Musterdepot: Was es zeigt und was es verschweigt
Ein Musterdepot testet die Strategie, nicht die Ausführung. Welche Kosten und Effekte darin fehlen und wie Sie es trotzdem sinnvoll einsetzen.
Ein Musterdepot bildet die Kursentwicklung ab, nicht den Handel. Genau darin liegt sein Nutzen - und sein Problem: Es testet die Auswahl der Papiere, blendet aber fast alles aus, was zwischen der Idee und dem Ergebnis steht.
Was systematisch fehlt
Die Kosten. Ordergebühren, Fremdspesen und vor allem der Spread zwischen Geld- und Briefkurs tauchen in den meisten Musterdepots nicht auf. Bei marktengen Titeln fällt der Spread oft stärker ins Gewicht als die Ordergebühr - eine Position steht im echten Depot unmittelbar nach dem Kauf im Minus, im Musterdepot nicht.
Die Ausführung. Eingetragen wird der Kurs, den man sieht. Im echten Depot bekommen Sie den, den das Orderbuch hergibt. Bei Werten, die nur einmal täglich in einer Auktion gehandelt werden, liegen dazwischen Stunden.
Die Steuer. Realisierte Gewinne aus Aktien und Fonds kosten 27,5 Prozent; bei CFDs und anderen nicht verbrieften Derivaten greift im Ausgangspunkt der progressive Tarif. Eine Strategie mit vielen Umschichtungen sieht vor Steuer deutlich besser aus als danach, weil jeder Verkauf die Steuer auslöst, während eine gehaltene Aktie unversteuert weiterläuft. Für thesaurierende Fonds gilt das allerdings nicht: Dort sind die einbehaltenen Erträge jährlich steuerpflichtig, auch ohne Verkauf - Näheres bei den Dividenden.
Der Druck. Der einzige Punkt, der sich nicht durch sorgfältiges Rechnen beheben lässt. Wie jemand reagiert, während eine Position dreißig Prozent im Minus steht, lässt sich ohne echtes Geld schwer vorhersagen.
Wofür es trotzdem taugt
Die Software kennenlernen. Ordertypen, Limits, Stop-Regeln und die Eigenheiten der Handelsmaske lassen sich gefahrlos ausprobieren - einschließlich des Unterschieds zwischen Stop Market und Stop Limit, der im Ernstfall über den Ausführungspreis entscheidet.
Eine Auswahlmethode über längere Zeit prüfen. Wenn Sie nach bestimmten Kriterien Aktien auswählen, zeigt ein über Monate geführtes Musterdepot, ob die Kriterien tragen - vorausgesetzt, Sie lassen auch die Fehlgriffe darin stehen.
Die eigene Reaktion beobachten. Nicht die auf Verluste, aber die auf Nachrichtenlage und Kursbewegungen. Wer im Musterdepot alle drei Tage umschichtet, wird es im echten Depot auch tun - dort dann mit Gebühren und Steuer.
Wie es aussagekräftig wird
Vier Regeln machen aus einem Musterdepot ein brauchbares Werkzeug.
Setzen Sie den tatsächlich handelbaren Kurs an, nicht den letzten Schlusskurs. Ziehen Sie Ordergebühren und Spread ab, auch wenn die Software es nicht tut. Ändern Sie nichts rückwirkend - keine nachträglich verschobenen Einstiege. Und dokumentieren Sie auch die schlechten Entscheidungen, sonst messen Sie am Ende nur Ihre Erinnerung.
Wer diese vier Punkte einhält, hat nach einem Jahr eine ehrliche Antwort auf die Frage, ob die eigene Auswahl besser war als ein breit gestreuter Indexfonds. Das ist der Vergleich, auf den es ankommt.
Für die Kostenseite, die im Musterdepot fehlt, stehen die Rechenbeispiele bei den Broker-Gebühren; zur Besteuerung realisierter Gewinne siehe die steuereinfachen Broker.
Quellen
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Musterdepot?
Ein Depot ohne echtes Geld. Sie tragen Käufe und Verkäufe ein, die Kursentwicklung wird real nachgeführt, aber es fließt nichts. Die meisten Broker und Finanzportale bieten so etwas an, oft unter dem Namen Watchlist oder Demokonto.
Welche Kosten fehlen im Musterdepot?
Meist alle, die im echten Depot anfallen: Ordergebühren, Fremdspesen, der Spread zwischen Geld- und Briefkurs, bei gehebelten Produkten die Finanzierungskosten und die Steuer auf realisierte Gewinne - bei Aktien und Fonds 27,5 Prozent, bei CFDs und anderen nicht verbrieften Derivaten im Ausgangspunkt der progressive Tarif. Eine Strategie, die im Musterdepot knapp aufgeht, verliert im echten Depot Geld.
Bringt ein Demokonto für den Handelseinstieg etwas?
Für das Kennenlernen der Software ja - Ordertypen, Limits, Stop-Regeln lassen sich gefahrlos ausprobieren. Für die Frage, ob Sie erfolgreich handeln können, wenig: Der entscheidende Faktor, nämlich das Verhalten unter echtem Verlustdruck, wird nicht simuliert.
Wie führe ich ein Musterdepot aussagekräftig?
Indem Sie es wie ein echtes behandeln: Einstiegskurse zum tatsächlich handelbaren Kurs ansetzen, Ordergebühren und Spread abziehen, keine Positionen rückwirkend ändern und auch die schlechten Entscheidungen stehen lassen. Ein Musterdepot, in dem nur die guten Trades dokumentiert sind, misst nichts.