bank99: Was die Konten kosten und wie es der Bank der Post geht

bank99: Kontopreise aus den Entgeltinformationen, Bargeld an 1.668 Standorten, Eigentümer, Sparzinsen und das erste Gewinnjahr seit der Gründung 2020.

Die bank99 gilt als die Bank mit dem Gratiskonto. In ihren Entgeltinformationen steht kein einziges kostenloses Konto für Erwachsene. Das günstigste Modell, das smartkonto99, kostet 1,99 Euro im Monat.

Dafür fehlt hier etwas, das bei den meisten Mitbewerbern die eigentliche Hürde ist: eine Bedingung. Weder ein Mindestgehaltseingang noch ein Mindestumsatz noch ein Online-Zwang taucht in den Preisblättern auf. Der Preis gilt so, wie er dasteht.

Eckdaten bank99

MerkmalAngabe
EigentümerÖsterreichische Post AG 90 %, Schelhammer Capital Bank AG 10 %
Geschäftsstellen1.668 laut Jahresabschluss 2025, Postfilialen und Post-Partner
smartkonto991,99 Euro im Monat, ohne Bedingung
balancekonto99 / alltagskonto99je 6,39 Euro im Monat
topkonto9915,98 Euro im Monat, Schalter kostenlos
Jugend- und Bildungskonto0 Euro, bis 21 bzw. Ausbildung plus 12 Monate, längstens bis 27
Sollzins9,99 Prozent fix
fixsparen992,45 bis 2,85 Prozent, ab 5.000 Euro
flexsparen99Neukunden 3,00 Prozent für drei Monate, danach 0,01 Prozent plus freiwilliger Bonus
rundumkredit996,95 Prozent variabel, 7,68 Prozent fix, bonitätsunabhängig
Ergebnis 2025+1,1 Mio. Euro, erster Gewinn seit 2020

Stand 15. Oktober 2026, laut Konditionenübersicht konto99, den Konditionen zu fixsparen99 und flexsparen99 sowie der Kreditseite.

Gründung aus der Brüll Kallmus Bank

Die Reihenfolge der Ereignisse wird häufig verdreht, und die falsche Version ist die verbreitete.

Die BAWAG P.S.K. war jahrzehntelang das Kreditinstitut am Postschalter. Sie beendete diese Kooperation im November 2017, im Februar 2018 folgte eine Entflechtungsvereinbarung; nach eigener Darstellung verfügte die BAWAG seit Jahresende 2019 über ein völlig unabhängiges Filialnetz. Die Post stand damit vor einer Versorgungslücke in ihren eigenen Filialen.

Statt einen neuen Partner zu suchen, stieg sie selbst in eine Bank ein. Am 25. Oktober 2019 zeichnete die Österreichische Post AG bei der Brüll Kallmus Bank AG eine Kapitalerhöhung über 24 Millionen Euro und hielt danach 80 Prozent. Gekauft wurden dabei keine Anteile - die bisherige Alleineigentümerin aus der GRAWE Gruppe wurde auf 20 Prozent verwässert. Am 1. Februar 2020 wurde daraus die bank99 AG, der Sitz wanderte von Graz nach Wien, und am 1. April 2020 ging der Betrieb los. Die alte Firmenbuchnummer und der BIC SPBAATWW stammen bis heute aus dieser Vorgeschichte.

Ein Übergang von Kunden oder Geschäft von der BAWAG an die bank99 fand dabei nicht statt. Wer liest, die bank99 habe das Postgeschäft „übernommen”, liest eine Verkürzung. Übernommen hat sie etwas anderes: Mit Kaufvertrag vom 12. Juli 2021 erwarb sie das österreichische Privatkundengeschäft der ING, rechtswirksam zum 1. Dezember 2021 und im Weg der Gesamtrechtsnachfolge - ein Geschäftsvolumen von rund 1,82 Milliarden Euro und 226,77 Vollzeitäquivalente. Die beiden IT-Welten liefen noch bis zur Kernbankenmigration im April 2025 getrennt.

Eigentümer: Post und Schelhammer Capital Bank

Heute hält die Österreichische Post AG 90 Prozent und die Schelhammer Capital Bank AG 10 Prozent. Der Minderheitsanteil stammt aus dem Einstieg von 2019, lag zunächst bei 20 Prozent und wurde am 23. November 2021 durch eine Kapitalerhöhung über 70,88 Millionen Euro auf 10 Prozent verwässert. Gehalten hat ihn damals die Capital Bank - GRAWE Gruppe AG; mit deren Verschmelzung am 27. September 2021 ging er auf die aufnehmende Schelhammer Capital Bank AG über.

Der Name des Minderheitseigentümers ist bemerkenswert: Die Schelhammer Capital Bank AG ist dasselbe Institut, das die Direktbankmarke DADAT betreibt. Die Bank der Post und einer der günstigsten heimischen Wertpapierbroker haben also denselben Miteigentümer im Hintergrund.

Kontomodelle und Preise

KontoPreis pro MonatIm JahrBedingung
smartkonto991,99 Euro23,88 Eurokeine
balancekonto996,39 Euro76,68 Eurokeine
alltagskonto996,39 Euro76,68 Eurokeine
topkonto9915,98 Euro191,76 Eurokeine
aktivkonto99 jugend0 Euro (Listenpreis 6,39, voll rabattiert)0 Eurobis zum 21. Geburtstag
aktivkonto99 bildung0 Euro (Listenpreis 6,39, voll rabattiert)0 EuroAusbildungsdauer plus 12 Monate, längstens bis 27

Stand der Konditionenübersichten: Februar 2026, Entgeltinformationen jeweils 1. Februar 2026, abgerufen am 15. Oktober 2026.

Bei beiden Nullkonten lohnt der genaue Blick auf die Formulierung. Sie kosten nicht nichts, sondern sind „zu 100% rabattiert” - beim Bildungskonto ausdrücklich „für die reguläre Dauer der Aus- oder Weiterbildung laut dem betreffenden Lehr-, Studien- oder Ausbildungsplan, plus 12 Monate”. Wer länger studiert als vorgesehen, fällt aus dem Rabatt, bevor er fertig ist.

Der Guthabenzins beträgt in allen Modellen 0,00 Prozent, der Sollzins laut Konditionenübersicht einheitlich 9,99 Prozent fix, für den Betrag über dem Rahmen kommen 4,5 Prozent dazu. In der Entgeltinformation zum smartkonto99 steht bei „Eingeräumte Kontoüberziehung” allerdings „Dienst nicht verfügbar”. Ob es einen Überziehungsrahmen gibt, klären Sie also vor der Eröffnung.

Schalter und Selbstbedienung

Zwischen 1,99 und 15,98 Euro im Monat liegt der Faktor acht, und der erklärt sich fast vollständig aus dem Bargeld- und Schalterverhalten. Die Leistungen selbst sind weitgehend identisch: Internetbanking, Überweisungen online und die erste Debitkarte kosten überall nichts.

Leistungsmartkonto99balancekonto99topkonto99
Behebung am Selbstbedienungsgerät1x pro Monat frei, dann 0,80 Eurokostenloskostenlos
Überweisung oder Kontoauszug am Gerät0,80 Euro je Leistungkostenloskostenlos
Bargeldeinzahlung am Schalter2x pro Jahr frei, dann 4,79 Euro2x pro Jahr frei, dann 4,79 Eurokostenlos
Behebung, Überweisung oder Dauerauftrag am Schalter4,79 Euro je Leistung4,79 Euro je Leistungkostenlos

Daraus lässt sich der Umstiegspunkt ausrechnen. Zwei Schaltervorgänge im Monat kosten beim smartkonto99 rund 115 Euro im Jahr, zusammen mit der Kontoführung also 138,84 Euro - noch immer weniger als die 191,76 Euro des topkonto99. Bei drei Vorgängen im Monat sind es 196,32 Euro, und damit kippt die Rechnung zugunsten des teuersten Pakets. Ab etwa drei Schaltervorgängen im Monat ist das topkonto99 das günstigere Konto, obwohl es achtmal so viel Grundgebühr verlangt.

Umgekehrt gilt: Wer alles online erledigt und einmal im Monat Bargeld zieht, fährt mit 23,88 Euro im Jahr sehr günstig. Eine Gehaltsbedingung, wie sie viele Gratiskonten verlangen, gibt es dafür nicht.

In Fremdwährung und außerhalb des EWR rechnet die bank99 additiv: 0,75 Prozent plus 1,94 Euro bei der Bargeldbehebung, 0,75 Prozent plus 1,16 Euro bei der Kartenzahlung. Bei 200 Euro Behebung sind das 3,44 Euro.

Die Kreditkarten sind vermittelt und kommen von card complete, zur Wahl stehen Classic, Gold und Platinum; im ersten Jahr übernimmt die bank99 die Kartengebühr. Die Folgejahre kosten die Standardtarife des Kartenherausgebers, die auch bei der DADAT gelten: 21,60 Euro für die Classic ohne Versicherung, 80,40 Euro für die Gold und 138,60 Euro für die Platinum. Ein Kreditkartenvergleich zwischen zwei Banken, die beide über card complete vermitteln, vergleicht deshalb nicht die Karte, sondern höchstens die Einstiegsrabatte: Bei der DADAT ist die Gold im ersten Jahr ebenfalls gratis, die Classic kostet dort im ersten Jahr 12 Euro.

Geschäftsstellen in Postfilialen

Das eigentliche Argument der bank99 ist die Fläche. Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2025 nennt der Jahresabschluss 1.668 Geschäftsstellen, nach 1.682 im Jahr davor. Das sind Postfilialen und Post-Partner, nicht klassische Bankfilialen mit Beratung. Die Website wirbt dagegen mit „über 1.800 Standorten”; maßgeblich für den Stichtag ist der Jahresabschluss.

Für wen das zählt, hängt am Bargeldverhalten. In Regionen, in denen Bankfilialen verschwunden sind, ist die Post oft der letzte Ort mit Schalter. Wer diesen Schalter regelmäßig braucht, sollte allerdings das topkonto99 rechnen, weil sonst jede Nutzung 4,79 Euro kostet - der Vorteil des dichten Netzes wird im günstigsten Kontomodell einzeln bezahlt.

Jahresabschluss 2025: Break-even und Bilanzverlust

2025 war das erste Jahr mit einem positiven Ergebnis seit der Gründung. Der Jahresabschluss formuliert es selbst so: dass man „erstmals seit Gründung der bank99 im Jahr 2020 den Break-even erreichen konnte”.

Kennzahl20252024
Jahresergebnis nach Steuern+1,1 Mio. Euro-5,6 Mio. Euro
Bilanzsumme4.238,3 Mio. Euro4.097,2 Mio. Euro
Kundenzahl301.000296.000
Geschäftsstellen1.6681.682

Die Einordnung gehört dazu, und sie fällt in beide Richtungen aus. Ein Plus von 1,1 Millionen bei einer Bilanzsumme von 4,2 Milliarden ist eine sehr dünne Marge, die Cost-Income-Ratio von 93,9 Prozent bedeutet, dass fast alle Erträge für den Betrieb draufgehen. Der aufgelaufene Bilanzverlust liegt weiterhin bei 109 Millionen Euro, und im Jänner 2025 floss ein nicht rückzahlbarer Gesellschafterzuschuss von 21 Millionen Euro.

Für Einleger ändert das nichts an der Sicherheit: Die bank99 ist Mitglied der gesetzlichen Einlagensicherung, gesichert sind 100.000 Euro pro Kunde. Wie gefestigt das Geschäftsmodell ist, zeigen die Ertragszahlen trotzdem besser als die Kundenzahl.

Sparzinsen und Kreditzinsen

Beim Sparen führt die bank99 zwei Produkte, und sie funktionieren grundverschieden.

fixsparen99 bindet das Geld ab 5.000 Euro und zahlt dafür laut Konditionen mit Stand September 2026 je nach Laufzeit 2,45 Prozent (6 Monate), 2,60 (9), 2,75 (12), 2,80 (24) oder 2,85 Prozent (36 Monate). Bei vorzeitiger Auflösung gelten 0,01 Prozent.

flexsparen99 ist ein Lockzinsmodell. Neukunden ohne anderes bank99-Produkt bekommen laut Konditionen mit Stand Oktober 2026 3,00 Prozent, allerdings nur für drei Monate; Bestandskunden 0,50 Prozent für drei Monate. Danach greift ein Basiszinssatz von 0,01 Prozent plus einem freiwilligen Bonuszins, den die Website mit 0,49 Prozent „bis 31.10.2026” angibt, ausdrücklich ohne Rechtsanspruch für die Zukunft. Vertraglich zugesagt sind nach drei Monaten also 0,01 Prozent - ein Dreihundertstel des Lockzinses.

Beim rundumkredit99 ist eine Eigenheit dokumentiert, die selten vorkommt: Die Zinssätze von 6,95 Prozent variabel (effektiv 7,78 Prozent im repräsentativen Beispiel über 10.000 Euro und 60 Monate) und 7,68 Prozent fix (effektiv 8,56 Prozent) gelten laut Produktseite bonitätsunabhängig und für alle Kunden gleich. Sonst ist der beworbene Satz üblicherweise der beste Fall, den nur ein Teil der Antragsteller bekommt. Der Rahmen liegt zwischen 3.000 und 50.000 Euro, das Rücktrittsrecht bei 28 Tagen.

Für die Wohnbaufinanzierung nennt die bank99 auf der Seite zum wohnkredit99 ein vollständiges repräsentatives Beispiel mit Stand 1. Mai 2026: 200.000 Euro über 20 Jahre, 4,91 Prozent variabel, effektiv 5,3559 Prozent.

KESt auf Wertpapiere und Vorsorgepartner

Ob die bank99 die Kapitalertragsteuer auf Wertpapiererträge abführt, steht auf ihrer Website nirgends. Rechtlich ist die Lage klar: Nach § 95 EStG ist die inländische depotführende Stelle abzugsverpflichtet, und die bank99 ist ein österreichisches Kreditinstitut. Eine ausdrückliche Zusage des Anbieters, wie sie easybank und DADAT auf ihren Seiten geben, gibt es hier aber nicht. Wer ein Depot eröffnen und sich auf den automatischen Abzug verlassen will, klärt das besser vorab. Eine Übersicht der Anbieter mit belegter Zusage steht unter steuereinfache Broker.

Bei den Vorsorgeprodukten nennt die bank99 als Partner die GRAWE - denselben Konzern, über den auch der Minderheitseigentümer mit ihr verbunden ist. Für eines der Produkte bleibt es allerdings bei der Formulierung von „einem starken Partner”, ohne Namen.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Gibt es bei bank99 ein kostenloses Konto?

Für Erwachsene nein. Das günstigste Modell ist das smartkonto99 mit 1,99 Euro im Monat, also 23,88 Euro im Jahr. Kostenlos sind nur das aktivkonto99 jugend bis zum 21. Geburtstag und das aktivkonto99 bildung für die Dauer der Ausbildung plus zwölf Monate, längstens bis zum 27. Geburtstag. Beide sind formal 6,39-Euro-Konten mit hundertprozentigem Rabatt.

Wem gehört die bank99?

Der Österreichischen Post AG zu 90 Prozent und der Schelhammer Capital Bank AG zu 10 Prozent. Die Post stieg 2019 über eine Kapitalerhöhung bei der Brüll Kallmus Bank AG ein und benannte sie im Februar 2020 in bank99 AG um. Der Minderheitsanteil lag ursprünglich bei 20 Prozent und wurde 2021 durch eine Kapitalerhöhung verwässert.

Hat die bank99 das Postgeschäft der BAWAG übernommen?

Nein. Die BAWAG P.S.K. beendete die Kooperation mit der Post im November 2017, die Entflechtung folgte 2018 und war laut BAWAG bis Jahresende 2019 abgeschlossen. Die Post schloss die entstandene Versorgungslücke mit einer eigenen Bank. Ein Übergang von Kunden oder Geschäft von der BAWAG an die bank99 fand nicht statt - anders als bei der ING Österreich, deren Privatkundengeschäft die bank99 zum 1. Dezember 2021 tatsächlich übernommen hat.

Was kostet Bargeld bei der bank99?

Beim smartkonto99 ist eine Behebung am Selbstbedienungsgerät pro Monat frei, jede weitere kostet 80 Cent. Am Schalter kostet jede Leistung 4,79 Euro, bei Bargeldeinzahlungen sind zwei pro Jahr frei. Beim topkonto99 für 15,98 Euro im Monat ist am Schalter alles kostenlos, beim balancekonto99 sind die Automaten frei und der Schalter kostenpflichtig.

Ist die bank99 profitabel?

Seit 2025. Das Jahresergebnis nach Steuern lag bei plus 1,1 Millionen Euro, nach minus 5,6 Millionen im Jahr davor. Es ist der erste Gewinn seit der Gründung 2020. Der aufgelaufene Bilanzverlust beträgt allerdings weiterhin 109 Millionen Euro, und im Jänner 2025 floss ein nicht rückzahlbarer Gesellschafterzuschuss von 21 Millionen Euro.

Führt die bank99 die Kapitalertragsteuer ab?

Als österreichisches Kreditinstitut trifft sie die gesetzliche Abzugspflicht nach Paragraf 95 EStG. Eine eigene Aussage dazu veröffentlicht die bank99 auf ihrer Website allerdings nicht, anders als etwa easybank oder DADAT. Wer darauf abstellt, sollte das vor der Depoteröffnung direkt klären.

Stand: