Gaspreis Österreich: warum die Netzentgelte kräftig steigen
Gasnetzentgelte plus 18,2 Prozent, Strom plus 1,3. Wie die schrumpfende Abnahmemenge den Preis treibt und warum Gas sechsmal höher besteuert wird.
Die Gasnetzentgelte sind für 2026 im österreichweiten Durchschnitt um 18,2 Prozent gestiegen. Bei den Stromnetzentgelten waren es im selben Jahr 1,3 Prozent. Der Abstand ist kein Zufall und keine Momentaufnahme, sondern die Folge eines Mechanismus, der sich selbst verstärkt.
Dazu kommt eine steuerliche Ungleichbehandlung, die 2026 besonders deutlich ausfällt: Auf die Kilowattstunde gerechnet wird Gas rund sechsmal höher besteuert als Haushaltsstrom.
Warum weniger Verbrauch teurer wird
Ein Gasnetz verursacht Kosten, die kaum vom Durchsatz abhängen. Leitungen, Verdichter, Wartung und Bereitschaft fallen an, ob viel oder wenig Gas fließt. Diese Kosten werden über die Netzentgelte auf die abgenommene Menge umgelegt.
Genau diese Menge schrumpft. Nach der Aussendung der E-Control vom 18. Dezember 2025 lag die Tarifierungsmenge für 2026 um 8,6 Prozent unter dem Vorjahr. Als Gründe nennt die Behörde einen geringeren Kraftwerkseinsatz, die schwache Konjunktur und den Umstieg von Gas auf andere Energieträger im Heizungsbereich.
Daraus entsteht eine Spirale: Dieselben Kosten auf weniger Kilowattstunden ergeben ein höheres Entgelt je Kilowattstunde. Das höhere Entgelt verstärkt den Anreiz umzusteigen, was die Menge weiter senkt. Für die verbleibenden Anschlüsse steigt der Anteil an den Fixkosten mit jedem Abgang.
Für einen mit Gas beheizten Haushalt mit 15.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutet die Anhebung 2026 rund 6 Euro im Monat, also etwa 72 Euro im Jahr - allein aus dem Netzanteil, ohne jede Veränderung beim Energiepreis.
Die Abgabe blieb, wo sie war
Beim Strom wurde die Abgabe für Haushalte 2026 auf ein Fünfzehntel gesenkt. Beim Gas geschah nichts dergleichen.
Paragraph 5 Absatz 2 Erdgasabgabegesetz nennt unverändert 0,066 Euro je Kubikmeter. Die Absenkung auf 0,01196 Euro während der Energiekrise galt nach Paragraph 8 Absatz 6 nur für Vorgänge „nach dem 30. April 2022 und vor dem 1. Jänner 2025” und ist damit ausgelaufen. Eine Nachfolgeregelung für 2026, wie sie das Elektrizitätsabgabegesetz kennt, gibt es nicht.
Der Vergleich fällt erst auf, wenn beide Abgaben auf dieselbe Einheit gebracht werden. Die Erdgasabgabe knüpft an Kubikmeter an, die Rechnung weist aber Kilowattstunden aus. Bei einem Brennwert von rund elf Kilowattstunden je Kubikmeter ergibt sich:
| Abgabe 2026 | je kWh | |
|---|---|---|
| Strom, Haushalt | 0,001 Euro je kWh | 0,10 Cent |
| Erdgas | 0,066 Euro je m³ | rund 0,60 Cent |
Der Brennwert schwankt je nach Gasqualität und Netzgebiet, die Größenordnung ändert sich dadurch nicht. Für einen Haushalt mit 15.000 Kilowattstunden entspricht die Erdgasabgabe damit rund 90 Euro netto im Jahr, für einen Stromhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden die Elektrizitätsabgabe 3,50 Euro.
Wie stark diese Differenz ist, hängt an einer Befristung: Der Stromsatz von 0,1 Cent gilt nur für Vorgänge vor dem 1. Jänner 2027. Läuft er aus, nähern sich die beiden Belastungen wieder an. Die Einzelheiten dazu stehen beim Strompreis.
Was auf der Gasrechnung steht
Der Aufbau entspricht dem der Stromrechnung, mit einem Posten weniger:
- Der Energiepreis geht an den Lieferanten, aufgeteilt in Arbeitspreis je Kilowattstunde und meist einen monatlichen Grundpreis. Nur dieser Teil ist wechselbar.
- Die Netzentgelte gehen an den regionalen Netzbetreiber und werden von der Regulierungsbehörde per Verordnung festgesetzt. Der Netzbetreiber ergibt sich aus der Lage des Zählpunkts und steht nicht zur Wahl.
- Erdgasabgabe und, je nach Gemeinde, eine Gebrauchsabgabe kommen hinzu. Auf die Summe schlagen 20 Prozent Umsatzsteuer.
Anders als beim Strom gibt es keine Ökostromförderbeiträge, weil die Förderung nach dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz über die Stromrechnung eingehoben wird.
Rechnen, bevor gewechselt wird
Wechselbar ist auch hier allein der Lieferant, und der Ablauf ist derselbe: Der neue Anbieter wickelt die Umstellung ab, eine eigene Kündigung ist nicht nötig. Die Regulierungsbehörde betreibt dafür einen Tarifkalkulator.
Drei Dinge unterscheiden den Gaswechsel vom Stromwechsel in der Praxis:
- Der Verbrauch schwankt stärker. Gas wird überwiegend geheizt, und ein kalter Winter verschiebt den Jahresverbrauch deutlich. Ein Vergleich auf Basis eines einzelnen Jahres kann daneben liegen; besser ist der Mittelwert aus zwei bis drei Abrechnungen.
- Der Fixkostenanteil wächst. Weil Netzentgelte und Abgaben steigen, sinkt der Anteil, den ein Anbieterwechsel überhaupt erreichen kann. Die Ersparnis fällt relativ zur Gesamtrechnung kleiner aus als früher.
- Ein Heizungstausch verändert die Rechnung grundlegend, nicht nur den Tarif. Wer ohnehin darüber nachdenkt, sollte die steigenden Netzentgelte in die Kalkulation einbeziehen - sie treffen den Gasanschluss unabhängig davon, wie wenig er genutzt wird.
Kommt kein Vertrag zustande, greift wie beim Strom die Grundversorgung jenes Lieferanten, der im Netzgebiet die meisten Haushalte versorgt. Sie ist ein Auffangnetz, kein Tarif zum Bleiben.
Was Heizkosten insgesamt ausmachen und wie sie sich zwischen Mietern und Eigentümern verteilen, steht bei den Heizkosten.
Quellen
- E-Control, Gasnetzentgelte erhöhen sich für 2026, 18.12.2025, abgerufen 03.09.2026
- Erdgasabgabegesetz (RIS), Paragraf 5 Abs. 2 und Paragraf 8 Abs. 6, abgerufen 03.09.2026
- Elektrizitätsabgabegesetz (RIS), Paragraf 7 Abs. 16, abgerufen 03.09.2026
- E-Control, Tarifkalkulator, abgerufen 03.09.2026
Häufig gestellte Fragen
Wie stark steigen die Gasnetzentgelte 2026?
Im österreichweiten Durchschnitt um 18,2 Prozent. Für einen mit Gas beheizten Haushalt mit 15.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind das rund 6 Euro im Monat.
Warum steigen die Gasnetzentgelte so viel stärker als die Strompreise?
Weil die Kosten des Gasnetzes weitgehend fix sind, die abgenommene Menge aber sinkt. Die Tarifierungsmenge lag für 2026 um 8,6 Prozent unter dem Vorjahr, sodass sich dieselben Kosten auf weniger Kilowattstunden verteilen.
Wie hoch ist die Erdgasabgabe?
0,066 Euro je Kubikmeter. Die Absenkung auf 0,01196 Euro galt nur für Vorgänge zwischen 1. Mai 2022 und 31. Dezember 2024 und ist ausgelaufen. Anders als beim Strom gibt es für 2026 keine Entlastung.
Warum wird Gas in Kubikmetern besteuert, aber in Kilowattstunden abgerechnet?
Weil das Erdgasabgabegesetz an die Menge anknüpft, die Rechnung aber den Energiegehalt abbildet. Umgerechnet über den Brennwert entspricht die Abgabe rund 0,6 Cent je Kilowattstunde.
Kann ich den Gasnetzbetreiber wechseln?
Nein. Der Netzbetreiber ergibt sich aus der Lage des Zählpunkts. Wechselbar ist nur der Gaslieferant und damit der Energiepreis.
Lohnt sich ein Wechsel des Gasanbieters noch?
Der Energiepreis bleibt der größte beeinflussbare Posten. Weil Netzentgelte und Abgaben aber deutlich steigen, fällt die Ersparnis eines Wechsels relativ zur Gesamtrechnung kleiner aus als in früheren Jahren.