Haushaltsplan erstellen: Methode und Referenzwerte

Ein Einpersonenhaushalt braucht laut Referenzbudget 1.878 Euro im Monat - deutlich mehr als das pfändungsfreie Existenzminimum. Wie Sie Ihr Budget aufstellen.

Stand: 02. September 2026 7 Min. Lesezeit

Ein Einpersonenhaushalt braucht in Österreich 1.878 Euro im Monat, um einfach, aber angemessen zu leben - einschließlich eines Minimums an sozialer und kultureller Teilhabe. Das ist kein Schätzwert, sondern das Referenzbudget der ASB Schuldnerberatungen, veröffentlicht im Mai 2026.

Zum Vergleich: Das pfändungsfreie Existenzminimum beträgt 1.308 Euro. Zwischen dem, was bei einer Pfändung bleiben muss, und dem, was ein bescheidener Haushalt kostet, liegen rund 570 Euro.

Warum eine Referenz nötig ist

Die meisten Budgetpläne scheitern nicht am Rechnen, sondern am Maßstab. Ohne Vergleichswert lässt sich nicht beurteilen, ob 400 Euro für Lebensmittel viel oder wenig sind.

Die Referenzbudgets liefern diesen Maßstab. Sie wurden 2009 im Rahmen eines europäischen Projekts entwickelt, werden jährlich aktualisiert und beruhen auf empirischen Daten. Verfügbar sind sie für zehn verschiedene Haushaltskonstellationen - vom Single über Paare bis zu Familien mit Kindern unterschiedlichen Alters.

Bemerkenswert an der Fassung 2026: Einzelne Kategorien für Grundbedürfnisse - Energie, Gesundheit und öffentlicher Verkehr - sind stärker gestiegen als die durchschnittliche Inflation. Wer sein Budget einfach um die allgemeine Teuerungsrate fortschreibt, unterschätzt daher genau die Posten, die sich kaum vermeiden lassen.

Der Aufbau in vier Schritten

1. Einnahmen erfassen. Alle regelmäßigen Zuflüsse nach Abzug von Steuern und Beiträgen, dazu Sonderzahlungen anteilig - das 13. und 14. Gehalt geteilt durch zwölf, nicht als Bonus behandelt. Transferleistungen wie Familienbeihilfe gehören dazu.

2. Ausgaben aufzeichnen. Mindestens einen vollen Monat, besser drei. Kontoauszüge allein genügen nicht, weil Bargeldausgaben unsichtbar bleiben. Wer nur schätzt, liegt bei den kleinen, häufigen Posten regelmäßig zu niedrig.

3. In Fixkosten und variable Kosten trennen.

Fixkostenvariable Kosten
Miete und BetriebskostenLebensmittel
VersicherungenKleidung
Kredit- und LeasingratenFreizeit
Abos, MitgliedschaftenAnschaffungen
Energie (Grundgebühr)Energie (Verbrauch)

Diese Trennung entscheidet über den Handlungsspielraum. Fixkosten lassen sich kurzfristig kaum senken - sie bestimmen, wie viel überhaupt gestaltbar ist.

4. Unregelmäßiges auf den Monat umlegen. Hier liegt der häufigste Fehler. Jahresprämien, Betriebskostennachzahlungen, Autoreparaturen, Selbstbehalte und Urlaub fallen nicht monatlich an, aber sicher. Die Summe durch zwölf geteilt und zur Seite gelegt, verhindert, dass sie zur Kreditaufnahme zwingen.

Was der fertige Plan zeigt

Am Ende steht eine Zahl: Einnahmen minus Ausgaben. Sie beantwortet drei Fragen zugleich - ob Rücklagen möglich sind, wie hoch eine tragfähige Kreditrate wäre und ob eine Ratenvereinbarung mit Gläubigern realistisch ist.

Ist das Ergebnis negativ, hilft kein Sparplan an den variablen Posten allein. Dann geht es um die Fixkosten: Wohnkosten, Versicherungen, laufende Verträge. Und in dem Fall lohnt der frühe Gang zur kostenlosen Beratung - Details dazu stehen bei Schulden abbauen.

Ist es knapp positiv, sollte der erste Schritt eine Rücklage für Unvorhergesehenes sein, nicht die Tilgung. Wer ohne Puffer tilgt, finanziert die nächste Reparatur wieder auf Kredit.

Womit der Plan hält

Ein Haushaltsplan scheitert selten am Konzept, sondern an der Fortschreibung. Drei Dinge helfen:

  • Eine Aufzeichnungsform wählen, die man durchhält - Tabelle, App oder Heft ist zweitrangig
  • Monatlich kurz gegenprüfen statt einmal jährlich gründlich
  • Nach Veränderungen neu rechnen: Wohnungswechsel, Jobwechsel, Familienzuwachs, Auslaufen eines Kredits

Die Referenzbudgets eignen sich dabei als jährlicher Realitätscheck: Liegt das eigene Budget in einer Kategorie deutlich darüber oder darunter, ist das kein Urteil - aber ein Anlass, genauer hinzusehen.

Quellen

Stand der Angaben: 2. September 2026. Die Referenzbudgets werden jährlich neu berechnet.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel braucht ein Haushalt im Monat?

Das Referenzbudget für einen Einpersonenhaushalt liegt 2026 bei 1.878 Euro. Es beschreibt ein einfaches, aber angemessenes Leben samt einem Minimum an sozialer und kultureller Teilhabe.

Was ist ein Referenzbudget?

Ein von der ASB Schuldnerberatungen erstelltes Ausgabenraster für verschiedene Haushaltstypen. Es wird jährlich aktualisiert und beruht auf empirischen Daten, nicht auf Schätzungen.

Wie lange muss ich Ausgaben aufzeichnen?

Mindestens einen vollen Monat, besser drei. Erst über mehrere Monate zeigen sich die unregelmäßigen Posten, die den Plan sonst regelmäßig sprengen.

Was sind Fixkosten?

Ausgaben, die unabhängig vom Verhalten anfallen - Miete, Versicherungen, Kreditraten, Abos. Sie sind kurzfristig kaum veränderbar und bestimmen den Spielraum.

Warum reicht das Existenzminimum nicht als Maßstab?

Es ist eine Pfändungsgrenze, kein Bedarfsmaß. Mit 1.308 Euro liegt es 2026 rund 570 Euro unter dem Referenzbudget für einen Einpersonenhaushalt.

Welche Ausgaben werden am häufigsten unterschätzt?

Die jährlich oder quartalsweise anfallenden - Versicherungsprämien, Betriebskostennachzahlungen, Reparaturen, Selbstbehalte. Sie gehören anteilig in den Monatsplan.