Bausparen in Österreich - Bausparvertrag Vergleich
Bausparen Österreich 2026: Bausparvertrag, staatliche Prämie, Zinsen & Vergleich der Bausparkassen. Lohnt sich Bausparen noch? Jetzt informieren!
Bausparen in Oesterreich 2026
Das Bausparen hat in Oesterreich eine lange Tradition und gehoert nach wie vor zu den beliebtesten Sparformen im Land. Rund 5 Millionen Bausparvertraege sind in Oesterreich aktiv — das sind rechnerisch mehr Vertraege als erwachsene Einwohner. Die Kombination aus staatlicher Praemie, Sicherheit und Flexibilitaet macht das Bausparen fuer viele Oesterreicherinnen und Oesterreicher attraktiv.
Was ist Bausparen?
Bausparen ist ein zweckgebundenes Sparmodell, das in Oesterreich seit Jahrzehnten existiert. Das Grundprinzip besteht aus zwei Phasen:
Sparphase: Sie zahlen regelmaessig (meist monatlich) Betraege in Ihren Bausparvertrag ein. Diese Einzahlungen werden verzinst, und zusaetzlich erhalten Sie eine staatliche Bausparprämie.
Darlehensphase: Nach Ablauf der Sparphase (typischerweise sechs Jahre) haben Sie Anspruch auf ein guenstiges Bauspardarlehen. Dieses Darlehen koennen Sie fuer wohnwirtschaftliche Zwecke nutzen — also fuer den Bau, Kauf oder die Renovierung einer Immobilie.
Allerdings muessen Sie das Darlehen nicht in Anspruch nehmen. Viele Oesterreicher nutzen den Bausparvertrag ausschliesslich als Sparprodukt und verzichten auf das Darlehen.
Die staatliche Bausparprämie
Wie hoch ist die Bausparprämie 2026?
Die staatliche Bausparprämie wird jaehrlich vom Finanzministerium festgelegt und orientiert sich am allgemeinen Zinsniveau. Die Praemie wird auf den jaehrlichen Sparbetrag von bis zu 1.200 Euro gewaehrt. Bei einer Praemie im Bereich von 1,5 % bis 4,5 % des Sparvolumens ergibt sich eine zusaetzliche jaehrliche Foerderung.
In den letzten Jahren lag die Praemie je nach Zinsniveau zwischen rund 18 Euro und 54 Euro pro Jahr (bei voller Ausschoepfung der 1.200 Euro). Auch wenn der Betrag bescheiden erscheint, ist er ein netter Bonus, der die Rendite des Bausparvertrags verbessert.
Voraussetzungen fuer die Praemie
Die Praemie erhaelt grundsaetzlich jeder, der einen Bausparvertrag abschliesst und regelmaessig einzahlt. Es gibt keine Einkommensgrenzen oder sonstige Beschraenkungen. Auch Kinder koennen einen Bausparvertrag haben — viele Eltern und Grosseltern eroeffnen Bausparvertraege fuer ihre Kinder und Enkel.
Die Praemie wird von der Bausparkasse automatisch beantragt und dem Konto gutgeschrieben. Sie muessen sich um nichts kuemmern.
Die Bausparkassen in Oesterreich
In Oesterreich gibt es vier Bausparkassen, die sich den Markt teilen:
Wuestenrot Bausparkasse
Wuestenrot ist die aelteste Bausparkasse Oesterreichs und gehoert zur Wuestenrot-Gruppe. Sie bietet verschiedene Bauspartarife fuer unterschiedliche Beduerfnisse an — von Spartarifen mit variabler Verzinsung bis hin zu Fixzins-Tarifen. Wuestenrot ist bekannt fuer ihre breite Produktpalette und ihr dichtes Beraternetz.
start:bausparkasse (ehemals Raiffeisen Bausparkasse)
Die ehemalige Raiffeisen Bausparkasse firmiert seit einigen Jahren unter dem Namen start:bausparkasse. Sie ist eng mit dem Raiffeisen-Sektor verbunden und bietet ihre Produkte ueber das Raiffeisen-Filialnetz an. Die start:bausparkasse legt besonderen Wert auf digitale Services und bietet eine uebersichtliche Online-Verwaltung der Bausparvertraege.
s Bausparkasse
Die s Bausparkasse gehoert zur Sparkassengruppe und vertreibt ihre Produkte ueber die Filialen der Sparkassen und der Erste Bank. Sie bietet klassische Bauspartarife mit wettbewerbsfaehigen Konditionen und ist besonders bei Kunden der Sparkassengruppe beliebt.
ABV (Allgemeine Bausparkasse)
Die ABV ist die kleinste der vier oesterreichischen Bausparkassen und gehoert zur BAWAG-Gruppe. Sie bietet solide Bausparprodukte und vertreibt diese ueber das Filialnetz der BAWAG PSK.
Bauspartarife im Vergleich
Variabler Zinssatz
Die meisten Bauspartarife bieten einen variablen Zinssatz, der sich am allgemeinen Zinsniveau orientiert. In der Regel gibt es einen garantierten Mindestzinssatz (oft 0,1 % bis 0,5 %) und eine Zinsobergrenze. Der tatsaechliche Zinssatz liegt irgendwo dazwischen und wird von der Bausparkasse regelmaessig angepasst.
Fixzins-Tarife
Einige Bausparkassen bieten auch Tarife mit einem fixen Zinssatz fuer die gesamte Laufzeit an. Diese bieten Planungssicherheit, koennen aber in Phasen steigender Zinsen nachteilig sein, weil man an den niedrigeren Fixzins gebunden ist.
Praemientarife
Sogenannte Praemientarife sind darauf ausgelegt, die staatliche Bausparprämie optimal zu nutzen. Die Einzahlungen werden so strukturiert, dass die maximale Praemie von 1.200 Euro pro Jahr erreicht wird.
Bausparvertrag abschliessen — Schritt fuer Schritt
1. Bausparkasse waehlen
Vergleichen Sie die Angebote der vier oesterreichischen Bausparkassen. Achten Sie auf den Zinssatz, die Gebuehren und die Flexibilitaet des Tarifs. Auch der Kundenservice und die digitalen Moeglichkeiten (Online-Banking, App) sollten in Ihre Entscheidung einfliessen.
2. Tarif und Vertragssumme festlegen
Waehlen Sie einen Tarif, der zu Ihren Sparzielen passt. Die Vertragssumme bestimmt die Hoehe des moeglichen Bauspardarlehens und die empfohlene monatliche Sparrate. Uebliche Vertragssummen liegen zwischen 10.000 und 150.000 Euro.
3. Vertrag unterschreiben
Den Bausparvertrag koennen Sie entweder in einer Filiale Ihrer Bausparkasse oder online abschliessen. Sie benoetigen einen gueltigen Lichtbildausweis und Ihre Bankverbindung fuer die Einzahlung.
4. Regelmaessig einzahlen
Richten Sie am besten einen Dauerauftrag ein, um monatlich den gewuenschten Betrag auf Ihren Bausparvertrag einzuzahlen. Die empfohlene monatliche Sparrate, um die maximale Praemie zu erhalten, liegt bei 100 Euro (1.200 Euro pro Jahr).
5. Laufzeitende abwarten
Die Mindestlaufzeit eines Bausparvertrags betraegt in der Regel sechs Jahre. Kuendigen Sie den Vertrag vor Ablauf der sechs Jahre, muessen Sie die erhaltenen Praemien zurueckzahlen. Nach Ablauf der Laufzeit koennen Sie das angesparte Kapital auszahlen lassen oder ein Bauspardarlehen in Anspruch nehmen.
Das Bauspardarlehen
Fuer wen eignet es sich?
Das Bauspardarlehen ist ein guenstiges Immobiliendarlehen, das nach Ablauf der Sparphase in Anspruch genommen werden kann. Es eignet sich fuer alle wohnwirtschaftlichen Zwecke: Kauf einer Immobilie, Hausbau, Renovierung, Sanierung oder Umbau.
Konditionen des Bauspardarlehens
Die Zinsen fuer Bauspardarlehen sind gesetzlich mit einer Obergrenze von 6 % gedeckelt. In der Praxis liegen die Zinsen deutlich darunter — je nach Marktlage und Tarif typischerweise zwischen 2 % und 4 %. Die maximale Darlehenshoehe richtet sich nach der Vertragssumme und den angesparten Mitteln.
Bauspardarlehen vs. Bankkredit
Im Vergleich zu einem normalen Bankkredit bietet das Bauspardarlehen einige Vorteile: die gesetzliche Zinsobergrenze schuetzt vor extrem hohen Zinsen, die Konditionen sind transparent und es gibt keine versteckten Kosten. Allerdings sind die Darlehensbetraege begrenzt und reichen fuer eine vollstaendige Immobilienfinanzierung oft nicht aus. Viele Kaeufer nutzen das Bauspardarlehen daher als Ergaenzung zu einem Bankkredit.
Lohnt sich Bausparen noch?
Diese Frage stellen sich viele Oesterreicherinnen und Oesterreicher. Die Antwort haengt von der persoenlichen Situation und den Erwartungen ab:
Pro Bausparen
Staatliche Praemie: Die Bausparprämie ist ein geschenkter Bonus, den es bei keiner anderen Sparform gibt. Auch wenn der Betrag gering ist, verbessert er die Rendite.
Sicherheit: Bauspareinlagen sind durch die Einlagensicherung geschuetzt. Zudem sind Bausparkassen in Oesterreich streng reguliert.
Guenstiges Darlehen: Wer plant, in Zukunft eine Immobilie zu kaufen oder zu renovieren, sichert sich mit dem Bausparvertrag ein guenstiges Darlehen.
Disziplin: Der Bausparvertrag foerdert regelmaessiges Sparen — durch den Dauerauftrag spart man quasi nebenbei.
Flexibilitaet: Nach Ablauf der sechs Jahre koennen Sie frei ueber das Geld verfuegen, auch wenn Sie kein Darlehen benoetigen.
Contra Bausparen
Niedrige Zinsen: Die Verzinsung von Bausparvertraegen ist in der aktuellen Zinslandschaft bescheiden. Tagesgeld oder Festgeld bieten oft hoehere Zinsen.
Bindung: Die Mindestlaufzeit von sechs Jahren ist eine lange Bindung. Bei vorzeitiger Kuendigung verlieren Sie die Praemien.
Bessere Alternativen fuer Rendite: Wer langfristig Vermoegen aufbauen will und Schwankungen akzeptiert, faehrt mit einem ETF-Sparplan deutlich besser.
Geringe Praemie: Die staatliche Praemie von maximal rund 18 bis 54 Euro pro Jahr ist kein Gamechanger.
Fuer wen ist Bausparen sinnvoll?
Bausparen eignet sich besonders fuer sicherheitsorientierte Sparer, die eine risikolose Anlage mit staatlicher Foerderung suchen. Auch fuer Eltern und Grosseltern, die fuer Kinder sparen moechten, ist der Bausparvertrag nach wie vor beliebt. Und natuerlich fuer alle, die in absehbarer Zukunft ein Bauspardarlehen fuer wohnwirtschaftliche Zwecke nutzen moechten.
Fuer renditeorientierte Anleger, die keine Immobilienfinanzierung planen, gibt es allerdings bessere Alternativen: ETF-Sparpläne fuer langfristigen Vermögensaufbau, Festgeld fuer sichere Zinsen oder Tagesgeld fuer maximale Flexibilitaet.
Steuern beim Bausparen
KESt auf Bausparzinsen
Die Zinsen aus dem Bausparvertrag unterliegen wie alle Spareinlagen der Kapitalertragsteuer (KESt) von 25 %. Die KESt wird von der Bausparkasse automatisch einbehalten und abgefuehrt.
Steuerfreiheit der Praemie
Die staatliche Bausparprämie ist steuerfrei — sie unterliegt nicht der KESt und muss auch nicht in der Einkommensteuererklaerung angegeben werden.
Bausparen fuer Kinder
Ein beliebtes Geschenk
In Oesterreich ist es Tradition, fuer Kinder und Enkel einen Bausparvertrag zu eroeffnen. Schon ab der Geburt kann ein Bausparvertrag auf den Namen des Kindes abgeschlossen werden. Eltern, Grosseltern und Paten zahlen regelmaessig ein und schaffen so ein kleines Startkapital fuer den Nachwuchs.
Tipps fuer den Kinder-Bausparvertrag
Waehlen Sie die Vertragssumme nicht zu hoch, damit die monatlichen Sparraten ueberschaubar bleiben. Nutzen Sie die jaehrliche Einzahlungsgrenze von 1.200 Euro fuer die volle Praemie aus. Beachten Sie, dass auch Kinder eine eigene Sozialversicherungsnummer benoetigen.
Alternativen zum Bausparen
Tagesgeldkonto
Ein Tagesgeldkonto bietet mehr Flexibilitaet als ein Bausparvertrag, da Sie jederzeit auf Ihr Geld zugreifen koennen. Die Zinsen sind variabel und koennen hoher sein als beim Bausparen.
Festgeld
Festgeld bietet fixe Zinsen fuer eine bestimmte Laufzeit und eignet sich als Alternative fuer alle, die keinen Bausparvertrag wollen, aber planbare Zinsen schaetzen.
ETF-Sparplan
Fuer langfristigen Vermoegensaufbau ist ein ETF-Sparplan die renditestaerkere Alternative. Die Ertraege uebersteigen langfristig die Rendite des Bausparens bei weitem, allerdings bei hoeherem Risiko.
Praemienbeguenstigte Zukunftsvorsorge
Die praemienbeguenstigte Zukunftsvorsorge ist ein staatlich gefoerdertes Vorsorgeprodukt mit hoeherer Praemie als beim Bausparen. Allerdings ist die Mindestlaufzeit deutlich laenger (bis zum Pensionsalter).
Tipps rund ums Bausparen
1. Die maximale Praemie ausschoepfen
Zahlen Sie jaehrlich mindestens 1.200 Euro ein (100 Euro monatlich), um die volle staatliche Praemie zu erhalten. Hoehere Einzahlungen bringen keine zusaetzliche Praemie.
2. Nicht vorzeitig kuendigen
Wenn Sie den Bausparvertrag vor Ablauf der sechs Jahre kuendigen, muessen Sie alle erhaltenen Praemien zurueckzahlen. Halten Sie die Mindestlaufzeit unbedingt ein.
3. Bausparkassen vergleichen
Auch wenn die Produkte aehnlich sind, gibt es Unterschiede bei Zinsen, Gebuehren und Service. Ein Vergleich lohnt sich.
4. Das Bauspardarlehen pruefen
Wenn Sie in Zukunft eine Immobilie kaufen oder renovieren moechten, pruefen Sie die Konditionen des Bauspardarlehens. Es kann eine sinnvolle Ergaenzung zu einem Bankkredit sein.
5. Bausparen als Baustein sehen
Bausparen sollte nur ein Baustein Ihrer Gesamtstrategie sein. Kombinieren Sie es mit anderen Anlageformen fuer eine optimale Mischung aus Sicherheit, Rendite und Flexibilitaet.
Bausparen und die Abfertigung Neu
Kombination mit betrieblicher Vorsorge
Der Bausparvertrag kann als Ergaenzung zur betrieblichen Vorsorge (Abfertigung Neu) dienen. Waehrend die Abfertigung Neu automatisch vom Arbeitgeber in eine Vorsorgekasse eingezahlt wird, ist der Bausparvertrag eine aktive, private Sparentscheidung. Beide zusammen bilden eine solide Grundlage fuer die finanzielle Absicherung.
Bausparvertrag als Notgroschen?
Manche Menschen nutzen den Bausparvertrag als eine Art langfristigen Notgroschen. Das funktioniert allerdings nur bedingt: Waehrend der sechsjaehrigen Laufzeit koennen Sie nur unter Verlust der Praemie auf das Geld zugreifen. Fuer den Notgroschen eignet sich ein Tagesgeldkonto deutlich besser, weil es jederzeit verfuegbar ist.
Geschichte des Bausparens in Oesterreich
Urspruenge in den 1920er Jahren
Das Bausparen hat in Oesterreich eine fast hundertjaehrige Tradition. Die ersten Bausparkassen wurden in den 1920er Jahren gegruendet, inspiriert vom britischen und deutschen Bausparmodell. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Bausparen einen enormen Boom, da der Wiederaufbau dringend Wohnraumfinanzierung erforderte.
Entwicklung bis heute
Ueber die Jahrzehnte hat sich das Bausparen von einem reinen Finanzierungsinstrument zu einer vielseitigen Sparform entwickelt. Heute nutzen die meisten Oesterreicher den Bausparvertrag primaer als Sparprodukt und weniger als Weg zum Bauspardarlehen. Die Digitalisierung hat dazu gefuehrt, dass Bausparvertraege mittlerweile online abgeschlossen und verwaltet werden koennen.
Haeufige Fragen und Missverstaendnisse
Muss ich das Bauspardarlehen in Anspruch nehmen?
Nein. Nach Ablauf der Sparphase koennen Sie frei entscheiden, ob Sie das Darlehen nutzen oder einfach das angesparte Kapital auszahlen lassen. Die allermeisten Bausparer verzichten auf das Darlehen und nutzen den Vertrag ausschliesslich als Sparprodukt.
Kann ich mehr als 1.200 Euro pro Jahr einzahlen?
Ja, Sie koennen mehr einzahlen, aber die staatliche Praemie wird nur auf die ersten 1.200 Euro pro Jahr gewaehrt. Hoehere Einzahlungen werden normal verzinst, bringen aber keine zusaetzliche Praemie. Ob sich hoehere Einzahlungen lohnen, haengt vom Zinssatz des Bauspartarifs im Vergleich zu alternativen Sparformen ab.
Was passiert bei Scheidung oder Tod?
Bei einer Scheidung gehoert der Bausparvertrag dem Vertragsinhaber. Er kann aber im Rahmen der Vermögensaufteilung beruecksichtigt werden. Im Todesfall geht der Bausparvertrag auf die Erben ueber, die den Vertrag weiterfuehren oder auflösen koennen.
Kann ich den Bausparvertrag auf eine andere Person uebertragen?
Ja, in bestimmten Faellen ist eine Uebertragung moeglich, beispielsweise von Eltern auf Kinder. Die genauen Bedingungen variieren je nach Bausparkasse. Eine Uebertragung kann sinnvoll sein, wenn der urspruengliche Vertragsinhaber keinen Bedarf mehr hat.
Bausparen im internationalen Vergleich
Bausparen in Deutschland
Auch in Deutschland ist das Bausparen weit verbreitet, dort allerdings mit einem etwas anderen Modell. Deutsche Bausparkassen wie Schwaebisch Hall oder die LBS bieten aehnliche Produkte, die staatliche Foerderung erfolgt dort ueber die Wohnungsbaupraemie und die Arbeitnehmersparzulage.
Bausparen in der Schweiz
In der Schweiz existiert kein vergleichbares Bausparsystem. Dort setzen Sparer und Immobilienkaeufer auf andere Finanzierungsmodelle, insbesondere auf die Saeule 3a (gebundene Vorsorge) fuer die Wohneigentumsfoerderung.
Oesterreichs besondere Stellung
Oesterreich hat mit seinen vier Bausparkassen und der hohen Durchdringungsrate (mehr aktive Bausparvertraege als erwachsene Einwohner) eine weltweit einzigartige Stellung im Bausparen. Die Kombination aus staatlicher Praemie, Einlagensicherung und dem Recht auf ein guenstiges Bauspardarlehen macht das oesterreichische Modell besonders attraktiv.
Zukunft des Bausparens
Digitalisierung
Die Bausparkassen investieren zunehmend in digitale Services. Online-Vertragsabschluss, App-basierte Verwaltung und digitale Beratungsangebote werden Standard. Die juengere Generation erwartet diese Digitalisierung und wird sich fuer Bausparkassen entscheiden, die ein modernes digitales Erlebnis bieten.
Nachhaltigkeit
Einige Bausparkassen bieten mittlerweile gruene oder nachhaltige Bauspartarife an, bei denen die angesparten Mittel in nachhaltige Projekte investiert werden. Auch die Bauspardarlehen koennen gezielt fuer energetische Sanierungen eingesetzt werden — ein Thema, das angesichts steigender Energiekosten und Klimaziele immer wichtiger wird.
Wettbewerb mit Fintechs
Die traditionellen Bausparkassen stehen zunehmend im Wettbewerb mit Fintechs und Neobanken, die alternative Sparprodukte mit hoeheren Zinsen und mehr Flexibilitaet anbieten. Um wettbewerbsfaehig zu bleiben, muessen die Bausparkassen ihre Produkte weiterentwickeln und attraktiver gestalten.
Rechenbeispiele zum Bausparen
Beispiel 1: Standard-Sparbuchvertrag
Anna ist 30 Jahre alt und schliesst einen Bausparvertrag ueber 30.000 Euro ab. Sie zahlt monatlich 100 Euro ein, also genau die Summe, die die maximale Praemie ausschoepft. Der Bausparvertrag bietet einen variablen Zinssatz von durchschnittlich 1,0 % pro Jahr, und die staatliche Praemie betraegt durchschnittlich 2,5 % auf die Einzahlungen.
Nach sechs Jahren hat Anna 7.200 Euro eingezahlt. Hinzu kommen Zinsen von rund 225 Euro und Praemien von insgesamt 180 Euro. Ihr Guthaben: rund 7.605 Euro. Die effektive Gesamtrendite liegt bei etwa 1,6 % pro Jahr. Anna kann das Geld nun auszahlen lassen oder ein Bauspardarlehen in Anspruch nehmen.
Beispiel 2: Bausparen fuer ein Kind
Peter und Maria eroeffnen fuer ihre neugeborene Tochter Lisa einen Bausparvertrag. Sie zahlen monatlich 50 Euro ein, die Grosseltern legen weitere 50 Euro dazu. Ueber 18 Jahre hinweg zahlen sie insgesamt 21.600 Euro ein. Mit Zinsen und Praemien ergibt sich ein Guthaben von rund 23.500 bis 24.500 Euro — ein schoener Start ins Erwachsenenleben.
Beispiel 3: Bauspardarlehen nutzen
Thomas hat seinen Bausparvertrag nach sechs Jahren auslaufen und moechte eine Eigentumswohnung kaufen. Er hat 15.000 Euro angespart und beantragt ein Bauspardarlehen von 100.000 Euro mit einer Laufzeit von 20 Jahren und einem Fixzinssatz von 3,5 %. Seine monatliche Rate betraegt rund 580 Euro. Im Vergleich zu einem normalen Bankkredit spart er durch die niedrigeren Zinsen ueber die gesamte Laufzeit mehrere Tausend Euro.
Bausparen in der oeffentlichen Debatte
Kritik an der staatlichen Praemie
In der politischen Debatte wird die staatliche Bausparprämie regelmaessig kritisiert. Die Hauptkritikpunkte: Die Praemie kommt ueberwiegend einkommensstaerkeren Haushalten zugute, die ohnehin sparen koennen. Die Foerderung ist nicht an einen sozialen Bedarf geknüpft. Und die Hoehe der Praemie rechtfertigt den buerokratischen Aufwand nicht unbedingt.
Verteidigung der Bausparprämie
Befuerworter argumentieren, dass die Bausparprämie breite Bevoelkerungsschichten zum Sparen motiviert und so zur finanziellen Bildung und Altersvorsorge beitraegt. Zudem stellt das Bausparen ein wichtiges Instrument zur Wohnraumfinanzierung dar, was im oeffentlichen Interesse liegt.
Die politische Zukunft
Die Bausparprämie wird regelmaessig in politischen Verhandlungen thematisiert. Eine komplette Abschaffung gilt aber als unwahrscheinlich, weil das Bausparen in Oesterreich tief verankert ist und die Bausparkassen eine starke Lobby haben. Anpassungen der Praemienhoehe und der Foerderbedingungen sind allerdings moeglich.
Das Bauspardarlehen im Detail
Voraussetzungen fuer ein Bauspardarlehen
Um ein Bauspardarlehen in Anspruch nehmen zu koennen, muessen Sie mehrere Voraussetzungen erfuellen: Sie muessen einen bestimmten Mindestbetrag angespart haben (typischerweise 40 % bis 50 % der Bausparsumme), die Mindestsparzeit von sechs Jahren muss abgelaufen sein, und Sie muessen eine sogenannte Bewertungszahl erreichen, die die Intensitaet und Dauer Ihres Sparens misst.
Zuteilung des Darlehens
Nach Erfuellung aller Voraussetzungen wird der Bausparvertrag “zugeteilt” — das bedeutet, Sie koennen das Darlehen in Anspruch nehmen. Die Zuteilung erfolgt nicht automatisch zum Mindestzeitpunkt: Bausparkassen nutzen eine Warteschlange, und die Wartezeit kann je nach Bausparkasse und aktueller Nachfrage variieren.
Verwendungszwecke
Das Bauspardarlehen muss fuer wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden. Dazu zaehlen:
- Kauf einer Eigentumswohnung oder eines Hauses
- Neubau einer Immobilie
- Umbau, Sanierung oder Modernisierung
- Energetische Sanierung
- Erwerb eines Baugrundes
- Ablöse eines bestehenden Immobilienkredits
Nicht zulaessig sind die Verwendung fuer Konsum, Auto oder Urlaub. Die Bausparkasse verlangt Nachweise fuer die Verwendung der Mittel.
Zinsen und Rueckzahlung
Die Zinsen fuer Bauspardarlehen sind in Oesterreich gesetzlich auf maximal 6 % gedeckelt. In der Praxis liegen sie deutlich darunter. Die Rueckzahlung erfolgt in monatlichen Raten ueber die vereinbarte Laufzeit, typischerweise 10 bis 25 Jahre. Sondertilgungen sind in der Regel moeglich.
Vor- und Nachteile
Vorteile: Gesetzliche Zinsobergrenze, planbare Konditionen, keine versteckten Kosten. Nachteile: Darlehenshoehe begrenzt, oft lange Wartezeit bis zur Zuteilung, Restriktionen bei der Verwendung. Fuer die komplette Immobilienfinanzierung reicht ein Bauspardarlehen meist nicht aus — es wird daher oft in Kombination mit einem Bankkredit eingesetzt.
Das Bausparen bleibt in Oesterreich eine sichere und beliebte Sparform, auch wenn die Renditen bescheiden sind. Die staatliche Praemie, die hohe Sicherheit und die Moeglichkeit eines guenstigen Bauspardarlehens sind die Hauptgruende, warum Millionen Oesterreicher weiterhin auf das Bausparen setzen. Fuer renditeorientierte Anleger gibt es bessere Alternativen wie ETFs oder Sparplaene, aber als sicherer Baustein im Portfolio hat das Bausparen nach wie vor seine Daseinsberechtigung. Vergleichen Sie die Angebote der vier Bausparkassen und waehlen Sie den Tarif, der am besten zu Ihren Beduerfnissen passt.
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Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist die Bausparprämie 2026?
Die staatliche Bausparprämie wird jährlich neu festgelegt und orientiert sich am Zinsniveau. Sie wird auf den jährlichen Sparbetrag von bis zu 1.200 Euro gewährt.
Welche Bausparkassen gibt es in Österreich?
In Österreich gibt es vier Bausparkassen: Wüstenrot, Raiffeisen Bausparkasse (jetzt start:bausparkasse), s Bausparkasse und ABV (Allgemeine Bausparkasse).
Chefredakteur finanzinfo.at
Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.