Prepaid-Kreditkarte: Wo die Kostenkontrolle Geld kostet

Prepaid-Karten haben Entgeltposten, die normale Kreditkarten nicht kennen: Aufladeentgelt, Rücktausch, Bereithaltung. Was in Österreich erhältlich ist.

Aktualisiert: 17. August 2026 11 Min. Lesezeit

Eine Prepaid-Karte soll die Kosten begrenzen: Man lädt auf, gibt aus, mehr geht nicht. Der Gedanke stimmt für den Rahmen, nicht für die Gebühren. Prepaid-Karten haben Entgeltposten, die eine gewöhnliche Kreditkarte nicht kennt - Aufladeentgelt, Rücktauschentgelt und Bereithaltungsentgelt.

Dazu kommt eine Entwicklung, die den Markt gerade halbiert: PayLife hat den Neuverkauf seiner Mastercard RED per 31. Mai 2026 eingestellt. Für Neukunden bleibt damit unter den heimischen Emittenten praktisch nur noch card complete.

Was es in Österreich tatsächlich gibt

Der Markt ist klein und seit Mai 2026 noch kleiner. Als heimische Emittenten echter Prepaid-Kreditkarten kommen zwei in Frage, von denen nur einer noch an Neukunden ausgibt:

card complete Service Bank AG (Lassallestraße 3, 1020 Wien, FN 84409g) gibt eine Visa Prepaid Card aus.

PayLife, eine Marke der BAWAG P.S.K. AG, führte die Wertkarten Mastercard RED, Maestro Traveller und Maestro Traveller Premium. Auf der Produktseite der Mastercard RED steht seit Mai 2026: „Der Neuverkauf der Mastercard RED wurde per 31.05.2026 eingestellt.” Bestehende Karten laufen weiter, und die Entgelte unten gelten für sie unverändert - als Angebot für Neukunden fällt PayLife aber aus.

Daneben werben europäische Zahlungsdienstleister mit aufladbaren Karten. Die sind technisch meist Debitkarten zu einem Guthabenkonto und funktionieren im Alltag ähnlich, unterliegen aber anderen Regeln - unter anderem beim Zahlungsziel und bei der Frage, ob ein Händler sie als Kreditkarte akzeptiert.

Die Entgelte im Einzelnen

Positioncard complete PrepaidPayLife Mastercard RED (Bestandskarten)
AusstellungKartengebühr, bei Kündigung anteilig rückerstattet49,50 Euro für drei Jahre
Aufladenkeine Position in der Entgeltliste1 Prozent, mind. 1,50, max. 22 Euro
Bargeldzweimal je Umsatznachricht frei, ab der dritten 3 Euro3,3 Prozent, mind. 3,50 Euro
Fremdwährung1,65 Prozent Bearbeitungsentgelt1,5 Prozent Manipulationsentgelt
Wechselkurs-Aufschlag1,5 bis 3,0 Prozent je Währungsgruppe1 Prozent, sonst 1,5 Prozent
Restguthaben zurückÜberweisung auf ein bekanntzugebendes Konto5 Prozent, mind. 2, max. 5 Euro
Guthaben nach Kartenablauf-2 Euro Bereithaltung pro Monat

Stände: card complete AGB Fassung 11/2025, PayLife Preisblatt Prepaid 02/2025.

Drei dieser Zeilen verdienen einen zweiten Blick.

Das Aufladeentgelt ist der Posten, den man am ehesten übersieht, weil er bei jeder einzelnen Aufladung anfällt. Wer monatlich 200 Euro nachlädt, zahlt bei PayLife 2 Euro im Monat allein dafür - 24 Euro im Jahr, zusätzlich zur Ausstellungsgebühr. Für Bestandskunden ist das weiterhin der laufende Preis.

Das Rücktauschentgelt greift nicht immer, aber die Bedingungen sind eng: 5 Prozent werden fällig, wenn Sie den Rücktausch vor Ende der Vertragsdauer verlangen, den Vertrag vorzeitig beenden oder sich erst mehr als ein Jahr nach Vertragsende melden. Wer bis zum regulären Ablauf wartet und sich dann zeitnah meldet, kommt daran vorbei - vorausgesetzt, er weiß davon.

Das Bereithaltungsentgelt ist die stillste Position: 2 Euro im Monat, wenn nach Kartenablauf Guthaben liegen bleibt. Bei 30 Euro Restguthaben ist der Betrag nach gut einem Jahr aufgezehrt.

Bei card complete sieht die Sache freundlicher aus: Die AGB nennen kein Aufladeentgelt, und die Kartengebühr wird bei Kündigung anteilig rückerstattet. Restguthaben wird auf ein bekanntzugebendes Konto überwiesen; nennt man keines, erfolgt eine Postanweisung „auf seine Kosten und sein Risiko”.

Im Ausland zahlen Sie zweimal

Beim Fremdwährungseinsatz kommen zwei Positionen zusammen, und das ist der Punkt, an dem Werbeaussagen und Vertragsbedingungen auseinandergehen.

Die Produktseite von card complete nennt „1,65 % des vom KI autorisierten Betrages” - ohne dazuzusagen, dass dieses Bearbeitungsentgelt laut Punkt 9.4 der Geschäftsbedingungen nur für Fremdwährung und grenzüberschreitende Euro-Zahlungen gilt. Und sie nennt nicht die zweite Position: den Ankaufsabschlag im Wechselkurs.

Der ist nach Währungsgruppen gestaffelt: 1,5 Prozent bei US-Dollar, Schweizer Franken, Pfund, kanadischem und australischem Dollar sowie Yen; 2,0 Prozent bei den meisten mittel- und osteuropäischen Währungen; 2,8 Prozent bei einer weiteren Gruppe und 3,0 Prozent bei allen übrigen Währungen.

Beide Positionen fallen zusammen an. Eine Zahlung über 100 US-Dollar kostet damit rund 3,15 Prozent Aufschlag, eine Zahlung in einer exotischeren Währung bis zu 4,65 Prozent.

Zur Kursbildung selbst hält card complete fest, dass der Referenzkurs von Visa Europe herangezogen wird und sich aus „den höchsten und niedrigsten Kursen der jeweils letzten 24 Stunden” errechnet. Der Ankaufsabschlag kommt darauf.

Und dann gibt es noch die Falle, die nichts mit der Karte zu tun hat. Wird Ihnen im Ausland angeboten, gleich in Euro abzurechnen, ist das die dynamische Währungsumrechnung. Die Arbeiterkammer rät im Juni 2026 klar ab: „Finger weg von der dynamischen Währungsumrechnung, also der sofortigen Euro-Umrechnung.” Einen Betrag dafür nennt sie nicht; der Aufschlag kommt zu den ohnehin fälligen Kartenspesen hinzu, die bei einer Abhebung von 400 Euro außerhalb Europas schon bis zu 20 Euro ausmachen. Die Empfehlung lautet, immer in der Landeswährung abzurechnen.

„Ohne Bonitätsprüfung” ist die halbe Wahrheit

Prepaid-Karten werden damit beworben, dass keine Bonitätsprüfung stattfindet. Das mag für die KSV-Abfrage zutreffen - eine ausdrückliche Zusage dazu findet sich bei keinem der beiden Emittenten.

Was dagegen feststeht: Eine anonyme Prepaid-Karte gibt es in Österreich nicht. Die Identifizierung ist nach Paragraf 6 Absatz 1 Ziffer 1 des Finanzmarkt-Geldwäschegesetzes zwingend, und zwar „auf der Grundlage von Dokumenten, Daten oder Informationen, die von einer glaubwürdigen und unabhängigen Quelle stammen”.

Bei card complete geht es sogar weiter: Für die Bestellung per VideoID verlangt die Bank neben Ausweis und Mobiltelefon ausdrücklich einen Gehaltsnachweis. Wer eine Prepaid-Karte wählt, weil er kein Einkommen nachweisen will, ist auf diesem Weg falsch.

Ein Detail, das durch viele Vergleiche geistert, steht in keinen Produktbedingungen: ein Mindestalter von 14 Jahren. Weder card complete noch PayLife nennen es.

Wo die Karte im Alltag scheitert

Der praktisch wichtigste Nachteil hat mit Gebühren nichts zu tun.

Autovermieter, Hotels und Fluggesellschaften buchen bei der Buchung nicht ab, sondern reservieren einen Betrag. card complete beschreibt den Mechanismus selbst: Sie „reservieren Beträge auf der Kreditkarte, um sicherzustellen, dass ein bestimmter Betrag auf der Kreditkarte zum Zeitpunkt der Zahlung verfügbar ist”.

Bei einer Kreditkarte belastet das nur den Rahmen. Bei einer Prepaid-Karte blockiert es echtes Guthaben - Geld, das Sie eingezahlt haben und das für die Dauer der Reservierung nicht verfügbar ist. Genau deshalb akzeptieren viele Anbieter Prepaid-Karten für Kaution und Vorautorisierung überhaupt nicht.

Die Akzeptanz ist von Vermieter zu Vermieter verschieden und ändert sich. SIXT etwa schliesst Prepaid-Karten für die Kaution in Österreich ausdrücklich aus. Wer auf einen Mietwagen angewiesen ist, klärt das vor der Buchung mit dem konkreten Vermieter - und plant im Zweifel eine echte Kreditkarte ein.

Für wen sich die Karte trotzdem eignet

Sinnvoll als Budgetgrenze. Wer einem Jugendlichen oder sich selbst ein hartes Limit setzen will, bekommt es hier - anders als bei jeder Kreditkarte mit Rahmen.

Sinnvoll für Onlinezahlungen mit begrenztem Risiko. Was nicht drauf ist, kann nicht abgebucht werden.

Nicht sinnvoll als Reisekarte. Die Kombination aus Aufladeentgelt, doppeltem Fremdwährungsaufschlag und der Reservierungsproblematik macht sie zur teuersten Variante. Wer eine Karte fürs Ausland sucht, findet auf der Seite zur Reisekreditkarte die passenderen Kriterien.

Nicht sinnvoll, wenn es nur um ein fehlendes Konto geht. Wer kein Konto bekommt, hat einen Rechtsanspruch auf ein Basiskonto - das ist günstiger als jede Prepaid-Lösung und kann mehr.

Wie sich Prepaid-, Charge- und revolvierende Karten grundsätzlich unterscheiden, steht auf der Übersicht zu Kreditkarten.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Welche Prepaid-Kreditkarten gibt es in Österreich?

Für Neukunden praktisch nur noch eine: die Visa Prepaid Card von card complete. PayLife hat den Neuverkauf der Mastercard RED per 31. Mai 2026 eingestellt; bestehende Karten laufen weiter. Daneben bieten europäische Zahlungsdienstleister aufladbare Karten an, die technisch Debitkarten sind.

Bekomme ich eine Prepaid-Karte ohne Bonitätsprüfung?

Ohne Bonitätsprüfung heißt nicht ohne Identitätsprüfung. Die Legitimation ist nach Paragraf 6 des Finanzmarkt-Geldwäschegesetzes zwingend, eine anonyme Prepaid-Karte gibt es in Österreich nicht. Bei card complete verlangt der Bestellweg per VideoID sogar ausdrücklich einen Gehaltsnachweis.

Was kostet das Aufladen?

Bei card complete steht in der Entgeltliste keine Position dafür. PayLife verlangt 1 Prozent des Ladebetrags - bei der Mastercard RED mindestens 1,50 und höchstens 22 Euro, beim Maestro Traveller Premium mindestens 3 und höchstens 43 Euro. Das ist ein Kostenpunkt, den normale Kreditkarten nicht kennen.

Bekomme ich Restguthaben zurück?

Ja, aber nicht immer kostenlos. PayLife verlangt für den Rücktausch 5 Prozent des Betrags, mindestens 2 und höchstens 5 Euro, wenn Sie ihn vor Ablauf der Vertragsdauer verlangen, den Vertrag vorzeitig beenden oder sich später als ein Jahr nach Vertragsende melden. Bleibt Guthaben nach Kartenablauf liegen, kostet die Bereithaltung 2 Euro im Monat.

Kann ich mit einer Prepaid-Karte ein Auto mieten oder ein Hotel buchen?

Oft nicht. Autovermieter, Hotels und Fluggesellschaften reservieren einen Betrag auf der Karte, statt ihn abzubuchen. Bei einer Prepaid-Karte blockiert diese Vorautorisierung echtes Guthaben, und viele Anbieter akzeptieren sie deshalb gar nicht. Verbindliche Auskunft gibt nur der jeweilige Anbieter.

Wie teuer wird die Karte im Ausland?

Zwei Positionen kommen zusammen. Bei card complete sind es 1,65 Prozent Bearbeitungsentgelt und zusätzlich ein Ankaufsabschlag im Wechselkurs von 1,5 bis 3 Prozent je nach Währung - bei einer Zahlung in US-Dollar zusammen rund 3,15 Prozent.