Holvi Österreich: Geschäftskonto ohne Banklizenz
Holvi ist ein finnisches Zahlungsinstitut, keine Bank. Was das für Einlagensicherung, IBAN und Kosten der vier Tarife bedeutet.
Holvi wird meist als Neobank beschrieben, und genau das ist der Punkt, an dem die Einordnung schiefgeht. Holvi Payment Services Oy ist ein Zahlungsinstitut, das von der finnischen Finanzaufsicht FIN-FSA zugelassen wurde, keine Bank. Das Konto ist ein Zahlungskonto, die darauf liegenden Beträge sind rechtlich keine Einlagen.
Für Selbstständige, die vor allem Rechnungen schreiben und Umsätze kategorisieren wollen, ist das kaum spürbar. Für die Frage, was im Insolvenzfall passiert, ist es der entscheidende Unterschied. Dazu kommt eine Zahl, die im Gratistarif leicht unterschätzt wird: 0,25 Euro pro Buchung, ein- und ausgehend.
Zahlungsinstitut, nicht Kreditinstitut
Im Fußbereich der österreichischen Preisübersicht steht die rechtliche Einordnung, die auf den Produktseiten selten auftaucht: Holvi wird von der FIN-FSA als autorisiertes Zahlungsinstitut beaufsichtigt, das angebotene Konto ist ein Zahlungskonto, und die darauf gehaltenen Beträge werden als getrennte Kundengelder geführt.
Was das bedeutet, ergibt sich aus zwei Regelwerken. Die österreichische Einlagensicherung erfasst nach dem Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz gedeckte Einlagen bis 100.000 Euro pro Einleger bei einem Mitgliedsinstitut, und Mitgliedsinstitute sind Kreditinstitute. Ein Zahlungsinstitut gehört nicht dazu.
Stattdessen greifen die Sicherungsanforderungen für Zahlungsinstitute, in Österreich geregelt in § 18 Zahlungsdienstegesetz 2018. Kundengelder dürfen zu keinem Zeitpunkt mit dem Vermögen des Instituts oder anderer Personen vermischt werden und müssen auf getrennten Konten liegen. Für Holvi gilt die finnische Umsetzung derselben europäischen Vorgabe.
Der praktische Unterschied lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Bei einer Bank hat der Einleger im Sicherungsfall einen Erstattungsanspruch gegenüber der Sicherungseinrichtung. Bei einem Zahlungsinstitut schützt die Trennung des Geldes vom Vermögen des Instituts. Holvi selbst beschreibt das so, dass die Gelder bei Partnerbanken liegen und dort durch die jeweilige Einlagensicherung geschützt seien. Diese Sicherung besteht allerdings im Verhältnis zwischen Partnerbank und Kontoinhaber, und Kontoinhaber des Sammelkontos ist nicht der einzelne Nutzer.
Drei Konsequenzen ergeben sich daraus für den Alltag:
- Keine Guthabenzinsen. Ein Zahlungskonto verzinst nicht.
- Kein Kredit, kein Überziehungsrahmen. Wer eine Finanzierung braucht, findet die Wege im Ratgeber Kredit für Selbstständige.
- Keine Bargeldeinzahlung über ein Filialnetz.
Die vier Tarife
| Tarif | monatlich | bei Jahreslaufzeit | IBANs | SEPA-Buchungen | Karten |
|---|---|---|---|---|---|
| Flex | 0 Euro | nicht verfügbar | 1 | je 0,25 Euro | 1 virtuelle |
| Lite | 9 Euro | 4,50 Euro | 2 | 100 inklusive | 1 klassische, 1 virtuelle |
| Pro | 15 Euro | 9 Euro | 5 | unbegrenzt | 3 klassische, 1 virtuelle |
| Business | 69 Euro | 59 Euro | 15 | unbegrenzt | 5 klassische, 20 virtuelle |
Preisübersicht von Holvi für Österreich, abgerufen am 04.09.2026. Alle Preise verstehen sich zuzüglich Umsatzsteuer.
Weitere IBANs kosten im Flex-Tarif 2 Euro pro Monat, in allen anderen 1 Euro. Eine zusätzliche klassische Karte kostet 3 Euro monatlich. Auslandsüberweisungen sind in 18 Währungen direkt möglich, die Fremdwährungsgebühr beträgt 1 Prozent, im Business-Tarif 0,5 Prozent. Im Pro-Tarif sind 500 E-Rechnungen enthalten, jede weitere kostet 0,50 Euro.
Ein Detail zur Vertragsbindung gehört dazu: Die günstigeren Jahrespreise bedeuten zwölf Monate Bindung ohne vorzeitige Kündigung. Lite, Pro und Business lassen sich 30 Tage ohne Grundgebühr testen.
Wann der Gratistarif der teuerste ist
Flex kostet nichts und wirkt deshalb wie die naheliegende Wahl für den Start. Der Tarif rechnet aber jede SEPA-Überweisung und jede Lastschrift mit 0,25 Euro ab, und zwar in beide Richtungen. Jede bezahlte Eingangsrechnung kostet 25 Cent, jede eingehende Kundenzahlung ebenfalls.
| Buchungen pro Monat | Flex | Lite monatlich | Pro monatlich |
|---|---|---|---|
| 20 | 5,00 Euro | 9,00 Euro | 15,00 Euro |
| 36 | 9,00 Euro | 9,00 Euro | 15,00 Euro |
| 60 | 15,00 Euro | 9,00 Euro | 15,00 Euro |
| 100 | 25,00 Euro | 9,00 Euro | 15,00 Euro |
Eigene Berechnung auf Basis der Anbieterpreise, Nettobeträge ohne Umsatzsteuer.
Die Schwellen lassen sich leicht merken: Bei monatlicher Abrechnung wird Lite ab 36 Buchungen günstiger als Flex, Pro ab 60. Wer sich auf die Jahreslaufzeit einlässt, erreicht die Schwellen schon bei 18 beziehungsweise 36 Buchungen. Zwischen Lite und Pro lohnt der Wechsel ab rund 124 Buchungen, weil Lite oberhalb der inkludierten 100 Buchungen wieder 0,25 Euro je Vorgang verrechnet.
Ein Ein-Personen-Unternehmen mit einer Handvoll Rechnungen pro Monat fährt mit Flex tatsächlich am günstigsten. Ein Handwerksbetrieb mit Materialeinkäufen, Lieferantenzahlungen und Kundenüberweisungen liegt schnell über 60 Buchungen und zahlt im Gratistarif das Doppelte des Pro-Tarifs.
Die IBAN kommt aus Finnland
Die Preisübersicht für Österreich weist zu jedem Tarif finnische IBANs aus, beginnend mit FI. Das ist rechtlich unproblematisch und praktisch gelegentlich lästig.
Unproblematisch, weil nach Artikel 9 der SEPA-Verordnung 260/2012 weder ein Zahler noch ein Zahlungsempfänger vorgeben darf, in welchem Mitgliedstaat das Zahlungskonto zu führen ist, sofern das Konto im SEPA-Raum erreichbar ist. Ein Auftraggeber darf eine Zahlung also nicht mit dem Argument verweigern, die IBAN sei nicht österreichisch, und dasselbe gilt für Einzugsermächtigungen.
Lästig, weil Formulare und Sachbearbeiter der Vorgabe nicht immer folgen. Wer Abgaben an das Finanzamt, Beiträge an die Sozialversicherung der Selbständigen oder Löhne über das Konto abwickelt, sollte vor der Umstellung prüfen, ob die eingesetzte Software mit einer ausländischen IBAN umgehen kann. Für Gutschriften aus dem Ausland ist die finnische IBAN ohnehin ohne Bedeutung.
Was im Konto steckt
Der eigentliche Grund, Holvi statt eines klassischen Firmenkontos zu wählen, liegt nicht im Zahlungsverkehr, sondern in den Funktionen darüber:
- Rechnungen und E-Rechnungen erstellen, versenden und nachverfolgen, im Format XRechnung oder ZUGFeRD
- Eingehende E-Rechnungen hochladen, prüfen, bezahlen und archivieren
- Belege per App fotografieren, kategorisieren und mit Notizen versehen
- Umsatzsteuer-Vorschau mit laufender Berechnung des Saldos, hilfreich für die Rücklage zur Voranmeldung
- Zugang für die Steuerberatung mit abgestuften Rechten, ohne Datenexport
- Berichte und Exporte: Kontoauszug, Buchungsjournal, Umsatzsteuerbericht, elektronischer Kontoauszug im Format camt.052
Für viele Solo-Selbstständige ersetzt diese Kombination eine eigene Buchhaltungssoftware. Genau darin liegt der Preisvorteil, nicht in den Kontogebühren.
Für wen es passt und für wen nicht
Holvi passt zu Einzelunternehmen, Freiberuflern und kleinen Gesellschaften, die ihre Belege ohnehin digital führen und die Umsatzsteuer im Blick behalten müssen. Der Flex-Tarif ist ein realistischer Einstieg, solange das Buchungsaufkommen niedrig bleibt.
Nicht geeignet ist Holvi, wenn Bargeld eine Rolle spielt, wenn ein Kontokorrentrahmen zur Überbrückung gebraucht wird oder wenn ein privates Girokonto gesucht wird. Und wer größere Beträge längere Zeit auf dem Geschäftskonto liegen lässt, sollte den Unterschied zwischen getrennten Kundengeldern und gesetzlicher Einlagensicherung bewusst abwägen und überschüssige Liquidität auf ein Tagesgeldkonto bei einem Kreditinstitut auslagern.
Quellen
- Holvi: Preise und Kontomodelle für Österreich, abgerufen am 04.09.2026
- Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz, Geltende Fassung im RIS
- § 18 Zahlungsdienstegesetz 2018, Sicherungsanforderungen
- Verordnung (EU) Nr. 260/2012, Artikel 9 zur IBAN-Diskriminierung
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Häufig gestellte Fragen
Ist Holvi eine Bank?
Nein. Holvi Payment Services Oy ist ein von der finnischen Finanzaufsicht FIN-FSA zugelassenes Zahlungsinstitut. Das Konto ist ein Zahlungskonto, kein Bankkonto. Kredite, Überziehungsrahmen und Guthabenzinsen gibt es deshalb nicht.
Sind meine Gelder bei Holvi durch die Einlagensicherung geschützt?
Die gesetzliche Einlagensicherung erfasst Einlagen bei Kreditinstituten, und Holvi ist keines. Die Kundengelder werden stattdessen getrennt vom Firmenvermögen bei Partnerbanken verwahrt. Diese Trennung ist der Schutzmechanismus, nicht ein Erstattungsanspruch gegenüber einer Sicherungseinrichtung.
Bekomme ich bei Holvi eine österreichische IBAN?
Die Preisübersicht für Österreich weist zu jedem Tarif finnische IBANs aus, Stand 4. September 2026. Nach der SEPA-Verordnung darf eine Zahlung nicht daran scheitern, dass das Konto in einem anderen Mitgliedstaat geführt wird.
Was kosten die Holvi-Tarife?
Flex kostet 0 Euro im Monat und rechnet jede SEPA-Buchung mit 0,25 Euro ab. Lite kostet 9 Euro, Pro 15 Euro und Business 69 Euro pro Monat, jeweils zuzüglich Umsatzsteuer. Bei jährlicher Laufzeit sinken die Preise auf 4,50, 9 und 59 Euro.
Ab wann lohnt sich ein bezahlter Tarif?
Bei monatlicher Abrechnung ist Lite ab 36 Buchungen im Monat günstiger als Flex, Pro ab 60. Bei jährlicher Laufzeit verschieben sich die Schwellen auf 18 und 36 Buchungen. Gezählt werden ein- und ausgehende Überweisungen und Lastschriften.
Für wen ist Holvi nicht geeignet?
Für alle, die Bargeld einzahlen, einen Kontokorrentrahmen oder eine Finanzierung brauchen, und für Privatpersonen. Holvi bietet ausschließlich Geschäftskonten für Selbstständige und Unternehmen.