Euribor: aktuelle Werte und wie daraus ein Kreditzins wird
3-Monats-Euribor im September 2026 bei 2,64 Prozent, 12-Monats-Euribor bei 3,25 Prozent. Aufschlag, Zinsanpassung und was der OGH zu negativen Werten sagt.
Der 3-Monats-Euribor lag im September 2026 im Monatsdurchschnitt bei 2,64 Prozent, der 12-Monats-Euribor bei 3,25 Prozent. Seit Februar sind beide deutlich gestiegen, der 12-Monats-Wert um rund einen Prozentpunkt.
Für den eigenen Kredit ist der Euribor aber nur die halbe Information. Die andere Hälfte steht im Vertrag: welche Laufzeit herangezogen wird, wann angepasst wird und welcher Aufschlag dazukommt.
Eckdaten zum Euribor
| Punkt | Angabe |
|---|---|
| 3-Monats-Euribor | 2,64 Prozent (Durchschnitt September 2026) |
| 12-Monats-Euribor | 3,25 Prozent (Durchschnitt September 2026) |
| Kreditzins | Euribor plus vereinbarter Aufschlag |
| Laufzeiten | 1 Woche, 1, 3, 6 und 12 Monate |
| Veröffentlichung | jeder Geschäftstag, um oder kurz nach 11 Uhr |
| Administrator | European Money Markets Institute, 20 Panelbanken |
| Negativer Euribor | Zins kann bis 0 Prozent sinken, keine Negativzinsen an Kunden |
Aktueller Euribor: Monatsdurchschnitte 2025 und 2026
| Monat | 3-Monats-Euribor | 12-Monats-Euribor |
|---|---|---|
| September 2025 | 2,03 % | 2,17 % |
| Oktober 2025 | 2,03 % | 2,19 % |
| November 2025 | 2,04 % | 2,22 % |
| Dezember 2025 | 2,05 % | 2,27 % |
| Jänner 2026 | 2,03 % | 2,25 % |
| Februar 2026 | 2,01 % | 2,22 % |
| März 2026 | 2,11 % | 2,57 % |
| April 2026 | 2,18 % | 2,75 % |
| Mai 2026 | 2,23 % | 2,80 % |
| Juni 2026 | 2,34 % | 2,80 % |
| Juli 2026 | 2,43 % | 2,86 % |
| August 2026 | 2,51 % | 2,95 % |
| September 2026 | 2,64 % | 3,25 % |
Monatsdurchschnitte laut Europäischer Zentralbank, gerundet auf zwei Nachkommastellen. Der 12-Monats-Euribor liegt seit März deutlich über dem 3-Monats-Wert. Wer einen Kredit mit jährlicher Anpassung hat, spürt den Anstieg deshalb stärker, aber erst zum nächsten Anpassungstermin.
Vom Euribor zum Kreditzins: Referenzwert plus Aufschlag
Ein variabler Kreditzins besteht aus zwei Teilen: dem Referenzwert, der sich bewegt, und dem Aufschlag der Bank, der über die Laufzeit in aller Regel fest bleibt. Ein Vertrag mit „3-Monats-Euribor plus 1,25 Prozentpunkte” ergibt beim Septemberwert von 2,64 Prozent einen Sollzinssatz von 3,89 Prozent.
Daraus folgt für Verhandlungen: Verhandelbar ist der Aufschlag, nicht der Euribor. Angebote lassen sich nur vergleichen, wenn beide Bestandteile genannt sind. Wer zwei Angebote mit demselben Sollzinssatz, aber unterschiedlichem Aufschlag vor sich hat, hat nicht dasselbe Angebot.
Zinsanpassung: Laufzeit, Anpassungstermin und Stichtag
| Vertragsdetail | Wirkung |
|---|---|
| gewählte Euribor-Laufzeit | 3-Monats-Werte reagieren schneller als 12-Monats-Werte |
| Anpassungstermin | quartalsweise, halbjährlich oder jährlich |
| Stichtag | welcher Wert herangezogen wird, etwa ein fixer Tag oder ein Monatsdurchschnitt |
| Rundung | ob und wie der Referenzwert gerundet wird |
Der Kreditzins steigt deshalb nicht am Tag, an dem der Euribor steigt. Bei quartalsweiser Anpassung kann zwischen der Bewegung und der neuen Rate ein Vierteljahr liegen. Wer eine bestehende Finanzierung prüft, vergleicht nicht den Tageswert, sondern den Stichtagswert der letzten Anpassung, der im Vertrag festgelegt ist.
Negativer Euribor: was der OGH entschieden hat
Von 2015 bis 2022 lag der Euribor zeitweise unter null. Manche Banken haben den Referenzwert dann bei null eingefroren, sodass der Kunde weiter den vollen Aufschlag zahlte. Der Oberste Gerichtshof hat dazu 2017 für Verbraucherkredite entschieden:
- Den Referenzwert einseitig bei null einzufrieren, verstößt gegen das Konsumentenschutzgesetz. Ein negativer Euribor wird vom Aufschlag abgezogen.
- Der Aufschlag kann dadurch teilweise oder ganz aufgezehrt werden, der Zinssatz also bis auf 0 Prozent sinken.
- Negativzinsen an den Kunden muss die Bank nicht zahlen. Eine Untergrenze von 0,0 Prozent für den Gesamtzins ist zulässig.
Beispiel mit den Werten des VKI: Ein Referenzwert von minus 0,75 Prozent bei 1,25 Prozent Aufschlag ergibt 0,5 Prozent Zins, nicht 1,25 Prozent. Zu viel bezahlte Zinsen aus solchen Verträgen konnten Kreditnehmer zurückfordern.
Effektiver Jahreszins und Kreditvergleich
Der Euribor allein beantwortet die Frage nach der eigenen Rate nicht. Zwei Größen fehlen dafür:
- Der Aufschlag, der von Bonität, Besicherung und Beleihungsquote abhängt.
- Der effektive Jahreszins, der alle Nebenkosten enthält und die einzige vergleichbare Größe zwischen Angeboten ist.
Bei variablen Angeboten beruht der effektive Jahreszins auf dem heutigen Referenzwert. Er ist eine Momentaufnahme, keine Prognose. Wie Rate und Gesamtkosten aus Betrag, Zins und Laufzeit entstehen, zeigt der Kreditrechner.
Kreditvergabe seit Juli 2025: FMA-Rundschreiben statt KIM-Verordnung
Für Wohnimmobilienkredite galt von August 2022 bis 30. Juni 2025 die KIM-Verordnung der Finanzmarktaufsicht mit drei verbindlichen Werten: mindestens 10 Prozent Eigenmittel, höchstens 40 Prozent Schuldendienstquote und höchstens 35 Jahre Laufzeit. Sie ist planmäßig ausgelaufen.
Seit 1. Juli 2025 gilt ein Rundschreiben der FMA zur soliden Vergabe von Wohnimmobilienkrediten. Es nennt dieselben Größenordnungen, ist aber keine Verordnung, sondern eine Erwartungshaltung der Aufsicht: Banken dürfen abweichen, solange die Vergabe insgesamt solide bleibt. Ob ein Institut abweicht, entscheidet es selbst, weshalb sich ein Vergleich mehrerer Banken lohnt. Die Anforderungen an eine Wohnfinanzierung stehen beim Wohnkredit.
Wer den Euribor feststellt
Administrator ist das European Money Markets Institute (EMMI). Grundlage sind Meldungen von 20 Panelbanken, ausgewertet nach einer hybriden Methodik, die vorrangig auf tatsächliche Transaktionen abstellt. Veröffentlicht wird an jedem Geschäftstag des Zahlungssystems TARGET um oder kurz nach 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit, für fünf Laufzeiten. Tageswerte stellt EMMI nur mit einem Tag Verzögerung und nach Registrierung frei zur Verfügung, Monatsdurchschnitte veröffentlicht die Europäische Zentralbank.
Quellen
Abrufe am 04.09.2026, Euribor-Werte und Rechtsprechung am 14.10.2026.
- Europäische Zentralbank, Data Portal: Euribor 3 Monate und Euribor 12 Monate, Monatsdurchschnitte
- European Money Markets Institute: Euribor, Administration, Laufzeiten und Methodik
- OGH im RIS: 9 Ob 35/17p vom 28.06.2017 und 10 Ob 13/17k vom 21.03.2017
- VKI, verbraucherrecht.at: Gefestigte OGH-Rechtsprechung zu Negativzinsen
- Finanzmarktaufsicht: Wohnimmobilienkredite, Rundschreiben zur soliden Vergabe seit 01.07.2025
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der 3-Monats-Euribor aktuell?
Im Monatsdurchschnitt September 2026 lag er laut Europäischer Zentralbank bei 2,64 Prozent, der 12-Monats-Euribor bei 3,25 Prozent. Beide sind seit Februar 2026 um 0,6 bis 1,0 Prozentpunkte gestiegen.
Wie wird aus dem Euribor mein Kreditzins?
Zum vereinbarten Euribor kommt der Aufschlag der Bank. Bei 3-Monats-Euribor von 2,64 Prozent und 1,25 Prozentpunkten Aufschlag ergibt das 3,89 Prozent. Wann der neue Wert wirkt, regeln Anpassungstermin und Stichtag im Vertrag.
Was passiert bei negativem Euribor?
Bei Verbraucherkrediten darf die Bank den Euribor laut OGH nicht einseitig bei null einfrieren. Der negative Wert wird vom Aufschlag abgezogen, bis der Zins bei 0 Prozent liegt. Negativzinsen muss die Bank nicht auszahlen.
Warum steigt mein Kreditzins nicht sofort, wenn der Euribor steigt?
Weil der Vertrag einen Anpassungstermin und einen Stichtag festlegt. Bei quartalsweiser Anpassung wirkt eine Änderung erst zum nächsten Termin, bezogen auf den Wert des vereinbarten Stichtags.
Wer legt den Euribor fest?
Das European Money Markets Institute als Administrator. Grundlage sind Meldungen von 20 Panelbanken, veröffentlicht wird an jedem Geschäftstag um oder kurz nach 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit.
Welche Laufzeiten gibt es?
Fünf: eine Woche sowie ein, drei, sechs und zwölf Monate. Für Kredite in Österreich sind der 3-Monats- und der 12-Monats-Euribor am gebräuchlichsten.
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