Gehaltsabrechnung lesen: was abgezogen wird und warum
18,07 Prozent Sozialversicherung, dann erst die Lohnsteuer. Warum das Dezembergehalt anders aussieht und was die Höchstbeitragsgrundlage bewirkt.
Eine Gehaltsabrechnung liest sich von oben nach unten in vier Schritten: Bruttobezug, Sozialversicherung, Lohnsteuer, Auszahlungsbetrag. Die Reihenfolge ist keine Formsache, denn die Sozialversicherung wird vor der Lohnsteuer abgezogen und mindert deren Bemessungsgrundlage.
Zwei Größen erklären die meisten Fragen, die an einer Abrechnung entstehen: die Staffelung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags bei niedrigen Einkommen und die Höchstbeitragsgrundlage bei hohen.
Der Dienstnehmeranteil
| Beitrag | Dienstnehmeranteil |
|---|---|
| Krankenversicherung | 3,87 Prozent |
| Pensionsversicherung | 10,25 Prozent |
| Arbeitslosenversicherung | 2,95 Prozent |
| Arbeiterkammerumlage | 0,50 Prozent |
| Wohnbauförderungsbeitrag | 0,50 Prozent |
| Summe | 18,07 Prozent |
Werte 2026 nach Angabe der Wirtschaftskammer, abgerufen am 04.09.2026. Die Summe der fünf Einzelposten ergibt genau den bekannten Gesamtsatz, was als Gegenprobe taugt.
Die Unfallversicherung von 1,10 Prozent trägt der Arbeitgeber allein. Er zahlt außerdem eigene Anteile zur Kranken- und Pensionsversicherung sowie den Beitrag zur betrieblichen Vorsorge.
Warum der ALV-Beitrag oft niedriger ist
Bei niedrigen Einkommen ist der Dienstnehmeranteil zur Arbeitslosenversicherung gestaffelt. Das ist der häufigste Grund dafür, dass die Abrechnung nicht auf 18,07 Prozent kommt.
| Monatliche Beitragsgrundlage | ALV-Anteil |
|---|---|
| bis 2.225 Euro | 0 Prozent |
| über 2.225 bis 2.427 Euro | 1 Prozent |
| über 2.427 bis 2.630 Euro | 2 Prozent |
| über 2.630 Euro | 2,95 Prozent |
Werte 2026. Bei einer Beitragsgrundlage von 2.300 Euro beträgt der Gesamtabzug damit nicht 18,07, sondern 16,12 Prozent.
Eine Nebenwirkung dieser Staffelung ist im Grenzbereich spürbar: Eine Gehaltserhöhung, die knapp über eine Stufe hebt, kann netto weniger bringen als erwartet, weil der Beitragssatz für die gesamte Grundlage steigt.
Die Höchstbeitragsgrundlage
Sozialversicherungsbeiträge fallen nur bis zu einer Obergrenze an. 2026 liegt die Höchstbeitragsgrundlage bei 6.930 Euro im Monat, für Sonderzahlungen bei 13.860 Euro im Jahr.
Für den Teil des Entgelts darüber fallen keine Beiträge mehr an, Lohnsteuer dagegen schon. Das erklärt, warum bei hohen Gehältern der prozentuale Nettoanteil ab einem bestimmten Punkt wieder leicht steigt: Der Sozialversicherungsabzug bleibt betraglich konstant, während er relativ zum Bruttobezug sinkt.
Die halbe Höchstbeitragsgrundlage, 2026 also 3.465 Euro, taucht an anderer Stelle wieder auf: Ab dieser Schwelle beteiligt sich der Arbeitgeber mit 15 Prozent an der Weiterbildungsbeihilfe.
Sonderzahlungen
Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden anders behandelt als der laufende Bezug, und zwar in beiden Systemen unterschiedlich:
- Sozialversicherung: Beiträge fallen an, aber mit einer eigenen jährlichen Höchstbeitragsgrundlage von 13.860 Euro. Der Beitragssatz ist geringfügig niedriger als beim laufenden Bezug.
- Lohnsteuer: Innerhalb des Jahressechstels werden Sonderzahlungen begünstigt besteuert, nach einem Freibetrag mit festen, niedrigen Sätzen statt nach dem laufenden Tarif. Was das Jahressechstel übersteigt, wird wie laufender Bezug versteuert.
Daraus folgt die Beobachtung, die viele im Juni und November machen: Vom 13. und 14. Gehalt bleibt anteilig deutlich mehr übrig als vom laufenden Monatsbezug. Die Details der Tarifstufen stehen unter Lohnsteuer.
Was sonst auf der Abrechnung steht
Betriebliche Vorsorge. Die Zeile mit 1,53 Prozent ist kein Abzug, sondern eine zusätzliche Leistung des Arbeitgebers in die BV-Kasse. Grundlage ist § 6 BMSVG, Details unter Abfertigung.
Einstufung. Verwendungsgruppe und Berufsjahre entscheiden über das kollektivvertragliche Mindestentgelt. Eine Überzahlung ist zulässig, eine Unterschreitung nicht, weil der Kollektivvertrag unmittelbar rechtsverbindlich ist.
Zulagen und Zuschläge. Schmutz-, Erschwernis- und Gefahrenzulagen sowie Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit sind bis 400 Euro monatlich steuerfrei, Überstundenzuschläge zusätzlich im Rahmen eines eigenen Freibetrags. Die für 2026 geltenden Grenzen stehen unter Überstunden.
Sachbezüge. Ein Firmenauto zur Privatnutzung oder eine Dienstwohnung erhöhen die Bemessungsgrundlage, obwohl kein Geld fließt. Sie stehen deshalb im Bruttobereich und wirken sich auf Sozialversicherung und Lohnsteuer aus.
Ein vollständiges Beispiel
Angestellte, 3.500 Euro brutto im Monat, keine Sachbezüge, keine Freibeträge:
| Schritt | Betrag |
|---|---|
| Bruttobezug | 3.500,00 Euro |
| Sozialversicherung, 18,07 Prozent | 632,45 Euro |
| Bemessungsgrundlage für die Lohnsteuer | 2.867,55 Euro |
Eigene Berechnung mit den Beitragssätzen 2026. Von diesen 2.867,55 Euro geht danach die Lohnsteuer ab, gemindert um die zustehenden Absetzbeträge. Wie hoch sie ausfällt, hängt vom Tarif und von den individuellen Absetzbeträgen ab, weshalb sich der Nettobetrag nicht pauschal aus dem Brutto ableiten lässt.
Wenn etwas nicht stimmt
Drei Prüfungen decken die meisten Fehler auf:
- Einstufung gegen die KV-Gehaltstabelle halten. Falsche Verwendungsgruppen und nicht angerechnete Vordienstzeiten sind der häufigste Fehler.
- Überstunden und Mehrarbeit gegen die eigenen Aufzeichnungen prüfen. Kollektivverträge enthalten oft kurze Verfallsfristen, teils drei Monate.
- Sonderzahlungen auf Aliquotierung prüfen, wenn das Arbeitsverhältnis unterjährig begonnen oder geendet hat.
Ansprüche verjähren nach dem ABGB grundsätzlich in drei Jahren, kollektivvertragliche Verfallsfristen greifen aber früher. Wer einen Fehler entdeckt, sollte ihn deshalb schriftlich und zeitnah geltend machen.
Quellen
- Wirtschaftskammer Österreich: Beitragswesen Dienstnehmer 2026, abgerufen am 04.09.2026
- § 6 BMSVG, Beitrag zur betrieblichen Vorsorge
- § 68 EStG, steuerfreie Zulagen und Zuschläge
- § 5 Abs. 2 ASVG, Geringfügigkeitsgrenze
Verwandte Themen
- Lohnsteuer: Tarif und Absetzbeträge
- Überstunden: Zuschläge und Steuerfreiheit
- Kollektivvertrag: Mindestentgelt und Einstufung
- Abfertigung: die betriebliche Vorsorge
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Sozialversicherung zahle ich als Angestellte?
18,07 Prozent der Beitragsgrundlage, zusammengesetzt aus 3,87 Prozent Krankenversicherung, 10,25 Prozent Pensionsversicherung, 2,95 Prozent Arbeitslosenversicherung, 0,5 Prozent Arbeiterkammerumlage und 0,5 Prozent Wohnbauförderungsbeitrag.
Warum ist mein Beitrag zur Arbeitslosenversicherung niedriger?
Bei niedrigen Einkommen ist der Dienstnehmeranteil gestaffelt: Bis 2.225 Euro monatlich fällt er ganz weg, bis 2.427 Euro beträgt er 1 Prozent, bis 2.630 Euro 2 Prozent. Erst darüber gelten die vollen 2,95 Prozent.
Was ist die Höchstbeitragsgrundlage?
Die Obergrenze, bis zu der Sozialversicherungsbeiträge anfallen. 2026 liegt sie bei 6.930 Euro im Monat, für Sonderzahlungen bei 13.860 Euro im Jahr. Für den Teil darüber fallen keine Beiträge an, Lohnsteuer aber schon.
Warum bleibt vom 13. Gehalt mehr übrig?
Sonderzahlungen werden innerhalb des Jahressechstels begünstigt besteuert, nicht nach dem laufenden Tarif. Die Sozialversicherung fällt dagegen an, allerdings mit eigener Höchstbeitragsgrundlage.
Was bedeutet die Zeile Betriebliche Vorsorge?
Der Arbeitgeber zahlt 1,53 Prozent des Entgelts samt Sonderzahlungen in eine BV-Kasse ein. Das ist die Abfertigung neu. Der Betrag wird Ihnen nicht abgezogen, er kommt zusätzlich.
Wo sehe ich, ob mein Gehalt dem Kollektivvertrag entspricht?
Auf der Abrechnung steht in der Regel die Einstufung, also Verwendungsgruppe und Berufsjahre. Der zugehörige Mindestbetrag steht in der Gehaltstabelle des Kollektivvertrags. Ein Überzahlungsbetrag ist zulässig, eine Unterschreitung nicht.