung, Aufteilung des gemeinsam genutzten Gebrauchsvermögens und der gemeinsamen Ersparnisse bei Auflösung, Ausnahme persönlicher Gegenstände, Berufsausstattung, Unternehmensanteile sowie Geschenke und Erbschaften, Sonderregel zur Ehewohnung bei notarieller Vereinbarung oder besonderer Bedürftigkeit, Notariatsakt für Ersparnisse und Ehewohnung gegenüber Schriftform für sonstiges Gebrauchsvermögen, Abschluss vor oder während der Ehe, fehlende Bindungswirkung bei Obsorge und Kindesunterhalt, Unzulässigkeit des vollständigen Unterhaltsverzichts während aufrechter Ehe und Wirksamkeit des nachehelichen Verzichts nur im Rahmen der guten Sitten, Rechtsgrundlagen Ehegesetz und ABGB

  • Ehegesetz, §§ 81 bis 97 (RIS), insbesondere § 82, § 87 und § 97, abgerufen 14.10.2026

  • ABGB, § 744 (RIS), gesetzliches Erbrecht des Ehegatten, abgerufen 14.10.2026

Stand der Angaben: 14. Oktober 2026.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Güterstand gilt ohne Ehevertrag?

Die Gütertrennung. Jeder behält, was er in die Ehe einbringt oder während der Ehe erwirbt, verwaltet es selbst und haftet nur für eigene Schulden.

Was wird bei der Scheidung aufgeteilt?

Das eheliche Gebrauchsvermögen und die ehelichen Ersparnisse. Ausgenommen sind nach § 82 EheG Eingebrachtes, Geerbtes und Geschenktes, Sachen für den persönlichen Gebrauch oder den Beruf, Unternehmen sowie Unternehmensanteile, außer sie sind bloße Wertanlagen.

Braucht ein Ehevertrag zwingend einen Notar?

Nicht immer. Vereinbarungen über die gemeinsamen Ersparnisse und über die Ehewohnung brauchen einen Notariatsakt, für sonstiges Gebrauchsvermögen genügt die Schriftform.

Fällt die Wohnung eines Partners in die Aufteilung?

Grundsätzlich nicht, wenn sie eingebracht, geerbt oder geschenkt wurde. Nach § 82 Abs. 2 EheG wird sie trotzdem einbezogen, wenn das vereinbart wurde, wenn der andere Ehegatte zur Sicherung seiner Lebensbedürfnisse auf sie angewiesen ist oder ein gemeinsames Kind einen berücksichtigungswürdigen Bedarf hat.

Kann das Gericht von einem Ehevertrag abweichen?

Ja, aber nur eingeschränkt. Nach § 97 Abs. 2 EheG, wenn die Vereinbarung einen Teil in einer Gesamtbetrachtung unbillig benachteiligt, sodass ihm die Zuhaltung unzumutbar ist. Bei der Ehewohnung, wenn der andere Ehegatte oder ein gemeinsames Kind seine Lebensbedürfnisse nicht hinreichend decken kann. Berücksichtigt wird auch, ob vorher rechtliche Beratung stattfand.

Kann man im Ehevertrag die Obsorge regeln?

Nicht bindend. Vereinbarungen zu Obsorge und Kindesunterhalt wirken nur als Absichtserklärung, weil das Gericht am Kindeswohl zu messen hat.

Kann man auf Unterhalt verzichten?

Während aufrechter Ehe ist ein vollständiger wechselseitiger Verzicht unzulässig. Ein Verzicht auf nachehelichen Unterhalt ist wirksam, soweit er nicht sittenwidrig ist.

Stand: