EORI-Nummer Österreich 2026

EORI-Nummer Österreich 2026: Beantragung, Format, Kosten und wer sie braucht. Jetzt alles zur EORI-Nummer erfahren!

Aktualisiert: 03. April 2026 15 Min. Lesezeit

EORI-Nummer Österreich 2026: Der Ratgeber

Die EORI-Nummer ist ein unverzichtbarer Bestandteil des internationalen Handels. Wer in Österreich Waren aus Drittstaaten importiert oder dorthin exportiert, benötigt diese Kennnummer. Ob Unternehmen, Einzelunternehmer oder sogar Privatperson, die regelmäßig importiert: Ohne EORI-Nummer geht am Zoll nichts.

Was ist die EORI-Nummer?

EORI steht für Economic Operators Registration and Identification, also die Registrierung und Identifizierung von Wirtschaftsbeteiligten. Die EORI-Nummer wurde 2009 EU-weit eingeführt und ersetzt die zuvor in den einzelnen Mitgliedsstaaten verwendeten nationalen Zollnummern. Sie dient als einheitliche Kennung für alle Personen und Unternehmen, die am grenzüberschreitenden Warenverkehr mit Drittstaaten teilnehmen.

Die Rechtsgrundlage bildet die Verordnung (EU) Nr. 952/2013, der Unionszollkodex (UZK), sowie die Durchführungs- und Delegierte Verordnungen dazu. Die EORI-Nummer ist in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten gültig und wird in der zentralen EORI-Datenbank der Europäischen Kommission gespeichert. Es gibt keine zeitliche Begrenzung, die Nummer gilt grundsätzlich unbefristet.

Wer braucht eine EORI-Nummer?

Unternehmen

Jedes Unternehmen, das Waren aus Nicht-EU-Ländern importiert oder in Nicht-EU-Länder exportiert, benötigt eine EORI-Nummer. Das betrifft Handelsunternehmen, Industriebetriebe, Online-Händler, Landwirtschaftsbetriebe und alle anderen Firmen, die im internationalen Warenverkehr tätig sind.

Dabei ist es egal, ob es sich um große Konzerne oder kleine Einzelunternehmer handelt. Auch ein kleiner Schmuckhändler, der Silberware aus der Türkei importiert, oder ein Gastronom, der Spezialzutaten aus Thailand bezieht, benötigt eine EORI-Nummer.

Einzelunternehmer und Freiberufler

Auch Einzelunternehmer und Freiberufler, die Waren über die EU-Außengrenze bringen, sind registrierungspflichtig. In der Praxis betrifft das oft Online-Händler, die Waren aus China, den USA oder anderen Drittstaaten beziehen und in Österreich verkaufen.

Privatpersonen

Privatpersonen benötigen in der Regel keine EORI-Nummer. Ausnahmen bestehen, wenn regelmäßig Waren oberhalb der Freigrenze importiert werden. Für einzelne Sendungen aus dem Ausland, etwa Pakete von Amazon USA oder AliExpress, ist keine EORI-Nummer erforderlich, solange die Zollformalitäten von einem Spediteur oder dem Paketdienst übernommen werden. Erst wenn Sie als Privatperson regelmäßig selbst Zollanmeldungen abgeben, kann eine EORI-Nummer verlangt werden.

Spediteure und Zollagenten

Spediteure, Zollagenten und andere Dienstleister, die im Auftrag von Unternehmen oder Privatpersonen Zollanmeldungen erstellen, benötigen ebenfalls eine eigene EORI-Nummer. Diese Branche ist vollständig registrierungspflichtig.

Das Format der österreichischen EORI-Nummer

Die EORI-Nummer folgt einem EU-weit einheitlichen Format: Zwei Buchstaben als Ländercode, gefolgt von einer nationalen Kennung. In Österreich ist das Format:

AT + Steuernummer des Unternehmens

Beispiel: AT1234567

Für Unternehmen mit einer bestehenden Steuernummer beim Finanzamt ist die EORI-Nummer somit direkt ableitbar. Das erleichtert die Zuordnung und vermeidet Verwechslungen. Bei Privatpersonen oder Unternehmen ohne österreichische Steuernummer wird eine gesonderte Kennung vergeben.

Beantragung der EORI-Nummer in Österreich

Die Beantragung erfolgt beim Zollamt Österreich, das Teil des Bundesministeriums für Finanzen ist. Es gibt mehrere Wege:

Über FinanzOnline

Der einfachste Weg ist die elektronische Beantragung über FinanzOnline, das österreichische Online-Portal der Finanzverwaltung. Unternehmen, die bereits bei FinanzOnline registriert sind, können dort den Antrag auf EORI-Registrierung stellen. Die Bearbeitung dauert in der Regel wenige Werktage.

Per Formular

Alternativ kann der Antrag per Formular gestellt werden, das auf der Website des Zollamts Österreich (www.bmf.gv.at) zum Download bereitsteht. Dieses Formular wird ausgefüllt und per Post oder E-Mail an das zuständige Zollamt geschickt. Die notwendigen Unterlagen umfassen:

  • Firmenbuchauszug oder Gewerbeanmeldung
  • Steuernummer
  • UID-Nummer
  • Kontaktdaten und Ansprechperson
  • Gegebenenfalls Vollmacht, wenn ein Vertreter den Antrag stellt

Kosten

Die Beantragung der EORI-Nummer ist in Österreich kostenlos. Es fallen keine Gebühren an, weder für die erstmalige Registrierung noch für spätere Änderungen.

Bearbeitungsdauer

Die Bearbeitungsdauer beträgt in der Regel 3 bis 5 Werktage. In Ausnahmefällen, etwa bei unvollständigen Unterlagen, kann es länger dauern. Nach der Registrierung wird die EORI-Nummer schriftlich oder elektronisch mitgeteilt und ist ab sofort gültig.

Wofür wird die EORI-Nummer verwendet?

Die EORI-Nummer kommt in zahlreichen Zoll-Situationen zum Einsatz:

Zollanmeldungen

Bei jeder Einfuhr- und Ausfuhranmeldung muss die EORI-Nummer angegeben werden. Ohne gültige EORI-Nummer wird die Zollanmeldung abgelehnt.

Intrastat-Meldungen

Für die statistische Erfassung des innergemeinschaftlichen Handels (Intrastat) wird die EORI-Nummer ebenfalls verwendet. Unternehmen, die Waren zwischen EU-Mitgliedsstaaten versenden oder empfangen und bestimmte Schwellenwerte überschreiten, müssen monatliche Intrastat-Meldungen abgeben.

Bewilligungen und Vereinfachungen

Wer zollrechtliche Bewilligungen beantragt, etwa für ein Zolllager, eine zugelassene Wirtschaftsbeteiligte-Bewilligung (AEO) oder vereinfachte Verfahren, muss eine EORI-Nummer vorweisen.

Kommunikation mit dem Zollamt

Die EORI-Nummer dient als Referenz bei der gesamten Kommunikation mit den Zollbehörden in der EU. Sie ist eine Art Kundennummer beim Zoll.

Unterschied EORI-Nummer, UID-Nummer und Steuernummer

In der Praxis herrscht oft Verwirrung zwischen verschiedenen Nummern. Eine Klarstellung:

  • EORI-Nummer: Kennung für den Zollverkehr (Import/Export aus/in Drittstaaten). Format: AT + Steuernummer.
  • UID-Nummer: Umsatzsteuer-Identifikationsnummer für den innergemeinschaftlichen Handel (EU-Binnenmarkt). Format: ATU + 8 Ziffern.
  • Steuernummer: Die allgemeine Steuernummer des Finanzamts, unter der alle steuerlichen Vorgänge laufen.

Diese Nummern erfüllen unterschiedliche Zwecke und sind nicht austauschbar. Für den Import aus China benötigen Sie die EORI-Nummer, für den Kauf von Waren aus Deutschland die UID-Nummer, und für die Einkommensteuer die Steuernummer.

EORI-Nummer prüfen und verifizieren

Die Europäische Kommission betreibt eine öffentliche EORI-Datenbank, in der die Gültigkeit jeder EORI-Nummer überprüft werden kann. Die Abfrage ist kostenlos und erfolgt über die Website der EU-Kommission. Das ist nützlich, um die EORI-Nummer eines Geschäftspartners zu verifizieren oder die eigene Registrierung zu bestätigen.

EORI-Nummer und E-Commerce

Seit dem 1. Juli 2021 gelten neue Zollregeln für den Online-Handel. Der Import-One-Stop-Shop (IOSS) wurde eingeführt, um die Mehrwertsteuerabwicklung für Online-Bestellungen aus Drittstaaten zu vereinfachen. Für den IOSS ist in der Regel eine EORI-Nummer erforderlich. Online-Händler, die Waren unter 150 Euro aus Drittstaaten an EU-Verbraucher verkaufen, können über den IOSS die Umsatzsteuer in der gesamten EU abwickeln.

EORI-Nummer und Brexit

Seit dem Brexit am 1. Jänner 2021 ist das Vereinigte Königreich ein Drittstaat. Für den Handel zwischen Österreich und UK ist eine EORI-Nummer zwingend erforderlich, sowohl für Import als auch für Export. Unternehmen, die vorher nur innergemeinschaftlichen Handel mit UK betrieben haben, mussten sich erstmals eine EORI-Nummer besorgen. Das betrifft auch österreichische KMU, die bislang nur UK-Kunden bedient hatten.

Änderung und Löschung der EORI-Nummer

Änderungen der Unternehmensdaten (Firmenwortlaut, Adresse, Rechtsform) müssen dem Zollamt gemeldet werden, damit die EORI-Daten aktuell bleiben. Die EORI-Nummer selbst ändert sich dabei meist nicht, solange die Steuernummer gleich bleibt.

Bei Geschäftsaufgabe oder Liquidation eines Unternehmens kann die EORI-Nummer beim Zollamt gelöscht werden. Dies ist sinnvoll, um Missbrauch zu verhindern.

Häufige Fehler und Probleme

Häufige Probleme bei der EORI-Nummer sind:

  • Unternehmen vergessen, rechtzeitig eine EORI-Nummer zu beantragen, und stehen dann bei der ersten Sendung ohne Registrierung da.
  • Die Daten in der EORI-Datenbank stimmen nicht mit den aktuellen Unternehmensdaten überein, was zu Verzögerungen beim Zoll führt.
  • Verwechslung von EORI-, UID- und Steuernummer.
  • Spediteuren wird die falsche EORI-Nummer übermittelt.

Tipps und Best Practices

  • Beantragen Sie die EORI-Nummer frühzeitig, bevor Sie die erste Sendung erwarten.
  • Halten Sie Ihre Daten in der EORI-Datenbank aktuell.
  • Teilen Sie Ihrem Spediteur und Ihren ausländischen Geschäftspartnern Ihre EORI-Nummer proaktiv mit.
  • Überprüfen Sie die EORI-Nummer Ihrer Partner in der EU-Datenbank.
  • Bewahren Sie den Registrierungsbescheid auf.

EORI-Nummer für AEO-Status

Der Status des Zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (AEO, Authorised Economic Operator) ist eine zollrechtliche Bewilligung für besonders zuverlässige Unternehmen. AEO-zertifizierte Firmen erhalten Erleichterungen bei der Zollabwicklung. Voraussetzung für den AEO-Antrag ist eine gültige EORI-Nummer.

Zuständige Stellen

In Österreich ist das Zollamt Österreich (Bundesministerium für Finanzen) für die Vergabe und Verwaltung der EORI-Nummern zuständig. Bei Fragen können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Zollamt Österreich, Dienststelle Klagenfurt (zentrale EORI-Stelle)
  • FinanzOnline-Hotline
  • Website bmf.gv.at

EORI und die neue EU-Zollreform 2026

Die Europäische Kommission hat 2025 eine umfassende Zollreform angekündigt, die schrittweise ab 2026 umgesetzt wird. Zu den wichtigsten Neuerungen gehören:

  • EU Customs Data Hub: Eine zentrale Datenplattform, die alle zollrelevanten Informationen bündelt. Die EORI-Nummer wird als Schlüsselidentifikator in dieser Plattform verwendet.
  • Trusted Trader Programme: Eine Weiterentwicklung des AEO-Programms mit erweiterten Erleichterungen für besonders vertrauenswürdige Unternehmen.
  • E-Commerce-Vereinfachungen: Neue Regelungen für Online-Plattformen, die als deemed importer gelten und die Zollanmeldung für ihre Händler übernehmen.

Für österreichische Unternehmen bedeutet die Reform, dass die EORI-Nummer noch wichtiger wird. Wer noch keine hat, sollte sie zeitnah beantragen.

EORI-Nummer für Online-Händler

Mit dem Boom des E-Commerce sind immer mehr österreichische Unternehmen im grenzüberschreitenden Online-Handel aktiv. Wer Waren aus China über Alibaba, von US-Herstellern oder aus anderen Drittstaaten bezieht und in Österreich oder der EU verkauft, braucht zwingend eine EORI-Nummer.

Dropshipping

Beim Dropshipping bestellt der Händler Waren erst nach dem Verkauf und lässt sie direkt vom Lieferanten an den Endkunden liefern. Auch hier ist eine EORI-Nummer erforderlich, wenn die Ware aus einem Drittstaat kommt. Die Zollanmeldung muss entweder der Händler oder ein beauftragter Spediteur übernehmen.

Amazon FBA und Zoll

Wer Amazon FBA (Fulfillment by Amazon) nutzt und Waren aus Drittstaaten in Amazon-Lager importiert, benötigt eine EORI-Nummer. Amazon übernimmt in der Regel nicht die Zollanmeldung; der Verkäufer ist dafür selbst verantwortlich. Ein erfahrener Spediteur oder Zollagent kann hier unterstützen.

Schritt-für-Schritt: EORI-Nummer beantragen

Hier eine detaillierte Anleitung zur Beantragung über FinanzOnline:

  1. FinanzOnline aufrufen: Loggen Sie sich unter finanzonline.bmf.gv.at ein.
  2. Antragseingabe: Navigieren Sie zum Bereich Zoll und wählen Sie EORI-Registrierung.
  3. Daten eingeben: Tragen Sie Ihre Unternehmensdaten ein, insbesondere Firmenwortlaut, Rechtsform, Adresse und Steuernummer.
  4. Kontaktperson angeben: Benennen Sie eine Ansprechperson für zollrechtliche Fragen.
  5. Antrag absenden: Nach Prüfung der Eingaben senden Sie den Antrag ab.
  6. Bestätigung erhalten: Sie erhalten innerhalb weniger Tage eine Bestätigung mit Ihrer EORI-Nummer.

Falls Sie noch keinen FinanzOnline-Zugang haben, müssen Sie diesen zunächst einrichten. Das geht entweder über Ihre Steuerberatung oder direkt beim Finanzamt.

EORI-Nummer und Zollsoftware

Professionelle Zollsoftware wie BEO Dakosy, dbh BEO oder IT2 benötigt die EORI-Nummer als zentralen Identifikator. Auch Spediteure und Zollagenten arbeiten in ihren Systemen mit der EORI-Nummer. Stellen Sie sicher, dass Ihre EORI-Nummer korrekt in allen relevanten Systemen hinterlegt ist, um Verzögerungen bei der Zollabfertigung zu vermeiden.

EORI-Nummer bei Geschäftspartnern und Lieferanten

Teilen Sie Ihre EORI-Nummer proaktiv an alle relevanten Geschäftspartner mit. Insbesondere:

  • Ausländische Lieferanten, die Waren direkt nach Österreich liefern
  • Spediteure und Logistikdienstleister
  • Zollagenten und Customs Broker
  • Geschäftspartner innerhalb der EU (für Intrastat-Meldungen)

Umgekehrt sollten Sie die EORI-Nummern Ihrer Geschäftspartner kennen und in der EU-Datenbank verifizieren. Das schützt vor Betrug und stellt sicher, dass Ihre Handelspartner seriös registriert sind.

Häufige Missverständnisse

Gilt die EORI-Nummer nur für Deutschland?

Nein, die EORI-Nummer ist EU-weit gültig. Eine in Österreich registrierte EORI-Nummer kann für Zollanmeldungen in jedem anderen EU-Mitgliedsstaat verwendet werden.

Brauche ich eine EORI-Nummer für den Handel innerhalb der EU?

Grundsätzlich nicht. Für den Handel innerhalb des EU-Binnenmarktes wird die UID-Nummer verwendet, nicht die EORI-Nummer. Allerdings kann die EORI-Nummer für Intrastat-Meldungen erforderlich sein, wenn bestimmte Meldeschwellen überschritten werden.

Kann ich mit einer deutschen EORI-Nummer in Österreich importieren?

Ja, da die EORI-Nummer EU-weit gültig ist. Allerdings ist es üblich, dass Unternehmen die EORI-Nummer des Landes verwenden, in dem sie ihren Sitz haben. Wenn Sie in Österreich ansässig sind, sollten Sie eine österreichische EORI-Nummer beantragen.

Die EORI-Nummer ist für alle Unternehmen und Einzelunternehmer in Österreich, die im internationalen Warenverkehr mit Drittstaaten tätig sind, unerlässlich. Die Beantragung ist kostenlos, einfach und dauert nur wenige Tage. Mit einer gültigen EORI-Nummer sind Sie für den Import und Export bestens gerüstet. Achten Sie darauf, Ihre Daten aktuell zu halten und die Nummer rechtzeitig zu beantragen. In Zeiten wachsenden E-Commerce und internationaler Handelsbeziehungen wird die Bedeutung der EORI-Nummer weiter zunehmen. Informieren Sie sich auch über ergänzende Themen wie AEO-Status, IOSS und Zollbewilligungen, um Ihre Handelsabläufe zu optimieren.

EORI-Nummer und Zollstatistik

Die EORI-Nummer ist auch für statistische Zwecke relevant. Die EU nutzt die gesammelten Handelsdaten für die Erstellung von Außenhandelsstatistiken. Diese Statistiken sind öffentlich zugänglich und liefern wertvolle Informationen über Handelsströme, Warengruppen und Herkunftsländer. Für Unternehmen können diese Daten bei der Marktanalyse und strategischen Planung hilfreich sein.

EORI und Präferenzzölle

Bei der Nutzung von Freihandelsabkommen (z.B. EU-Japan EPA, EU-Kanada CETA, EU-UK TCA) ist die EORI-Nummer ein zentrales Identifikationsmerkmal. Importeure, die Präferenzzölle in Anspruch nehmen wollen, müssen ihre EORI-Nummer bei der Zollanmeldung angeben und die Ursprungsnachweise vorlegen. Die korrekte Nutzung von Präferenzen kann erhebliche Kostenersparnisse bringen, erfordert aber eine sorgfältige Dokumentation.

EORI für Kleinunternehmer und Start-ups

Viele Kleinunternehmer und Start-ups, die erstmals Waren aus Drittstaaten importieren, unterschätzen den administrativen Aufwand. Die EORI-Nummer ist nur der erste Schritt. Außerdem müssen Unternehmen Zollanmeldungen korrekt erstellen, Warenklassifizierungen (TARIC-Codes) vornehmen, Ursprungsregeln beachten und gegebenenfalls Bewilligungen beantragen. Es empfiehlt sich, einen erfahrenen Spediteur oder Zollagenten als Partner zu wählen, der bei den ersten Importen unterstützt und bei Fragen zur Seite steht.

EORI und Datenschutz

Die in der EORI-Datenbank gespeicherten Daten unterliegen den europäischen Datenschutzbestimmungen (DSGVO). Unternehmensdaten wie Name und Adresse sind öffentlich abfragbar, personenbezogene Daten von Einzelunternehmern können auf Antrag eingeschränkt werden. Die Europäische Kommission ist als Verantwortlicher für die Datenbank zuständig, die nationalen Zollbehörden für die Erhebung und Pflege der Daten.

EORI in der Praxis: Fallbeispiele

Fallbeispiel 1: Online-Händler importiert aus China

Ein Wiener Online-Shop für Elektronikzubehör importiert regelmäßig Ware aus Shenzhen. Der Händler beantragt eine EORI-Nummer über FinanzOnline, teilt sie seinem chinesischen Lieferanten und dem Spediteur mit und kann innerhalb weniger Tage reibungslos importieren.

Fallbeispiel 2: Gastronom bezieht Spezialzutaten aus Thailand

Ein thailändisches Restaurant in Graz importiert zweimal jährlich Gewürze und Soßen aus Bangkok. Auch für diese gelegentlichen Importe ist eine EORI-Nummer erforderlich, die einmalig beantragt wird und unbefristet gültig ist.

Fallbeispiel 3: Start-up exportiert Sportartikel in die Schweiz

Ein Salzburger Start-up exportiert innovative Skiausrüstung in die Schweiz. Da die Schweiz kein EU-Mitglied ist, benötigt das Start-up eine EORI-Nummer für die Ausfuhranmeldung.

EORI-Nummer und Nachhaltigkeit

Im Kontext der wachsenden EU-Nachhaltigkeitsregulierung wird die EORI-Nummer zunehmend auch für Umwelt- und Nachhaltigkeitsnachweise relevant. Der CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) nutzt die EORI-Nummer als Identifikator für die Erfassung der CO2-Emissionen importierter Waren. Importeure von Stahl, Aluminium, Zement und anderen CBAM-relevanten Waren müssen ihre EORI-Nummer bei der vierteljährlichen CBAM-Berichterstattung angeben. Dies zeigt, wie die EORI-Nummer über den traditionellen Zollbereich hinaus an Bedeutung gewinnt.

EORI-Nummer und digitale Transformation

Die europäische Zollverwaltung befindet sich in einer umfassenden digitalen Transformation. Die EORI-Nummer wird zum zentralen Identifikator in einer zunehmend vernetzten digitalen Zolllandschaft. Blockchain-basierte Lieferkettenverifikation, KI-gestützte Risikoanalyse und automatisierte Zollabfertigung werden die Zukunft des internationalen Handels prägen. Für österreichische Unternehmen ist es wichtig, auf diese Entwicklungen vorbereitet zu sein und ihre digitalen Systeme entsprechend auszurüsten.

EORI und Zollbewilligungen im Zusammenhang

Wer bestimmte zollrechtliche Vereinfachungen nutzen möchte, braucht neben der EORI-Nummer auch spezielle Bewilligungen. Die wichtigsten sind:

  • AEO-C (Authorised Economic Operator - Customs): Zollvereinfachungen bei der Abfertigung
  • AEO-S (Authorised Economic Operator - Security): Erleichterungen bei Sicherheitskontrollen
  • AEO-F (AEO Full): Kombination aus AEO-C und AEO-S
  • Vereinfachte Anmeldung: Ermöglicht eine reduzierte Datenanforderung bei der Zollanmeldung
  • Zolllager: Bewilligung zur Einlagerung von Waren ohne sofortige Abgabenentrichtung
  • Aktive Veredelung: Bewilligung zur zollfreien Verarbeitung von Importwaren

Alle diese Bewilligungen setzen eine gültige EORI-Nummer voraus. Der Antragsprozess variiert je nach Bewilligung, die Bearbeitungszeit kann mehrere Wochen bis Monate betragen. Die Investition lohnt sich besonders für Unternehmen mit hohem und regelmäßigem Import- oder Exportvolumen.

EU-Binnenmarkt und Warenverkehr

Im Gegensatz zum Drittstaatenhandel ist der Warenverkehr innerhalb des EU-Binnenmarktes weitgehend frei von Zöllen und Grenzkontrollen. Waren, die in einem EU-Mitgliedsstaat im freien Verkehr sind, können ohne Zollformalitäten in jeden anderen Mitgliedsstaat transportiert werden. Das betrifft den Großteil des österreichischen Handels, da rund 70 Prozent der Exporte und Importe mit anderen EU-Ländern abgewickelt werden.

Ausnahmen bestehen bei verbrauchsteuerpflichtigen Waren (Alkohol, Tabak, Mineralöl), für die besondere Regeln und Begleitdokumente gelten. Auch bei Waren, die unter Exportkontrolle stehen (Dual-Use-Güter, Waffen), gelten spezielle Vorschriften.

Für den innergemeinschaftlichen Handel wird die UID-Nummer (Umsatzsteuer-Identifikationsnummer) verwendet, nicht die EORI-Nummer. Die Intrastat-Meldepflicht besteht für Unternehmen, die bestimmte Schwellenwerte bei der Ein- oder Ausfuhr innerhalb der EU überschreiten. In Österreich liegen diese Schwellenwerte bei 1.100.000 Euro für Versendungen und 1.100.000 Euro für Eingänge im Kalenderjahr.

Nützliche Websites und Ressourcen

Für den österreichischen Zollbereich sind folgende Websites besonders hilfreich:

  • bmf.gv.at: Die zentrale Website des Bundesministeriums für Finanzen mit umfassenden Informationen zum Zoll.
  • finanzonline.bmf.gv.at: Das Online-Portal für alle steuerlichen und zollrechtlichen Angelegenheiten.
  • ec.europa.eu/taxation_customs: Die EU-Kommission bietet umfangreiche Informationen zum europäischen Zollrecht.
  • trade.ec.europa.eu/access-to-markets: Informationen zu Marktzugang und Zollsätzen für verschiedene Länder.
  • wko.at: Die Wirtschaftskammer Österreich bietet Beratung für exportierende und importierende Unternehmen.
  • aussenhandel.wko.at: Spezielle Außenhandelsberatung mit Länderinformationen.

EORI-Nummer: Zusammenfassung und Checkliste

Bevor Sie Ihre erste Einfuhr oder Ausfuhr aus einem Drittstaat tätigen, stellen Sie sicher, dass folgende Punkte erledigt sind:

  1. EORI-Nummer über FinanzOnline beantragt und erhalten
  2. Nummer an Spediteur und Zollagenten mitgeteilt
  3. Nummer in der EU-EORI-Datenbank verifiziert
  4. Unternehmensdaten aktuell und korrekt in der Datenbank
  5. Geschäftspartner-EORI-Nummern verifiziert
  6. Zollsoftware oder Spediteur mit EORI-Nummer konfiguriert
  7. Mitarbeiter über die Bedeutung der EORI-Nummer informiert
  8. Regelmäßige Überprüfung der Datenaktualität eingeplant

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Häufig gestellte Fragen

Was ist die EORI-Nummer?

Die EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification) ist eine einzigartige Kennnummer für Wirtschaftsbeteiligte im Zollverkehr der EU. Sie ist Pflicht für alle, die Waren ein- oder ausführen.

Wie beantrage ich eine EORI-Nummer in Österreich?

Die EORI-Nummer wird beim österreichischen Zollamt über FinanzOnline oder schriftlich beantragt. Die Bearbeitung dauert wenige Tage und ist kostenlos.

Wie ist das Format der österreichischen EORI-Nummer?

Das Format ist AT gefolgt von der Steuernummer des Unternehmens, zum Beispiel AT1234567. Bei Privatpersonen wird eine eigene Kennung vergeben.

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Redaktion finanzinfo.at

Chefredakteur finanzinfo.at

Martin Höllinger ist Finanzjournalist und Gründer von finanzinfo.at. Er ist spezialisiert auf österreichisches Steuerrecht, Geldanlage und Finanzvergleiche.