Fixzins oder variabel: die Entscheidung beim Kredit

Was lange Zinsbindung aktuell kostet, was nach der Fixzinsperiode passiert und der Vorteil des variablen Kredits, den kaum jemand nennt.

Aktualisiert: 25. August 2026 10 Min. Lesezeit

Die Regel, die jahrelang galt, gilt seit Anfang 2026 nicht mehr: Lange Zinsbindung war in Österreich das ganze Jahr 2025 über günstiger als kurze. Im Juni 2026 ist es umgekehrt. Wohnbaukredite mit einer Bindung über zehn Jahre kosteten 3,62 Prozent, variabel oder kurz gebundene 3,49 Prozent.

Der Aufpreis für Sicherheit ist damit zurück - aber er ist klein. Bei 300.000 Euro über 30 Jahre macht er 22 Euro im Monat aus. Die Frage ist also nicht, ob Sie sich Sicherheit leisten können, sondern ob Sie sie brauchen.

Was die Zinsbindung aktuell kostet

Die Zahlen stammen aus der Zinssatzstatistik der Österreichischen Nationalbank, Neugeschäft bei Wohnbaukrediten:

Zinsbindung2025Juni 2026
bis 1 Jahr, inklusive variabler Sätze3,54 %3,49 %
1 bis 5 Jahre3,40 %3,41 %
5 bis 10 Jahre3,28 %3,42 %
über 10 Jahre3,38 %3,62 %

2025 lag die Kurve gedreht: Wer sich zehn Jahre band, zahlte weniger als wer variabel finanzierte. Der Markt hat damals fallende Zinsen erwartet. Seit die EZB am 17. Juni 2026 wieder angehoben hat, ist diese Erwartung verschwunden - und der übliche Aufschlag für lange Bindung ist zurück.

In Euro gerechnet, bei 300.000 Euro und 30 Jahren Laufzeit:

ZinssatzMonatsrateGesamtzahlung
variabel3,49 %1.345,46 €484.365,60 €
fix, über 10 Jahre3,62 %1.367,31 €492.231,52 €
Aufpreis für die Bindung0,13 Pp21,85 €7.865,92 €

Was ein Zinsanstieg kostet

Dem Aufpreis von 22 Euro steht das Risiko gegenüber. Beim variablen Kredit aus dem Beispiel beträgt die Restschuld nach fünf Jahren 269.045 Euro. Steigt der Zinssatz zu diesem Zeitpunkt, sieht die Rate für die verbleibenden 25 Jahre so aus:

Zinsanstiegneue RateMehrbelastung
unverändert1.345,46 €-
+1 Prozentpunkt1.493,91 €+148,45 €
+2 Prozentpunkte1.650,57 €+305,11 €
+3 Prozentpunkte1.814,93 €+469,47 €

Ein einziger Prozentpunkt kostet damit fast das Siebenfache dessen, was die Zinssicherheit gekostet hätte. Das ist die eigentliche Rechnung: Sie zahlen 22 Euro im Monat dafür, dass 148, 305 oder 469 Euro nicht passieren können.

Wer daraus ableitet, Fixzins sei immer richtig, verkürzt allerdings. Der Aufpreis fällt sicher an, der Zinsanstieg vielleicht nie. Und es gibt einen Vorteil des variablen Kredits, der in Vergleichen fast immer fehlt.

Der Vorteil, der selten genannt wird

Bei einem Wohnkredit fällt in einem Zeitraum ohne festen Sollzinssatz überhaupt keine Vorfälligkeitsentschädigung an. § 20 Abs 2 Z 2 HIKrG nimmt diesen Fall ausdrücklich aus.

Das heißt: Wer variabel finanziert, kann jederzeit beliebige Beträge zurückzahlen, ohne dass die Bank etwas verlangen darf. Beim Fixzinskredit dagegen gilt die Obergrenze von 1 Prozent des zurückgezahlten Betrags, entschädigungsfrei sind dort nur 10.000 Euro innerhalb von zwölf Monaten.

Für wen ist das relevant? Für alle, die absehbar größere Summen erwarten - eine Abfertigung, einen Verkaufserlös, eine Erbschaft. Wer 50.000 Euro sondertilgen will, zahlt beim Fixzinskredit bis zu 500 Euro Entschädigung, beim variablen nichts. Was eine Sondertilgung insgesamt bringt, steht beim Tilgungsplan.

Was am Ende der Fixzinsperiode passiert

Ein Fixzinskredit über zehn Jahre bei einer Laufzeit von dreißig Jahren ist zu zwei Dritteln ein variabler Kredit - nur mit verzögertem Start. Das wird beim Abschluss gern übersehen.

Nach Ablauf der Bindung läuft der Kredit mit der offenen Restschuld weiter, die Kondition wird neu festgelegt. Bei einem Kredit über 300.000 Euro und 30 Jahren sind nach zehn Jahren noch 233.272 Euro offen - für diese Summe gilt dann das Zinsniveau des Jahres 2036.

Drei Wege stehen dann offen:

Das Anschlussangebot annehmen. Der einfachste Weg und der einzige ohne Nebenkosten - das Pfandrecht bleibt unverändert eingetragen.

Zu einem anderen Institut wechseln. Das ist eine Umschuldung und kann sich rechnen, kostet aber die Übertragung des Pfandrechts: 1,2 Prozent Eintragungsgebühr auf den neuen Pfandbetrag plus Eingabengebühr, seit 1. August 2026 61 Euro elektronisch.

Die Zinsbindung im Voraus sichern. Manche Institute schreiben den Zinssatz für eine künftige Anschlussfinanzierung heute schon fest, gegen einen Aufschlag, der mit der Vorlaufzeit steigt. Ob Ihr Institut das anbietet, ist eine Frage ans Institut.

Was Sie in jedem Fall tun sollten: die Restschuld zum Stichtag aus dem Tilgungsplan ablesen und durchrechnen, was ein um zwei oder drei Prozentpunkte höherer Zinssatz für die Rate bedeuten würde. Wenn das Ergebnis das Haushaltsbudget sprengt, ist die Fixzinsperiode zu kurz gewählt - nicht der Kredit zu groß.

Wann fix, wann variabel

Die Entscheidung hängt weniger von einer Zinsprognose ab als von Ihrer Situation.

Für den Fixzins spricht:

  • Die Rate ist an der Belastungsgrenze. Dann ist ein Zinsanstieg keine Unannehmlichkeit, sondern ein Problem.
  • Ein Einkommen ist absehbar unsicher - Karenz, Selbstständigkeit, befristeter Vertrag.
  • Sie planen keine größeren Sondertilgungen.
  • Sie wollen die Frage nicht laufend beobachten müssen. Das ist ein legitimes Argument, auch wenn es in keiner Rechnung auftaucht.

Für den variablen Zinssatz spricht:

  • Die Rate hat Luft. Ein Anstieg um drei Prozentpunkte wäre unangenehm, aber tragbar.
  • Sie erwarten größere Summen und wollen entschädigungsfrei sondertilgen.
  • Die Laufzeit ist kurz. Bei zehn Jahren Restlaufzeit fällt ein Zinsanstieg weit weniger ins Gewicht als bei dreißig.
  • Sie haben Rücklagen, die eine höhere Rate ein bis zwei Jahre abfedern könnten.

Beim variablen Kredit lohnt zusätzlich ein Blick auf den Aufschlag. Der Referenzsatz - meist der 3-Monats- oder 6-Monats-EURIBOR - ist für alle gleich und nicht verhandelbar. Der Aufschlag darauf ist es sehr wohl, und er bleibt über die gesamte Laufzeit bestehen. Bank Austria nennt in ihrem veröffentlichten Wohnkredit-Beispiel einen Aufschlag von 1,125 Prozentpunkten. Ein Zehntelprozentpunkt weniger bringt bei 300.000 Euro über 30 Jahre rund 6.000 Euro.

Das Split-Modell

Wer sich nicht entscheiden will, muss nicht. Bei einer Splitfinanzierung wird die Kreditsumme auf zwei Teile aufgeteilt, einen fix und einen variabel verzinsten.

Der Effekt ist eine Halbierung des Zinsänderungsrisikos: Steigt der Markt, betrifft das nur den variablen Teil. Und der praktische Nebeneffekt ist der oben beschriebene - für den variablen Teil bleibt die Möglichkeit, jederzeit entschädigungsfrei zurückzuzahlen.

Der Preis dafür sind zwei Kreditkonten mit gegebenenfalls zwei Kontoführungsentgelten und ein etwas komplizierterer Tilgungsverlauf. Ob sich das rechnet, hängt davon ab, wie hoch diese Entgelte ausfallen - sie gehen in den effektiven Jahreszins ein und sind damit im Angebot sichtbar. Wie Soll- und Effektivzins zusammenhängen, steht bei den Kreditzinsen.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Fixzinskredit derzeit teurer als ein variabler?

Ja. Im Juni 2026 lagen Wohnbaukredite mit einer Zinsbindung über zehn Jahre bei 3,62 Prozent, variable und kurz gebundene bei 3,49 Prozent. Das ist eine Umkehr gegenüber 2025, als lange Bindung günstiger war als kurze.

Was kostet mich die Zinssicherheit konkret?

Bei 300.000 Euro über 30 Jahre kostet der Aufschlag von 13 Basispunkten rund 22 Euro im Monat und 7.866 Euro über die gesamte Laufzeit. Steigt der variable Satz dagegen nach fünf Jahren um nur einen Prozentpunkt, kostet das rund 148 Euro im Monat.

Was passiert, wenn die Fixzinsperiode endet?

Der Kredit läuft mit der offenen Restschuld weiter, nur die Kondition wird neu festgelegt. Sie sind an das Angebot Ihrer Bank nicht gebunden, ein Wechsel zu einem anderen Institut ist möglich. Er kostet aber die Übertragung des Pfandrechts im Grundbuch.

Gibt es beim variablen Kredit einen Vorteil außer dem Zinssatz?

Ja, und er wird selten genannt: Bei einem Wohnkredit fällt in einem Zeitraum ohne festen Sollzinssatz überhaupt keine Vorfälligkeitsentschädigung an. Das steht in § 20 Abs 2 Z 2 HIKrG. Wer variabel finanziert, kann jederzeit unbegrenzt zurückzahlen, ohne dass die Bank etwas verlangen darf.

Woran ist ein variabler Zinssatz gebunden?

In Österreich meist an den 3-Monats- oder 6-Monats-EURIBOR plus einem festen Aufschlag. Am 21. August 2026 lag der 3-Monats-EURIBOR bei 2,524 Prozent. Der Aufschlag bleibt über die gesamte Laufzeit gleich und ist die eigentliche Verhandlungsmasse.

Was ist eine Splitfinanzierung?

Die Aufteilung der Kreditsumme auf einen fix und einen variabel verzinsten Teil. Sie halbiert das Zinsänderungsrisiko und erhält gleichzeitig für den variablen Teil die Möglichkeit, ohne Entschädigung vorzeitig zurückzuzahlen.