Bigbank: höchste Sparzinsen, zwei Nachteile
3,25 Prozent auf Festgeld und 2,10 im Tagesgeld-Bestand sind Spitzenwerte. Dafür gilt die estnische Einlagensicherung, und die KESt muss selbst erklärt werden.
Die Bigbank zahlt in Österreich regelmäßig die höchsten Sparzinsen: 3,25 Prozent auf Festgeld ab zwei Jahren und 2,10 Prozent im Tagesgeld auch nach Ablauf jeder Aktion. Beide Werte liegen deutlich über dem, was heimische Institute bieten.
Der Preis dafür sind zwei Punkte, die in Zinsvergleichen selten stehen: Zuständig ist im Sicherungsfall die estnische Stelle, und die Kapitalertragsteuer muss selbst erklärt werden.
Eckdaten
| Firma | Bigbank AS |
| Sitz | Tallinn, Estland |
| Produkte in Österreich | Tagesgeld, Festgeld |
| Girokonto, Karten | nein |
| Einlagensicherung | estnischer Einlagensicherungsfonds, 100.000 Euro je Kunde |
| Festgeld je Vertrag | 1.000 bis 100.000 Euro |
| Kontoführung | kostenlos |
Die Konditionen
Werte vom Anbieter, abgerufen am 4. September 2026.
Tagesgeld
| Zinssatz p.a. | |
|---|---|
| Neukunden, erste 3 Monate | 3,10 % |
| danach | 2,10 % |
Der Aktionszins gilt seit 19. Juni 2026. Bemerkenswert ist hier weniger die Aktion als der Bestandszins: 2,10 Prozent nach Ablauf ist mehr, als viele Anbieter überhaupt als Aktionszins bieten. Bei der Addiko Bank sinkt der Satz nach der Aktion auf 0,55 Prozent.
Festgeld
| Laufzeit | Zins bei Fälligkeit | Zins bei jährlicher Auszahlung |
|---|---|---|
| 1 bis 2 Monate | 2,25 % | - |
| 3 bis 5 Monate | 2,50 % | - |
| 6 bis 8 Monate | 2,75 % | - |
| 9 bis 11 Monate | 2,90 % | - |
| 12 bis 23 Monate | 3,15 % | - |
| 24 bis 120 Monate | 3,25 % | 3,20 % |
Die Kurve steigt durchgehend mit der Laufzeit, anders als bei der DenizBank, wo der Spitzensatz in der Mitte liegt. Wer die Zinsen laufend braucht, wählt die jährliche Auszahlung und verzichtet auf 0,05 Prozentpunkte sowie auf den Zinseszins.
Die estnische Einlagensicherung
Der Schutz ist EU-weit harmonisiert: 100.000 Euro je Kunde und Institut, unabhängig davon, in welchem Mitgliedstaat die Bank sitzt. Der Unterschied liegt in der Zuständigkeit. Im Sicherungsfall wäre der estnische Fonds zuständig, mit estnischen Abläufen und estnischer Korrespondenz. Die Auszahlungsfrist ist EU-weit auf sieben Arbeitstage begrenzt, praktisch getestet wird sie selten.
Ein Detail spricht für die Bank: Die Höchsteinlage von 100.000 Euro je Festgeldvertrag entspricht genau der Sicherungsgrenze. Bei Anbietern mit Limits von einer halben oder ganzen Million liegt es dagegen am Anleger, die Grenze im Auge zu behalten.
Die Steuer muss selbst erklärt werden
Das ist der Punkt, der bei einem Zinsvergleich am leichtesten untergeht. Österreichische Banken und inländische Zweigstellen ausländischer Banken behalten die Kapitalertragsteuer ein und führen sie ab; für den Anleger ist die Sache damit erledigt. Die Bigbank AS hat in Österreich keine Zweigstelle, es gibt also keine inländische auszahlende Stelle.
Die Folge: Die Zinsen sind in der Steuererklärung anzugeben und unterliegen dort dem Sondersteuersatz von 25 Prozent, der für Zinsen aus Geldeinlagen gilt. Erfasst wird das über die Beilage E 1kv zur Einkommensteuererklärung. Steuerlich entsteht dadurch kein Nachteil, der Satz ist derselbe; es entsteht Aufwand und eine Erklärungspflicht, die auch dann besteht, wenn sonst keine Veranlagung nötig wäre. Die Einzelheiten stehen bei der Kapitalertragsteuer und bei der Arbeitnehmerveranlagung.
Wichtig für den Vergleich: Der Zinsvorteil bleibt trotzdem bestehen. Aus 3,25 Prozent werden nach Steuer 2,44 Prozent, aus den 2,50 Prozent eines heimischen Anbieters 1,88 Prozent. Der Abstand von rund 0,56 Prozentpunkten nach Steuer entspricht bei 50.000 Euro rund 280 Euro im Jahr.
Für wen das passt
Für Sparer, die einen gut verzinsten Parkplatz suchen, kein zusätzliches Girokonto brauchen und bereit sind, einmal im Jahr eine Steuererklärung mit Kapitaleinkünften abzugeben. Wer den Aufwand scheut oder ausdrücklich heimische Zuständigkeit will, findet die Alternativen bei Kommunalkredit Invest und der DenizBank, beide mit automatischem Steuerabzug und Einlagensicherung AUSTRIA. Die Einordnung ins Gesamtbild steht im Bereich Geldanlage.
Quellen
- Bigbank, Tagesgeld-Zinsen und Festgeld, Konditionen abgerufen 04.09.2026
- Bigbank, Schutz von Einlagen (PDF), Informationsbogen für Einleger, abgerufen 04.09.2026
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch sind die Zinsen bei der Bigbank?
Beim Tagesgeld 3,10 Prozent für Neukunden in den ersten drei Monaten, danach 2,10 Prozent. Beim Festgeld je nach Laufzeit zwischen 2,25 und 3,25 Prozent, den Spitzensatz gibt es ab 24 Monaten. Bei jährlicher Zinsauszahlung sind es 3,20 Prozent. Werte vom Anbieter, abgerufen am 4. September 2026.
Führt die Bigbank die Kapitalertragsteuer ab?
Nein. Die Bigbank AS ist ein estnisches Institut ohne österreichische Zweigstelle, es gibt also keine inländische auszahlende Stelle. Die Zinsen sind selbst in der Steuererklärung anzugeben und werden dort mit dem Sondersteuersatz von 25 Prozent erfasst. Das bedeutet Aufwand, aber keine höhere Steuer.
Welche Einlagensicherung gilt?
Die estnische. Der Schutz beträgt wie überall in der EU 100.000 Euro je Kunde, im Sicherungsfall wäre aber der estnische Einlagensicherungsfonds zuständig, nicht die österreichische Stelle. Wer das vermeiden will, muss auf Anbieter mit Einlagensicherung AUSTRIA ausweichen und dort niedrigere Sätze in Kauf nehmen.
Wie viel kann ich anlegen?
Beim Festgeld mindestens 1.000 und höchstens 100.000 Euro pro Vertrag. Die Obergrenze entspricht damit genau der Einlagensicherungsgrenze, was bei Anbietern mit höheren Limits nicht der Fall ist.
Was ist der Unterschied zwischen den beiden Festgeld-Varianten?
Bei der ersten wird der gesamte Zins bei Fälligkeit ausgezahlt, hier liegt der Spitzensatz bei 3,25 Prozent ab 24 Monaten. Bei der zweiten werden die Zinsen jährlich ausgezahlt, dafür gibt es 3,20 Prozent für Laufzeiten von zwei bis zehn Jahren. Wer den Zinseszins mitnehmen will, wählt die erste.
Bietet die Bigbank ein Girokonto an?
Nein. Die Bank tritt in Österreich ausschließlich mit Sparprodukten auf, es gibt weder Girokonto noch Karten. Die Abwicklung läuft über ein Referenzkonto bei der eigenen Hausbank.